Der Geist der Kraft
Die Realität des Lebens • Sermon • Submitted • Presented
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Einleitung
Einleitung
Da sind sie also - die Jünger. Die 11 des engeren Jüngerkreises, dazu die Frauen, die Jesus nachgefolgt waren und viele aus dem weiteren Kreis derer, die sich zu Jesus zählten. Insgesamt waren es etwa 120 Männer und Frauen. Sie hatten erlebt, wie der am Kreuz gestorbene Jesus ihnen als der Auferstandene begegnet war. Bei verschiedenen Gelegenheiten war ihnen Jesus ganz persönlich begegnet. Einige von ihnen hatten außerdem vor zehn Tagen erlebt, wie dieser Jesus ihnen den Auftrag gegeben hatte, in Jerusalem zu warten, bis Gott seinen Heiligen Geist schicken würde. Dann, so hatte Jesus gesagt, würden sie seine Zeugen sein in der ganzen Welt. Nach diesen Worten war Jesus ganz plötzlich von einer Wolke aufgenommen worden und verschwunden.
Was sollten sie jetzt tun? Sie hatten Angst. Jesus war nicht mehr bei ihnen. Eine kurze Zeit lang hatten sie gehofft, er würde jetzt, nach seiner Auferstehung, sein Reich in Israel aufrichten. Aber dann hatte er sie verlassen. Sein Auftrag "Gehet hin in alle Welt" erschien ihnen unmöglich. Wie sollten sie die ganze Welt erreichen? Wer würde ihnen schon glauben? Trotz der vielen Erfahrungen, die sie in den letzten Jahren mit Jesus gemacht hatten, trotz der Erkenntnis, daß Gott Jesus von den Toten auferweckt hatte - sie waren noch immer die selben - verängstigt und entmutigt. Ohne Jesus, der ihnen sagte, was sie tun sollten, waren sie eine hilflose Truppe.
Aber sie blieben zusammen. Auch heute wieder, zehn Tage nach dem Erlebnis der Himmelfahrt. Schließlich war heute ein besonderer Tag. In Israel feierte man das Pfingstfest - ein Fest der Ernte, das immer fünfzig Tage nach dem Passahfest gefeiert wurde. Es hatte sich zu einem Fest entwickelt, das für viele mindestens so wichtig war, wie das Passahfest. Aus dem ganzen römischen Reich waren daher die Exiljuden zusammengekommen, um an diesem Tag in Jerusalem zu feiern. Manche hatten eine größere Reise hinter sich, einige waren schon zum Passahfest gekommen und bis jetzt geblieben. Das Pfingstfest, das Fest der Ernte, war ein ausgelassenes und fröhliches Fest, ein richtiger Höhepunkt im Festkalender der Israeliten.
Die Jünger Jesu hatten sich an diesem Tag auch versammelt. Hinter verschlossenen Türen feierten sie das Pfingstfest. Sie waren ja allesamt Juden. Aber wie gesagt: sie feierten in einem abgeschlossenen Saal, hinter verschlossenen Türen. Dann aber sah man plötzlich die gleiche Gruppe von Menschen, etwa 120 Männer und Frauen, die ihren Saal verließen, auf die Straße gingen und überall anfingen, von ihrem Glauben an den Messias Jesus zu sprechen.
Was war geschehen? Was hatte sich verändern? Warum wurde diese verängstigte, mutlose Schar auf einmal zu einem Trupp von Missionaren und Evangelisten? Und dann redeten sie auch noch in den vielen verschiedenen Sprachen der Männer und Frauen, die aus dem ganzen römischen Reich nach Jerusalem gekommen waren. Jeder von ihnen hörte sie in seiner Muttersprache reden. Was war geschehen?
1. Gottes Geist in mir - eine neue Geburt
1. Gottes Geist in mir - eine neue Geburt
Wir kennen natürlich die Antwort. Sie waren mit dem Heiligen Geist erfüllt worden. Jesus hatte es ja vorausgesagt. Er hatte gesagt:
aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
Gott hatte seinen Heiligen Geist auf diese Erde geschickt. Er war in die versammelten Jünger gekommen und hatte sie verändert. Er hatte sie erfüllt und ihr Leben umgestaltet, hatte aus der verängstigten und mutlosen Truppe Menschen gemacht, die mutig und in aller Öffentlichkeit von Jesus erzählten.
