Nachfolger Jesu sein

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Nachfolger Jesu sein
Liebe Gemeinde,
Ich möchte euch heute in die Welt Jesu, in die Welt des ersten Jahrhunderts hineinnehmen.
Begleitet mich in das Erziehungssystem und in die Welt, in der Jesus lebte.
Ich möchte euch einen kleinen Einblick in das Leben und Denken jener Zeit vermitteln und dann fragen: Was heißt das für uns und für unser Leben in der Nachfolge Jesu?
Das Wichtigste für jeden Juden zur Zeit Jesu war die Thora.
Die Thora war der Mittelpunkt des Lebens.
Die Thora sind die ersten fünf Bücher der jüdischen Heiligen Schrift.
Die Thora ist der Pentateuch, die fünf Bücher Mose.
Die Thora sind die Lehren, die Gott uns Menschen gegeben hat.
Wir verstehen sie heute meistens als Gesetze, aber für einen Juden war die Thora viel mehr als nur ein Gesetzbuch.
In der Zeit, in der Jesus lebte, betrachtete man Gott als liebenden Gott. Er ist ein liebender Gott, der uns so sehr liebt, dass er uns seine Worte gibt, um uns zu lehren, wie wir leben sollen. Um uns zu lehren, wie wir den Frieden und die Freude haben können, die wir nur bekommen, wenn wir mit Gott leben.
Die Thora war der große Liebesbeweis Gottes, der seine Kinder so sehr liebt, dass er sie lehrt, wie sie leben sollen, wie sie das Leben, zu dem er sie geschaffen, zu dem er sie angelegt hat, erfahren können.
Ein Jude, der Gott treu sein wollte, der Gott gehorchen und nach der Thora leben wollte, trug einen sogenannten Gebetsschal.
Wir können auch heute noch in Israel thoratreue Juden mit solchen Gebetsschals sehen. Kleine Quasten hängen unten an ihrer Kleidung. Ein Jude trug überall, wohin er ging, einen Gebetsschal. An diesem Gebetsschal waren Quasten. Jeder gute, gottesfürchtige Jude trug so einen Gebetsschal
Gott ist ein Gott, der sichtbare Zeichen setzt, der Bilder benutzt. Gott weiß, dass viele von uns durch Bilder besser lernen können, dass wir etwas sehen müssen, damit bei uns der Groschen fällt.
Er ist außerdem ein Gott, der Dinge greifbar, anfassbar macht. Er will, dass wir Dinge mit allen Sinnen erleben. Er sagt: „Ich weiß, wie ihr seid. Ihr vergesst so oft, dass das Leben mit mir, das Leben, zu dem ich euch geschaffen habe, das Leben, für das ich euch angelegt habe, besser ist als jeder andere Weg. Ich weiß, wie ihr seid. Ihr seid Menschen, die eifersüchtig nach anderen schauen.
Deshalb sollt ihr diese Quasten haben, die euch daran erinnern, wie gut ich zu euch bin. Sie sollen euch erinnern, dass mein Weg der beste Weg ist.“
Deshalb nimmt man oft die Quasten die Quasten haben fünf Knoten als Symbol für die fünf Bücher Mose, die Thora, legt die Finger um sie und geht mit seinem Gebetsschal in den Tempel. Um nicht abgelenkt zu werden, nimmt man eine typische Gebetshaltung ein. Das war die „Gebetskammer.“
Wenn Jesus davon spricht, dass man zum Beten in seine Kammer gehen soll, meint er damit nicht eine Rumpelkammer unter der Kellertreppe, in der wir unseren ganzen alten Krempel aufheben.
Die Pharisäer liebten lange Quasten. Sie versuchten sogar, sich mit ihren Quasten gegenseitig zu übertreffen. Als Jesus über die Pharisäer und Heuchler spricht, erzählt er von einem Pharisäer, der so viel Wert auf äußeren religiösen Schein legte, dass seine Quasten beim Gehen den Boden berührten. Er wollte die Leute mit seiner religiösen Frömmigkeit beeindrucken.
