Psalm 117 - Wer soll Gott loben und warum?

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Lobt Gott wegen seiner Liebe und Treue zu uns!

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Wer soll Gott loben und warum?

Unsere intuitive Antwort ist wahrscheinlich: Wir, die Gläubigen, sollen Gott loben, weil er groß ist und weil er uns Liebe erwiesen hat.
In ähnlicher Weise hatte das Volk Gottes im Alten Testament sehr guten Grund, Gott zu loben, und es wurde immer wieder dazu aufgefordert, insbesondere in den Psalmen.
Schauen wir nun, wie Psalm 117 unsere Frage beantwortet:
Psalm 117 (SLT)
1 Lobt den Herrn, alle Heiden! Preist ihn, alle Völker!
2 Denn seine Gnade ist mächtig über uns, und die Treue des Herrn währt ewig.
Hallelujah!
Die überraschende Antwort ist, dass alle Völker Gott loben sollen wegen seiner großen Gnade über seinem Volk Israel und wegen seiner ewigen Treue. Das heißt natürlich nicht, dass Israel Gott nicht loben soll, aber die Betonung liegt eindeutig auf dem Lob der Völker.

Schlüsselbegriffe

Ich möchte auf drei wichtige Begriffe eingehen, die in Vers 2 verwendet werden:
Seine Gnade bzw. Güte:
Dies ist einer der wichtigsten theologischen Begriffe im AT. Es ist das hebräische chesed, das Gott viele Male verwendet, um seine Haltung der Liebe, Güte, Barmherzigkeit und Gnade gegenüber seinem auserwählten Volk Israel auszudrücken. Immer wieder appelierten die gottesfürchtigen Israeliten an diese Gnade bzw. Güte und immer wieder dankten sie dafür (siehe z.B. Ps 136).
Seine Gnade ist mächtig über uns:
Die hebräische Wurzel wird gemeinhin mit Kriegsführung in Verbindung gebracht und hat mit der Kraft und Vitalität des erfolgreichen Kriegers zu tun.
–Theologisches Wörterbuch des Alten Testaments
Gottes Gnade war mächtig, um Israel vor allen Versuchen zu bewahren, es auszulöschen. Sie sorgte dafür, dass der Same der Frau beschützt wurde, bis derjenige geboren wurde, der den Kopf der Schlange zertreten würde. Und wie viel mehr ist Gottes Gnade jetzt mächtig zu retten - jetzt, da der Messias, der Christus, der Erlöser, der Wiederhersteller gekommen ist und die Mächte der Finsternis und des Todes überwunden hat:
Römer 1,16 (SLT)
16 Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen;
Gottes Gnade, die sich uns im Evangelium von Jesus Christus offenbart, ist nicht nur mächtig, um uns vor Gottes Verdammnis und vor der Hölle zu retten - als einmaliger Akt unserer Wiedergeburt -,
sie ist mächtig, uns jeden Tag vor der Herrschaft der Sünde und vor den Versuchungen und Angriffen des Teufels zu retten.
Und sie ist mächtig, uns eines Tages vollständig zu retten, wenn der Herr wiederkommt und uns einen neuen, herrlichen Körper schenkt.
Die Treue des HERRN:
Das hebräische Wort emet kann mit Wahrheit oder Treue übersetzt werden:
Im Zentrum der Bedeutung dieser Wurzel steht die Idee der Gewissheit.
–Theologisches Wörterbuch des Alten Testaments
Gottes Treue ist seine Wahrhaftigkeit in Bezug auf seine Zusagen: Er hält sein Wort.
Die Kombination von emet und chesed, also Gnade und Treue bzw. Wahrheit kommt häufig vor.
Exodus 34,6 (SLT)
6 Und der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Der Herr, der Herr, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue;
Dies ist die bedeutendste von den Stellen, wo diese beiden Begriffe gemeinsam vorkommen, denn es ist Gottes Zusage, seine Verheißung, auf die sich gottesfürchtige Männer und Frauen das ganze AT hindurch beriefen. Sie riefen Gott an, auf der Grundlage dieser Verheißung zu handeln, und sie dankten ihm auf der Grundlage seiner erwiesenen Gnade und Treue zu ihnen. So auch hier in unserem Psalm.