In der Zeit des AT war der Heilige Geist auch schon auf dieser Erde am Wirken. Er kam über einzelne Menschen und gab ihnen die Gaben und Fähigkeiten, die sich für ihre Aufgaben brauchten. Wir sehen das z.B. an Saul und David, oder auch an den Propheten.
Aber trotzdem war der Heilige Geist etwas, das von außen an die Männer und Frauen herantrat. Bei Saul sehen wir, dass Gott seinen Geist auch wieder wegnahm, als dieser ihm ungehorsam war. Schon im AT wird aber deutlich, dass dies einmal anders werden wird. In Hes. 11,19f kündigt Gott an:
Und ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben, damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun. Und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.
Diese Aussage findet sich übrigens fast mit den gleichen Worten noch einmal im Buch Hesekiel: in Hes. 36,26f. Ganz offensichtlich ist es eine besonders wichtige, entscheidende Aussage! Hesekiel spricht da zu dem Volk Israel, das gerade den bisher dunkelsten Punkt ihrer Geschichte durchmachen muss: Das babylonische Heer hat Jerusalem erobert, den Tempel zerstört und viele Israeliten in die Gefangenschaft nach Babylon geführt. Und das alles, weil sie es einfach nicht geschafft hatten, so zu leben, wie Gott das wollte. Weil sie eben nicht in den Geboten Gottes gewandelt waren und seine Ordnungen gehalten hatten.
Das Problem war und ist das menschliche Herz. Die Bibel meint damit übrigens nicht unsere Gefühlswelt, sondern das Herz ist sozusagen der Kern unserer Persönlichkeit. Der Ort, an dem überlegt und geplant und entschieden wird. Und genau hier kündigt Hesekiel eine entscheidende Veränderung an, die Gott einmal schaffen wird. Gott selbst will dieses Herz ändern und neu machen. So, dass es Gott wirklich gehorchen will. Und dass es das auch kann!
Dieses Ereignis, das Gott hier durch Hesekiel ankündigt, wurde Pfingsten Wirklichkeit. Sei Pfingsten gibt es auf dieser Erde Menschen, denen Gott ein neues Herz gegeben hat. Menschen, bei denen Gott durch seinen Geist Wohnung genommen hat, deren Lebensmitte verändert wurde. Dies ist nicht mehr ein Ereignis, das sozusagen von außen an den Menschen herantritt und das jederzeit auch wieder beendet werden könnte. Hier geht es um eine dauerhafte und bleibende Veränderung. Die Bibel nennt das "Wiedergeburt". Dies war das Ereignis, das die Jünger damals in Jerusalem so verändert hatte. Sie wurden mit Heiligem Geist erfüllt und dieser Heilige Geist erneuerte und veränderte sie. Dieser Heilige Geist ist jetzt das neue, lebendige Herz, die neue Lebensmitte, die Gott durch Hesekiel versprochen hat.
Seit dieser Zeit besteht Gemeinde. Pfingsten ist sozusagen der Geburtstag der Gemeinde, denn Gemeinde ist ja nichts anderes als die Versammlung derer, die durch Gottes Geist erneuert und verändert wurden. Weil der gleiche Heilige Geist in uns lebt, sind wir eins. Durch Gottes Geist sind wir eingegliedert worden in den Leib Jesu, die Gemeinde.
Ich möchte an dieser Stelle einmal kurz anhalten und Dir eine Frage stellen: Hast Du Dein Pfingsten schon erlebt? Ich meine nicht, ob Du schon ein von außen feststellbares, übernatürliches Erlebnis hattest oder ob Du in Zungen gesprochen hast - ich meine, ob der Heilige Geist in Deinem Leben eingekehrt ist und Dich von Grund auf neu gemacht hat. Das geschieht immer dort, wo ein Mensch sich selbst vorbehaltlos an Jesus Christus ausliefert. Es geht da nicht in erster Linie darum, ob Du die richtigen Glaubensüberzeugungen hast, oder ob Du schon von klein auf in der Gemeinde aufgewachsen bist. Es kommt auch nicht darauf an, ob Du mehr oder weniger regelmäßig in den Gottesdienst gehst oder zur Jugendstunde oder zum Chor - obwohl das alles natürlich gut und wichtig ist.
