Der Zeitpunkt der Entscheidung
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Der Zeitpunkt der Entscheidung
Der Zeitpunkt der Entscheidung
Predigt Sonntag Judika Hebräer 5,7-9
Der Zeitpunkt der Entscheidung
Liebe Gemeinde,
wir steuern in der Passionszeit sozusagen auf die Zielgerade zu. Nächsten Sonntag ist Palmsonntag. Dann kommt Gründonnerstag und Karfreitag. Und anschließend ist dann Ostern. Haben wir einmal unsere Mitmenschen gefragt: Was sie da so an Karfreitag und Ostern feiern? Wohl die wenigsten wissen es. Manche würde da sagen, so eine Art Frühlingsfest. Oder sie haben schon gehört, dass es etwas mit Jesus Christus zu tun hat. Ostern hat irgendetwas mit dem Leben zu tun.
Im Gegensatz zu Weihnachten ist Ostern bisher dem intensiven Kommerz entkommen. Er beschränkt sich auf ein paar Nippfiguren, Schokolade und Eier. Ja der Kommerz erzählt, wenn auch begrenzt, die wahre Bedeutung von Ostern, wie z.B. das Werbeprospekt zu Ostern von ALDI-Süd.
Zu Weihnachten singen die Kinder von einem dicken Mann und dem Schnee. Aber über was singt man denn zu Ostern. Wenn man die Schokolade eingekauft hat und ein paar Eier angemalt hat, stellt sich darum die Frage: Worüber sollte man denn zu Ostern sprechen? Wäre das nicht eine gute Möglichkeit über den zu sprechen, der am Karfreitag gekreuzigt wurde und Ostern auferstanden ist. Wäre es nicht eine Möglichkeit über Jesus zu sprechen?
Dass er existiert hat ist mittlerweile völlig unbestritten. So gibt es auch nicht biblische Berichte über einen jüdischen Lehrer Jesus, der eine ganze Menge Leute verärgerte. Er lebte. Doch die Meinungen, damals schon wie auch heute über ihn sind ganz unterschiedlich. Wer war er nun? War er der Messias? War er Gottes Sohn? War er ein Lügner? War er ein Blender? War er einer, der das Volk aufwiegelte? Und später dann die Fragen: Welche Bedeutung hat denn nun sein Tod? Ist er wirklich von den Toten auferstanden?
Fragen auf die wir als Christen vielleicht heute unsere Antworten gefunden haben. Vielleicht haben auch wir noch an mancher Stelle Fragen und Zweifel. Dann ist es gut, wenn wir weiter an diesem Jesus dranbleiben. Heute hören wir von der Echtheit Jesu, von seinem Ringen, von seinem Kampf, von seiner Entscheidung auf dem Weg zum Kreuz. Wir lesen dazu noch einmal aus dem Hebräerbrief Kapitel 5, Verse7-9:
Hebräer 5,7-9
7 Als Christus hier auf der Erde war – ein Mensch von Fleisch und Blut – , hat er mit lautem Schreien und unter Tränen gebetet und zu dem gefleht, der ihn aus der Gewalt des Todes befreien konnte, und weil er sich seinem Willen in Ehrfurcht unterstellte, wurde sein Gebet erhört.
8 ´Allerdings` blieb es selbst ihm, dem Sohn Gottes, nicht erspart, durch Leiden zu lernen, was es bedeutet, gehorsam zu sein.
9 Doch jetzt, wo er durch sein Leiden vollkommen gemacht ist, kann er die retten, die ihm gehorsam sind; ihm verdanken sie alle ihr ewiges Heil.
Liebe Gemeinde,
unser Predigttext beschreibt mit wenigen Worten den schwersten Augenblick des Weges Jesu auf seinem Weg ans Kreuz.
Der schwerste Augenblick
Es war nicht der Moment, als ihn klar wurde, dass ein Jünger ihn verraten wird. Es war nicht der Augenblick, des Verrates. Es war nicht der Augenblick der Verachtung, durch das Volk, welches ihn Stunden vorher noch zujubelte. Es war nicht der Augenblick der Verurteilung durch den Hohen Rat und durch Pontius Pilatus. Es war nicht der Gang zum Kreuz. Und es war auch selbst das Sterben am Kreuz nicht der schwerste Augenblick in der ganze Passion Jesu.
