Paulus

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Bis ans Ende der Welt

Lieder:
JuF 560 Wir schämen uns der Botschaft
JuF 311 Noch dringt Jesu frohe Botschaft
JuF 264 Dass du mich einstimmen lässt
JuF 355 Ich will solang ich lebe
JuF 133 Geist des Glaubens
JuF 547 Sonne der Gerechtigkeit
Apostelgeschichte 28,16-31
16 Als wir nun nach Rom hineinkamen, wurde dem Paulus erlaubt, für sich allein zu wohnen mit dem Soldaten, der ihn bewachte.
17 Es geschah aber nach drei Tagen, dass Paulus die Angesehensten der Juden bei sich zusammenrief. Als sie zusammengekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder, ich habe nichts getan gegen unser Volk und die Ordnungen der Väter und bin doch als Gefangener aus Jerusalem überantwortet in die Hände der Römer.
18 Diese wollten mich losgeben, nachdem sie mich verhört hatten, weil nichts gegen mich vorlag, das den Tod verdient hätte.
19 Da aber die Juden widersprachen, war ich genötigt, mich auf den Kaiser zu berufen, nicht als hätte ich mein Volk wegen etwas zu verklagen.
20 Aus diesem Grund habe ich darum gebeten, dass ich euch sehen und zu euch sprechen könnte; denn um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Ketten.
21 Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben deinetwegen weder Briefe aus Judäa empfangen noch ist ein Bruder gekommen, der über dich etwas Schlechtes berichtet oder gesagt hätte.
22 Doch wollen wir von dir hören, was du denkst; denn von dieser Sekte ist uns bekannt, dass ihr an allen Enden widersprochen wird.
23 Und als sie ihm einen Tag bestimmt hatten, kamen viele zu ihm in die Herberge. Da erklärte und bezeugte er ihnen das Reich Gottes und predigte ihnen von Jesus aus dem Gesetz des Mose und aus den Propheten vom frühen Morgen bis zum Abend.
24 Die einen stimmten dem zu, was er sagte, die andern aber glaubten nicht.
25 Sie waren aber untereinander uneins und gingen weg, als Paulus dies eine Wort gesagt hatte: Mit Recht hat der Heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern gesprochen (Jesaja 6,9-10):
26 »Geh hin zu diesem Volk und sprich: Mit den Ohren werdet ihr's hören und nicht verstehen; und mit den Augen werdet ihr's sehen und nicht erkennen.
27 Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt und ihre Ohren hören schwer und ihre Augen sind geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich ihnen helfe.«
28-29 So sei es euch kundgetan, dass den Heiden dies Heil Gottes gesandt ist; und sie werden es hören.
30 Paulus aber blieb zwei volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen,
31 predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert.
Bis ans Ende der Welt
Endlich hat sich der Wunsch des Apostel Paulus erfüllt: Er ist in Rom! In Rom dem Zentrum der damaligen Welt, dahin gehört die Predigt des Evangeliums – und das ist der rote Faden der Apostelgeschichte – der Lauf des Evangeliums von Jerusalem nach Rom. Und das war nicht nur der Herzenswunsch des Apostel Paulus, sondern au h Gottes Wille und Auftrag. „Sei getrost, wie in Jerusalem musst du auch in Rom für mich Zeuge sein!“ (Apg 23,11), so sprach er zum Apostel Paulus.
Nun ging dieses Gottes Wort, wenn auch vielleicht anders als erwartet und erhofft in Erfüllung.
Das Evangelium will bezeugt sein
Diese Evangelium von Jesus Christus zu bezeugen, das ist die ganze Leidenschaft des Apostel Paulus. Er will es verkündigen zur Zeit und zur Unzeit. So war es sein sehnlichster Wunsch das Evangelium zu bezeugen. Die frohe Botschaft von Jesus Christus weiter zu sagen und weiter zu tragen, ausgehend vom Land der Bibel, von Jerusalem, Judäa und Galiläa über Kleinasien (der heutigen Türkei), bis nach Griechenland über Italien bis nach Rom. Und wenn es geht will er es bis nach Spanien bringen – ans andere Ende des Römischen Reiches. Letzteres hat er wahrscheinlich nicht mehr geschafft.