Die Frage lautete: In welchem Alter fängt man an, einen Menschen die Thora zu lehren? In welchem Alter fängt man an, einem Kind die Schrift einzuprägen? In Jesu Tagen legte man sehr viel Wert auf Bildung.
Ein jüdischer Geschichtsschreiber aus dem ersten Jahrhundert sagte: „Vor allem sind wir stolz auf die Bildung unserer Kinder.“ Den Kindern Bildung beizubringen war ein zentraler Punkt im Leben der Gemeinschaft. Ihnen war klar, wenn die Schrift nicht in den Verstand, in das Herz, in die Seele, ins Fleisch eines Kindes übergeht, ist man nur eine Generation davon entfernt, als gläubige Gemeinschaft ausgerottet zu werden. Wenn die nächste Generation diese Worte nicht aufnimmt und sie in ihrem Leben umsetzt, ist sie so gut wie erledigt. Deshalb waren sie sehr stolz darauf, dass sie ihre Kinder in der Schrift unterrichteten. In einer antiken Quelle lesen wir: „Die Welt bleibt erhalten durch den Atem von Schulkindern.“ Die Frage war also: In welchem Alter fangen wir an, den Kindern die Thora beizubringen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Talmud. „Vor dem Alter von sechs Jahren nehmen wir ein Kind nicht als Schüler auf, aber nimm es ab sechs Jahren auf und mäste es mit der Thora wie einen Ochsen.“
Es gab drei Ausbildungsstufen, wie wir aus jüdischen Quellen wissen, die uns helfen, das Leben Jesu besser zu verstehen. Die erste Ausbildungsstufe hieß Bet Sefer. Das heißt übersetzt Haus des Buches. Diese Ausbildungsstufe begann mit ungefähr sechs Jahren. Sie fand in der Synagoge statt. In jedem Dorf gab es eine Synagoge und einen Thoralehrer, einen Rabbi. Mit sechs Jahren kamen die Kinder in die Schule. An ihrem ersten Schultag nahm der Rabbi Honig und beschmierte die Tafel, auf die sie schreiben sollten, mit Honig. Sie hatten den Honig überall an den Fingern. Honig war in der jüdischen Welt ein Symbol für Gottes Gnade, für Gottes Großzügigkeit. Honig war das Angenehmste, Köstlichste, was man sich vorstellen konnte. Eine unglaubliche Delikatesse. Der Rabbi beschmierte die Tafel der Sechsjährigen mit Honig. Dann sagte er: „Mein Kind, mein Schüler, lecke den Honig auf. Die Kinder leckten den Honig. Und der Rabbi sagte: „Mögest du nie vergessen, dass Gottes Worte wie Honig sind. Die Worte Gottes sind das Angenehmste, Köstlichste, was es gibt. Etwas, von dem du immer mehr haben willst. Mögest du nie vergessen, dass die Worte Gottes das Angenehmste und Köstlichste sind, was du je bekommen kannst. Schmecke und sieh, dass Gott gut ist. Mögest du wie Hesekiel sein, der die Schriftrolle aß und sagte, dass sie süß, wie Honig schmeckt.“
Schon als kleines Kind brachte man also die Schrift auf eine Weise, die man berühren und schmecken konnte, mit der angenehmsten, exotischsten, schönsten Sache in Verbindung, die man sich nur vorstellen konnte.
Geht es uns mit der Bibel auch so? Als Nachfolger Jesu müssen wir uns ein paar sehr unangenehme Fragen darüber, was wir als angenehm und köstlich empfinden, gefallen lassen.
Als sechsjähriges Kind begann man, die Thora auswendig zu lernen.
Bet Sefer war für 6 bis 10jährige. Mit zehn Jahren konnte man die Tora auswendig. Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium, alle fünf Bücher Mose auswendig. Wir sagen, heute gehe das nicht mehr. Heute sei alles anders. Zeigen Sie mir zwei Vierzehnjährige, die nicht die Namen von fast allen Spielern in der Bundesliga auswendig kennen. Oder zeigen Sie mir eine Siebzehnjährige, die nicht jedes Lied in den Charts auswendig kann. Wir haben uns nur darauf verlegt, andere Dinge zu lernen und uns zu merken. Mit zehn Jahren kannte ein jüdisches Kind die Thora auswendig.
