Das Ei des Huhnes

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Das Ei des Huhnes
Liebe Gemeinde,
da ist das Ei eines Huhnes. Schon hier in diesem Ei ist alles festgelegt wie das Huhn einmal sein wird. Welcher Farbe die Federn haben, wie dick oder dünn das Huhn wird, ob es fliegen kann, ob es ein Huhn oder ein Hahn wird. Es muss nur noch ausgebrütet werden. Wahrscheinlich wird dieses Ei nicht ausgebrütet, sondern zum Frühstück verspeist.
Genauso ist es auch bei uns Menschen. Auch wir sind vom Mutterleib her schon festgelegt. Auch wir können vor unser Geburt nicht bestimmen, ob wir Menschen werden wollen oder nicht. Welche Hautfarbe wir haben, ob wir groß oder klein werden. Auch wir sind schon vor unserer Geburt festgelegt. Wir sind schon vor unserer Geburt bestimmt, Menschen zu werden. Selbst wenn wir uns später hier und da nicht immer wie ein Mensch benehmen werden, wir bleiben trotzdem ein Mensch. Egal ob uns unsere Eltern, unser Geburtsort, die Zeiten, in denen wir leben, gefallen oder nicht: Uns ist all das vorgegeben und noch vieles mehr. Daraus sollen wir dann im Verlauf unseres Lebens das Beste machen.
Genau so etwas gibt uns und den Leuten in Ephesus im Bezug auf die Gemeinde und das Zusammenleben als Christen der Apostel Paulus vor.
Es ist Vorgegebenes, aus dem das Beste werden soll.
Wir hören vom Leben der Gemeinde, von Jesus Christus und davon, was Gott von Anfang an und für immer in die Gemeinde, in die Kirche hineingelegt hat. Gott hat in die weltweite Kirche, in jede einzelne Gemeinde und in jeden einzelnen Christen die Einheit, die Einheit der Christen hineingelegt.
Die christliche Einheit ist uns vorgegeben, die Einheit der Christen ist eine Gabe Gottes. (Epheser 4,16 lesen.)
Hören wir die Worte des Apostels aus Epheser 4:
Epheser 4,1-6
1 Vergesst nicht, dass ich für den Herrn im Gefängnis bin. Als sein Gefangener bitte ich euch: Lebt so, wie Gott es von denen erwartet, die er zu seinen Kindern berufen hat.
2 Überhebt euch nicht über andere, seid freundlich und geduldig! Geht in Liebe aufeinander ein!
3 Setzt alles daran, dass die Einheit, wie sie der Geist Gottes schenkt, bestehen bleibt durch den Frieden, der euch verbindet.
4 Gott hat uns in seine Gemeinde berufen. Darum sind wir ein Leib. In uns wirkt ein Geist, und uns erfüllt ein und dieselbe Hoffnung.
5 Wir haben einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe.
6 Und wir haben einen Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht, der durch uns alle und in uns allen wirkt.
Liebe Gemeinde;
Uns als Christen ist der gemeinsame Glaube an Jesus Christus vorgegeben. Hier wird heute die Frage nach der Einheit gestellt. Es geht also zuerst nicht darum, was uns trennt, sondern was uns eint.
Wie uns das Leben und die Fähigkeiten zu sehen und zu hören gegeben sind, so dürfen wir die Einheit des Glaubens unter Christen als Gabe Gottes verstehen.
Eigentlich ist das etwas ganz natürliches. Selbst in der Partnerschaft zwischen Mann und Frau stellt man doch zu allererst die Frage, was eint uns? Und nicht die Frage was trennt uns?
Darum gilt das auch für uns als Christen als Gemeinde. Paulus macht uns das heute deutlich:
Wir sind ein Leib.
In uns wirkt ein Geist, und uns erfüllt ein und dieselbe Hoffnung. Wir haben einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe. Und wir haben einen Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht.
