Licht aus der Finsternis

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Licht aus der Finsternis

Liebe Gemeinde,
meine Predigt möchte ich heute mit einem Märchen beginnen, das ich bei Axel Kühner gefunden habe:
Vom wertlosen Stroh zum lebendigen Licht
Auf den Philippinen erzählt man sich folgendes Märchen:
Ein König hatte zwei Söhne. Als er alt wurde, wollte er einen der beiden zu seinem Nachfolger einsetzen. Er gab jedem der beiden Söhne fünf Silberstücke und sagte: „Geht und füllt die Halle unseres Schlosses. Was ihr für das Geld besorgt, um damit die Schlosshalle zu füllen, das ist eure Sache!”
Da ging der älteste Sohn hin und brachte ausgedroschenes Zuckerrohr in die Halle und füllte sie damit bis oben hin. Bald darauf kam auch der Jüngere. Er ließ all das Stroh aus der Halle entfernen, stellte mitten in die große Halle eine Kerze und zündete sie an. Ihr Schein füllte den Raum bis in den letzten Winkel. Da sagte der König zu ihm: „Du sollst mein Nachfolger sein. Denn du hast die Halle nicht mit nutzlosem Stroh gefüllt, sondern mit dem, was die Menschen brauchen, dem lebendigen Licht!”
Jeden Tag dürfen wir uns vom Wertlosen zum Lebendigen umwenden. Immer wieder müssen wir uns vom Vergänglichen zum Bleibenden hinwenden. Das ganze Leben ist eine Verwandlung vom wertlosen Stroh zum lebendigen Licht.
Bei dieser Geschichte werde ich an meine Kindheit erinnern, wenn es da hieß: „Gehe mal in den Keller und hole ein Glas Wurst.“ Ich muss dazu sagen, der Keller war alles andere als beleuchtet, nur eine mobile Handlampe gab es damals. Da war es in den meisten Räumen dunkel. Erst wenn man die Handlampe nahm und in den Raum leuchtet, wurde er heller und man sah, was darin los war. Als Kind hatte ich auch manchmal Angst im dunklen Keller. Da war ich froh, dass das Licht brannte. Und dann machte es puff – und die Birne war kaputt. …..
Auch wir sind froh, wenn wir im Lichte leben. Uns als Christen ist das wahre Lebenslicht gegeben. Das wahre Lebenslicht heißt Jesus Christus.
Davon spricht der Predigttext des heutigen Sonntags aus dem 2. Korintherbrief 4,6-10:
2. Korinther 4,6–10 LU
6 Denn Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. 7 Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. 8 Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. 9 Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. 10 Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, auf dass auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.
„Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen.“ Kriege und Terror, die Naturkatastrophen sind Bilder der Dunkelheit, der Finsternis. Davon gibt es zurzeit wieder viele in unserer Welt. Manche dieser Geschehnisse sind durch die Menschen selbst gemacht, andere sind, so hart wie das klingen mag, Ausdruck der Vergänglichkeit der Schöpfung Gottes auf unserer Erde in unserer Welt. Wir können diese Finsternis nicht begreifen und verstehen.
Ja wir leiden darunter. Und eben aus dieser uns Menschen umgebenden Finsternis will das Licht des Lebens leuchten, will Jesus Christus leuchten.
