Das Hoffnungslied

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Offenbarung 15,2–4 ELB 1985
Und ich sah <etwas> wie ein gläsernes Meer, mit Feuer gemischt, und <sah> die Überwinder über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens an dem gläsernen Meer stehen, und sie hatten Harfen Gottes.Und sie singen das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sagen: Groß und wunderbar <sind> deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! Gerecht und wahrhaftig <sind> deine Wege, o König der Nationen!Wer sollte nicht fürchten, Herr, und verherrlichen deinen Namen? Denn du allein <bist> heilig; denn alle Nationen werden kommen und vor dir anbeten, weil deine gerechten Taten offenbar geworden sind.
Ihr Lieben,
ist euch in eurem Leben gerade danach zumute, Gott zu loben? Könnt ihr einstimmen in dieses Loblied, von dem Johannes uns berichtet? Oder würdet ihr lieber einen Klagepsalm auspacken, weil vieles zu schwer ist?
Dass wir singen können, ist ein großartiges Geschenk unseres Schöpfers. Denn Gesang transportiert nicht nur den Inhalt dessen, was wir zu sagen haben, sondern Gesang vermittelt durch die Musik auch unsere Gefühle. Die Musik spricht uns emotional viel schneller und leichter an als nur gesprochene Worte und andersherum können wir unsere Gefühle leichter zum Ausdruck bringen.
Unter der Woche ist mir folgendes Zitat begegnet: „Sprache ist das Fenster der Seele; Singen ist die Tür.“ (Wdh.) Singen kann unsere Seele öffnen. Deswegen gehört Singen und die Musik auch zu unserem Glauben dazu, deswegen singen wir in Gottesdiensten, in Seniorenkreisen, in Jugendgruppen. Singen hat etwas besonderes, immer wieder rührt Musik uns an.
Welche Melodie, welche Stimmung hätte also das Lied, das du gerade anstimmen würdest?
Das ganze Buch der Offenbarung, aus der wir diesen heutigen Text haben, ist höchst spannend – natürlich weil es um die Zukunft und um die letzten Tage dieser Welt geht, aber auch weil wir so einiges nicht verstehen. Vieles von dem, was Johannes schreibt, ist uns fremd. Vieles mag auch Johannes selbst fremd gewesen sein, was er gesehen hat und das er dann versucht hat in Worte zu fassen. Vieles musste Johannes auch etwas verschlüsselt schreiben, denn zur damaligen Zeit, irgendwann gegen Ende des 1. Jahrhunderts, ging es unseren Glaubensgeschwistern an den Kragen. Unter Kaiser Domitian wurden die Gemeinden bedrängt; Johannes selbst befindet sich in der Verbannung auf der Insel Patmos – er sollte der einzige der 12 Jünger sein, dessen Leben kein vorzeitiges Ende fand.
Gott lässt Johannes die Geheimnisse des Himmels sehen und sie aufschreiben. Dieser kleine Abschnitt in Kapitel 15 sticht heraus. Viel furchtbares lesen wir in der Offenbarung, vieles bei dem uns bange werden könnte, falls wir diese Zeit erleben werden. Unser jetziges Leben als Christen in Mitteleuropa ist dagegen das reinste Zuckerschlecken. Wir haben zur Zeit nichts zu befürchten, können in Frieden und Freiheit unseren Glauben leben und anderen Menschen davon erzählen. Irgendwann werden wieder andere Zeiten kommen, so wie Jesus es schon selbst angekündigt hat: „Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen.“ (Joh 15,20) Wir können Gott dankbar sein für alle Freiheit, die wir zur Zeit haben.
Die Gemeinde Gottes hat aber immer wieder auch schon schlimme Verfolgung erlebt – und auch heute gibt es ja Länder auf dieser Erde, in denen das Bekenntnis zu Jesus dem Todesurteil gleichkommen kann. Auch damals also, gegen Ende des 1. Jahrhunderts, waren die Christen bedrängt und litten unter Verfolgung.
