Der neue Bund

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Liebe Gemeinde,
ich habe einmal im Internet nach dem Wort Bund recherchiert. Dabei habe ich erfahren, dass dieses Wort im Deutschen mindestens 14 verschiedene Bedeutungen hat. Und wahrscheinlich ist die Bedeutung, um die es uns heute geht noch nicht einmal dabei.
Vielleicht einmal auszugsweise ein paar:
(1) politisch: eine Gruppe von souveränen Staaten, die sich für eine gemeinsame (Teil-)Politik zusammentun
[2] politisch: höchste Verwaltungsebene eines föderal gegliederten Staates
[3] hüftseitiges Ende, die Verstärkung an Kleidungsstücken
[4] gegenseitige Verpflichtung von Gleichgesinnten
[5] Verstärkung am Ende eines Rohres
[6] Recht: juristischer Zusammenschluss
[7] Buchbinderei: Bund eines Buches, Buchbindung
[8] soziologische Kategorie
[9] Musik: Erhebungen im Griffbrett bei Zupf- und Saiteninstrumenten zur Veränderung der Tonhöhen
[10] ein Bündel; etwas, das zusammengebunden oder zusammengeschnürt ist
[11] altes Maß, Maßeinheit für Tafelglas
Auf jeden Fall hat es bei dem Wort Bund immer etwas mit einer Verbindung zu tun und bringt Menschen oder Sachen oder was auch immer zusammen und verstärkt es.
Um einen Bund der besonderen Form geht es uns auch heute in diesem Gottesdienst. Dazu lesen wir aus dem Buch des Propheten Jeremia 31, 31-34:
Jeremia 31,31-34
Der neue Bund
31 Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde;
32 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht der HERR.
33 Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein;
34 und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: »Er-kenne den HERRN!« Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht der HERR; denn ich werde ihre Missetat vergeben und an ihre Sünde nicht mehr gedenken!
An diesem Wochenende feiern wir in unserem Pfarrbereich in unseren Gottesdiensten vier Taufen. Und genau diese Taufen haben etwas mit diesem neuen Bund zu tun, von dem Gott hier beim Propheten Jeremia spricht. Es ist der neue Bund den Gott, durch Jesus Christus mit uns Menschen schließt. Dazu später mehr.
Aber erst einmal zum alten Bund den Gott mit seinem Volk Israel geschlossen hatte.
Dieser alte Bund zwischen Gott und seinem Volk Israel hat versagt. Nicht von Gott her, sondern von Israel her. Die Menschen sind, statt auf Gott zu vertrauen, lieber irgendwelchen heidnischen Götzen hinterhergelaufen. Sie haben sich von Gott abgewandt. Aber das hatte dann auch seine Folgen. Gott musste sie gar nicht strafen, sondern sie gingen selbst den Weg in dir Irre. Der Prophet Jesaja drückt das so aus: „Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.“ (Jesaja 53,6)
Zuletzt landete Israel in der Babylonischen Gefangenschaft und sangen dann diese Lieder: „An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten. Unsere Harfen hängten wir an die Weiden im Lande.“ (Psalm 137,1-2)
Kraft- und mutlos saßen sie nun in Babylon und lebten in den Tag hinein. Genau gegen diese resignative Lebenshaltung stellt sich jetzt der Prophet Jeremia mit der großen Vision, dem aufschüttelnden Ruf.
Er sperrte sich der Politik des Machbaren und des Pragmatismus und verweist auf die verändernde Kraft des Neuen Bundes, den Gott mit seinem Volk schließen will. Er stellt ihnen die Verheißung des neuen Bundes vor Augen. Dieser Bund soll sie verwandeln bis ins tiefste Innere hinein. Hinein bis in Herz und Verstand.
Es ist eine klare Ansage, die der Prophet macht: „Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr …“ oder in einer anderen Bibelübersetzung heißt es: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr …“. Das heißt doch Gott geht auf Ganze. Noch einmal wird das Handeln Gottes an seinem Volk Israel aufgezählt, besonders die Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten. Aber es wird auch die Untreue Israels, das Versagen Israels aufgezählt und die Treue Gottes gegenübergestellt.