Ich will euch einmal kurz erzählen, wie das bei mir war. Ich bin eigentlich von klein auf in die Gemeinde gegangen. Habe sozusagen das “volle Programm” genossen: Kindergottesdienst, Kinderstunde, Jungschar, Jugendkreis, Gottesdienst, Bibelstunde, Chor, Posaunenchor - das alles gehörte bei mir mit dazu. Und weil ich an meinen Eltern sah, dass sie ihren Glauben wirklich lebten, habe ich auch selbst nie daran gezweifelt, dass das, was da verkündigt wurde und was in der Bibel steht, wahr ist. Und ich dachte, das sei es, worum es im Christsein geht. Hätte man mich damals gefragt, hätte ich klar und deutlich gesagt: ja, ich bin Christ.
Eines Abends war ich in einer evangelistischen Veranstaltung. Und plötzlich merkte ich, wie Gott mir zeigte, dass ich zwar alles für wahr gehalten hatte, was die Bibel sagt und in der Gemeinde verkündigt wurde, dass das aber für mich selbst, für mein eigenes Leben, meinen Alltag, eigentlich keine Bedeutung hatte. Dieses neue Herz, von dem Hesekiel spricht, hatte ich nicht.
Ich habe an diesem Abend das Leben als Christ für mich festgemacht. Und Jesus hat angefangen, mich zu verändern durch seinen Geist. Es gab noch weitere Schritte auf meinem Weg zu und vor allem mit Jesus, aber an diesem Abend habe ich den entscheidenden Schritt gemacht.
Wie ist das bei dir? Hat Gott dein Herz schon neu gemacht? Dein Lebenszentrum durch seinen Heiligen Geist in Besitz genommen? Hast du Pfingsten in deinem Leben schon erlebt? Wenn nicht, dann lade ich dich ein, das heute fest zu machen. Lass doch Pfingsten 2023 zu deinem ganz persönlichen Pfingsten werden!
Und dann? Wie geht es jetzt weiter? Was bedeutete das für die ersten Jünger damals und was bedeutet es für dich heute? Zwei Dinge möchte ich über den Heiligen Geist in unserem Leben heute morgen deutlich machen: 1. Gottes Geist in mir - die Kraft zur Veränderung und 2. Gottes Geist in mir - nicht mehr, sondern ganz.
2. Gottes Geist in mir - die Kraft zur Veränderung
2. Gottes Geist in mir - die Kraft zur Veränderung
Jesus hatte es schon bei seiner Himmelfahrt angekündigt: der Heilige Geist würde die Kraft Gottes sein, der über die Jünger kommen und sie zu seinen Zeugen machen würde. Und genau so kam es auch: Aus dem verängstigten Trupp, der sich hinter verschlossenen Türen versammelte, wurde eine Gruppe von Menschen, die mutig in aller Öffentlichkeit auftraten und von ihrem Glauben an Jesus erzählten.
Ich habe in der Vorbereitung einmal nachgeschlagen, wie oft die Bibel davon spricht, dass der Heilige Geist Gottes Kraft ist, die uns verändert und antreibt. Das beginnt schon im Alten Testament, wo Gott durch den Propheten Sacharja zu dem verängstigten Volk, das eigentlich den Tempel Gottes wieder aufbauen wollte, aber auf so viel Widerstand gestoßen war, dass sie damit aufgehört hatten:
Und er antwortete und sprach zu mir: Das ist das Wort des Herrn an Serubbabel: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.
Nicht menschliche Macht und Stärke würde den Tempelbau schaffen, sondern Gottes Geist, der die Israeliten befähigen, ermutigen und stärken würde. Gottes Geist - das ist eine ganz ander Kraft als das, was wir Menschen aus uns heraus aufbringen können!
Er ist die “Kraft des Höchsten”, die über die Jungfrau Maria kam und durch sie den Sohn Gottes zur Welt kommen ließ (Lk. 1,35). Die Kraft, die Jesus antrieb (Lk. 4,14) und die er seinen Jüngern bei der Himmelfahrt ankündigte (Apg. 1,8). Von dieser Kraft des Heiligen Geistes sagt Paulus, dass er uns Hoffnung gibt (Röm. 15,13). Denn dieser Geist ist ein Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit:
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Als ich mich in den letzten Tagen mit der Vorbereitung dieser Predigt beschäftigt habe, kam mir immer wieder dieser Vers in den Sinn. Diese drei Aspekte, so finde ich, sind für ein Leben als Christ unendlich wichtig.