Johannes schreibt in der kryptischen Sprache der Offenbarung, was Gott ihn sehen lässt: ein gläsernes Meer, mit Feuer vermengt und an diesem Meer stehen die Überwinder, die die Gott treu geblieben sind, die sich nicht vor Menschen gebeugt haben. Was es mit diesem gläsernem Meer auf sich hat, wird uns nicht gesagt; seine glatte spiegelnde Oberfläche ist allerdings ein klares Zeichen, dass die stürmischen Wellen in Gottes Majestät hineingebändigt sind. Gott schafft Ruhe und Frieden. Im Feuer kommt sein herrliches Wesen zum Ausdruck.
Den Überwindern sind Harfen Gottes anvertraut. Harfen fanden auch bei der Verherrlichung des Kaisers Verwendung; Gott demonstriert hier, dass Er der einzig wahre Kaiser, der einzige wahre Gott ist. Überhaupt zielt diese Einleitung und das ganze Lied darauf ab zu verdeutlichen, dass Gott regiert – und zwar über alles und jeden, dass Gott der Alleinherrscher ist, der über alles Herrschende.
Für ihn singen die Überwinder das Lied Moses und das Lied des Lammes. Johannes erinnert uns hier an Gottes große Tat am Schilfmeer, als Er das Volk Israel mithilfe gigantischer Wunder aus Ägypten befreite. Und Johannes erinnert uns an den herrlichen Sohn Gottes, an unseren Herrn Jesus Christus. Durch die ganze Weltgeschichte zieht sich Gottes Heilsplan mit Seinem Sohn für uns. Er wurde für uns zum Opferlamm, das unsere Schuld getragen hat und nun wieder auf dem Thron Gottes sitzt.
Mit diesem Lied wird Gott gepriesen. Kein Wort der Bitte, kein Wort der Klage angesichts der Bedrängnis der Gemeinde. Auch kein Wort des Triumphes oder gar Stolzes der Überwinder. Einzig der Lobpreis Gottes, die Verherrlichung Seines Namens:
Gottes Werke sind unfassbar groß und sogar wunderbar – Seine Werke sind wirkliche Wunder. Seine Wege sind von Gerechtigkeit und Wahrheit geprägt. Er selbst ist der einzige Gott, der einzige, auf den das Prädikat „heilig“ von Grund auf zutrifft und immer zugetroffen hat. Er ist der, der würdig ist, gepriesen zu werden. Alle Menschen werden kommen und in Ehrfurcht vor diesem Gott niederknien und Ihn anbeten.
Wenn man viel Zeit hätte, um tief in dieses Lied hineinzugehen, würde man erkennen, wie viel Theologie der gesamten Bibel hier entfaltet wird. Es sind keine neuen Erkenntnisse, keine neuen Erfindungen, sondern Rückgriffe auf das, was Gott längst getan und wie Er sich durch alle Zeiten offenbart und gezeigt hat.
Allein schon im Dreiklang „Herr, Gott, Allmächtiger“ steckt eine überspannende biblische Theologie: Herr (κύριος) steht in der Regel für „Jahwe“, den Namen Gottes; Gott (θεός) für „Elohim“ oder „El“; und Allmächtiger (παντοκράτωρ) für „Zebaoth“ oder „Schaddaj“. In diesem Dreiklang sind also alle wichtigen Bezeichnungen Gottes zusammengefasst.
In den Tagen des Johannes werden die genannten Titel gerne von den weltlichen Herrschern bis hin zu den Kaisern in Anspruch genommen. So nannte sich Domitian (81–96 n.Chr.), der Kaiser, unter dem die Offenbarung geschrieben wurde, „dominus et deus“ (κύριος καὶ θεός), also „Herr und Gott“. Aber der lebendige Gott der Bibel ist der wahre „Herr und Gott und Allmächtige“.
Vieles weitere an gesamtbiblischer Theologie ließe sich hier zeigen.
