Das Grab ist leer – wo bleibt die Osterfreude?

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Das Grab ist leer – wo bleibt die Osterfreude?

Der Herr ist auferstanden - Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!
Das ist der Ruf, der an diesem Ostermorgen durch die Christenheit in allen Kirchen und Gemeindehäusern, auf den Plätzen und Orten, wo sich Christen versammeln, schallt.
Doch so einfach und verständlich ist dieses Geschehen nicht. Ja es ist eigentlich etwas Unfassbares - diese Auferstehung von Jesus! Viele Thesen und Theorien haben sich darum um das ganze Geschehen herumgerankt. Vielen Theologen und Theologinnen haben sich durch die Jahrhunderte mit dieser Frage beschäftigt. Da gab es die Scheintodthese bis hin zum Raub des Leichnams von Jesus und noch einige Theorien über Tod und Auferstehung von Jesus. Doch das geht alles an dem Geschehen von Golgatha und dem Ostermorgen vorbei. Denn Karfreitag mit seinem grausamen Geschehen dokumentiert ganz klar, dass Jesus auf jeden Fall tot ist.
Jesus ist wirklich tot. – Was kann man also für diesen Jesus noch tun? – Ihn »anständig« begraben. – Das ist buchstäblich das Ende aller menschlichen Möglichkeiten. Doch selbst dieses zu tun, erfordert Bekennermut und Tapferkeit. – Beides ist bei Josef von Arimathäa der Fall. Er tritt aus der Heimlichkeit der Jüngerschaft heraus (vgl. Joh 20,31). Er wagt es, Pilatus zu bitten, dem der Leichnam nach Staatsrecht gehört. Ihn treibt die Treue zu dem toten Jesus um. Aber mehr als sein eigenes Familiengrab zur Verfügung stellen, kann er für Jesus jetzt nicht tun.
Nun sind die Frauen auf dem Plan und wir wollen ihnen heute Morgen folgen. Doch ehe wir es im einzelnen tun, lesen wir einmal den Abschnitt aus Markus 16, die Verse 1-8:
Markus 16,1–8 BB
1 Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome wohlriechende Öle. Sie wollten die Totensalbung vornehmen. 2 Ganz früh am ersten Wochentag kamen sie zum Grab. Die Sonne ging gerade auf. 3 Unterwegs fragten sie sich: »Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?« 4 Doch als sie zum Grab aufblickten, sahen sie, dass der große, schwere Stein schon weggerollt war. 5 Sie gingen in die Grabkammer hinein. Dort sahen sie einen jungen Mann. Er saß auf der rechten Seite und trug ein weißes Gewand. Die Frauen erschraken sehr. 6 Aber er sagte zu ihnen: »Ihr braucht nicht zu erschrecken! Ihr sucht Jesus aus Nazaret, der gekreuzigt wurde. Gott hat ihn von den Toten auferweckt, er ist nicht hier. Seht: Hier ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt hatten. 7 Macht euch auf! Sagt seinen Jüngern, besonders Petrus: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.« 8 Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich.
Ich möchte jetzt an dieser Stelle nicht diskutieren, ob da noch etwas im Markusevangelium kommen müsste, oder ob schon hier Schluss ist.
Ob etwas verloren gegangen ist, ob da, was dann noch kommt, eine spätere Ergänzung vielleicht oder was auch immer. Selbst wenn das Evangelium hier enden würde, entspräche es der Intention des Markusevangeliums, weil Markus immer etwas geheimnisvoll von Jesus spricht. Wir kennen es in der Theologie unter dem Begriff des Messiasgeheimnisses.
Heute morgen wollen wir den Frauen zum Grab folgen. Am Sabbat, also von Freitag 18:00 Uhr bis Samstag 18:00 Uhr, konnten sie nichts für Jesus tun. Doch sofort, als der Sabbat vergangen war, nutzen die Frauen die erste Gelegenheit. Sie kauften wohlriechende Öle, um am nächsten Morgen ans Grab zu gehen und den Leichnam von Jesus zu salben. Das war eine traurige, aber notwendige Aufgabe, sowohl als Ehrerbietung gegenüber ihres geliebten Heilandes und Meisters als auch, um den Verwesungsgeruch des Leichnams zu verringern, da vielleicht in Kürze weitere Leichname in dasselbe Grab gelegt werden würden.
Zwischen dem Kaufen der Öle und dem Weg zum Grab war noch eine ganze Nacht verstrichen. Doch nun nach jüdischer Einteilung am »erste Wochentag«, kommen die Frauen zum Grab.