Der Theologe Nicholas Thomas Wright schreibt dazu: Das Licht ist in die Welt gekommen, scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht überwunden. Das Licht war bei ihnen, hatte sie eingeladen, es sich zu eigen zu machen und in ihm zu leben, damit sie nicht stolpern. (Johannes 12,46)
Die Hintergründigkeit und Finsternis dieser Welt ist für den Apostel Paulus eine Realität und Wirklichkeit. Dabei wird Finsternis von ihm nicht als ein Naturereignis verstanden. Sondern es geht um die Finsternis als Gottesferne, als Ergebnis der Macht der Finsternis und des Bösen. Dass es diese Finsternismächte gibt, darüber reden wir in der Kirche nicht gern. Wir reden viel lieber von den guten Seiten des Glaubens. Aber diese Finsternis der Gottesferne ist Realität. Schon bei Jesaja wird von diesem Licht gesprochen, das in der Finsternis leuchtet und alles hell macht:
Jesaja 9,1 LU
1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Diese Finsternis gibt es nicht nur unter den Nichtchristen, sondern auch in unserem eigenen Inneren gibt es Dunkelheit. Und wir leiden selbst darunter. Daher können wir das recht gut nachempfinden, was der Apostel Paulus so von unserem Menschsein im zweiten Teil des Predigttextes schreibt:
Wir sind zerbrechliche Gefäße – Terracotta. (Blumentopf) Uns bedrücken Krankheiten, Schmerz und Leid. Wir sind im Leben schon mit dem Tod gekennzeichnet.
Uns bedrücken Krankheiten, Schmerz und Leid. Wir sind im Leben schon mit dem Tod gekennzeichnet.
Von allen Seiten dringen Schwierigkeiten auf uns ein. Wir haben kaum Luft zum atmen. Wir wissen fast nicht mehr ein noch aus.
Paulus sieht sich als einen schwachen zerbrechlichen geplagten Menschen; seine Kraft zum Zeugnis und Dienst kommt ganz gewiss nicht aus ihm selbst. – Im »uns« und »wir« schließt sich der Apostel wieder mit seinen Mitarbeitern zusammen.
Verfolgung erleiden wir zwar in unserem Land nicht, dennoch brauchen wir nur in unsere Welt hineinzuschauen. Wie viele Christen werden um ihres Glaubens willen verfolgt. Wir leben im Jahrhundert der größten Christenverfolgung. Auch bei uns ist es mittlerweile nicht mehr selbstverständlich, dass man an Jesus Christus glaubt. Ja selbst das ist nicht mehr selbstverständlich, dass man Glied einer Kirche oder Gemeinde ist. Manchmal hat christlicher Glaube auch an unserem Land den Charakter von etwas exotischem.
Wir haben Anteil am Sterben Jesu und erfahren es auch an unserem eigenen Leben, und zwar jeden Tag neu. ((Wasserspender)
Paulus beschreibt hier die Vergänglichkeit und die Ärmlichkeit unseres menschlichen Daseins. Und ich muss sagen, wenn wir nur dieses hier hätten, wären wir eigentlich nur noch zu bedauern, dann wären wir das, was Paulus in 1. Korinther 15 sagt: „so sind wir die elendesten unter allen Menschen.“.
Doch und das ist die gute Botschaft, so elend und erbarmungslos unser Leben auch manchmal sein kann. Und ich weiß, dass es sogar schlimmer sein kann, als wie es Paulus hier beschrieben hat. So elend und erbarmungslos unser Leben sein kann, so kann es dennoch ein hoffnungsvolles Leben sein. Ja es kann sogar ein erfülltes Leben sein.
Ich habe es schon oft erlebt, dass Menschen, die selbst sehr viel Schweres in ihrem Leben durchgemacht haben, nicht getröstet werden mussten, sondern selbst zum Tröster wurden, weil sie ihr Leben und ihren Glauben in Jesus Christus gegründet hatten.
Bei ihnen konnte man spüren, dass trotz aller irdischen Vergänglichkeit, trotz allem Leid und Schmerz, sie eine Hoffnung hatten, die ihnen für jeden Tag neu Hoffnung gab. Es war und ist eine Hoffnung, die nicht in das Jenseits vertröstet, sondern eben im heute wirkt und Kraftquelle ist.
Wir werden hier mit zerbrechlichen Tongefäßen verglichen, mit Terracotta: Und genau in diese Tongefäße, die auch manchmal schmuddelig und schmutzig aussehen, die angeschlagen und eingerissen sind, da hinein gibt sich der wertvolle Inhalt, der Schatz, wie es Paulus sagt. Also ganz das Gegenteil dessen, was Werbestrategen empfehlen. Dahinein begibt sich Jesus Christus.