Sind wir evangelisch, die anderen katholisch, wieder andere Baptisten oder Methodisten oder was sonst auch immer. Eins muss uns bewusst sein, wir haben als Christen die gleiche Wurzel, die uns trägt: unsere Taufe. Da spielt auch keine Rolle wie der Taufritus ausgesehen hat, mit dem man getauft wurde. Ob man nur mit Wasser besprengt wird, wie das bei uns üblich ist, oder ganz im Becken untergetaucht wird.
Wir gehören alle zu dem einen Vater, der barmherzig und gnädig mit uns umgeht. Wir haben als Christen die gleiche Hoffnung des ewigen Lebens.
Wir glauben alle an den einen Herrn Jesus Christus. Seine Herrschaft will unseren Alltag bestimmen.
Und wir haben alle die gleiche Kraftquelle: den Heiligen Geist. Er tröstet uns und ermutigt uns zum Gebet.
Das ist es, was uns Christen alle eint und die Basis unserer Gemeinschaft ist.
Genau das eint uns, egal wie unsere Theologie sonst aussieht und was wir sonst noch für Besonderheiten als Gemeinde haben..
Und doch – in jeder Gemeinde und Gemeinschaft von Christen begegnen sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensstilen, Vorstellungen und Fähigkeiten ja sogar aus recht unterschiedlichen Kulturkreisen. Jeder bringt etwas anderes mit. Auch hier in Gottesgrün. Schaut euch einmal um und schaut den anderen an. Und ihr seht es, wie der andere ist. Auch im Glauben glaubt jeder etwas anders als der andere.
Und so sind wir ganz schnell bei der Frage nach dem rechten Umgang miteinander, bei der Frage nach der Einheit in aller Vielfalt. Schon in den kleinsten Gruppen und Kreisen in der Gemeinde kann es Meinungsverschiedenheiten oder gar Streitigkeiten geben. Deshalb erinnert Paulus zunächst an die gemeinsame Berufung aller Christen: Ihr seid Berufene des Herrn, ihr seid Herausgerufene. Auch ihr in Gottesgrün seid Berufene des Herrn. Diese Berufung ist euch durch euer Vertrauen auf Jesus Christus von Gott gegeben geworden.
Darum machen wir uns auch heute wieder bewusst:
Jesus ist unser Friede, unsere Einheit bildende Mitte. Er hat uns in die Familie Gottes hineingestellt, er hat uns zu Bürgern im Volk Gottes gemacht und wir gehören zu Gottes Familie. Genau das aber soll sich auch im Alltag unseres Lebens und in der Gemeinde vor Ort zeigen: »Lebt so, wie Gott es von denen erwartet, die er zu seinen Kindern berufen hat. Überhebt euch nicht über andere, seid freundlich und geduldig!
Paulus nennt hier einen dreifachen Mut, den wir dazu brauchen um in richtiger Weise miteinander umzugehen: Demut, Sanftmut, Langmut.
1. Demut
Mit Demut meint der Apostel den Mut, den anderen wertzuschätzen und höher zu achten als sich selbst. Ich sage dazu – Mut haben zu dienen.
Dazu braucht es erst einmal eine gesunde Selbstwertschätzung und nicht Groll im eigenen Herzen gegen sich selbst. Es braucht ein gesundes Selbstvertrauen. Demut braucht eine nüchterne Selbsteinschätzung der eigenen Stärken und Schwächen, die sich nicht über andere zu erheben braucht, und den Mut, die von Gott geschenkten Gaben und Fähigkeiten in die Gemeinschaft der Christen einzubringen.