Früh am Morgen haben sie sich aufgemacht, gerade als die Sonne aufging. Es dürfte etwa gegen 6 Uhr morgens gewesen sein. Auf dem Weg zum Grab beschäftigt die Frauen der eine Gedanke: »Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?” Denn ihre Kraft reicht nicht aus, diesen schweren Verschlussstein vor der Grabkammer »wegzuwälzen«. Dagegen war es für die Frauen kein Problem, den Weg zum Grab zu finden. Sie hatten ja die Grablegung Jesus am Tag vorher beobachtet. Sie waren am Karfreitag kurz vor Beginn des Sabbats mit dabei gewesen, als man den Leichnam Jesu ins Grab legte. Sie waren Zeuginnen seiner Grablegung.
Doch jetzt konzentrierten sich die Gedanken der Frauen auf einen »Stein«, während Jesus längst auferstanden und das Grab leer ist. Ist das nicht ein Zeichen?
Ist das nicht auch in unserem Leben sehr oft so? Wie oft beschäftigen wir uns mit vordergründigen und irdischen Dingen, während die Sache längst gelaufen ist, ja, während Gott längst schon ganz andere Weichen gestellt hat? Während schon klar ist, wie die Sache weiter geht, wie der Weg verläuft.
Aber nicht nur das, sondern vielleicht stellen wir heute auch diese Frage: Wer wälzt uns den Stein der Sünde von unserem Herzen? Die Antwort ist der gekreuzigte und auferstandenen Christus. Er tut es, weil er uns die Liebe Gottes bringt.
Der Autor Max Lucado schreibt dazu:
Vielleicht steht nur ein Samstag zwischen Ihnen und der Auferstehung. Vielleicht trennen Sie nur noch Stunden von jenem kostbaren Gebet eines veränderten Herzens: "Gott, hast du das für mich getan?"
Nun stehen die Frauen vor dem Grab, gedankenversunken. Und dann heißt es: “Und sie sahen hin”! Hinsehen, hinschauen, hinblicken - was nahmen sie jetzt gewahr? Sie sehen, dass der Stein weggewälzt war. Der große Stein ist weg.
Es ist ein doppelsinniges “Aufblicken”.
Am Anfang erleben wir die Frauen, wie sie niedergeschlagen ihren Weg gehen, ihren Blick nach unten gerichtet haben. Man kann die Trauer der Frauen spüren. Und jetzt erheben sie ihren Blick. Es ist so, als wenn sie nach Blindheit ihre Sehfähigkeit wiedererlangen.
Das kennen wir ja auch, dass man irgendwie für eine Sache blind ist und dann auf einmal werden einem die Augen geöffnet. So ist es hier bei den Frauen. Sie sehen jetzt das offene Grab.
Zeigt sich hier bereits, dass wir unseren Blick auf Gott richten und schauen sollten, um ein richtiges Verständnis der Dinge zu bekommen?
Am Grab geschieht genau das. Die äußere Beobachtung ist dabei das Wichtige. “Der Stein ist weggerollt.”, doch wer hat das gemacht?
Die Bemerkung ‘denn er war sehr groß’ drückt Erstaunen aus: Wer war in der Lage, einen so ‘großen Stein wegzuräumen’?”
Eigentlich waren die Frauen jetzt sehr mutig, denn wenn das Grab offen ist und niemand ist da, dann müsste doch etwas hier nicht stimmen.
Dennoch gehen sie in das Grab hinein. Erst dann erschrecken sie sich als sie den jungen Mann sehen. Er saß an der Stelle, an der sich der Leichnam von Jesus befunden hatte. Dieser junge Mann hat eine Botschaft, die man nicht begreifen kann.
Eine Botschaft, die über alles Verstehen hinausgeht: Jesus ist auferstanden, er ist nicht hier.
Er erklärte den Frauen dies in aller Ruhe, dass Jesus von den Toten auferweckt worden ist, und dass er sie in Galiläa wiedertreffen will, so wie er es ihnen vorausgesagt hat.
Die Frauen hatten bisher über Kreuz und Tod hinaus keine Perspektive. Jetzt aber hören sie die Auferstehungsbotschaft: »Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Sieh da das ist die Stätte, wo sie ihn hinlegten!«
Es kommen jetzt zwei Dinge zusammen. Erstens die Realität der irdischen Welt. Sie kann mit leiblichen Augen festgestellt werden und lautet: Der Platz, »wo sie Jesus hinlegten«, ist jetzt leer. Jesus ist nicht mehr da!
Desweiteren aber kann man in diesem Augenblick mit leiblichen Augen nicht kommen als bis zum leeren Grab. Es ist immerhin schon viel, wenn man mit historischer Gewissheit sagen kann: Das Grab war leer. Juden und Christen bestätigen es gleichzeitig (vgl. Mt 28,11ff). Wie hätte man auch in Jerusalem eine Auferstehung Jesu behaupten können, wenn das Grab nicht leer gewesen wäre?
Die Frauen bekommen jetzt einen Auftrag: Geht zu den Jüngern und zu Petrus und sagt es ihnen.
