Den Juden ein Jude

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Den Juden ein Jude, den Heiden ein Heide!

Liebe Gemeinde,
in Fraureuth haben wir nachher einen Gastprediger, der beim Blauen Kreuz mit Alkoholikern und Drogenabhängigen arbeitet.
Vielleicht hat mancher von euch auch schon einmal versucht mit solchen Menschen über den Glauben an Jesus Christus zu sprechen. Und ihr habt dabei gespürt, wie schwer das ist.
Aber nicht nur bei Alkoholikern und Drogenabhängigen ist das schwer mit ihnen über den Glauben zu reden, sondern mit jedem Menschen, dem man nicht kennt.
Von Missionaren wird zum Beispiel berichtet, dass sie erst viele Jahre mit den Ureinwohnern Brasiliens oder PapuaNeuguinea oder sonst wo in der Welt gelebt haben. Sie haben die Kultur und die Sprache der Stämme kennengelernt ehe sie das Evangelium von Jesus Christus weitergeben konnten.
Auch bei Bettina Baumgarten und Marit Weilbach sehen wir es, wie sie erst die Sprache und die Kultur der Peruaner kennen gelernt haben ehe sie ihren Dienst im Hospital Diospi Suyana begonnen haben.
Dass wir so uns in der richtigen Weise den Menschen nähern, macht uns der Apostel Paulus deutlich, wenn er da in 1. Korinther 9,16-22 schreibt:
16 Denn dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!
17 Täte ich's aus eigenem Willen, so erhielte ich Lohn. Tue ich's aber nicht aus eigenem Willen, so ist mir doch das Amt anvertraut.
18 Was ist denn nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium predige ohne Entgelt und von meinem Recht am Evangelium nicht Gebrauch mache.
19 Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne.
20 Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin , damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne.
21 Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi , damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne.
22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne.
Wo Christen sich versammeln, da geht es meistens auch um die »Verkündigung des Evangeliums«, um »Predigt«, wie wir sagen.
Nun ist der Begriff Predigt oft nicht so eindeutig Hinter ihm verbirgt sich der Praxis oft ein buntes Gemisch von Meinungskundgebungen, von Stellungnahmen zu politischen oder gesellschaftlichen Vorgängen.
Wenn in den Medien berichtet wird, was dieser Bischof oder jener Kirchenführer bei uns in Deutschland oder anderswo »in seiner Predigt« gesagt hat, gewinnt man eher den Eindruck, das Wort »Predigt« ist nur der christliche Ausdruck für irgendeine Rede, die während eines Gottesdienstes von einem leitenden Menschen der Kirche gehalten worden ist.
Die Aussagen unterscheiden sich im Grunde nicht von den Äußerungen anderer nichtchristlicher Redner. Aber auch sonst wird, was unter »Verkündigung des Evangeliums« zu verstehen ist, recht unterschiedlich beurteilt und folglich auch umgesetzt.
Durch das Bibelwort haben wir heute die Möglichkeit, den von Gott in besonderer Weise gebrauchten Zeugen des Evangeliums, den Apostel Paulus, zu befragen, was für ihn »Verkündigung des Evangeliums« bedeutet und welches Ziel diese Verkündigung hat.
Wir fragen darum erst einmal, welche Bedeutung hat die Verkündigung des Evangeliums für den Apostel selbst. Nun wir stoßen auf recht interessante Antworten:
1. Der Verkündiger des Evangeliums bekommt selbst Anteil an der Rettung, indem er dem Auftrag zur Verkündigung der Rettung gehorsam ist (V. 1618.23).
Das ist ein überraschender Satz, der am Ende unseres Bibelabschnittes steht: »Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.«
Jesus hat damals seine Jünger mit dem Auftrag in die Welt geschickt, das Evangelium, die Frohe Botschaft, dass Gott die Gottlosen liebt und sie retten will, allen Menschen bekannt zu machen.
Menschen, die der ewigen Verlorenheit ausgesetzt sind, sollen zum Glauben an den Herrn Jesus Christus eingeladen werden, weil sie nur so überleben können. Das ist der Kern der großen Botschaft.
Schauen wir uns einmal die Weihnachtsgeschichte (Lk 2,10ff.) an:
In Jesus Christus ist euch heute der Heiland, der Retter geboren. Das allein ist in dieser Todeswelt Grund zur Freude und zum Jubel: Überleben ist möglich!
Darum wird uns durch das Evangelium klar gesagt: Der ewige Untergang muss nicht Schicksal bleiben.
