Im Weinberg Gottes
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Im Weinberg Gottes
Im Weinberg Gottes
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
seit meinem letzten Geburtstag bin ich Pächter einer Weinstocks in einem Weinberg bei Freyburg und bekomme von diesem Weinstock 2 mal 2 Flaschen Wein in den kommenden 2 Jahren. Nun das ist nun ein mehr oder weniger guter Marketing-Trick um Wein zu verkaufen. Natürlich habe ich auch eine Urkunde über den Weinstock mit einer entsprechenden Nummer. Ich könnte sogar im August am Tag der offenen Tür den Weinstock besuchen. Aber das macht mich noch lange nicht zum Winzer oder zu einem Weinbergbesitzer. Dennoch finde ich die Sache recht originell.
Es gibt ja auch ähnliches mit Orangen, Oliven, Granatäpfeln, sogar mit Ziegen und Schafen usw. Das ist aber meistens irgendwo in Südeuropa.
Heute hören wir ein Gleichnis von einem Weinbergbesitzer und seinem Weinberg, das Jesus erzählt. Dabei ist Jesus schon auf dem Weg nach Jerusalem, mit dem Wissen, dass er dort gekreuzigt werden wird.
Wir lesen aus dem Markusevangelium Kapitel 12, 1-12
1 Und er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes. 2 Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs nähme. 3 Da nahmen sie ihn, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. 4 Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn. 5 Und er sandte einen andern, den töteten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern töteten sie. 6 Da hatte er noch einen, den geliebten Sohn; den sandte er als Letzten zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. 7 Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein! 8 Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg. 9 Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben. 10 Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen : »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. 11 Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen«? 12 Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.
Siebenhundertsechzig Jahre vor Jesus hat der Prophet Jesaja schon einmal so ein ähnliches Gleichnis den Führern des damaligen Volkes Israel im Auftrag Gottes verkündet. Es war das sogenannte Weinbergslied. In ihm kritisierte der Prophet im Auftrag Gottes die Führerschaft des Volkes Israel, wie diese mit seinem Volk Israel umgehen.
Nun ist Jesus mit seinen Jüngern nach Jerusalem unterwegs. Viele Menschen begleiten ihn, auch manche Pharisäer und Schriftgelehrte, um zu kontrollieren, was er da predigt. Um auch seiner habhaft zu werden und ihn anzuzeigen, ihn ins Gefängnis zu werfen und letztlich zu töten, damit die Sache mit ihm ein Ende hat. Doch so einfach scheint das nicht zu sein. Das zeigte auch sein Einzug nach Jerusalem, der vor dem Gleichnis hier geschah.
Also das Gleichnis hier sagte Jesus kurz vor seiner Gefangennahme im Tempel in Jerusalem nachdem man ihn fragte, mit welcher Vollmacht er denn handelt.
Un dann erzählt Jesus dieses Gleichnis. Welche Personen handeln in diesem Gleichnis?
Da ist zum einen der Weinbergbesitzer, das ist Gott selbst, der alles geschaffen hat und alles erhält.
Dann ist es der Weinberg, unmittelbar im Gleichnis ist es das Volk Israel, Gottes geliebtes Volk, und heute ist es vielleicht die ganze Welt, auch wir.
Die Pächter sind die, die in Israel Verantwortung tragen, damals die Könige, Richter, und die Priester - Israel soll nach dem Willen Gottes leben, dafür haben sie zu sorgen. Das ist ihre Aufgabe.
Und dann ist der Sohn, der Messias, der Retter - und Jesus bezieht das hier auf sich selbst. Jesus bezieht dieses Gleichnis auf sich selbst, indem er sagt, dass er der Sohn ist, den Gott in die Welt gesandt hat, und dass er von den religiösen Führern seiner Zeit abgelehnt und getötet werden würde.
Das haben die Menschen und besonders die religiösen Führer schnell verstanden, schließlich war ihnen das Bild vom Weinberg aus dem Propheten Jesaja recht vertraut.
Das Handeln der Pächter geschieht in steigender Form: als erstes werden die Knechte nur vertrieben, dann wurden sie entehrt, und dann wurden sie getötet. Zuletzt wurde der Sohn gesandt, aber weil er der Erbe ist , wird er getötet und sein Leichnam auch gleich noch geschändet. Die Bosheit der Winzer ist darum nicht mehr zu überbieten.
»Sie schlugen ihn, schickten ihn fort sie schlugen ihn auf den Kopf, schmähten ihn den ändern töteten sie viele andere: die einen schlugen sie, die ändern töteten sie töteten ihn, warfen ihn hinaus.« Eine brutale Geschichte! Welche Arroganz gegenüber dem Eigentümer des Weinbergs, welche kriminelle Energie! Die Unsäglichkeit der Rebellion Israels gegen Jahwe, seinen Herrn, wird in wenigen Sätzen anschaulich. Mehr noch: die Unsäglichkeit der Menschheitsrebellion gegen Gott.
Warum setzte der Weinbergbesitzer überhaupt die Pächter in den Weinberg? Nun beide, der Besitzer und auch die Pächter, sorgten sich gut um den Weinberg, sie machten ihn fruchtbar. Der Weinbergbesitzer schuf die Grundlage, dass der Weinberg überhaupt bestehen konnte, die Pächter pflegten ihn, dass er Frucht brachte. Und beide wollten einen Gewinn aus dem Weinberg haben. Beide bemühten sich darum, dass der Ertrag des Weinberges wuchs. An und für sich ist damit alles in Ordnung und jeder von beiden hatte etwas davon.
