Gott ist mit euch

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Transcript
Ihr Lieben,
seit Jahren wird immer wieder das Thema der Unterschiedlichkeit von Ost- und Westdeutschland aufgemacht, immer wieder werden in den Nachrichten die Unterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern thematisiert. Im Westen sind die Löhne höher, im Westen sind die Renten höher, im Westen gibt es die lukrativeren Arbeitsplätze, im Westen ist das Gras grüner, und so weiter. Und mitunter fühlen wir Ossis uns ja auch gern abgehängt, ob nun zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt, aber jammern tut manchmal ja auch ganz gut… Über 30 Jahre ist die Wiedervereinigung nun her und dennoch sind die Folgen der unterschiedlichen Systeme zwischen BRD und DDR nach wie vor zu sehen und zu spüren.
Warum erzähle ich euch das alles? Ich möchte, dass wir uns etwas hineinfühlen in die Situation der Menschen, zu denen unser heutiger Predigttext gesprochen wurde.
Noch keine 30, aber immerhin schon etwa 20 Jahre war es her, dass viele Israeliten aus dem Exil zurückkehren durften. Rund 50 Jahre hatten sie im fernen und fremden Babylon leben müssen. Viele von ihnen wurden dort erst geboren und kannten die Heimat ihrer Eltern oder Großeltern nur aus Erzählungen. Als sie schließlich zurückkehrten, mussten sie feststellen, dass in der Heimat der Vorfahren immer noch alles in Schutt und Asche lag.
Seitdem, seit ihrer Rückkehr, waren jetzt etwa 20 Jahre vergangen. Vieles mag wieder aufgebaut worden sein, etliche Gebäude waren aber immer noch Ruinen, die das Stadtbild prägten. Sogar der einst so prächtige Tempel Salomos war nur ein Steinhaufen und von Stadtmauern als solchen konnte keine Rede sein. – Jerusalem, die große und gepriesene Stadt, hatte all ihre Herrlichkeit, all ihren Glanz verloren.
In dieser Zeit lebte auch der Prophet Sacharja. Wie viele andere war auch er im babylonischen geboren und groß geworden. Wie viele andere lebte auch er nun etwa 20 Jahre wieder in Israel und sah den Zustand Jerusalems mit seinen eigenen Augen.
Zugegeben: Das Buch dieses Propheten, das sich in der Bibel findet, spielt in unserem Glaubensleben eine eher untergeordnete Rolle. Es begegnet uns immer wieder kurz in der Adventszeit und vielleicht noch an Palmsonntag mit der Prophetie des kommenden Königs, aber sonst nehmen wir es kaum wahr.
Doch für seine Zeitgenossen, waren die Botschaften Sacharjas unglaublich, insbesondere im Anblick der zerstörten Stadt.
Im 8. Kapitel seines Buches lesen wir:
Sacharja 8,20-23
20 So spricht der Herr Zebaot: Völker werden sich auf den Weg machen, Einwohner großer Städte werden kommen. 21 Die einen werden zu den anderen sagen: »Auf, lasst uns nach Jerusalem pilgern! Wir wollen den Herrn durch Opfer gnädig stimmen. Lasst uns den Herrn Zebaot aufsuchen. Auch wir wollen hingehen.« 22 So werden viele Nationen kommen und Menschen aus zahlreichen fremden Völkern. Sie werden den Herrn Zebaot in Jerusalem aufsuchen und den Herrn durch Opfer gnädig stimmen.
23 So spricht der Herr Zebaot: Zu dieser Zeit werden zehn Männer kommen, aus Völkern mit ganz verschiedenen Sprachen. Sie greifen nach dem Mantelzipfel eines Mannes aus dem jüdischen Volk. Sie halten ihn fest und sagen: »Wir wollen mit euch gehen! Denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist.«
Drei Gedanken möchte ich mit euch zu diesem Text teilen.