Aber in Rom ist er angekommen, nun nicht als freier Bürger, wie er es beabsichtigte, sondern als Gefangener. Denn er hatte sich als Römischer Bürger bei einem Gerichtsprozess auf die Gerichtsbarkeit des Kaisers berufen. Und das musste man ihm gewähren.
So kam Paulus als Gefangener nach Rom. Er trägt die Ketten eines Gefangenen, aber es wird ihm gestattet Gäste in seine Gefangenschaft einzuladen. Er hatte eine Mietwohnung und darinnen so eine Art Hausarrest.
Dahin lud der Apostel Paulus die Synagogenältesten der Juden ein. Ihnen erklärte er, warum er überhaupt nach Rom gekommen ist:
Ihr Männer, liebe Brüder, ich habe nichts getan gegen unser Volk und die Ordnungen der Väter und bin doch als Gefangener aus Jerusalem überantwortet in die Hände der Römer.
Die Ursache, dass Paulus gefangen nach Rom kam, waren eigentlich Mordandrohungen der Juden in Jerusalem und die damit verbundenen Gefangennahme des Apostel Paulus, wo er sich eben auf die Gerichtsbarkeit des Kaisers berufen hat.
Doch die Juden in Rom wissen nichts über die Auseinandersetzungen und dem Prozess. Und das ist auch nicht von ungefähr. Denn sie waren sehr auf ihre Eigenständigkeit bedacht, gegenüber Bevormundungen aus Jerusalem. Ihre eigene Auseinandersetzung mit den Christen hatten sie schon hinter sich. Wenn das in Jerusalem noch nicht der Fall war, so wollen sie hier nicht ihre eigenen schmerzlichen Wunden wieder aufreißen.
Aber sie waren hellhörig geworden, als er ihnen sagte, dass es wegen seiner Verkündigung Unruhe gegeben habe, als hätte er ein todeswürdiges Verbrechen begangen. Die Kritik an ihm ging soweit, dass er vor Gericht gebracht wurde.
Der Apostel Paulus scheint Sachverstand zu haben. Er nennt sie „Liebe Brüder“, er klagt sie nicht an, denn er weiß um die Hoffnung Israels. Sie sind also bereit und wollen hören, was er denkt und was er zu sagen hat.
Nun was war passiert, dass der Apostel ins Gefängnis kam?
„Die Römer wollten mich losgeben, nachdem sie mich verhört hatten, weil nichts gegen mich vorlag, das den Tod verdient hätte. Da aber die Juden widersprachen, war ich genötigt, mich auf den Kaiser zu berufen, nicht als hätte ich mein Volk wegen etwas zu verklagen.“
Und nun kommt der für Paulus selber so wichtige und entscheidende Satz, in dem seine ganze Liebe zu seinem Volk Israel zu Ausdruck bringt:
„Aus diesem Grund habe ich darum gebeten, dass ich euch sehen und zu euch sprechen könnte; denn um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Ketten.“
Genau das ist es, was er selber bezeugen will, die Hoffnung Israels! Sicher haben andere schon vor ihm diese Hoffnung bezeugt und vom Glauben an Jesus Christus gesprochen.
Doch Paulus will hier deutlich machen: Diese Hoffnung Israels, die Hoffnung, dass der Messias, der Heiland kommen wird, hat sich eben in der Person Jesus Christus erfüllt.
Davon will der Apostel hier und jetzt und wenn es sein muss auch in Ketten Zeugnis geben.
Zeugnis geben kann ich aber, nur wenn ich von der Sache persönlich überzeugt bin. Zeugnis kann ich nur geben, wenn ich wie der Paulus von der Botschaft angesteckt bin. Wenn sie mich umtreibt und bewegt.
Was meinen Sie? Warum haben wir heute in unserem deutschen Land so einen auffälligen Rückgang der Ausstrahlungskraft der Kirche?
Regelmäßig alle zehn Jahre veröffentlicht das Demoskopische Institut Allensbach eine gründlich erarbeitete Studie zur Frage „Was glauben die Deutschen?“ Die letzte Studie wurde vor einigen Jahren erstellt.
Die gute Nachricht zuerst: vor allem bei den jungen Leuten im Alter bis 30 ist die Zuwendung zu den Fragen des Glaubens auffällig gewachsen – um fast 30 Prozent. Bei den über Fünfzigjährigen hat sich an der Glaubenseinstellung kaum etwas verändert.