So ist es auch rechtens dass der Weinbergbesitzer, nach der Ernte seinen Teil als Pacht bekommt. Das waren damals etwa 25 bis 50% des Ertrages. Aber damit konnten die Pächter gut leben. Sie wurde als Pachtzins oder als Naturalzins abgeliefert, in Münzen oder in Form von Früchten.
Gott setzte nun die religiösen Führer verantwortlich für Israel ein, um es als sein Gut zu bewahren und zu pflegen und ihn so zu verherrlichen. Aber sie haben ihn abgewiesen und die Folgschaft verweigert. Sie haben nach ihren egoistischen Zielen und Interessen gehandelt. Ironischerweise haben sie durch ihr selbstsüchtiges Bemühen, und weil sie ihre „eigenen Interessen" in den Vordergrund gestellt haben, die größte Freude von allen verpasst, die eine Liebesbeziehung mit König des Universum beinhaltet. Darum Gott wird die gegenwärtigen Pächter entfernen – die jüdischen religiösen Anführer – und wird anderen die Aufgabe der Führung und Leitung seiner Leute übergeben.
Man hörte es wohl, wenn da und dort ein Prophet aufsteht, der daran erinnert, dass das Bekenntnis zu dem Gott Israels mehr sein muss als ein Lippenbekenntnis. Trotz aller Frömmigkeit, die die Menschen damals auch lebten, wird Gottes Anrecht auf Respekt, Liebe und Gehorsam jedoch nicht wirklich anerkannt. Das stellt Jesus hier fest.
Aber Gott hat ein Recht darauf, als Herr über das Leben anerkannt zu werden, damals schon im alten Israel.
Gott hat dieses Recht auch heute und hier bei uns. Gehört unser Leben uns ganz allein, oder nicht?
Wir besitzen es, wir gestalten es, wir genießen es. Was hat denn Gott da hineinzureden und gar zu bestimmen?
Treten wir nicht auch immer wieder so auf, so selbstherrlich, so bestimmend auf?
Dabei hat uns Gott doch unser Leben geschenkt.
Der Sohn wird von den Pächtern getötet, doch sein Tod ist nicht das Ende für Gottes Beziehung zu seinem Volk, sondern er ist ein Anfang – es ist der Neuanfang Gottes mit seinem Volk Israel, ja es ist der Neuanfang Gottes mit der ganzen Welt. Die Beziehung, die wir heute zu Gott, als dem Vater haben hat der getötete Sohn bewirkt. Wir blicken heute schon auf Karfreitag und Ostern.
Der getötete Sohn wird hier zur Grundlage der neuen Beziehung Gottes, er ist die Grundlage des neuen Bundes Gottes mit den Menschen. Darum spricht Jesus hier auch die Worte aus Psalm 118 aus: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.“
Im gleichen Gleichnis bei Matthäus macht Jesus deutlich, was mit den Leuten passiert, die nicht in der Verantwortung vor Gott leben und das ihnen anvertraute Gut nicht verantwortungsvoll vor Gott verwalten: „Deshalb sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die rechten Früchte hervorbringt. (Mt 21,43f).
Die Pächter erhielten zahlreiche Nachrichten vom Weibergbesitzer. Doch sie ignorierten diese Nachrichten verletzten und töteten die Boten. Zu letzt verfolgten und töteten sie den Sohn des Weinbergbesitzers. Nun dachten sie gehört der Weinberg ihnen.
Doch da haben sie sich mächtig geirrt. Der Weinbergbesitzer fordert von Ihnen Rechenschaft. Rechenschaft, wie sie mit dem Ihnen anvertrauten Gut umgegangen sind. Rechenschaft, was sie mit den Boten des Weinbergbesitzers umgegangen sind. Rechenschaft, wie sie mit dem Sohn des Weinbergbesitzers umgegangen sind.
Nun stellt sich für uns heute die Fragen:
Wie gehen wir mit dem verantwortungsvoll um, das uns als Gut in unserem Leben anvertraut hat, mit unserer Familie, mit unseren Nachbarn, mit unseren Mitmenschen, mit den Menschen in unserer Gemeinde, aber auch mit unserem Hab und Gut?
Wie gehen wir damit verantwortungsvoll um, dass so Gottes Reich in dieser Welt gebaut wird?
Wie gehen wir aber auch mit dem Wort Gottes um? Wie wichtig ist es für unser Leben?
Lassen wir uns überhaupt vom Wort Gott in unserem Alltag leiten und führen? Ist das Wort Gottes für uns zur Lebenshilfe geworden oder ignorieren wir es?
Wir können auf die Leiter und Hirten des Volkes Israel blicken und über ihnen unsere Nase rümpfen. Aber damit sind wir schon auf dem besten Wege genauso zu werden, wie diese. Schauen wir lieber auf uns und bauen wir unser Leben auf dem Fundament auf dem Eckstein, der Jesus Christus heißt. Dazu möchte ich euch heute Mut machen. Seid die rechten Arbeiter in Gottes Weinberg, baut in seiner Gemeinde auf dem Fundament, welches Jesus Christus heißt.
Amen.
