Predigt (Liebe, die das Haus erfüllt) (2)
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Liebe, die das Haus erfüllt (Joh 12,1-8)
Liebe, die das Haus erfüllt (Joh 12,1-8)
Liebe, heute soll es um Liebe gehen ... - Um Liebe, die das Haus erfüllt.
Vor einer Woche, Ende September (26.-29.9.24) hatten wir bei uns in der Gemeinde eine 24/7, bzw. eig 24/3,5 Gebetsaktion – also eine Aktion, bei der von Mittwoch-Abend bis zum Gottesdienst am Sonntag rund um die Uhr im Gemeindehaus gebetet werden sollte. Dazu waren verschiedene Stationen aufgebaut, falls man Anregungen oder Inspiration für das Gebet, für die Zeit mit Gott brauchte. An einer dieser Stationen konnte man einen Bibeltext lesen, diesen auf sich wirken und zu sich sprechen lassen. Und er hat zu mir gesprochen. Genau genommen hat er mir eine Frage gestellt: “Füllt deine Liebe das Haus?”
Wir wollen uns gleich den Text gemeinsam ansehen, aber vorher will ich kurz ein paar Worte zum Kontext sagen. Der Text findet sich ungefähr in der Mitte des Johannes-Evangeliums – in Kap 12, aber spannungstechnisch befinden wir uns hier auf einem absoluten Höhepunkt. Im Laufe des Evangeliums, seines Wirkens hat Jesus immer vollmächtigere Wunder getan und immer klarere und provokativere Worte über sich selbst gesagt. Viele Menschen kamen zum Glauben an ihn, viele wandten sich aber auch empört ab. Im letzten Kapitel – also Kap 11 – gipfelte diese Entwicklung in der Auferweckung des Lazarus – dem größten Wunder bisher: Jesus erweckt einen Toten zum Leben. Danach aber beschließen die religiösen Leiter Israels, Jesus zu töten und verlangen, dass jeder, der wüsste, wo er ist, es ihnen melden müsse. Wir als Leser und auch die Menschen damals zu der Zeit fragen sich jetzt: Wie geht es weiter? Das Passahfest, das zentrale Fest im Judentum, steht an – wird Jesus kommen? Wird er entdeckt werden? Kommt es zur Konfrontation mit seinen Gegnern oder tritt er nun seine Herrschaft als Messias an?
An dieser Stelle steht nun unser Text in Joh 12,1-8. Lasst uns also nun zusammen diese Verse lesen. -> lesen.
Also kein weiteres Wunder, keine Konfrontation mit seinen Gegnern und auch kein triumphales Ereignis – all das kommt später. Inmitten dieser angespannten Situation, in der alle Welt auf Jesus schaut und sich fragt, wie es denn nun weitergeht, besucht er zunächst ein paar Freunde. Nicht gerade das, was wir und vermutlich auch viele Menschen der Zeit erwartet hätten. Aber dadurch sehen wir mal wieder, dass Jesus anders tickt und andere Prioritäten, andere Maßstäbe anlegt als wir. Für alles, was kommt – alles Gute, sowie alle Herausforderung und alles Leid – ist ihm zunächst wichtig, Zeit mit den Menschen zu verbringen, die er liebt.
So geht er erneut nach Bethanien, dorthin, wo er im letzten Kapitel Lazarus von den Toten auferweckt hat. Dort wurde er nicht vergessen, sondern ihm zur Ehre wird ein feierliches Essen abgehalten. Martha dient der Gemeinschaft und Lazarus, komplett geheilt liegt mit am Tisch.
Nun geschieht das zentrale Ereignis dieser Passage, das, worum es hier eig geht. Maria, die Schwester Marthas, tritt hinzu, zerbricht ein Glas wertvollen Salböls, das ungefähr ein Jahresgehalt wert ist, und gießt es Jesus nicht nur, wie es gewöhnlich ist, über den Kopf, was uns von Mt und Mk berichtet wird, sondern sogar über die Füße. Alles gießt sie aus, nichts hält sie zurück, sodass der Duft des Öls das ganze Haus erfüllt. Und dann löst sie auch noch – entgegen allen Normen und Sittlichkeitsvorschriften der Zeit - ihre Haare und trocknet ihm damit die Füße. Sie gibt alles auf, hält nichts zurück - weder von ihrer Habe noch von ihrer Würde und ihrem Ansehen bei allen umstehenden Personen -, um Jesus diesen Dienst zu erweisen. Aus Liebe zu ihm. Der Duft, der Wohlgeruch ihrer Liebestat erfüllt das ganze Haus. Verschwenderische Liebe, die das Haus erfüllt.
Und diese Liebe, diese Hingabe hat mir den Spiegel vorgehalten und hält auch dir und uns als Gemeinde den Spiegel vor: Wie sieht es eig mit mir, mit dir, mit uns aus?
