Neuanfang wagen

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Neuanfang wagen

Liebe Gemeinde,
im Leben gibt es immer wieder Neuanfänge. Manchmal im Beruf, manchmal in der Familie, manchmal auch mit der Gesundheit und manchmal an ganz anderer Stelle. Es gibt sie in den verschiedensten Situationen des Lebens.
Manchmal sind diese Neuanfänge gewollt und manchmal ungewollt.
Manchmal wünscht sich sogar einer in bestimmten Situationen seines Lebens, dass er auf den Reset-Knopf drücken und noch einmal von vorn beginnen könnte.
Wer neu anfängt, steht einmal vor der Herausforderung des Neubeginns einer neuen Aufgabe.
Aber er steht auch vor dem Aufgeben – denn auch das Aufgeben des Alten ist ebenfalls eine große Herausforderung.
Er steht vor der Herausforderung der Aufgabe des Gewohnten. Manchmal heißt es das:
Hergeben der Heimat:
Aufgeben der Geborgenheit,
Aufgeben des Angebundenseins und
Aufgeben von Sicherheit.
Mit dem Aufgeben ist also ein Lebensrisiko verbunden. Und wir Menschen reagieren ganz unterschiedlich darauf.
Die einen schreiten munter darauf los. Die anderen hätten gern ein Netz mit doppelten Boden, das sie bei den Unwägsamkeiten des Lebens auffängt.
Wenn wir als Christen unsere Kinder taufen, erlebe ich es manchmal, dass es der Wunsch der Eltern ist, dass sie so ihren Kindern ein Netz mit auf den Lebensweg mitgeben möchten. Wenn wir ehrlich sind, welche Eltern wünschten sich das nicht für ihre Kinder.
Man kann als Eltern sogar für die Kinder etwas tun, egal ob diese klein oder groß sind: Eltern und auch Großeltern können für ihre Kinder beten und Gott um seinen Segen bitten.
Jeder von uns hat Neuanfänge in seinem Leben. Manchmal sind es große, die das Leben verändern, manchmal sind es kleine Neuanfänge, die den Augenblick verändern.
Auch der Tod eines nahen Angehörigen führt zu einem Neuanfang – man muss sich auf den Verlust einstellen und man muss manches neuordnen.
Oder die Geburt eines Kindes und sein Wachsen verändert unser Leben und macht es neu und reich.
Einer, der einen richtig großen Neuanfang in seinem Leben erlebte, war ein Mann aus der Bibel – es war Abraham. Wir hören von ihm in 1. Mose 12,1-4a:
1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.
2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.
3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.
Abraham hieß damals ja noch Abram. Und am Anfang seines Neuanfangs steht eine radikale Forderung an ihn. Es ist die Forderung Gottes einen radikalen Schnitt in seinem Leben zu machen. Er soll mit seiner Vergangenheit abschließen. Mit allem, was ihm wert und wichtig war soll er Schluss zu machen.
Er sollte mit seiner Vergangenheit einen radikalen Schnitt machen. Einen absoluten Schlussstrich ziehen. Auch mit seiner Familie, auch mit Mutter und Vater, eigentlich auch mit der Familie seines Bruders, denn der Bruder Haran selber war gestorben. Doch ganz gelingt es ihm nicht. Der Neffe Lot zieht mit und wird ihn noch viele Schwierigkeiten bereiten. Abraham soll alles hinter sich lassen, was bisher gewesen ist, auch die Familie.
Wenn sie ein Familienmensch sind, würden sie so etwas besonders schlimm empfinden.
Ich habe einen Cousin, der ist vor 5 Jahren nach Neuseeland ausgewandert. Der hat einmal so einen Schlussstrich gezogen. Nun die SocialMedias von heute erleichtern so etwas. Mittlerweile hat er dort beruflich soviel Erfolg, dass er es sich jetzt umgekehrt leisten kann, über ein halbes Jahr wieder in Deutschland bei seiner Familie Urlaub zu machen. Aber nicht bei jedem funktioniert das so.
Manchmal ist es im Leben dennoch notwendig, so einen radikalen Schritt zu tun. Auf jeden Fall musste sich auch hier Abraham entscheiden.
Er musste sich jetzt fragen: Wage ich es diesen Schritt und vertraue ich diesen Gott, der mich hier anspricht? Kann ich den Verheißungen vertrauen, die er mir hier zusagt und mir mit auf den Weg gibt?
seinen Segen
Einen großen Namen
Ein großes Volk
Zum Segen für andere zu werden
Ein Restrisiko bleibt auf jeden Fall – und ein Wagnis ist es immer.
Manchmal werden ja Menschen zu einem Neuanfang gezwungen. Denken wir nur 70 Jahre zurück, als viele Menschen aus Ostpreußen, Schlesien und anderen östlichen Gebieten ihre Heimat verlassen mussten. Alles hinter sich lassen. Den geliebten Bauernhof, den Kirchturm des Dorfes, in dem aufgewachsen ist, manchen Familienangehörigen, der bei der Flucht verloren gegangen oder gestorben ist.
Auch in der Neuzeit verlieren viele Menschen als Flüchtlinge ihre Heimat, ihre Geborgenheit. Und zwar ohne die Verheißungen, die Abraham erhalten hat.
Nun das Ergebnis der europäischen Politik vorgestern, ist für dieses Thema auch nicht das Beste und der große Wurf.
Wir leben im Jahrhundert der größten Fluchtbewegung auf dieser Welt.