Die Bibel interaktiv
Die nächste Stufe von 10 bis 14 Jahren nannte man Bet Talmud. Einige sagen, sie gehöre schon zur dritten Stufe. Nach dieser Stufe machten nur die allerbesten Schüler weiter. In Bet Talmud lernte man den Rest der hebräischen Schriften auswendig. Mit dreizehn oder vierzehn konnte man die gesamte hebräische Heilige Schrift auswendig. Außerdem lernte man die Kunst des jüdischen Fragens und Antwortens.
Unser Bildungssystem ist sehr rational. Es ist sehr stark auf die Weitergabe von Informationen konzentriert. Wir betrachten Wissen als das, was der Lehrer als Informationen vermittelt. Der Schüler nimmt diese Informationen auf, und zu bestimmten Zeiten, die wir Prüfungen nennen, spuckt er die Informationen hoffentlich wieder genauso aus, wie er sie gehört hat. Wir fragen ein Kind: „Wie viel ist zwei plus zwei?“ Das Kind sagt: „Vier.“ Wir sagen: „Gut gemacht.“ In der jüdischen Kultur war das Lernen viel interaktiver. Es liefen viel mehr Prozesse ab. Der Rabbi fragte vielleicht: „Wie viel ist zwei plus zwei?“ Der Schüler sagte dann vielleicht: „Wie viel ist sechzehn geteilt durch vier?“
Wie oft wurde Jesus eine Frage gestellt, und er hat mit einer Gegenfrage geantwortet? Der Fragende war oft sowieso schon verwirrt, und nach Jesu Antwort wusste er dann gar nichts mehr. Jesus beantwortete Fragen gern mit Gegenfragen.
Die Juden lehrten die Kinder, nicht einfach gelerntes Wissen wiederzukäuen, sondern das Wissen zu verarbeiten, selbst zu denken, und mit einem scharfen Verstand zu reagieren und eine Antwort zu geben, die nicht nur zeigte, dass sie die Frage verstanden hatten, sondern auch, dass sie die Diskussion weiterführen konnten. Man wollte, dass die Kinder mit der Heiligen Schrift interaktiv umgingen und nicht einfach Informationen unverdaut wiedergaben. Der Rabbi lehrte die Kinder dieses Fragen und Antworten.
In dieser Welt lebte Jesus. In seiner Welt drehte sich alles um die Schrift, die Schrift und nochmals die Schrift. Am Ende von Bet Talmud wurde es erst richtig interessant. Für die Besten der Besten, die Bet Talmud abgeschlossen hatten, gab es noch eine dritte Ausbildungsstufe: Bet Midrasch.
Bet Midrasch begann im Allgemeinen ab 14 Jahren. Die allerbesten Schüler wurden dazu ausgebildet, selbst Rabbiner zu werden. Die Rabbiner waren so etwas wie heute eine Eliteuniversität. Die angesehenste, am meisten geachtete Person in der ganzen Gesellschaft war der Rabbi. Der geistliche Lehrer, der die Gemeinde bei der Erforschung der Schrift anleitete. Somit war es der höchste Traum jedes jungen Menschen, Rabbi zu werden.
Genau hier um diesen Hintergrund müssen wir wissen, wenn es darum geht, dass wir den Bibelabschnitt aus Lukas 9,57-62 richtig verstehen wollen.