Die Jünger von Jesus sind Leute, die sich auf ihn eingelassen haben und die diese große Botschaft für sich selbst gelten lassen. So hat diese Nachricht von Gott in ihrem Leben große Freude und Veränderung ausgelöst. Die Boten Gottes auf den Hirtenfeldern in Bethlehem haben diese Freude angekündigt.
Was fangen aber nun die, die sich auf diese Botschaft eingelassen haben, damit an?
Sie könnten diese nur auf sich selbst beziehen und dann so reagieren, wie es in dem Liedvers von Novalis heißt: »Wenn ich ihn nur habe, wenn er mein nur ist ... wenn auch alle andern breite, lichte, volle Straßen wandern.«
Manche Jünger von Jesus haben dieses Lied allzu gern missverstanden und für sich als Alibi benutzt, um in passiver Seligkeit ihres Glaubens zu leben und die anderen Menschen ihrem Schicksal zu überlassen.
In dem Bibelwort heute macht der Apostel Paulus etwas anderes deutlich. Wir wissen ja von dem Sendungsauftrag, den Jesus seine Jünger damals und uns heut mit auf den Weg gegeben hat. Darum gilt die hier formulierte Erkenntnis des Paulus jedem Jünger Jesus (vgl. dazu Mt 28,1820, Lk 16,15f, Apg 1,8).
Es ist also nicht in das Belieben des einzelnen Jünger Jesu gestellt, ob er etwas von dieser Botschaft des Evangeliums weiter geben will oder nicht. Nein er ist verpflichtet davon weiter zu erzählen, was sein Leben prägt und hält.
Paulus sagt es für sich persönlich sehr drastisch: Die Rettungsbotschaft für die Welt weiterzugeben oder nicht ist nicht meine freie Entscheidung.
»Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predige« (V. 16b).
Natürlich kann man auch mit diesem Auftrag auch marktwirtschaftlich umgehen, indem man Ausschau hält nach Marktlücken: »... hier habe ich etwas gefunden ...« »... so etwas kommt auf dem Markt der Lebensmöglichkeiten noch nicht vor ...«
Auf diese Weise kann man sich dann mit dem Evangelium auch selbständig machen, Marktstrategien entwickeln und so ein erfolgreicher Unternehmer in Sachen Evangelium werden und dabei ganz gut leben. Also so etwas wie Verkündiger als Job fürs Leben. Ich habe mal von einen Bestatter gehört, der hatte sich eine Kapelle gebaut – und bot sich nun als Prediger für evangelische Trauerfeiern an.
Dem Apostel Paulus geht es nun nicht darum, zu bestreiten, dass es hauptamtliche Verkündiger des Evangeliums gibt, Menschen, die dies als Beruf(ung) von Gott zugewiesen bekommen haben, von der Gemeinde in diesen Dienst berufen und dafür auch bezahlt werden. An anderer Stelle der Bibel macht er sogar deutlich, dass das legitim ist.
Nein, Paulus will darauf aufmerksam machen, dass man das Weitersagen der Rettungsbotschaft auf dem Stellenmarkt auch missbrauchen kann und so dem Auftrag nicht gerecht wird (V 18b).
Deshalb muss das Eine ganz klar bleiben: Am Weitergeben des Evangeliums in Wort und Tat als hauptamtliche Verkündiger oder als Zeugen von Jesus in weltlichen Berufen und Situationen, am Leben, in dem die Herrschaft Jesu Christi erkennbar ist, hängt unsere eigene Rettung (V 23).
Welchen Sinn hat denn nun das Weitergeben der entscheidenden Neuigkeit und auf welchen Wegen ist dies möglich?
2. Das Ziel, die Rettung anderer Menschen zu erreichen, ist nur möglich, indem sich der Zeuge von Jesus auf die Lebenseinstellungen der verlorenen Menschen einlässt (V.19-22).
Beispiele dazu habe ich ja schon am Anfang der Predigt aufgezeigt.
Theoretisch wird auch kaum jemand etwas gegen diesen Satz einzuwenden haben. Doch in der Praxis allerdings ist dieser Gedanke höchst brisant, das meint er ist sehr umstritten und auch in verschiedener Hinsicht gefährlich, wenn wir ihn in die konkrete Lebenssituation von Menschen vieleicht auch unserer Mitmenschen hineinnehmen lassen.
Da stellt sich uns die Frage: Wo liegen denn die Grenzen beim SichEinlassen auf andere Menschen? Sich wird sie jeder für sich unterschiedlich ziehen. Aber darf man denn überhaut solch eine Grenze ziehen?
