Gottes Gerechtigkeit
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· 7 viewsGottes Gerechtigkeit gilt für jeden Menschen und steht der menschlichen Gerechtigkeit gegenüber.
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Menschliche Gerechtigkeit
Menschliche Gerechtigkeit
Was läuft in dieser Welt falsch? In der letzten Zeit habe ich mir öfter diese Frage gestellt. Ich sehe wie Menschen Kriege führen, die jegliches Mitgefühl, menschliches Leben wertlos erscheinen lassen. Ich sehe wie Personen zum Spaß menschenverachtende und nationalsozialistische Parolen gröhlen. Menschen versuchen andere Menschen auf ihre Seite zu ziehen, indem sie die Schuld für die immer größere Armut in Deutschland bei Migranten suchen. Was ist bloß los mit diesen Menschen? Wie kann man nur so sein? Ich weiß nicht, ob es euch schon einmal so ging. Ob ihr euch schon einmal dabei erwischt habt, wie ihr gedacht habt, so kann man doch eigentlich gar nicht sein. Wie kann der Mensch nur so verkommen sein. Ich weiß, das hört sich jetzt recht hart an und sehr pessimistisch. Ich bin eigentlich von meiner Art her auch gar nicht so, aber als Christ stelle ich mir schon manchmal diese Frage. Wie kann das sein. Paulus gibt eine Antwort darauf. In Römer 1,24-31 beschreibt er, was mit dieser Welt los ist:
Darum hat Gott sie im Begehren ihres Herzens der Unreinheit preisgegeben, und so entehren sie selbst ihre Leiber.
Sie tauschten die Wahrheit Gottes gegen die Lüge und huldigten und dienten dem Geschöpf statt dem Schöpfer – gepriesen sei er in Ewigkeit, Amen. Deshalb hat Gott sie unwürdigen Leidenschaften preisgegeben. Denn ihre Frauen vertauschten den natürlichen Umgang mit dem widernatürlichen. Ebenso gaben die Männer den natürlichen Umgang mit der Frau auf und entflammten im Verlangen nacheinander; Männer mit Männern bringen Schande über sich und empfangen am eigenen Leib den Lohn für ihre Verirrung.
Und da es ihnen nichts bedeutete, Gott erkannt zu haben, hat Gott sie der Haltlosigkeit preisgegeben, und so tun sie, was sich nicht gebührt. Sie strotzen vor Unrecht, Schlechtigkeit, Habsucht, Bosheit, sie sind voller Neid, Mord, Zank, Arglist, Verschlagenheit; Ohrenbläser sind sie, Verleumder, Gotthasser, Frevler, Angeber, Prahler, erfinderisch im Bösen, ungehorsam den Eltern, gedankenlos, haltlos, lieblos, ohne Erbarmen.
Zum Glück weiß ich es besser. Ja klar, so manche Kleinigkeiten davon, finde ich vielleicht auch in meinem Leben, aber natürlich nicht in diesem Ausmaß. Die Welt ist gefallen. Die Menschen da draußen leben es doch genauso, wie Paulus es sagt. Sexuelle Unmoral, Unrecht, Schlechtigkeit, Habsucht, Bosheit, Neid, Mord, Zank und alles was Paulus noch aufzählt. Wie kann man nur so sein? Wie kann man nur so leben? Wie kann sich das Leben nur darum kreisen? Ich komme dort ganz schnell in das Denken, die da draußen und wir hier drinnen. Aber es geht bei mir sogar noch weiter. Ich sehe andere Geschwister in der Gemeinde, bekomme mit, was sie so machen und denke so bei mir: Die haben noch nicht so ganz verstanden, was ich verstanden habe. Was die Schwester oder der Bruder so macht… Die müsste ich eigentlich mal zurechtweisen. Es gibt also nicht nur die Draußen und die Drinnen, sondern auch noch die Drinnsten. Wisst ihr, was wir mit so einem Denken und auch so einem Denken in der Gemeinde und in unserem Leben aufbauen? Menschliche Gerechtigkeit. Der Ursprung von Drinnen und Draußen, von richtig und falsch ist unser