Predigt (unbenannt) (2)

Sermon  •  Submitted
0 ratings
· 17 views
Notes
Transcript

Predigt: Mehr als herzliches Miteinander (Epheser 4,1-3)
1.Einleitung
Vor ungefähr drei Jahren machte ich für drei Monate einen missionarischen Einsatz in Bangladesch. Dafür bekam ich Kulturtraining. Man erklärte mir, wie ich mich in dieser mir fremden Kultur verhalten soll. Wie man sich kleidet. Wie man isst. Wie man sich begrüsst und wie man sich verabschiedet. Man erklärte mir alle Verhaltensregeln. So ist z.B. die linke Hand die Hand, die prinzipiell unrein ist. Mit links macht man also alle unreinen Dinge – wie seinen Toilettengang. Mit rechts isst man, legt man das Geld in den Opferstock,… Als weiteres Beispiel ist Essen, also viel Essen eine Liebessprache in Bangladesch. Indem man viel isst, zeigt man, dass man seine Gastgebet gerne hat.
So wie ich für meinen Einsatz in Bangladesch Verhaltensregeln lernen muss, so bringt uns auch Paulus Verhaltensregeln und Verhaltensweisen für unseren Umgang in der Gemeinde bei. Sozusagen Kulturtraining für die Gemeinde. Und damit auch Training für unser Leben am Montag, Dienstag,…
2. Hauptteil
1 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, 2 in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe 3 und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens (Eph 4,1-3)
2.1 Das Ideal
Paulus träumt. Träumt von einer Gemeinde, in der Einheit herrscht. Frieden regiert. Der Frieden Gottes, der alles übersteigt. Der Traum von Gemeinden, die ihre Einheit so sehr schützen, wie ihren Augapfel. Die sich bemühen, sich anstrengen die Einheit zu bewahren. Und zu erhalten.
2.2 Das Ideal ist schon da: Bewahrt das Ideal!
und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist
Paulus sagt also: Das Ideal ist schon da. Schon vorhanden. Die Einheit, die Gottes Geist bewirkt, ist schon mitten uns. Wir müssen dieses Ideal also nicht selbst kreieren oder produzieren. Sondern einfach nur erhalten und bewahren. Für diese Erhaltung sollen wir uns aber eifrig einsetzen. Alles daran setzen. Uns bemühen. Doch nicht mit unserem Handeln beginnt der Epheserbrief. Sondern unserem Handeln ist Gottes Handeln vorausgesetzt.
In den ersten drei Kapiteln des Epheserbriefes beschreibt Paulus das, was Gott für uns getan hat. Sie handeln von der Geschichte des Evangeliums. Von Gottes Handeln. Und nun im vierten Kapitel des Epheserbriefes geht es um unser Handeln. Nun sind wir am Zug. Nun spricht Paulus uns an. Er sagt nun uns, was wir tun sollen. Was unsere Reaktion auf Gottes Handeln sein soll. Und er beantwortet die riesige Frage, wie wir als Nachfolger und Nachfolgerinnen von Jesus leben sollen. Die Ermahnung wirkt in diesem Zusammenhang weniger harsch. Sondern eher ermutigend. Aufmunternd. Motivierend. Wegweisend.
2.3 Das Wie des Bewahrens
Wie sollen wir als Christen und Christinnen leben? Wir sollen wir uns als Jesusnachfolger und Jesusnachfolgerinnen in der Gemeinde verhalten?
dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, 2 in aller Demut und Sanftmut, in Geduld
Paulus ermuntert uns ein Leben zu führen, dass unserer Berufung als Gottes Familie, als seiner Gemeinde würdig ist. Angemessen. Angebracht. Würdig leben. Würdiger Lebenswandel. Ein Verhalten, dass die Einheit in der Gemeinde fördert. Ein Verhalten, das die Einheit erhält und bewahrt.
Dieser Lebenswandel spezifiziert Paulus mit drei Wörtern, in all denen das Deutsche Wort „Mut“ stecken. Dieser würdige Lebenswandel umfasst also dreimal Mut: Demut, Sanftmut, Langmut. Mut ist „die Kraft des Wollens“ oder die „Bereitschaft des Empfindens“. Es ist also kein Gefühl, das einfach kommt und wieder geht. Sondern eine Entscheidung. Eine Frage unseres Willens. Wollen wir demütig, sanftmütig und langmütig sein? Demut, Sanftmut und Langmut fordert und erfordert unsere Bereitschaft.