Paulus geht davon aus, dass er durch den Glauben an Jesus Christus frei geworden ist von den Abhängigkeiten dieser Welt und so auch von den Mächten, die in dieser Welt das Sagen haben.
Diese Freiheit versetzt ihn in die Lage, sich freiwillig abhängig zu machen von den Einstellungen anderer Menschen. Ehe wir die Frage zu klären versuchen, was diese Abhängigkeit bedeutet, gehen wir zuerst der Frage nach: Wann gibt er sich in diese Abhängigkeit und warum ist sie notwendig?
In dem Bibelwort geht es fünfmal um das Gewinnen von Menschen. Um dem Missverständnis zu entgehen, dass es um das Gewinnen von Mitgliedern für einen Verein geht, redet er in V. 22 von »retten«. »Gewinnen« heißt also: für den Glauben an Jesus Christus gewinnen.
Damit wird noch einmal eindeutig und eindrücklich, unwiederbringlich festgeschrieben, worum es bei Gottes Handeln uns Menschen gegenüber immer geht: um Rettung, damit wir überleben!
Was setzt Paulus für die Rettung anderer Menschen ein? Sein Einsatz ist unmenschlich hoch: Es ist seine Freiheit, zu der ihn Christus befreit hat. Er ist bereit, wenn es die Rettung von Menschen notwendig macht, seine Freiheit einzuschränken, um Menschen für Jesus zu gewinnen, und zwar möglichst viele.
Wie sieht nun diese freiwillige Abhängigkeit aus, die er auf sich nimmt? (V. 2227a) Was bedeutet denn das für ihn, den Juden ein Jude zu sein?
Paulus selbst ist Jude. Seit er Jünger von Jesus ist, hat diese Prägung keine Bedeutung mehr. Aber er nimmt die Menschen in ihrer Einstellung z. B. »wir sind Abrahams Kinder« ernst. Er macht ihnen deutlich, was Abrahams Lebenshaltung für sie bedeutet. Am Volk Israel kann er zeigen, wie Gott seinen Weg durch die Geschichte dieses Volkes hindurch bis zu Jesus Christus gegangen ist.
Er lässt sich auf die ein, die »unter dem Gesetz sind«. Paulus weiß, dass das Einhalten der Gebote und der gesetzlichen Interpretationen nicht der Weg in den Himmel ist. Aber er nimmt die Menschen ernst, macht ihre Bemühungen nicht madig und stößt sie nicht vor den Kopf. Er geht den Weg ihrer Überzeugung mit, um am Ende zu zeigen, dass der Weg nicht ans Ziel führt.
Vers 21: Es gibt Menschen, die sich keine Gedanken machen, wie man Gottes Wohlwollen erreichen kann. Sie fragen nicht nach Maßstäben, die vor Gott Gültigkeit haben. Natürlich hat Paulus für sein Leben Maßstäbe, nach denen er lebt, aber er lässt sich auf die Argumente derer ein, die nicht nach Gott fragen.
Vers 22: Gemeint sind wohl Menschen mit engeren Gewissen. Sie tun sich schwer, viele Dinge des Lebens als Gabe Gottes anzunehmen. Es geht hier ja nicht um Jünger von Jesus sie sollen es ja erst werden. Aber Paulus versetzt sich in ihre Lage, wischt ihre Bedenken nicht vom Tisch, versucht nachzuempfinden und sie so zugänglich zu machen für das Evangelium.
Wir erkennen: Es geht nicht darum, sein Fähnchen nach dem Wind zu richten, sich auf allen modernen Kram einzulassen, jedem nach dem Mund zu reden.
Hier geht es darum, dass der Zeuge von Jesus bereit wird, sich auf einen Menschen in seiner jeweils anderen Denk und Lebensweise einzulassen, um ihn in die Nähe von Jesus bringen zu können. Paulus hat sich diese mühevolle Einstellung zu eigen gemacht, ohne seine eigene Identität zu verlieren.
Warum macht er sich solche Mühe um die Menschen? V 19b »... damit ich möglichst viele gewinne.« Das ist sein Ziel.
Wie wertvoll ihm der einzelne Mensch ist und wie wichtig seine Rettung, kommt zum Ausdruck in dem großen Aufwand und der großen Anstrengung. In dem ganzen Einsatz seiner Persönlichkeit um »einige zu retten« (V. 22b).
Auch wenn es nur gelingt, wenige zu retten, wenige zum Glauben an den Herrn Jesus Christus zu führen, lohnt sich der große Einsatz der ganzen Person.
Jesus Christus möchte uns durch dieses Wort neu in Bewegung setzen, um die erfahrene Rettung anderen Menschen weiterzugeben.
Amen.
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