Nun die schlechte Nachricht: die zunehmende Religiosität der Menschen bedeutet nicht eine zunehmende Hinwendung zu Kirche. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Menschen suchen die Erfüllung der Religiosität außerhalb der Kirche. Eine der besten Quellen dazu ist das Internet. Man spricht dann von einem Patchwork-Glauben. Aus jeder Religion nehme ich das, was mir gerade gefällt.
Warum ist das so? Was meinen Sie, woran kann das liegen?
Sicher gibt es dafür eine ganze Menge Gründe. Aber einer dürfte der sein, dass wir als Mitglieder der Kirche die Botschaft der Bibel nicht überzeugend und leidenschaftlich genug verkündigen, dass wir sie nicht nach außen tragen. Da sind nicht nur die Hauptamtlichen gefragt, sondern jeder von uns. Wir schmoren lieber unter unseresgleichen, als nach außen zu gehen.
Da stellt sich mir und Euch heute die Frage: Kann man uns diese Leidenschaft für das Evangelium abspüren, so wie es die jüdischen Männer damals am Apostel Paulus abgespürt haben? Ja die Menschen damals spürten diese Leidenschaft des Apostels so stark, dass sie ihn dann bedrängten, das er ihnen davon, was er glaubt, berichten, erzählen und erklären sollten.
Dabei kamen aber auch gleich einige Vorurteile zum Ausdruck. Denn manche der Synagogenvorsteher vermuteten, dass hinter dem Ganzen, was den Apostel da bewegte, irgendwie eine jüdische Sekte steht.
„Doch wollen wir von dir hören, was du denkst; denn von dieser Sekte ist uns bekannt, dass ihr an allen Enden widersprochen wird.“
Es ist schon sehr interessant, dass hier vom Christentum als von einer Sekte gesprochen wird.
Diesen Einwand nimmt der Apostel sehr ernst. Er hat somit einen Anknüpfungspunkt um mit den jüdischen Männern ins Gespräch zu kommen. Er sagt: „Gut dann müssen wir uns zu einem gründlichen Gespräch zusammensetzen“. Diese Einladung wird angenommen.
„Und als sie ihm einen Tag bestimmt hatten, kamen viele zu ihm in die Herberge. Da erklärte und bezeugte er ihnen das Reich Gottes und predigte ihnen von Jesus aus dem Gesetz des Mose und aus den Propheten ...“
Hören wir einmal ganz genau hin: Er predigte ihnen von Jesus aus dem Gesetz des Mose und aus den Propheten.
Die Mehrheit unserer Professoren für evangelische Theologie müsste an dieser Stelle protestieren. Die Theologen würden sagen: „Was soll das? Mose, der den Juden am Berg Sinai das Gesetzt Gottes gebracht hat, unter anderem die Zehn Gebote, der lebte weit über 1000 Jahre vor Christus. Wie soll da dieses Gesetz etwas über Jesus aussagen? Und auch die Propheten, die doch vor Hunderten von Jahren vor Christus gewirkt haben. Wie sollen die denn etwas von Jesus gewusst haben?
Es ist aber so – Mose und die Propheten haben Jesus Christus verkündigt, ohne ihn zu kennen. Gott hat schon damals Mose und die Propheten gebraucht, um auf den hinzuweisen, der da kommen wird als Messias für das Volk der Juden und als Christus, als Heiland für die Menschen auf der ganzen Welt.
Das predigte der Apostel hier mit aller Leidenschaft „vom frühen Morgen bis zum Abend.“
Es wird also ein langer Studientag zum Thema „Reich Gottes“. Die Juden stellen Fragen und erhalten vom Apostel Antworten. Er erklärt und bezeugt ihnen das Reich Gottes. Die Schriften des Alten Testamentes sind die Diskussionsgrundlage.
Eins wird deutlich, dass das Evangelium und das Reich Gottes nicht zu bekommen ist, ohne dass man von innen und von außen bedrängt wird. Der Apostel hat es selber erlebt. Und dennoch verkündet er es mit ganzer Leidenschaft.