1. Der Herr der Heerscharen – JHWH Zebaoth – spricht
Gott selbst ist es, der diese Botschaft an Sein Volk spricht; kein Möchtegern-Prophet, kein Orakel, kein Wahrsager, kein Nachrichtensprecher. Es ist Gott selbst!
Und Er bekommt hier bei Sacharja – wie auch bei einigen anderen Propheten seit der Königszeit – einen ganz besonderen Namen: JHWH Zebaoth. Zaba (צָבָא), von dem das Wort Zebaoth abgeleitet ist, meint ein Kriegsheer; Zebaoth meint viele Kriegsheere oder mit anderen Worten: ein unüberschaubar großes Heer. JHWH Zebaoth ist der Herr, der Regent über das ganze himmlische Heer: ein Ausdruck voller Macht und Kraft, ein Bekenntnis, wer letztlich den Sieg davontragen wird. Gegen Gottes Macht kann niemand bestehen, niemand kann Ihn bezwingen. Wie damals so ist Gott auch heute noch der, der regiert – und Er wird es in alle Ewigkeit tun.
Die Bibel bezeugt uns immer wieder: Niemand konnte das Volk Israel besiegen, solange es sich an diesen Gott, an diesen Herrn der Heerscharen hielt. Erst wenn sie sich von Gott abwandten und Ihm den Rücken zukehrten, begann ihr Untergang. Besannen sie sich wieder auf ihren Gott, sorgte Er für ihre Rettung. Dass Gott dabei immer wieder ganz eigene Wege geht, Wege, die wir nicht erwartet hätten und manchmal auch nicht verstehen, wird auch im Buch Sacharja deutlich, wo es heißt: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“ (Sach 4,6)
Gott geht Seine eigenen Wege mit uns, wenn wir dazu bereit sind, sie mit Ihm zu gehen. Manche davon – oder vielleicht sogar viele – mögen wir zwar nicht verstehen, aber wir dürfen gewiss sein, dass sie zum Ziel führen, weil wir mit dem Herrn der Heerscharen, mit JHWH Zebaoth unterwegs sind.
Dieser Gott, dieser Herr ist es also, der spricht. Seine Worte haben Kraft, Seine Worte sind Wahrheit. In Seinen Worten finden wir Hoffnung, sie erfüllen uns mit Hoffnung, wenn wir sie in unser Herz lassen.
1. Der Herr der Heerscharen – JHWH Zebaoth – spricht.
2. Eine weltweite Erweckung
Gott, der Herr der Heerscharen, verheißt Seinem Volk eine weltweite Erweckung. Erinnert euch noch einmal daran, wie es in Jerusalem aussieht, als Sacharja Gottes Botschaft verkündet: Da steht nicht mal ein Tempel! Jerusalem ist alles andere als herrlich, alles andere als ein Ort, an den es sich lohnen würde zu pilgern. Aber Gott verheißt, dass Menschen aus der ganzen Welt kommen werden, um Gott hier zu suchen.
Ein Wort voller Trost und Hoffnung, voller Ermutigung. Eine Verheißung, die nach vorn blickt. Es mag den Menschen zur damaligen Zeit wieder einen Sinn gegeben haben, eine Perspektive, dass es sich lohnt, die Stadt wieder aufzubauen, ja, dass Gott selbst sie dabei unterstützt.
20 Jahre hatten sie hier schon wieder gelebt. Ich stelle mir vor, wie die Euphorie der Rückkehr inzwischen verflogen war, die Aufbruchstimmung der ersten Monate und Jahre zurück in der Heimat. Viele sind vielleicht müde geworden, haben angesichts der Fülle der Aufgaben resigniert. Gott haucht ihnen neues Leben ein. Gott stellt sich wieder zu ihnen und verspricht, dass Er wieder da ist – nicht mehr fern wie bei Ihren gescheiterten Vorfahren.