Eine letzte Sache möchte ich noch herausheben: die Begründung dafür, dass alle Völker kommen werden, um Gott anzubeten. „Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine Urteile sind offenbar geworden.“ (V.4b) Es ist doch bemerkenswert, dass es die Urteile Gottes sind, die die Menschen in die Anbetung treiben. Es ist Sein gerechtes Handeln. Es ist Sein Gerechtigkeit schaffendes Handeln.
Gott stellt verloren gegangene Gerechtigkeit wieder her. Er stellt in die Brüche gegangene Ordnungen wieder her. Er erhebt die Niedrigen und spricht ihnen wieder ihr Recht und ihre Würde zu. Er beendet Willkür und Tyrannei. Gott schafft durch Sein gerechtes Handeln wieder Frieden. Er stellt sich auf die Seite der Unterdrückten und Geschlagenen. Er schafft wieder Gerechtigkeit.
N. T. Wright, ein englischer Theologe schreibt dazu: „Für Johannes wie für alle Christen gab es ein großes Gerichtsurteil, das alles andere überragte. Diese Tat brachte schon damals und bringt auch jetzt Menschen aus vielen Nationen dazu, den Gott Israels anzubeten. Gott hatte Jesus vom Tod erweckt, nachdem er als falscher Messias verurteilt worden war. Gott hat das Urteil des menschlichen Gerichtshofes umgekehrt. Er hat das Unvorstellbare unternommen und so gezeigt, dass Jesus eben doch der Messias ist! Darüber hinaus ist die Auferstehung der Beweis, dass das Kreuz selbst ein großes, spektakuläres Gerichtshandeln ist, in dem Sünde und der Tod selbst verurteilt und erledigt werden.“
Selbst in Seiner vollkommenen Gerechtigkeit findet Gott einen Weg der Gnade für uns. Was eigentlich völlig unmöglich ist, nämlich gerecht und gnädig zugleich zu sein, das vereint Gott in vollkommener Weise in sich. Gerechtigkeit gibt das, was man verdient; Gnade gibt das Gute, was man nicht verdient. In Seinem Sohn Jesus hat Gott dies beides vereint und uns in Seiner unendlichen Gnade gerecht gesprochen.
Gott lässt Johannes – und durch ihn auch uns – hören, dass die Überwinder ein Loblied zur Ehre Gottes singen, einen Lobpreis, der den Allmächtigen und allein Herrschenden König anbetet. Sie singen dieses Loblied trotz aller Anfechtung und Verfolgung von der die Nachfolger Jesu getroffen sind, sie singen trotz auch all unserer Rückschläge, Niederlagen und ausweglosen Situationen. Trotz allem singen sie Gott zur Ehre.
Gott gibt uns diesen Einblick sehr bewusst. Denn er soll für uns ein unendlich tiefer Trost sein. Es gibt auch in unserem Leben Zeiten, in denen wir verzweifelt nach der Macht und Herrlichkeit Gottes Ausschau halten und sie dennoch nicht finden können. Gerade für solche Zeiten erklingt uns dieses Lied. Es schreibt uns ins Herz, was die Wahrheit ist, die über allem steht, sogar über den schweren Zeiten unseres Lebens: Gott regiert, der ewige Herr und König, der Gerechte und Wahrhaftige.
Wenn wir am Anfang gesagt haben, dass Sprache das Fenster der Seele ist und Singen die Tür, dann ist dieser Text wie ein Fenster – nicht in zu unserer Seele, sondern in Gottes Reich. Dieser Text ermöglicht uns einen verheißungsvollen Blick in Gottes Realität.
Wenn wir in dieses Lied einstimmen – und sei es noch so zaghaft oder vielleicht ist es sogar nur ein Seufzen –, dann wird es uns dieses Lied zur Tür: Wir sprechen die Realität Gottes auch über unserem Leben aus; wir öffnen die Tür unseres Herzen für Sein Wirken. Er möchte Seine Hoffnung in unser Herz legen.
Amen.
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