Wir sind ja als Gemeinde in einer Predigtreihe zu der Frage, wie man als Christ in unserer Zeit und Gesellschaft leben kann. Heute geht es darum, dass der Geist Gottes uns dazu befähigt, so zu leben, dass wir wirklich einen Unterschied machen. Dass man an uns erkennt, dass wir zu Gott gehören. Und dass unser Leben etwas ist, was Gott gefällt. Ich will ganz kurz auf die drei Aspekte “Kraft”, “Liebe” und “Besonnenheit” eingehen.
Dass der Heilige Geist eine Kraft ist, sehen wir in der ganzen Bibel. Wenn er über einen Menschen kam im Alten Testament, dann befähigte er ihn für seine Aufgaben. Dabei kann “Kraft” etwas ganz äußerlich spürbares sein, wie z.B. bei dem Richter Simson, der nach vielen Wirren noch einmal mit dem Geist Gottes erfüllt wird und die Säulenhalle zum Einsturz bringt. Oder es geht um die innere Befähigung zu bestimmten Aufgaben, wie man das z.B. bei David oder Salomo sieht, die von Gott befähigt wurden, Gottes Volk weise zu führen. Oder da sind die Propheten, die von Gottes Geist erfüllt dem Volk sagten, was Gott von ihnen will.
Und hier, an Pfingsten, da erfüllt dieser Geist die Jünger von Jesus und macht sie zu vollmächtigen Zeugen. Begleitet wird dieses Ereignis durch Feuerzungen und ein starkes Brausen wie bei einem Sturm. Symbole für die Kraft, die der Heilige Geist ist und die er denen gibt, die er erfüllt. Eine Kraft, die uns dazu befähigen will, ein Leben zu führen, wie es Gott gefällt.
Dann ist da die Liebe. Gottes Geist ist ein Geist der Liebe! Die Liebe gehört ganz wesentlich zu diesem Leben, wie es Gott gefällt. Paulus macht sehr deutlich, dass ohne diese Liebe alles NICHTS ist. Und wenn wir alles hingeben würden, sogar unser eigenes Leben - ohne Liebe hätte das keine Bedeutung.
Aber mit Gottes Geist ist Liebe möglich. Paulus schreibt:
Römer 5,5 (LUT84)
… die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Das ist also ein Fakt: Gottes Liebe ist in unser Herz ausgegossen. Wir können lieben. Selbst unsere Feinde! Das ist laut Paulus etwas, was geschehen ist, sobald wir Gottes Geist bekommen haben. Also etwas, was mit der Wiedergeburt passiert ist.
Das dritte, was Paulus in 2Tim 1,7 nennt, ist die “Besonnenheit”. Das Wort, das hier im griechischen Text steht, kommt in dieser Form im NT nur an dieser Stelle vor. Die Sache, um die es geht, ist allerdings keineswegs so selten. Gemeint ist etwas, was man auch mit “Selbstbeherrschung” übersetzen könnte.
So wird z.B. von den Ältesten erwartet, dass sie “besonnen”, also “selbstbeherrscht” sein sollen (1Tim 3,2; Tit 1,8). Während man also bei “Liebe” von einer Kraft nach außen, gegenüber meinem Nächsten, sprechen könnte, meint “Besonnenheit” eine Kraft nach innen. Dass ich nicht von mir selbst und meinen Wünschen, Ängsten, meinem Ärger und Zorn bestimmt bin, sondern so leben kann, wie es Gott gefällt.
Gottes Geist ist also die Kraft, die mich befähigt, so zu leben, wie Gott das will. Er ist die Liebe, die sogar für meine Feinde ausreicht. Und er ist die Besonnenheit und Selbstbeherrschung, die mich innerlich stark macht, so dass ich nicht mehr von meinen Gefühlen oder meinen Wünschen gesteuert werde, sondern so leben kann, wie Gott es möchte.