2. Sanftmut – Mut haben sanft zu sein.
Sanftmut scheint heutzutage nicht hoch im Kurs zu stehen, denn zu den Sanftmütigen zählen wir eher schwache Menschen, die sich nicht durchsetzen können und deshalb immer nachgeben müssen. Mit Sanftmut, die auch Jesus in seinem Wesen ausgezeichnet hat und die er in den Seligpreisungen der Bergpredigt nennt, ist uns jedoch der Mut empfohlen, der großzügig mit den anderen umgeht, der dem anderen vergibt, ohne Angst zu haben selbst zu kurz zu kommen. Gott ist großzügig, und deshalb können wir im Umgang mit anderen auch großzügig sein.
3. Langmut oder wir sagen Geduld
Langmut ist eine Eigenschaft Gottes, von der wir täglich leben. Er hat mit uns unendlich viel Geduld. Noch lässt er uns Zeit zur Umkehr, zur Bewährung in seinen Geboten, zum Leben nach seinen Verheißungen. Langmut ist der Mut zum Aushalten, zur Geduld, die dem anderen Zeit lässt, Zeit sich zu verändern, Zeit zu sich selbst zu finden. So wie Gott mit uns langmütig ist, sollen auch wir untereinander diesen Mut zur Geduld aufbringen. Wenn der andere sich in einer Weise verhält, die mir Mühe macht, ist mein langer Atem gefragt, ihn zu ertragen auch wenn sich die Situation nicht gleich ändert. Vielleicht muss ich das sogar ein Stück aushalten lernen.
Sind wir auf dem Weg zu solch einer mutigen Gemeinde, die Gott die Ehre gibt und im Umgang miteinander wohl tut durch diesen dreifachen Mut: Demut, Sanftmut, Langmut?
Wie kann das gelingen?
Paulus rät: Geht in Liebe aufeinander ein!.
Es ist die Liebe, die den andern nicht um seiner Vorzüge willen liebt und ihn nicht nur solange liebt, solange er sich wohl verhält und Nutzen bringt. Die Liebe handelt immer auf Vorschuss hin, und das immer wieder. Ernstfall und Bewährungsprobe der Liebe und der Einheit unter Christen wird so der andere, der mir das Leben schwermachen kann, der mich ärgert, den ich als lästig empfinde.
Wo Menschen zusammenleben, da »menschelt« es. Und das ist gut so. Geben wir es also ruhig zu: Mit uns gehören auch solche zur Gemeinde, die uns mit ihrer Art auf die Nerven gehen oder denen wir mit unserer Art auf die Nerven gehen können. Manche empfinden wir als stur, andere als unfreundlich oder komisch.
Manchmal begegnen einem Christen, die sind auf der Suche nach der perfekten Gemeinde. Darum wandern sie von einer Gemeinde zu anderen. Aber es gibt sie nicht die perfekte Gemeinde. Denen kann man sagen: So bald du dazu gehörst, ist die Gemeinde nicht mehr perfekt.
Als Gemeinde gleichen wir den verschiedenen Kindern einer kinderreichen Familie. Der eine ist aufgeschlossen und kann leicht auf fremde Menschen zugehen. Ein anderer lebt ganz in sich gekehrt. Wieder ein anderer vermag in besonderer Weise einem anderen zuzuhören.
» Geht in Liebe aufeinander ein «: Das ist das schlichte Rezept für die Einheit unter Christen. Da ist dann auch immer wieder viel Übung gefragt und Ausdauer, denn das Einssein im Glauben ist nicht unsere erste Natur, sondern die zweite Natur.
Deshalb gibt uns Paulus auch all diese Anleitungen. » Setzt alles daran, dass die Einheit, wie sie der Geist Gottes schenkt, bestehen bleibt durch den Frieden, der euch verbindet.
Liebe und Frieden sind also die Mittel zur Einheit. Die Einheit selbst ist Gabe und Aufgabe zugleich für uns Christen. Und Paulus lenkt unsern Blick auf die Hilfen zur Einheit, nämlich auf das Band des Friedens, das Jesus für uns geknüpft hat. Er ist unser Friede. Er verbindet uns in Zeit und Ewigkeit.
Amen.
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