Die verkörperte Gnade und Treue Gottes gegenüber den Menschen

Eine andere Stelle, wo die beiden Begriffe gemeinsam vorkommen, ist folgende:
Sprichwörter 16,6 (SLT)
6 Durch Gnade und Wahrheit wird Schuld gesühnt
Wieso lesen wir hier von Schuld und Sühne im Zusammenhang mit Gnade und Wahrheit bzw. Treue, den herausragenden Eigenschaften Gottes in der Beziehung zu seinem Volk?
Wir müssen den übergeordneten Handlungsstrang der Bibel verstehen, dann ergibt diese Aussage Sinn:
Das Hauptproblem der Menschen ist weder mangelnde Gesundheit, noch der Tod, noch Hunger, Durst, Unrecht, Ausbeutung, Verbrechen, Krieg und was es sonst noch an Übel und Leid auf dieser Welt gibt. Das sind Symptome des ursächlichen Problems.
Das ursächliche Problem ist die Rebellion des Menschen gegen Gott, die Verwerfung des Schöpfers samt seiner Gebrauchsanweisung für die Schöpfung. Diese Rebellion ist die Ursache der Entfremdung des Menschen: von Gott und in der Folge von seinen Mitmenschen, von der Umwelt, ja sogar von sich selbst.
Daher liegt die einzige Lösung in der Versöhnung des Menschen mit Gott und in der Folge mit der Umgebung.
Die Bibel entwickelt Seite um Seite, wie Gott diese Versöhung zustande bringt. Daher lesen wir schon schon im Alten Testament: Durch Gnade und Wahrheit/Treue wird Schuld gesühnt. Und im Neuen Testament erfahren wir, was das konkret bedeutet:
Johannes 1,14 (SLT)
14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Johannes 1,17 (SLT)
17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
All die Gnade bzw. Liebe und Wahrheit bzw. Treue, die Gott seinem Volk im AT erwiesen hat, basierten auf dem, was Jesus Christus, das wahre Lamm Gottes, vollbringen würde - er war die verkörperte Liebe und Treue Gottes gegenüber den Menschen, als er durch seinen stellvertretenden Tod die Schuld der Rebellen sühnte, um sie mit Gott zu versöhnen.

Wo bleibt der Lobpreis von Gottes Volk?

Zurück zu Psalm 117: Die anderen Völker sollen also Gott loben. Wo aber bleibt der Lobpreis des Volkes Israel? Wir finden ihn in Vers 2:
Psalm 117,2 (SLT)
2 Denn seine Gnade ist mächtig über uns, und die Treue des Herrn währt ewig.
Wenn wir anderen Menschen von Gottes mächtiger Gnade über uns erzählen, dann ist das ein Lobpreis Gottes. Und dieser Lobpreis der mächtigen Gnade und Treue Gottes, die wir erfahren haben, wird in unserem Psalm eingerahmt von der Aufforderung an Andere, sich diesem Lob anzuschließen.
Hier ist die Reihenfolge der Ereignisse:
Gott zeigt uns seine Liebe und Treue.
Wir erleben sie und fangen an, Gott zurückzulieben.
Diese Liebesbeziehung macht uns staunend, glücklich und dankbar.
Unser Staunen und unsere Freude münden in Lob über Gott und Lob an Gott.
Andere werden zuerst von unserem Lob und dann vom Objekt unseres Lobes, nämlich Jesus Christus, angezogen und gelangen so in den Kreis der Liebe.

Der Psalm in eigenen Worten

Alle Völker sollen den Herrn loben
aufgrund seiner mächtigen Gnade gegenüber uns, seinem Volk,
und aufgrund seiner ewig während Wahrhaftigkeit und Treue.
Darum sollen alle (inkl. Gottes Volk) den Herrn loben.

Conclusio

Alle also, die ihr Gottes mächtige Gnade noch nicht aus eigener Erfahrung kennt - staunt über Jesus Christus, Gottes verkörperte Gnade gegenüber den Menschen - über sein vollkommenes Leben, seinen Opfertod, seine Auferstehung, seine Fürsprache - durch die er unzählige Rebellen überwunden hat; nicht um sie zu vernichten, sondern um ihnen Leben in Fülle zu schenken.
Und alle, die ihr etwas von dieser mächtigen Gnade erlebt habt - preist Gott, dass er euch gerettet hat, dass er euch jeden Tag rettet und dass er eines Tages eure Errettung von Gebrochenheit, Schmerz, Sünde, Tod und Verdammnis vollenden wird - alles durch Jesus Christus, Gottes verkörperte Liebe bzw. Gnade gegenüber den Menschen. Was auch immer die Hindernisse in euch und um euch herum sein mögen - seine Gnade ist mächtig, sie zu überwinden, und er ist treu, der es versprochen hat.
Aber lobt Gott nicht nur in der Gemeinde oder in eurem stillen Kämmerlein, lobt ihn auch vor den Menschen, die ihn noch nicht kennen. Sprecht über Jesus Christus mit mehr Bewunderung und Begeisterung und Liebe und Dankbarkeit als über irgendetwas anderes in eurem Leben, so dass Andere über Gottes Gnade und Treue staunen und in den Lobpreis einstimmen.
Und zwar wollen wir nicht nur in unserer unmittelbaren Umgebung von seiner gewaltigen Gnade und Treue reden, sondern vor allen Völkern bis an die Enden der Erde - sei es direkt, indem wir uns als Missionare aussenden lassen, oder sei es indirekt, indem wir Missionare aussenden und finanziell und im Gebet und Austausch unterstützen.
Wie tief muss Gottes Liebe sein! Er liebt uns ohne Maßen. Hat seinen Sohn an unsrer Statt für alles büßen lassen. Als alle Sünde auf ihm lag, der Vater sein Gesicht verbarg, als er, der Auserwählte starb, gab er uns neues Leben. –Stuart Townend
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