Verständnis von dem, was wir für rechtens, gerecht halten. Wir haben eine Gerechtigkeit, die ein tugendhaftes Leben im Zentrum hat. Das Leben soll nach bestimmten Werten, Richtlinien und Regeln gelebt werden, die einer bestimmten Ordnung entsprechen wie dem Gesetz des Staates oder im Falle der Kirche den Gesetzen der Bibel. Und das Tolle ist, das Paulus uns hier einen super Katalog gibt, nach dem wir richten können, oder? Das interessante bei diesem Text ist allerdings folgendes: Paulus geht es hier nicht um Verurteilung oder Zurechtweisung in der Gemeinde, sondern er möchte genau zum Gegenteil führen. Er möchte eine Einheit in der Gemeinde bewirken, indem er dem Grundzustand der Menschheit beschreibt. Ein Zustand wo es nicht drin und draußen gibt, sondern der auf jeden zutrifft. Wir sind Menschen, die ihren Leidenschaften hingegeben wurden. Wir sind Menschen, die der Lüge und nicht Gott huldigen. Und dem gegenüber stellt er die Gerechtigkeit Gottes. Denn es sind nicht die da draußen und wir hier drinnen. Es sind auch nicht die jungen und die alten Leute innerhalb der Gemeinde, sondern wir sitzen alle im selben Boot. Origenes hat es wie folgt beschrieben:
„Wir, die wir augenscheinlich in der Kirche sind und den rechten Glauben haben, müssen auf uns selbst schauen und ernstlich prüfen, ob wir nicht von den Heiden nur durch den Namen der wahren Gottesverehrung getrennt, durch die Wirklichkeit und die Taten aber mit ihnen verbunden sind.“
Wir wollen eine Parallelgesellschaft, Gemeinschaft der Heiligen sein, aber scheitern, denn allein das Denken, die da draußen und wir hier drinnen ist bereits Scheitern an der eigenen Gerechtigkeit. Mir ist das neulich auch in einer Situation aufgefallen, weil selbst bei einem Thema wie Rassismus, kann ich mich nicht freisprechen. Wir hören in den Nachrichten von diesem Video, wo Leute offensichtlich rassistische Parolen singen, aber unseren Alltagsrassismus spielen wir runter. Ich kriege in meinem eigenen Leben mit, wie Vorurteile meine Wahrnehmung prägen. Deshalb müssen wir aufpassen, dass wir nicht unsere Gerechtigkeit mit der Gerechtigkeit Gottes verwechseln. Denn unsere Gerechtigkeit schließt aus und die Gerechtigkeit Gottes schließt ein.
Gottes Gerechtigkeit
Gottes Gerechtigkeit
Was ist aber Gottes Gerechtigkeit? Worin liegt der Unterschied?
Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; eine Kraft Gottes ist es zur Rettung für jeden, der glaubt, für die Juden zuerst und auch für die Griechen. Gottes Gerechtigkeit nämlich wird in ihm offenbart, aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: Der aus Glauben Gerechte aber wird leben.
Gottes Gerechtigkeit offenbart sich im Evangelium. Und dieses Evangelium ist eine Kraft, die Leben gibt. Das Evangelium ist eine Kraft. Es ist nicht nur eine gute Nachricht, die uns gesagt wird und uns ermutigt, sondern es ist eine Kraft, die uns errettet, durch die wir teilhaben am Heil. Es ist eine Kraft, die etwas verändert in unserer Beziehung zu Gott, sodass sie jedem offensteht. Es ist die Kraft, die verschlossene Gräber öffnet und Menschen zurück ins Leben holt. Es ist die Kraft, die die Jünger Jesu dazu befähigt Menschen zu heilen, Dämonen auszutreiben und in neuen Sprachen zu reden. Das Evangelium ist ein Ereignis, dass Glauben weckt und Menschen bewegt. Das Evangelium ist Gottes Gerechtigkeit. Es ist ein von Gott ausgehendes und sich der Welt zuwendendes Handeln Gottes. Ganz anders als unsere Gerechtigkeit.