Woher kommt aber diese Leidenschaft? Sie kommt aus seiner ganz persönlichen Begegnung mit Jesus Christus, die für ihn von Anfang an spektakulär und aufregend war, die ihn überwältigt hat. Angefangen von dem Erlebnis vor Damaskus bis zu dem Tag, als er jetzt in Rom in einer Mietswohnung unter Hausarrest ist.
Da heraus ist seine Leidenschaft entstanden. Nur so kann man den Herrn bezeugen, wenn man selbst von ihm überzeugt ist.
Die Schauspielerin Hildegard Knef sagte kurz vor ihrem Krebstod:
„Die Welt ist geschwätzig und vorlaut, solange es gut geht. Nur wenn jemand krank ist oder stirbt, wird sie verlegen.“
Und genau das ist der Punkt, wo die Welt schweigt, da hat die Kirche eine Botschaft, und sie muss diese Botschaft mit ganzer Leidenschaft ausrichten. Sie muss diese Botschaft weitersagen.
Peter Hahne schreibt: „Ich liebe diese Kirche um dieser Botschaft willen.“
Wenn wir jetzt den Apostel Paulus mit seinem großen Bibelwissen sehen, werden wir vielleicht meinen, dass nur der diese Botschaft bezeugen kann, der ein großes Bibelwissen hat. Das ist nicht erforderlich.
Sicher kam es ihm bei seinen Predigten und Glaubensgesprächen zu gute. Und auch wir sollten uns sehr darum mühen. Aber um Zeugnis von der Botschaft des Lebens zu geben ist erst einmal nur eins erforderlich: ein klares und freudiges JA zu Jesus Christus.
Und dieses JA bedeutet
Ich erkenne Jesus Christus als Autorität in meinem Leben an.
Ich höre auf ihn und sein Wort.
Ich folge ihm nach – auch wenn es im Leben schwierig wird.
Ich vertraue ihm – auch dort, wo ich seine Botschaft nicht verstehe.
Auch dort, wo er nicht nur freundliche Worte zu mir sagt. Sondern auch da, wo er mir vorhält, dass es ein Gericht gibt. Und dass ich mein Leben nicht mehr im Spagat weiterleben kann. Einerseits in der Nachfolge Christi und andererseits in meiner Sündhaftigkeit. So als wäre alles das nur lauter Harmlosigkeiten.
Der Hebräerbrief sagt dazu:
„Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. (Hebr. 10,31)
Das passiert, wenn man sein Leben nicht von Gott her ordnen lässt. Dabei klingt dieses Wort eher wie aus dem Alten Testament. Es steht aber im Neuen Testament. Damit wird uns deutlich gemacht, so gern wir bei Jesus von Vergebung und Gnade sprechen, die Umkehr und Nachfolge muss ernst genommen werden, wir müssen Schuld und Vergebung sehr ernst nehmen.
Es gibt es nicht billig, denn es hat das Leben von Jesus gekostet.
Diesen Worten werden wir heute Abend sicher mehr oder weniger zustimmen. Aber wir wissen auch, dass nicht alle Menschen es so sehen. Die meisten werden mit der Schulter zucken und uns als Spinner abtun. Und mancher wird der Botschaft widersprechen. Vielleicht sind es sogar Menschen, deren Urteil uns sonst sehr viel bedeutet.
Damit wird uns klar:
Das Evangelium ruft Widerspruch hervor
Um ehrlich zu sein, wenn mich das Evangelium nicht ergriffen hätte, dann würde es mir genauso gehen, wie diesen Menschen. Ich habe Verständnis für die Menschen, denen das Evangelium nie ins Herz gegangen ist. Ich verwende an dieser Stelle einmal bewusst diesen etwas altmodischen Begriff.
Wie sollen sie denn diese Botschaft aufnehmen, wenn sie nie gespürt haben, dass es für sie etwas ist, woran sie sich in ihrem Leben und auch im Sterben halten können. Dass diese Botschaft uns zu einer heilsamen Korrektur führt, dass sie uns einen Spiegel vor die Augen hält, dass wir in den schwierigen Fragen unseres Lebens, die mit Schuld und Enttäuschungen, mit Krankheit und Tod zusammenhängen, nicht alleine dastehen, sondern gehalten werden.