Sie sollen nun mit dieser Botschaft zu den Jüngern gehen; die besondere Erwähnung von Petrus dient vermutlich nicht dazu, ihm einen Vorrang zu geben, sondern sicherzustellen, dass er nach seinen katastrophalen Leugnungen nicht als jemand angesehen wurde, der jenseits der Erlösung stand.
Die Botschaft, die die Frauen den Jüngern und Petrus zu berichten haben, betrifft die Wiederherstellung der Beziehung zwischen ihnen und Jesus.
Doch ich glaube nicht, dass sie nicht in der Lage waren diesen Auftrag zu erfüllen. Nein der Text zeigt uns genau das Gegenteil: Möglichst niemanden zu erzählen.
Die Frauen rennen zurück nach Hause, zu Tode erschrocken. Unterwegs müssen sie an mehreren Menschen vorbei gelaufen sein, doch sie sagten kein Wort. Sie standen unter Schock.
Zittern vor Furcht und Entsetzen – es ist so furchtbar, dass man das niemanden sagen kann. Jesus ist auch noch der letzte Rest unseres geliebten Heilandes weg. Nicht einmal das Grab als Kultstätte ist geblieben. Kein Ort mehr, wo man über ihn trauern kann.
Wird es nun Jesus so ergehen wie anderen Zeitgenossen von Jesus, die in Vergessenheit geraten sind und gerade mal noch in den Geschichtsbüchern stehen?
Es ist Teil der seltsamen Vorsehung Gottes, dass die Art und Weise, auf die das Markusevangelium endet, uns umso mehr ermutigt, nicht nur den Glauben der frühen Kirche zu untersuchen, also den Glauben daran, dass Jesus tatsächlich von den Toten auferstanden war, sondern auch unseren eigenen Glauben.
Am Ende der Story klafft eine Lücke – und wir sind eingeladen, sie selbst auszufüllen.
Halten wir Ostern für eine Selbstverständlichkeit, oder sind wir jemals vor Ehrfurcht erschauert angesichts dieses seltsamen neuen Werkes Gottes?
Was wissen wir vom auferstandenen Herrn?
Wohin geht er uns heute voran?
Welche Aufgaben hat er uns heute zur Erledigung aufgetragen, um „das Evangelium vom Reich Gottes“ bis zu den Enden der Erde zu tragen?
Mit der Auferstehung von den Toten erweist sich der Anspruch Jesu Sohn des lebendigen Gottes zu sein als berechtigt. Gott sagt Ja zu seinem Sohn. Gott sagt aber sogleich auch Ja zu uns, die wir seinem Sohn Jesus von Nazareth nachfolgen.
Dabei war das menschlich gesehen, aber nicht verständlich, sondern aus unserer menschlichen Sicht, scheint der Tod von Jesus den messianischen Heilsplan Gottes zu ruinieren.
Doch wo wir mit unserem menschlichen Latein zu Ende sind, wo uns nur wie bei den Frauen noch Angst und Zittern überkommt, da ist Gott noch lange nicht zu Ende.
Er hatte seinen wichtigsten Trumpf noch, den Trumpf zum Leben. Das war die Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus.
Und wenn Gott den toten Jesus wieder zum Leben erweckt. Und so die Hoffnung für die Menschheit auf ein neues Leben bewirkt, so kann das Gott heute auch in unserem Herzen bewegen.
Vielleicht sind wir so wie die Frauen zitternd vor Furcht und Entsetzen heute an diesem Ostermorgen in den Gottesdienst gekommen. Zitternd mit allem, was uns das Herz schwer macht, was uns belastet. Genau das dürfen wir heute Morgen alles zu dem gekreuzigten und auferstandenen Christus bringen.
Was mir in diesem Text auffällt, ist das Gott, dass Jesus vergeben will. Da werden die Frauen beauftragt den Jüngern die Botschaft der Auferstehung zu sagen. Und einer der Jünger wird in besonderer Weise genannt: Petrus. Es ist Petrus der Totalversager, der seinen Herrn verleugnet hat. Und den nennt der Engel hier in ganz besonderer Weise. Damit wird deutlich, dass es Gottes Wille ist, den Gefallen wieder aufzurichten, zu vergeben und zu erneuern. Denn Jesus hat unsere Sünden am Kreuz getragen, die Sünden der Vergangenheit, die Sünden der Gegenwart und auch die Sünden der Zukunft. Alle diese hat Jesus auf sich geladen und ist mit ihnen am Kreuz gestorben.
In 2. Korinther 5,21 lesen wir dazu:
Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. So will uns Gott wieder Heil machen. Er will die Verbindung zwischen uns und ihm wieder herstellen. Er will unsere Beziehungen heilen.
Von daher ist Ostern der wichtigste Tag in der Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen. Darum gilt uns heute der Ruf:
Der Herr ist auferstanden!
Er ist wahrhaftig auferstanden.
Halleluja!
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