Jesus ist der Messias. Gott ist der Gott für alle Menschen. Die Vorgeschichte Gottes mit Israel, mit seiner Gemeinde, mit uns gilt auch den Menschen, die Gott nicht kennen. Gott schreibt Geschichte mit der ganzen Menschheit. Er schreibt eine Heilsgeschichte, von der wir Alle Teil sind. Gott hat einen Heilsplan für die ganze Welt. Es ist eine Kraft, ein Evangelium, dass für alle Menschen gilt und für sie wirksam ist. Vor Gott stehen wir alle gleich da. Jesus Christus kam aus der Gemeinschaft, der Herrlichkeit Gottes herunter in diese Welt und wurde ein Mensch unter uns Menschen. Er hatte Teil an unserer Sünde und wurde schwach und arm, so wie wir, um am Ende für uns in den Tod zu gehen und den Fluch der Sünde auf sich zu nehmen, damit wir die Freiheit der Kindschaft Gottes erfahren können. Dann ist Jesus wieder auferstanden und in die Herrlichkeit Gottes zurückgekehrt, von wo er eines Tages zurückkommen wird, um die Glaubenden zu retten. Gottes Gerechtigkeit hat einen Namen. Sie heißt Jesus. Moltmann, ein Theologe, beschreibt es in seinem Buch: „Theologie der Hoffnung“ folgendermaßen:
„Gottesgerechtigkeit „geschieht“ hier, und das Evangelium macht sie offenbar, indem es das Geschehen des Gehorsams Jesu bis zum Tode am Kreuz, indem es das Geschehen seiner Hingabe an diesen Tod und indem es seine Auferweckung und sein Leben als das Kommen der Gottesgerechtigkeit zu den Rechtlosen verkündet.“
Gott kommt zu den rechtlosen. Gottes Gerechtigkeit ist kein Regelwerk, dass ausschließt oder verurteilt. Gottes Gerechtigkeit sagt nicht, dass du dich so oder so verändern musst, damit du gerecht wirst, denn seine Gerechtigkeit hat das Urteil schon gefällt und an Jesus Christus ergehen lassen aus Gnade. Gottes Gerechtigkeit schenkt leben, setzt frei, spricht dich frei und verurteilt dich nicht. Sie beruft uns nicht dazu Menschen zurecht zu weisen, uns über sie zu stellen oder zu verurteilen, denn jeder Mensch ist durch Jesus Christus von seiner Verurteilung befreit und in eine Beziehung mit Gott eingeladen. Gottes Gerechtigkeit beruft uns in ein Leben, dass andere Menschen in eine Beziehung zu Gott führt und sie einlädt. Es gibt nicht die draußen und die drinnen, sondern nur begnadete Sünder, die aufgerufen sind sich zu dieser Gerechtigkeit zu verhalten und die eigenen Gerechtigkeitsvorstellungen nieder zu legen, denn Gottes Gerechtigkeit ist die, die am Ende siegt.
Das ewige Leben in der Gegenwart – ein Leben aus Gottes Gerechtigkeit
Das ewige Leben in der Gegenwart – ein Leben aus Gottes Gerechtigkeit
Für mich bedeutet das, dass ich meine Vorstellung von Gerechtigkeit abgeben muss, denn was mich gerecht macht, bin ich nicht selbst, sondern Jesus. Was ich für wahr und richtig halte, muss sich an der Gerechtigkeit Gottes messen lassen. Meine Gerechtigkeit soll zu dem führen, was Gottes Gerechtigkeit mir gibt: Glaube, Freiheit, Hoffnung und Liebe. Denn allein diese Art von Gerechtigkeit nimmt das Gebot der Nächsten- und Gottesliebe in vollem Umfang ernst. Ich wünsche mir, dass mein Leben die Gerechtigkeit Gottes in sich trägt, so wie es das Leben Jesu getan hat. Ich möchte meine Gerechtigkeit abgeben. Ich möchte mich nicht länger über andere Stellen, sie verurteilen, sondern ich möchte sie mit in die Beziehung zu Jesus hineinnehmen. Meine Gerechtigkeit abzugeben heißt mein Leben aus Gottes Gerechtigkeit zu leben. Es heißt ein Leben aus dem Heil heraus zu leben, dass Gott uns schenkt und es weiterzugeben. Es heißt, dass Gottes Gerechtigkeit nicht länger Theorie oder eine Eigenschaft Gottes ist, sondern eine Realität in meinem Leben wird, die er mir eröffnet, aus der ich leben kann. Es bedeutet, dass seine Gerechtigkeit eine Kraft wird, die meine Beziehung zu Gott und zu meinen Mitmenschen bestimmt. Aus Gottes Gerechtigkeit zu leben heißt seiner Gerechtigkeit nachzujagen und zu versuchen sie zu erfassen.
„Dem Menschen wird „zur Gerechtigkeit angerechnet“, daß er denkend, fühlend und handelnd nichts anderes tut als „glaubt“, dh Gottes gerechtes Handeln in Jesus Christus anerkennt, ihm recht gibt im Rechtsstreit.“
Der Mensch gibt im Erfasst sein von der Kraft des Evangeliums die eigene Gerechtigkeit auf. Es geht nicht mehr um gerechtes Handeln, sondern um das menschliche Dasein in sich, dass Gottes Gerechtigkeit durch Glauben erfährt. Und diese Erfahrung bringt uns wahres Leben, denn durch sie sind wir mit Jesus in den Tod hinein gegangen, aber auch genauso wieder auferstanden. Diese Erfahrung lässt uns jetzt leben, wozu wir bestimmt sind: Ein ewiges Leben in Gottes Gegenwart. Diese Erfahrung lässt uns nicht mehr los, denn wenn wir einmal von dieser Gerechtigkeit ergriffen sind, dann werden wir unser Leben lang nach ihr suchen.