Vielleicht denkst du jetzt: das wäre ja schön, wenn ich das auch erleben könnte. Oder: Warum spürt man eigentlich so wenig davon - in unserer Gemeinde, bei den Christen in meinem Umfeld, in mir selbst? Wie kann Paulus das so eindeutig behaupten: Gott hat uns diesen Geist gegeben: den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Wie bitte erlebt man das?
3. Gottes Geist in mir - nicht mehr, sondern ganz
3. Gottes Geist in mir - nicht mehr, sondern ganz
Wenn Du Jesus Dein Leben zur Verfügung gestellt hast, dann ist der Heilige Geist auch in Dein Leben eingekehrt. Dann hat er Dein Herz in Beschlag genommen und erneuert. Aber diese Veränderung ist nicht etwas, was man einfach als erledigt abhaken könnte. Niemand kann immer davon leben, daß er irgendwann einmal sein Leben Jesus übergeben hat. Die Bibel fordert uns vielmehr auf, daß wir jetzt, wo wir die Wiedergeburt erlebt haben, wo der Heilige Geist bleibend in unser Leben gekommen ist, "voll Geistes" werden sollen. Ich lese uns einmal diese Stelle aus Eph. 5,18:
Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen.
"Laßt euch vom Geist erfüllen" - "werdet voll Geistes". Was ist das? Und wie geht es?
Vor vielen Jahren haben wir einmal mit einigen Motorradfahrern aus unserer Gemeinde eine Motorradtour gemacht. Wir haben uns morgens früh getroffen und sind dann in die Eifel gefahren. Insgesamt waren wir ca. 400 km unterwegs an diesem Tag. Ich hatte verschiedene Probleme damit. Zum einen konnte ich gegen Ende kaum noch auf dem Motorrad sitzen. Ich hatte den Eindruck, der Hintern müsse jeden Augenblick abfallen. Zum andern mußte ich mehrmals an diesem Tag an eine Tankstelle. Ich hatte damals eine Kawasaki LTD 750, deren Tank nur etwa 14 Liter fasste, die man aber nie richtig auffüllen konnte, weil die Maschine nur einen Seitenständer hatte und daher beim Tanken immer schief lag. Auf jeden Fall erlebte ich spätestens nach etwa 120 Kilometern dieses seltsame Gefühl, daß ganz plötzlich der Motor seinen Dienst versagte und ich auf Reserve umschalten mußte. Meistens passierte das natürlich beim Beschleunigen oder Überholen ...
Immer wieder mussten wir daher anhalten und ich musste tanken. Viele Christen haben eine solche Vorstellung vom Heiligen Geist. Sie meinen, man müsse Gott ständig darum bitten, von diesem Geist mehr zu bekommen. Man müsse sozusagen immer wieder anhalten und auftanken, damit der Motor unseres geistlichen Lebens läuft.
Damit mich niemand falsch versteht: natürlich glaube ich, dass wir geistlich auftanken müssen, dass wir uns auf Gott ausrichten und von ihm her unser Leben bestimmen lassen müssen. Aber geht es wirklich darum, mehr von Gottes Geist zu bekommen? Ist das gemeint, wenn Paulus uns auffordert, daß wir uns mit Gottes Geist erfüllen lassen? Viele suchen ja in diesem Zusammenhang irgendwelche besonderen Erfahrungen, irgendwelche geistlichen Höhepunkte, an denen sie diese Erfüllung mit dem Geist Gottes dann festmachen können.
Aber stimmt das? Brauchen wir wirklich "mehr" von Gottes Geist? Ich glaube nicht. Ich bin der Überzeugung, daß nicht ich mehr von Gottes Geist brauche, sondern dass es darum geht, dass Gottes Geist mehr von mir bekommt, dass er mich ganz erfasst und bestimmt. Der Heilige Geist ist nicht irgendeine unpersönliche Kraftquelle, sondern eine Person der Dreieinigkeit. Entweder er ist in unser Leben eingekehrt, oder er ist es nicht.