Doch was bedeutet Demut? Sanftmut? Langmut? Jesus sagt über sich selbst in Mt 11,29: …lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig… Jesus ist unser Demut- und Sanftmuts-Vorbild.
Jesus kam sanftmütig in die Welt. Als Friedensbringer. Als Friedensfürst. Deshalb singt man im Adventslied „Macht hoch die Tür“ : Sanftmütigkeit ist sein Gefährt. Esel sind neben dem sie stur sind, auch sehr gutmütige, sanft und ruhig. Aber da ich keine Eselexpertin bin, komme ich wieder zu Jesus zurück. 😊
Beispiele von der Demut und der Sanftmut von Jesus
2.3.1 Demut
Demut. Demut beschreibt eine innere Haltung in mir zu meinem Nächsten. Eine Haltung des Dienens. Mut zum Dienen. Die Einstellung eines Dieners oder einer Dienerin zu haben.
Und eine realistische Haltung zu mir sich zu bilden. Der Hochmütige ist das Gegenteil des Demütigen. Dieser Hochmütige überschätzt sich selbst. Erhebt sich über andere. Ein Demütiger weiss um seine Begabungen. Hat einen realistischen Blick auf sie. Hat einen Blick auf sich selbst, der der Wahrheit und der Wirklichkeit entspricht. Er spielt seine Begabungen nicht gegen andere Begabungen aus. Erhöht sich nicht über andere. Deshalb sagte Mutter Teresa: „Demut ist der Verzicht auf Überlegenheit“.
In einem anderen Brief von Paulus, an die Philipper lesen wir:
Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst (Phil 2,3)
Demut meint auch nicht, dass man sich selbst kleinmacht. Sich selbst heruntermacht und herunterspielt. Sondern meint, dass wir wissen, wie klein wir vor Gott sind. Wie abhängig wir von unserem Vater im Himmel sind. Dass jeder Tag ein Geschenk Gottes an uns ist.
Verhältst du dich demütig? Ist dein Verhalten demütig in der EGW Worb-Boll?
Wir leben würdig unserer Berufung als Gottes Gemeinde, wenn wir demütig handeln!
2.3.2 Sanftmut
Sanftmut. Sanftmut meint meine Reaktion auf das Handeln meines Nächsten. Es beschreibt ein sanftes Gemüt. Eine ruhige, friedliche und ausgeglichene Wesensart mit wohlwollender Gesinnung.[1]Einfühlsam. Verständnisvoll. Selbstbeherrscht. Bescheiden.
Das Gegenteil von Sanftmut wäre Zorn. Zorn führt zu Streit und zu Unfrieden. Sanftmut hingegen führt zu Frieden.
Dazu eine Geschichte vom Rabbi Hillel. Ein Rabbi war ein jüdischer Lehrer, der sich in den 5 Büchern Moses gut auskannte und diese erklärte.
Zwei Männer hatten miteinander gewettet, wer geht und den Hillel in Zorn bringt, der erhält vierhundert Sus. Einer sagte: Ich will ihn ärgerlich machen. Er ging zu Hillels Haus. Dieser war gerade beim Haarewaschen. Der Mann ging hin an die Tür und fragte: Ist Hillel zu Hause? Ist Hillel zu Hause? Dieser hüllte sich in seinen Mantel und ging ihm entgegen. Mein Sohn, redete er ihn an, was ist dein Begehr? Ich habe, antwortete er, eine Frage an dich. Trage sie vor, mein Sohn! versetzte Hillel. Der Mann sprach: Warum sind die Köpfe der Babylonier rund? Da hast du eine grosse Frage gestellt, mein Sohn! gab Hillel zur Antwort, weil sie keine geschickten Hebammen haben.