Aber auch Abraham tat diesen Schritt des Neuanfangs nicht absolut, sondern schrittweise. Erst zog er mit der Familie von Ur nach Haran. Da zog ja auch noch seinen Vater mit. Erst als dieser gestorben war, zog er weiter. Und wie gesagt, dann begleitet ihn sein Neffe Lot weiter, der ihm aber leider nur Schwierigkeiten bereitete und zum Klotz am Bein wurde, so dass sie sich dann auch trennten.
Verlassen und etwas aufgeben – wer tut das von uns gern? Nehmen wir nicht viel lieber das Alte in unserem Leben mit? Auch wenn es für unsere Zukunft hinderlich ist? Tragen wir nicht gern den Rucksack unseres Lebens, auch wenn er uns noch so drückt?
Oder sind wir bereit ihn abzugeben? Sind wir bereit ihn an Gott abzugeben? Sind wir bereit, zu sagen: „Hier, mein Gott, hast Du den Rucksack meines Lebens, meine Vergangenheit, meine Lebensgeschichte, meine Familie, alles was mir bisher im Leben wichtig war – mach Du daraus das Beste, was du willst?
Sind wir bereit unsere Lebensgeschichte aufzugeben um Gott gegenüber frei zu sein?
Natürlich birgt das ein Risiko in sich.
Für Abraham war das so. Er hatte nun keinen Ort mehr, wo er sich fest machen konnte. Einzig eine Begräbnisstätte, wo er einmal begraben werden sollte, konnte er noch sein Eigen nennen. Er war jetzt ein wandernder Nomade, der ganz und gar nur den Verheißungen Gottes vertraute:
das Land, das ich dir zeigen werden
ich will dich zum großen Volk machen
ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein
Und auch für uns birgt das Loslassen und das Gottvertrauen ein Risiko:
Sind wir bereit so einen Schritt zu tun?
Sind wir bereit es zu tun?
Sind wir bereit uns von Gott rufen zu lassen?
Sind wir bereit in die Nachfolge Jesu zu treten?
In Markusevangelium Kapitel 9, 23 sagt Jesus: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“
Und genau darum geht es, um diesen Glauben und um dieses Gottesvertrauen. Da geht es um das Wagnis des Glaubens. Jesus sagt dies Worte als ein Vater ihn um die Heilung seines epileptischen Sohnes bittet. Auch er verlässt alles und wagt sich auf Jesus einzulassen. Die Antwort des Vaters auf die Worte Jesu waren: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“
Ich denke gerade in solchen Situationen des Lebens werden wir das auch oft sagen: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“.
Die Neuanfänge unseres Lebens beginnen oft ohne irgendwelche Verheißungen. Sicher versuchen wir manches durchzukalkulieren. Wir überschlagen und hoffen, dass es so aufgeht, wie wir es planen und schätzen. Aber wir wissen nicht jeder Neuanfang ist 100% durchkalkulierbar. Es gibt noch viele Ungereimtheiten. Zu einem Neuanfang gehört das Risiko des Versagens dazu. Das müssen wir uns auch eingestehen.
Der Weg zum Erfolg ist mit viel Versagen gepflastert. Das können die Menschen bestätigen, die in ihrem Leben wirklich bleibenden Erfolg hatten. Wieviel Misserfolg hatten sie, bevor sie dann Erfolg hatten.
Aber vielleicht sollten wir uns auch ein Stück mit hineinnehmen, dass auch wir unsere Neuanfänge im Leben unter Gottes Wegweisung und Segensverheißung beginnen.
„Alles ist möglich, dem der da glaubt.“ Darum sollten wir uns heute auffordern lassen: „Glaubt an die Segenszusagen Gottes!“
Das heißt natürlich auch, dass ich dann auch frage, was will den Gott, dass ich in meinem Neuanfang tue!
Gott verlangt von Abraham viel Gottvertrauen, denn Abraham bekommt viele Zusagen, die eigentlich total unmöglich sind.
Die erste Aussage ist die Zusage der Wegweisung: Gehe los – ich werde dich führe, aber ich sage noch nicht wohin, nur soviel in ein Land, das ich dir zeigen werde.
Und die zweite ist noch steiler, denn eigentlich war ja Abraham ein alter Mann und die biologische Uhr seiner Frau ist schon lange abgelaufen. Dennoch bekommt er die Zusage: Ich will dich zu einem großen Volk machen. Da wird er wirklich auf eine Geduldsprobe gestellt. Da muss er sich entscheiden: Glaubt er der Zusage Gottes oder glaubt er nicht? Wir wissen um sein Zweifeln daran, und wie er versucht hat nachzuhelfen. Aber am Ende vertraut er doch darauf und wird belohnt.
Die dritte Aussage ist die Segensverheißung, die er erfährt. Und dass trotz des Auf und Ab in seinem Leben, trotz des Vertrauen und trotz der Zweifel, trotz des Versagens, und trotz des Glaubens, den wir bei ihm finden, trotz dass wir auch bei ihm finden: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ – und er so zum Vater des Glaubens wird.
Wir spüren, wie es am Ende seines Lebens deutlich wird, dass er aus der Gnade Gottes gelebt hat.
Von Abraham heiß es jetzt hier an dieser Bibelstelle: „Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte!" Er tat es gegen den Augenschein, gegen alle menschliche Vernunft und mit Sicherheit auch gegen den Rat mancher Freunde.
Auch uns ruft Gott, und sein Segen für uns hängt davon ab, ob wir uns von ihm rufen lassen: „Alles ist möglich dem, der da glaubt.“
Amen.
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