Gott verheißt im Grunde drei Dinge: Erstens werden die Menschen Hunger nach Gott haben. Sie wollen Ihm begegnen und Ihn anflehen, dass Er in ihr Leben kommt. Zweitens wird Gott in Jerusalem und in ganz Israel zu finden sein. Er wird sich Seinem Volk in Liebe zuwenden. Und drittens werden die Juden selbst Gott gefunden haben. Man wird wissen: Wenn man einem Juden begegnet, kann dieser einen zu Gott führen.
Gott verheißt, dass ganze Völker kommen werden, um Gott zu suchen und Ihn anzuflehen. Gott verheißt eine weltweite Erweckung.
Seit dem ersten Pfingstfest erleben wir diesen Aufbruch. Das Evangelium, die gute Botschaft von Jesus Christus, hat sich inzwischen über die ganze Welt ausgebreitet. Doch die Dimension der Erweckung, die Gott hier verheißt, steht noch aus. – Und es steht auch noch aus, dass die Juden ihren Messias erkennen. Welch großartiger Tag wird das sein, wenn das Volk Gottes endlich zu Seinem Gott umkehrt, seinen Messias erkennt und die Rettung durch Jesus für sich annimmt!
2. Gott verheißt diese Erweckung in Israel und Er verheißt eine weltweite Erweckung!
Und 3. Wir haben gehört, dass Gott mit euch ist
Dieser Satz berührt mich zutiefst und bitte gesteht mir zu, dass ich hier etwas über den Text hinausgehe. Eines Tages, so verheißt Gott, wird es so sein, dass dieser Satz für Jerusalem und ganz Israel gilt: „Wir haben gehört, dass Gott mit euch ist.“ (V.23) Ich möchte etwas weiter gehen, denn mich beschäftigt die Frage: Gilt dieser Satz heute für uns? – Sagen zu uns Menschen: „Wir haben gehört, dass Gott mit euch ist“? Ist unsere Gemeinde ein Ort, von dem die Menschen wissen, dass Gott hier ist, dass, wer in diese Gemeinde kommt, Gott begegnen kann?
Gott ist hier. Das hat Er uns versprochen! Jesus hat gesagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18,20) – Und „Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20) Paulus schreibt sogar: „Christus lebt in mir.“ (Gal 2,20) – Kurzum: Wer an Jesus Christus glaubt, bei dem ist Gott, in jeder Sekunde seines Lebens; Sein Heiliger Geist erfüllt uns. Gott ist hier.
Die Frage ist: Wissen die Menschen das? Bekommen die Menschen um uns herum mit, dass Gott hier ist, dass wir mit Jesus leben, dass der Heilige Geist uns durchs Leben führt? Oder hüten wir unseren Glauben und unseren Gott wie ein heiliges Geheimnis, von dem nur Eingeweihte wissen dürfen?
Wir können und wir sollen Wegweiser sein für den, der von sich selbst sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben!“ (Joh 14,6) Wir können und sollen einen großen Teil dazu beitragen, dass die Menschen wissen, dass sie Gott hier finden können! Wir können und sollen für die Menschen erkennbar sein als die, die mit dem lebendigen Gott unterwegs sind. Es ist unser Auftrag, die Liebe Gottes auszustrahlen, Gottes Vergebung zu leben und den Menschen zu bringen, Seinen Frieden in die Herzen hineinzuleben.
Damit die Menschen uns am Mantelzipfel – oder am Hosenbein – ergreifen können und sagen: „Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist!“
Wie wundervoll wäre es doch, die Menschen wüssten, dass sie in dieser Gemeinde Gott begegnen können, dass sie hier an diesem Ort heil werden können, dass Jesus Christus sie retten will!
Lasst uns den Menschen mit unserem Leben zeigen, dass sie Gott hier finden können. Und lasst uns dafür beten, dass in ihnen die Sehnsucht nach dem lebendigen Gott geweckt wird.
Amen.
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