Der Mann kam aber nochmals. Rief wieder Hillel aus seinem Haus heraus und stellte wieder eine Frage. Dann kommt er wieder und stellt wieder eine Frage. Die Geschichte endet damit, dass der Fragende folgendes sagt: Ich hätte noch viele Fragen, fuhr der Mann fort, allein ich fürchte mich, ich könnte dich zum Zorn reizen. Alle Fragen, versetzte Hillel, die du noch hast, möchte ich hören. Darauf sagte der Fremde: Bist du denn Hillel, den man den Fürsten von Israel nennt? Jawohl! sprach Hillel. So möge es deinesgleichen nicht viele in Israel geben. Warum nicht, mein Sohn? Weil ich durch dich vierhundert Sus verloren habe. Sei behutsam, sagte Hillel zu ihm, Hillel ist wohl wert, dass du durch ihn vierhundert Sus und noch einmal so viel verlierest, er ist nicht böse zu machen.[2]
Hillel, ein Gelehrter, der sich sehr gut im Alten Testament auskannte, konnte nicht zornig gemacht werden. Selbst die nervigsten Fragen im ungünstigsten Moment machten ihn nicht zornig. Da bin ich oftmals anders.
Verhältst du dich sanftmütig? Ist dein Verhalten sanftmütig in der EGW Worb-Boll?
Wir leben würdig unserer Berufung als Gottes Gemeinde, wenn wir sanftmütig handeln!
2.3.3 Langmut
Langmut. Langandauernder Mut. Eine Form von Geduld, die sich auf Personen bezieht. Grosse Geduld. Das leichte Ertragen von Schwierigem. Durchhaltevermögen. Gelassenheit.
Verhältst du dich langmütig? Ist dein Verhalten langmütig in der EGW Worb-Boll?
Wir leben würdig unserer Berufung als Gottes Gemeinde, wenn wir langmütig handeln!
Sanftmut und Langmut werden im Galaterbrief als Früchte des Geistes aufgezählt.
Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Sanftmut, Keuschheit
Frucht können wir nicht selbst kreieren oder produzieren. Sondern Frucht entsteht dadurch, dass wir nahe bei Jesus bleiben. In enger Verbindung zu Jesus leben. Zeit mit ihm Verbringen. Ihn Herr über unser Leben sein lassen. Ihn in unsere Entscheidungen einbeziehen. In mitreden lassen. Und wenn wir am Weinstock, an Jesus und bei Jesus bleiben, wird Frucht entstehen. Und das entlastet. Frucht entsteht nicht aus unserer eigenen Anstrengung und durch unsere Bemühungen.
Die Gemeinschaft mit Jesus, das In-Jesus-Bleiben erfüllt uns mit Gottes Liebe. Und so können wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat. So können wir demütig sein, weil Gott zu uns demütig ist. So können wir sanftmütig sein, weil Gott sanftmütig zu uns ist. So können wir langmütig sein, weil Gott langmütig mit uns ist.
Demut, Sanftmut und Langmut sind Verhaltensweisen, die die Einheit in der Gemeinde fördern. Schützen. Bewahren. Erhalten. Und dafür sollen wir uns eifrig einsetzen. Für diese Einheit.
Hochmut, Zorn und Ungeduld sind Friedenskiller. Sie sind, wie Scheren, die das Band der Einheit zerschneiden. Eigenschaften, die unsere Gemeinde kaputt machen. Die Einheit verletzen und zerstören. Mit welcher Schere schnippelst du? Zu welcher Schere greifst du schnell?
3. Gebet
Wir beten mit einem alten Kirchenlied:
Komm, führe unsere stolze Art
In deine Demut ein
Nur wo sich Demut offenbart,
kann Gottes Gnade sein
Der du noch in der letzten Nacht
Eh du für uns erblasst
Den Deinen von der Liebe Macht
So schön gepredigt hast
Erinnre deine kleine Schar
Die so leicht entzweit
Dass deine letzte Sorge war
Der Glieder Einigkeit[3]
[1] Definition Sanftmut aus: https://www.values-academy.de/sanftmut/ [2] Geschichte aus: Aggada im Talmud (Schabbat 31a) [3] Lied Nr. 814 aus dem Evangelisch-reformierten Gesangsbuch
Related Media
See more
Related Sermons
See more
Earn an accredited degree from Redemption Seminary with Logos.