Die schwersten Momente der Passion geschahen für Jesus abseits allen Geschehens, jenseits aller Handlung. In dem Moment als Jesus ganz alleine war. Nicht einmal die Jünger waren in der Lage ihm in diesem Augenblick beizustehen. Es geschah im Garten Gethsemane.
Dieser Garten Gethsemane sieht heute fast noch genauso aus, wie zurzeit Jesu. Ein Garten mit Ölbäumen bepflanzt. Er heißt ja auch „Garten der Ölmühle“.
So können wir uns nun gut vorstellen, wie Jesus nun nach dem Abendmahl mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemane geht, um dort in der Stille und Abgeschiedenheit zu beten. Das war für Jesus immer ein besonderer Gebetsort, wenn er nach Jerusalem kam. Er musste also nicht unbedingt in den Tempel um mit Gott zu reden. Für Jesus war nach dem gemeinsamen Passamahl klar, dass jetzt schicksalhaft Stunden kommen. So bereitete er sich im Gebet darauf vor. Doch seine Jünger waren nicht in der Lage, mit ihm zu beten und zu wachen Sie waren nicht in der Lage ihm beizustehen. Es steht ganz lapidar da: Sie schliefen! Und doch wird hier deutlich: Schlaf ist die größte Anfechtung beim Gebetskampf.
So war Jesus jetzt in diesem Gebetskampf auf sich allein gestellt. Und da war er nun – ein Mensch wie du und ich – oder wie wir es im Predigttext gelesen haben – ein Mensch von Fleisch und Blut. Er war genauso erfüllt mit Ängsten Furcht und Sehnsüchten, wie jeder von uns. Auch wir haben vielleicht schon solche schicksalhaften Momente im eigenen Leben erlebt und können das dann ein Wenig nachvollziehen. Moment, die eine Weichenstellung sind in unserem Leben.
Sein Schicksal hatte nun Jesus vor Augen. Er wusste, der Verräter war unterwegs, um die Tempelsoldaten in den Garten zu führen. So tritt er nun im Gebet vor den himmlischen Vater. Und es war sicherlich kein Gebet in der Form „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“ Es war ein sehr intensives Gebetsringen „mit lautem Schreien und Tränen. Im Lukas-Evangelium können wir sogar von diesem intensiven Gebetskampf lesen: „Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Der Kampf wurde so heftig, und Jesus betete mit solcher Anspannung, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte.“
Jesus kämpft diesen Gebetskampf mit absoluter Anspannung. Und da seine Jünger versagten, stärkte ihn ein Engel. Und wir kennen auch seine Bitte, die er an seinen Vater richtete und diese Bitte ist ja auch sprichwörtlich geworden:
»Vater, wenn du willst, lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht mein Wille soll geschehen, sondern deiner.«
„Den bitteren Kelch vorübergehen lassen“ – wer kennt die Aussage von uns. Wenn Gott, der Vater, der Bitte Jesu entsprochen hätte, hätte er jetzt dem ganzen Passionsgeschehen hier ein Ende setzen können, ja müssen. Doch Jesus hat sich ganz dem Willen seines Vaters unterstellt. Er fand in diesem Gebetskampf das Ja seinen Weg zum Kreuz weiterzugehen. Er fand das Ja zum Kreuz. Darum ist genau dieses Geschehen im Garten Gethsemane die Schicksalsstunde der ganzen Passion Jesu. Hier fiel die Entscheidung für Kreuz und Auferstehung.
Die Bitte Jesu, dass der Kelch vorübergeht wurde nicht erhört, dennoch wurde das Gebet im Ganze erhört. Klingt vielleicht erst einmal komisch, ist aber so. Die einzelne Bitte hat Gott, der Vater, nicht erhört aber Jesus kam gestärkt aus dem Gebetskampf heraus und war nun bereit seinen Weg weiter zu gehen.
Allein gelassen
Was mir auch noch auffällt. Ab diesen Augenblick im Garten Gethsemane ist Jesus auf dem Weg seiner Passion allein. Nicht nur das Volk hat sich von ihm abgewendet, sondern auch alle seine Freunde und Mitstreiter ziehen sich zurück. Menschlich sicher sehr verständlich. Hätten wir sicher auch so gemacht! Der eine oder andere taucht zwar noch einmal kurz auf. Und die kläglichen Versuche näher bei Jesus zu sein, die scheitern bei Petrus in einer Form des Verrates. So war der Gottessohn in seinem schicksalhaften Leiden auf sich gestellt und musste diesen Weg allein gehen. Und er ging ihn, er ging seinen Weg im Vertrauen und im Gehorsam zu Gott. Denn er wusste, dieser Weg hat eine Mission. Eine Erfüllung - es ist das Heil aller Menschen – die Wiederherstellung der Gemeinschaft Gottes mit den Menschen. Darum fand auch Jesus in diesem Gebetskampf im Garten Gethsemane das Ja zu seinem Weg am Kreuz.