Jesus Christus zeigt uns den Weg, der offen steht, der uns nicht an den Schwierigkeiten vorbei -, aber hindurch führt:
„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, den Stecken und Stab trösten mich.“ (Psalm 23,4)
Genau genommen ist es das, was Evangelium, frohe Botschaft bedeutet. Bei dem Propheten Jesaja steht dazu:
Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König! (Jesaja 52,7)
Und trotzdem habe ich Verständnis dafür, dass das andere nicht so sehen und sogar diese Botschaft ablehnen.
Zwei Gründe dazu:
Erstens auch ich bin nicht immer dieser Botschaft gefolgt. Wie kann ich dann von anderen erwarten, was ich selber Gott und den Menschen und sogar mir selbst schuldig geblieben bin. Darum ist dieser Botschaft nachzufolgen Gnade.
Zweitens: Wie sieht es mit meinem Zeugnis über die Wirkkraft des Evangeliums in meinem Leben aus? Da bin ich oft nicht einladend genug in meinem Zeugnis. Und ich habe mir nicht diese Zeit genommen wie der Apostel Paulus, der „vom frühen Morgen bis zum Abend“ einer einzigen Gruppe Rede und Antwort stand.
Nun was hat dieses ganze Mühen denn hier dem Apostel gebracht?
Auch bei Paulus nahmen nicht alle diese Botschaft an. Es klingt fast lapidar – als wäre es das Selbstverständlichste in der Welt:
„Die einen stimmten dem zu, was er sagte, die andern aber glaubten nicht.“
Doch der Apostel Paulus hat das getan, was er tun konnte und tun musste. Er hat sich Zeit genommen für die Menschen und ihre Fragen. Er hat versucht sie da abzuholen, wo sie – die Juden – mitreden konnten, also in den Schriften des Alten Testamentes.
Wir erleben es bei ihm immer wieder, wie er die Menschen da abholt, wo sie leben und wie sie denken. Eines der bekanntesten Berichte ist sein Besuch in Athen, wo er die Griechen da abholt, wo sie geistig und religiös zu Hause waren. Er zitierte sogar griechischen Schriftsteller.
So wollte der Apostel den Juden ein Jude und den Griechen ein Grieche sein. Er will einfühlsam missionieren. Nicht mit der Holzhammermethode und auch nicht mit der Methode Nebelscheinwerfer, so dass man am Ende nichts mehr klar erkennen kann.
Hier bei Paulus und erst recht bei Jesus kann man lernen, wie man einfühlsam mit den Menschen umgeht – wie man einfühlsam missioniert.
Wenn wir uns so den Menschen zuwenden und ihnen das Evangelium bezeugen, dann haben wir getan, was wir tun konnten. Und dann dürfen wir erwartungsvoll in die Zukunft schauen, ob der Same aufgeht – und einiges wird aufgehen und Frucht bringen.
„Die einen stimmten dem zu, was er sagte, die andern aber glaubten nicht. Sie waren aber untereinander uneins und gingen weg, ...“
Es wird auch hier deutlich, am Wort Gottes scheiden sich die Geister.
Der berühmte Theologe des vorigen Jahrhunderts Karl Barth schreibt dazu:
„Sich entscheiden heißt, sich in Freiheit seiner Freiheit entäußern. Wer sich entschieden hat, hat sich gebunden. Das freundlich – schützende Dunkel oder auch die vornehme Höhe, wo er noch so oder auch anders konnte, liegt hinter ihm. ... Solche durch Entscheidung gebundenen Menschen waren die Reformatoren. Sie hatten gewählt. Der Ort, wo sie noch viele Möglichkeiten hatten, war ein von ihnen verlassener Ort.“
Ist das nicht so, zu viele Menschen und vielleicht wir auch, neigen doch dazu, im freundlich – schützendem Dunkel zu bleiben. Bloß nicht aus der Deckung kommen und etwa auffallen. Sich bloß nicht entscheiden. Bloß keine Verantwortung übernehmen. Dann könnte man ja richtig Ärger bekommen. Man könnte sich ja falsch entscheiden. Dann lieber nicht.
Wir sagen dann lieber zum anderen:
Geh lieber du voran, denn du hast die größeren Stiefel an!
In der Politik hört man immer wieder den Begriff vom Reformstau. Da werden Entscheidungen auf die lange Bank geschoben, weil sie unpopulär sind. Und welcher Politiker möchte schon im schlechten Licht da stehen?