Das Bild des leeren Tanks ist daher falsch. Ich möchte stattdessen ein anderes Bild benutzen: Stellen wir uns ein Haus vor. Der Stromanschluss an die Leitungen des Elektrizitätswerkes ist vorhanden, überall sind Lampen angebracht. Wenn wir jetzt den Auftrag bekommen, dieses Haus "voll Licht" werden zu lassen, dann kommt wohl niemand auf die Idee, einen Brief an das Elektrizitätswerk zu schreiben: schickt mir mehr Strom! Es ist doch alles da! Es geht vielmehr darum, in jedem Zimmer das Licht einzuschalten. Den Strom, der da ist, auch wirken zu lassen! Nicht wir müssen mehr vom Heiligen Geist bekommen, sondern der Heilige Geist muß mehr von uns bekommen, er muß uns ganz in den Griff bekommen. Deshalb ist das Gegenbild dazu ja auch das Bild des Alkohols, der uns in den Griff bekommt!
In Gal. 5,25 drückt Paulus es so aus:
Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.
Wenn wir durch Gottes Geist innerlich lebendig geworden sind, dann soll dieses Leben auch in unserem Verhalten und Tun sichtbar werden! In 1Thess 5,17f spricht Paulus davon, daß wir nicht der Nacht, sondern dem Tag angehören. Deshalb sollen wir nun auch so leben und die Werke des Tages, des Lichtes tun!
Gott hat bei unserer Wiedergeburt seinen Heiligen Geist in uns hinein gelegt. Das steinerne Herz ist ausgetauscht worden gegen ein fleischernes, lebendiges Herz (Hes 11,19; 36,26). D.h., wer innerlich neu geworden ist, der kann nun auch anders leben, die Kraft dazu ist da! Der Heilige Geist - und damit Gott selbst - lebt in uns. Ich brauche nicht mehr! Es gibt nicht mehr!
Die entscheidende Frage lautet dagegen, ob ich Gott den Raum in meinem Leben gebe, der ihm zusteht! Wie Paulus sagt: "Wenn wir durch den Geist leben, so laßt uns auch durch den Geist wandeln!" Natürlich kann ich ein vollgetanktes Motorrad schieben oder in einem schlecht ausgeleuchteten Raum sitzen, weil ich das Licht ausgeschaltet lasse. Ich kann - als Christ - die Kraft des Geistes Gottes in meinem Leben unangerührt lassen, mich selber "durchwursteln". Dann werde ich von einer Niederlage zur nächsten stolpern. Aber das ist nicht das, was Gott will! Er möchte, dass mein Leben mehr und mehr von ihm und seiner Kraft geprägt wird. Er möchte, dass ich durch seinen Geist wandle und verändert werde.
Die Bibel nennt das übrigens Heiligung. Gemeint ist damit nicht, dass wir nach und nach einen Heiligenschein bekommen. Gemeint ist, dass unser Leben nach und nach Jesus immer ähnlicher wird. Dass wir umgewandelt werden in sein Bild, wie Paulus das in 2Kor 3,18 sagt.
Ich will es einmal ganz persönlich sagen. Der Punkt, den ich für mich in 2Tim 1,7 immer besonders schwierig fand und noch immer finde ist der mit der “Besonnenheit”. Denn das entspricht nicht wirklich meinem Charakter. Ich bin eher impulsiv, werde schnell zornig, verliere schon mal die Beherrschung. Dass Gott mir den Geist der Besonnenheit geschenkt hat, hat diese Charakterschwäche nun nicht einfach abgeschafft. So, als würde man einen Schalter umlegen. Aber Gott arbeitet durch seinen Geist an mir und ändert mich. Schrittweise. Ich würde mir oft wünschen, dass es schneller ginge. Aber hin und wieder sehe ich einen Fortschritt. Und zum Glück merken andere das auch.
Vielleicht ist das mit der Besonnenheit nicht dein Problem, sondern das mit der Liebe. Oder das mit der Kraft bzw. mit der Furcht. Aber wenn Gott seinen Geist in dein Leben gegeben hat, wenn er dich in der Wiedergeburt innerlich neu gemacht hat, dann ist schon alles vorhanden, um diese Themen anzugehen. Wir müssen es nur lernen, nach und nach und immer besser mit der Kraft zu leben, die Gottes Geist in uns ist. Je mehr Gott uns in Besitz nehmen darf, umso mehr erfüllt sein Geist uns. Und umso mehr können wir ein Leben führen, wie es Gott gefällt und für unsere Mitmenschen ein Segen ist.
Amen