Wir lesen ihn noch einmal nach der Genfer Übersetzung:
Kosten der Nachfolge
57 Als sie weitergingen, wurde Jesus von einem Mann angesprochen. »Ich will dir folgen, wohin du auch gehst«, sagte er.58 Jesus erwiderte: »Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich ausruhen kann.« 59 Zu einem anderen sagte Jesus: »Folge mir nach!« Er aber antwortete: »Herr, erlaube mir, zuerst noch ´nach Hause` zu gehen und mich um das Begräbnis meines Vaters zu kümmern.« 60 Jesus erwiderte: »Lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber geh und verkünde die Botschaft vom Reich Gottes!« 61 Wieder ein anderer sagte: »Ich will dir nachfolgen, Herr; doch erlaube mir, dass ich zuerst noch von meiner Familie Abschied nehme.« 62 Jesus erwiderte: »Wer die Hand an den Pflug legt und dann zurückschaut, ist nicht brauchbar für das Reich Gottes.«
Es ist erst einmal festzustellen, dass Menschen anderen Menschen nachfolgen, war damals nichts besonders. Es gab viele sogenannte Jünger, die ihrem Rabbi nachgefolgt sind. Das war erst einmal etwas ganz Normales.
Von einem anderen Rabbi wird im Neuen Testament auch berichtet, dass er Jünger hatte. Nämlich Johannes der Täufer. Also dass der Rabbi Jesus Jünger hatte, das war damals nicht besonderes und hätte keinen besonders hinter dem Ofen hervorgelockt.
Aber was hervorgelockt hätte, war dass der Rabbi Jesus in seiner Aufforderung und Erwartung der Nachfolge so radikal war. Er forderte 100 ige Umkehr und Nachfolge.
Wenn wir den Text aus dem Lukasevangelium lesen, dann klingt der ganz nüchtern und sachlich Vielleicht würdet ihr jetzt fragen: „Wo ist denn hier in diesem Text die Begeisterung? Wir spüren hier ein fast rechnerisches Kalkül in Bezug auf die Nachfolge.
Da ist:
1. Die Nachfolge Christi eine Sache der nüchternen Überlegung. Jesus will niemand unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gewinnen. Darum weist er V. 58 auf die Konsequenzen der Nachfolge hin. und sagt: „»Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich ausruhen kann.«
Jesus will keine Stimmungsbekehrung und keine Gefühlsduselei.
Es geht hier um ein unstetes Leben – es geht um kein Leben, wo man sagt mein Heim ist meine Burg.
Jesus will, dass wir uns der Konsequenzen in der Nachfolge bewusst machen. In einem anderen Gleichnis – dem Gleichnis vom Hausbau spricht er davon, dass man in der Nachfolge eine Kosten-Nutzenrechnung machen soll. Also ehe du Jesus nachfolgst, rechne dir aus, was es bringt, diesem Jesus nachzufolgen. Bist du bereit dazu?
2. Nachfolge ist eine Sache der Ungesichertheit. Jesus ist in dieser Welt ein Fremdkörper. Wer sich ihm anschließt, wird nicht mehr in erster Linie an seiner beruflichen Karriere und Sicherheit arbeiten können.
3. Nachfolge hat absoluten Vorrang vor allem anderen, selbst vor der Beerdigung des Vaters, so schockierend das hier auch klingen mag. Jesus geht es nicht nur um ein bisschen Christlichkeit inmitten all der Dinge, die uns im Leben beschäftigen.
4. Nachfolge ist Sache der Verkündigung. Es gibt keine schweigende, nur still tätige Nachfolge Christi. Jesus beruft uns dazu, den Mund aufzutun für das Reich Gottes.
Luther spricht darum einmal von dem "gottlosen Stilleschweigen" vieler sogenannten Christen.
5. Nachfolge ist immer zukunftsorientiert. Manche jammern immer den alten Zeiten nach, die angeblich so gut waren.
Manche malen sich aus, was sie in der Vergangenheit im Leben versäumt haben und vergehen fast in Selbstmitleid.
Nachfolger Christi aber sehen auf den, der wiederkommen wird und gehen auf ihn zu und wirken in seinem Namen.
Darum möchte ich euch heute Mut machen ein Nachfolger Jesu zu sein. Ihr habt das Privileg in euer Nachfolge von die Stufe Bet Midrasch zu erreichen. Jesus lädt euch dazu ein.
Amen.
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