Und doch will Gott es wieder mit Israel wagen, einen neuen Bund zu schließen. Diesmal in einer neuen Qualität. Es ist ein Bund, der das Herz berührt. Es soll so sein, wie es ein anderer Prophet, der Prophet Hesekiel beschreibt: „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“ (Hesekiel 36,26-27)
Der Prophet Jeremia, der hier von dem neuen Bund spricht, kennt Jesus noch nicht. Er gehört noch zu den Wartenden. Er gehört noch zu denen, die von der Verheißung her leben. Und doch kann er schon in Hoffnung leben, dass Gott diesen neuen Bund erfüllen wird, dass Gottes Herz für sein Volk und letztlich für die Menschen schlägt, dass er ein Gott des Friedens und nicht des Leides ist.
Der Prophet Jeremia gehört zu den Hoffenden auf den neuen Bund.
Wir gehören zu den Wissenden um den neuen Bund, den Jesus Christus in seinem Blut, mit dem Sterben am Kreuz, durch die Hingabe seines Lebens gestiftet hat. Das Geschehen um Karfreitag und Ostern lassen diesen neuen Bund Wirklichkeit werden.
Dieser Bund begründet sich allein in der Selbstverpflichtung Gottes und die heißt „Allein aus Gnaden“ und diese ist „unabänderlich, dauernd, und unverletzlich.
Zu dem Neuen an diesem Bund gehört, dass Gott unserer Schuld, unserem Versagen, unserem Misstrauen und unserer Sünde nicht mehr gedenken will. Jeremia kennt zwar das Kreuz Jesu noch nicht. Aber es ist schon der Hinweis auf das opfernde Handeln des einen großen Gottes, der sich uns Menschen mit dem persönlichen Einsatz des Lebens seines Sohnes zuwendet. Im Abendmahl feiern wir es: „Das ist das neue Testament, der neue Bund in meinem Blut!“
Gott macht einen neuen Bund – durch Jesus Christus. Bei der Taufe hören wir den Tauf- und Missionsbefehl den Jesus an seine Jünger und an uns weitergibt: „tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt28,19)
So mit wird die Taufe der persönliche Vollzug dieses neuen Bundes für jeden einzelnen, den hier der Prophet Jeremia beschreibt. Das Wasser in der Taufe macht uns gerade den Vollzug des neuen Bundes mit Gott durch Jesus Christus deutlich.
Einmal ist das Wasser das Symbol für das Sterben, für das Zerstörerische. So wie wir Wasser auch im Leben als das zerstörerische Element in Wasserfluten und starken Regengüssen kennen, so symbolisiert es uns gerade in der Taufe das Sterben unseres alten Menschseins, den Tod des Sünders. Und sogleich symbolisiert das Wasser in der Taufe auch den neuen Bund den Gott durch Jesus Christus mit uns schließt. Das Wasser als die Quelle des Lebens, als das Lebensschaffende. Die Taufe wird für uns somit zum Zeichen dafür, dass wir zu Gott gehören, dass wir Teilhaben an dem neuen Bund, den der Prophet Jeremia hier verheißen hat und der durch Jesus Christus Wirklichkeit geworden ist.
„Ich bin getauft.“ So schrieb Martin Luther mit der Kreide vor sich auf den Tisch, wenn er Angst hatte, wenn er sich bedroht fühlte vom Teufel, vom Satan, der für ihn wirklich und real war - so wird es von ihm berichtet. Und mit dieser Gewissheit seiner Taufe machte er sich auch gewiss, dass er Anteil hatte an diesem neuen Bund, den Gott hier mit den Herzen der Menschen schließt.
Als Eltern suchen Sie für Ihre Kinder oft einen Taufspruch aus, wo darinnen steht, dass Gott sie bewahren möge. Damit wird deutlich, dass unser Leben gefährdet ist, und dass wir Schutz und Geborgenheit brauchen, dass wir einen Gott brauchen, der mit uns geht, der sich uns zugewendet hat.
Gott hat uns diesen neuen Bund zugesagt. Und darauf können wir uns verlassen – in allen Tiefen und Höhen unseres Lebens.
Nächste Woche feiern wir Pfingsten – das Kommen des Heiligen Geistes – und dieser Heilige Geist ist es, der in uns den Glauben wirkt, der in uns diesen neuen Bund und damit auch die Zusage unserer Taufe festmacht.
So können auch wir sagen:
1. Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;
ich bin gezählt zu deinem Samen,
zum Volk, das dir geheiligt heißt.
Ich bin in Christus eingesenkt,
ich bin mit seinem Geist beschenkt.
4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite
bleibt dieser Bund wohl feste stehn;
wenn aber ich ihn überschreite,
so lass mich nicht verloren gehn;
nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an,
wenn ich hab einen Fall getan.
Amen.
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