„Doch jetzt, wo er durch sein Leiden vollkommen gemacht ist, kann er die retten, die ihm gehorsam sind; ihm verdanken sie alle ihr ewiges Heil.“
Und wir?
Liebe Gemeinde,
wie handeln und reagieren wir in den schicksalhaften Stunden unseres Lebens? Auch bei uns sind es nicht immer die lauten und erkennbaren Stunden, wo die Weichen gestellt werden, sondern die verborgenen. Vielleicht sind wir auch da allein?
Wenden wir uns da auch,
mit dem was uns nach Unten zieht,
wo wir eine Weichstellung im Leben haben oder
wo wir uns auch etwas ergeben müssen, was wir nicht wollen,
im Gebet an Gott?
Vielleicht ist da auch ein intensives Gebetsringen notwendig?
Und manchmal hat man dann sogar das Gefühl, dass dieser Gott, dem ich vertraue oder vertrauen will, eigentlich offline ist. Ich habe das Gefühl meine Gebete werden nicht erhört. Das ist uns sicher allen schon so ergangen.
Wobei es zwischen unserem Gefühl und der Wirklichkeit dennoch einen Unterschied geben kann.
Außerdem ist es vielleicht auch oft gar nicht gut, dass Gott unser Gebet so erhört, wie wir es wünschen. Vielleicht ist es sogar so wie hier bei Jesus im Garten Gethsemane unsere Bitte selber wurde nicht erhört, aber unser Gebet schon. Wir kommen gestärkt aus dem Gebet heraus, wo zwar nicht die Bitte erhört wird, aber wir gestärkt sind für einen Weg, den wir gehen sollen.
Das Geschehen im Garten Gethsemane wird uns auch in dem Lied von Dietrich Bonhoeffer verdeutlicht und sicher haben wir auch schon gesungen. Darum sollten wir es uns auch bewusstmachen, was wir hier singen:
Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bitternDes Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand
Des Leids, gefüllt bis an den höchsten RandSo nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
So nehmen wir ihn dankbar ohne ZitternAus deiner guten und geliebten Hand
Aus deiner guten und geliebten Hand
Von guten Mächten wunderbar geborgenErwarten wir getrost was kommen mag
Erwarten wir getrost was kommen magGott ist mit uns am Abend und am Morgen
Gott ist mit uns am Abend und am MorgenUnd ganz gewiss an jedem neuen Tag
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag
Eigentlich ist diese Bitte in dem Lied eine Zu-Mutung. Ja es ist etwas Paradoxes und dennoch die Glaubenserfahrung vieler Christen, dass die Bitte selber nicht erhört wird, aber wir gestärkt und getröstet aus dem Gebet herausgehen. Dass wir dann einen Weg im Leben gehen können, den wir bisher nicht gesehen haben, eine Aufgabe in Angriff nehmen können, die wir nicht gewollt haben, auf einen Menschen zu gehen können, den wir ablehnten, eine Krankheit akzeptieren, die wir bisher verdrängten, oder auch das Unausweichliche, vielleicht den Tod annehmen.
Schluss
Der Mathematiker Blaise Pascal sagte einmal: „Jesus war in einem Garten, nicht einem der Freuden wie der erste Adam, in dem er sich selbst und die ganze menschliche Rasse zerstörte, sondern einem des Schmerzes, in dem er die ganze menschliche Rasse rettete.“
Von diesem Garten aus, dem Garten der Entscheidung, ging sein Weg zum Kreuz. Dieses Sterben am Kreuz und die Auferstehung Jesu veränderte das Leben von Menschen. Es begann mit 11 Menschen seine Jünger, dann kamen die Frauen dazu, weitere wie z.B. die Emmaus-Jünger. Mittlerweile sind es von Millionen ja Milliarden von Menschen, die Zeugen eines veränderten und erneuerten Lebens durch Jesus Christus sind. Aus Feiglingen werden mutige Zeugen.
Ich hoffe und wünsche, wir alle sind auch dabei.
Amen