Vielleicht habt ihr schon einmal etwas von Kintsugi gehört. Das ist eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik. Keramik- oder Porzellanbruchstücke werden mit Urushi-Lack geklebt, fehlende Scherben werden mit einer in mehreren Schichten aufgetragenen Urushi-Kittmasse ergänzt, in die feinstes Pulvergold oder andere Metalle wie Silber und Platin[1] eingestreut werden. Das heißt kaputte Stellen werden sozusagen veredelt. Und genau das ist eben bei uns passiert, weil wir an Jesus Christus glauben. Der Apostel Paulus umschreibt es so: 2.Korinther 4,7
2. Korinther 4,7 LU
7 Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.
Jesus Christus ist bei uns sozusagen der Urushi-Lack, der den Scherbenhaufen unseres Lebens wieder veredelt. Er kommt in unser Sein, in unsere Welt wird Mensch, nimmt dieses Menschsein auf sich und überstrahlt alles. Dieser Inhalt Jesus Christus bewährt sich unter schwierigsten Bedingungen. Vielleicht ist das die Besonderheit dieses Schatzes. Erst unter Schwierigkeiten zeigt er seine schönsten Facetten. Dieser Schatz macht sich angreifbar. Er zeigt sich darin stark, dass er Schwächen zulässt. Er kommt in die Nöte der Welt. Er nimmt an der Zerbrechlichkeit teil.
Pilatus sagt über Jesus in Johannes 19,5: „Seht, welch ein Mensch!“ Oder die lateinischen Worte, die auch in die Kunstgeschichte eingegangen sind. „Ecce homo!“ Er schottet sich nicht ab gegen die Sorgen und Nöte der Menschen. Und gerade dadurch wirkt er überwindend und befreiend.
Auch schon die erste Generation der christlichen Gemeinde erfuhr Widerstand gegen die Frohe Botschaft. Und wenn wir die Erfolgsbilanz des Apostels sehen, dann war es auch dort nicht die großen Zahlen von Menschen, die zum Glauben fanden. In der Apostelgeschichte und den Briefen des Neuen Testamentes wird Bedrängnis wird beschrieben und Verfolgung. Unterdrückung und sogar tödliche Folgen bei der Verbreitung des Evangeliums werden sichtbar. Aber die Aufzählung der Bedrängnisse hat nicht zum Ziel, Mitleid zu erzeugen oder den Märtyrer zu spielen. Im Gegenteil: In den äußeren Ereignissen, in denen Angst und Schwachheit mitspielen, wird der innere Trost und die Geborgenheit spürbar, die die Wirksamkeit des Christus in diesen Ereignissen hervorbringt.
Wer sich in eigenen Worten und Taten sonnt, verbreitet eher eine Show. Gerade am eigenen Ende wird die Herrlichkeit Gottes darin erfahren, dass er nicht allein lässt und neu mit uns anfängt.
(Taschenlampe)
Wir fallen, wenn wir fallen, nicht immer auf die eigenen Füße, aber in die Hände Gottes.
Der Liederdichter Arno Pötsch schreibt 1941 folgendes Lied, was die Geborgenheit bei Gott zum Ausdruck bringt:
1. Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt. 2. Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod doch ein in Gottes Gnade trotz aller unsrer Not. 3. Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit und werden in ihm leben und sein in Ewigkeit.
Lasst uns nun in dieser Glaubensgewissheit in den Alltag gehen, das durch uns vergängliche Tontöpfe, der wertvolle Schatz, das helle Licht Jesus Christus strahlt und Raum gewinnt, auch in den schweren Tagen unseres Lebens, auch in manchen Katastrophen, die uns hart treffen. Lasst das Lebenslicht Jesus Christus in uns hell werden.
Amen.
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