Wie viel Zeit, Kraft und Geld gehen in unseren Land verlören, weil nur zähflüssig oder gar nicht entschieden wird. Warum tut sich mancher so schwer damit Verantwortung zu übernehmen?
Weil Verantwortung bedeutet: Antwort geben.
Und da liegt der Hase im Pfeffer und hier beginnt das Problem. Da sind doch so viele laute Stimmen. Wem muss man in diesem Stimmengewirr Antwort geben?
Menschen, die im Glauben stehen, haben es leichter. Sie wissen, wem sie zuallererst eine Antwort geben müssen – nämlich Gott selbst. Sie wissen, dass sie nichts tun oder lassen dürfen, was im klaren Widerspruch zur Botschaft der Bibel steht.
Wenn wir selber unseren Glauben ernst nehmen, dann müssen wir uns entscheiden und sogar eventuelle Scheidungen in Kauf nehmen.
Das tun wir, weil wir wissen, dass die Verluste, die solche Entscheidungen mit sich bringen können, bei weitem aufgehoben werden durch den Gewinn, den wir dadurch haben. Denn wir haben hier den Grund gefunden, der uns trägt und hält.
Und wir wissen auch, dass das Evangelium nicht von Jerusalem nach Rom gekommen ist, um dann in einem Hinterzimmer einer Mietswohnung zu verschwinden, sondern dass es sich kraftvoll einen Weg gebahnt hat – durch die Jahrhunderte, durch die Jahrtausende und durch alle Länder der Erde.
Das Evangelium gilt allen Menschen
Zwei volle Jahre lebt der Apostel Paulus als Gefangener in Rom. Ob er noch einmal frei gekommen ist und noch „bis zur Grenze des Westens“ gekommen ist, wissen wir nicht. Das ist auch für Lukas nicht so entscheidend, und vielleicht wusste er es sogar. Viel wichtiger war es ihm, deutlich zu machen, dass das Evangelium seinen Lauf macht und dass es allen Menschen gilt.
Für uns heute sind diese Worte etwas Selbstverständliches. Doch den Zuhörern damals war das eine unerhörte Botschaft. Denn die Mehrheit der Juden war ja davon überzeugt, dass das Heil nur für sie bestimmt sei.
Dagegen ist richtig:
„Das Heil kommt von den Juden.“ (Joh. 4,22) Dieses Wort hat Jesus selber gesagt.
Und darum sollte auch unser Verhältnis zu den Juden ein besonderes sein.
Aber dieses Heil soll eben nicht allein bei den Juden bleiben, wie etwa ein vor aller Welt verborgener Schatz.
Es ist so, als würde sich hier mit unserem Abschnitt der Kreis schließen von der ersten Seite der Apostelgeschichte bis hin zur letzten.
Im ersten Kapitel hören wir die letzte Predigt des auferstandenen Christus an seine Apostel:
„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“ (Apg. 1,8)
Und nun am Ende der Apostelgeschichte sagt der Apostel Paulus diese Worte:
„So sei es euch kundgetan, dass den Heiden dies Heil Gottes gesandt ist; und sie werden es hören.“ (Apg 28,28)
Damals zur Zeit des Apostel Paulus gab es ein paar tausend Christen, heute sind es viele Millionen, ja sogar 2 Milliarden. Das Evangelium gilt allen Menschen.
Und darum muss das Wort Gottes auch heute laufen- Es muss verkündigt werden mit allen Möglichkeiten des Lebens. Es muss verkündigt werden zur Zeit und zur Unzeit.
Das kann auch Lukas von Paulus berichten, wenn er schreibt:
„Paulus aber blieb zwei volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen, predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert.“
Für uns kann das heute eine ungeheure Herausforderung sein, dieses Evangelium in unseren Orten mit Herzen, Mund und Händen zu bezeugen. Und Gott will uns durch seinen Heiligen Geist zu diesem Zeugnis bevollmächtigen. Von Jesus schweigen ist Ausdruck der Geistesabwesenheit. Mission dagegen ist Geistesgegenwart.
Auch für uns heute sollte gelten, was Petrus und Johannes vor dem hohen Rat gesagt haben:
„Wir können's ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ Apg 4,20
Amen
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