Wer von euch war schonmal so richtig über beide Ohren verliebt? Wenn man verliebt ist, tut man ja Dinge, die man sonst als “komplett verrückt” abtun würde. Ich weiß noch, als ich Helene 2022 auf dem Christival getroffen habe und wir uns für den Samstagabend, nach dem Abendprogramm verabredet hatten, da bin ich kurz bevor das Programm losging, wir waren als Gruppe schon in der Veranstaltungshalle, losgerannt zum nächstgelegenen Supermarkt, um eine Tafel Schokolade für Helene zu kaufen (ich hatte beim ersten Treffen erfahren, dass sie Schokolade mag). Nur um dann im Laden zu stehen und zu merken: “Mist, ich weiß ja gar nicht, was für Schokolade sie mag...” Glücklicherweise habe ich dann einen Glückstreffer gelandet – aber so weit, so pragmatisch denkt man, wenn man verliebt ist, nicht. Man hat nur den anderen im Kopf und möchte ihm etwas Gutes tun – das Gehirn funktioniert irgendwie anders ... Und so geht es hier auch Maria – sie achtet nicht darauf, wie sie dastehen könnte oder was man sonst mit dem Öl machen könnte. Sie ist quasi “verliebt in Jesus” und will ihm diesen Liebesdienst erweisen.
Wie sieht es mit dir, wie sieht es mit mir aus? Sind wir auch “verliebt in Jesus” und bereit, Besitz, Ansehen, Zeit, Energie, ... für ihn zu opfern – aus Liebe zu ihm?
Wisst ihr, wir können viel “machen” für Gott – Einsatz in der Gemeinde oder sonst wo -, ohne dass dies aus wahrer Liebe zu ihm kommt, sondern weil es dazugehört, weil wir vlt einfach wissen, dass es richtig ist oder wir uns vlt sogar etwas davon versprechen... Und das ist ja auch nicht unbedingt verkehrt – in einer Beziehung und gerade in einer Ehe muss ja nicht jede Handlung aus “inniger Liebe” geschehen, sondern ich kann ja auch den Müll rausbringen, weil ich weiß, dass es richtig ist. Aber dennoch soll eine Ehe ja mehr sein als einfach eine Zweckbeziehung. Es soll eine Liebesbeziehung sein und auch bleiben. Und das gilt auch für meine Beziehung zu Jesus. Ist dieses Gemeindehaus, ist dein Haus, ist dein Leben von dem “Duft”, dem “Wohlgeruch” deiner Liebe zu Jesus erfüllt, sodass für alle, die dir, die dieser Gemeinde begegnen, diese Liebe wahrnehmbar ist? Oder was erfüllt dieses Haus? Was erfüllt dein Haus, dein Leben? (Ich zumindest für meinen Teil will neu diese Liebe für meinen Herrn empfinden - “verliebt sein in ihn” -, dass ich so handeln kann wie Maria – aus einer Liebe, die das Haus erfüllt.)
Doch wie können wir uns so eine brennende Liebe erhalten oder neu entfachen? Ich merke: Wenn ich Zeit mit meiner Frau verbringe – und das heißt nicht, schweigend nebeneinander zu sitzen, sondern gute, intensive Zeit zusammen; auf Neu-Deutsch würde man Quality-Time sagen -, dann liebe ich sie mehr. Wenn ich sie ansehe, höre was sie beschäftigt und auch was sie für mich tut, wenn ich ihre Gedanken höre und meine Gedanken mit ihr teilen kann ... - wenn wir unsere Beziehung vertiefen, dann wachse ich in der Liebe zu ihr. Und gleiches gilt auch für unsere Beziehung mit Gott. Wenn wir Zeit mit ihm verbringen, in seinem Wort lesen, wie er über uns denkt und was er für uns getan hat und tut und wenn wir mit ihm durch das Gebet reden – wenn wir Zeit, Quality-Time mit ihm verbringen, so wachsen wir auch in dieser Liebe und kann diese Liebe neu entfacht werden. Aber zumindest ich merke, dass ich viel zu oft meine Zeit schon so “belegt”, mein Tag, meine Woche, mein Monat schon so voll ist. Ja, ich verbringe auch Zeit mit Gott – aber doch eher am Rande. Viel zu selten verbringe ich mal wirklich Zeit intensiv mit ihm. Doch bei dieser Gebetsaktion durfte ich erleben, wie wertvoll Quality-Time mit Gott sein kann. Wann hast du das letzte Mal dir wirklich Zeit für Gott genommen? Vlt ist es mal wieder dran - für dich oder auch für uns als Gemeinde ... Zumindest bei mir ist das der Fall. Nimm dir Zeit für ihn, mit ihm – auch wenn du sie dir vlt freischaufeln musst; sei es ein Tag in der Woche oder im Monat, aber begegne ihm in seinem Wort und deinem Gebet. Das wird uns verändern, da bin ich mir sicher, und kann wieder diese innige Liebe wecken. Diese verschwenderische Liebe Marias, die das ganze Haus erfüllt.
Aber so eine überschwängliche, verschwenderische Liebe ist für andere oft doch eher befremdlich. So ist es ja auch bei Frischverliebten – was man in dieser Phase tut und denkt ist für Menschen, die das nicht kennen oder auch für einen selbst zu anderer Zeit doch recht komisch. Und so auch hier. Nicht nur Judas, sondern – wie Mt und Mk berichten – einige Jünger danebenstehen und diesen Liebesdienst nicht verstehen. Sie gehen pragmatisch an die Sache heran. “Hätte man das Geld nicht besser verwenden können? Was für eine Verschwendung...” - Mk sagt, dass sie Maria mit Vorwürfen überschütteten. Nach diesem Wohlgeruch der verschwenderischen Liebe ist es also nun Kritik, die das ganze Haus erfüllt.
Johannes zeigt uns, aufbauend auf den anderen Evangelien, dass Judas hier scheinbar der Wortführer gewesen ist; der, der diese Kritik am lautesten äußerte; und er stellt ihn uns direkt als den Jünger vor, der Jesus später einmal verraten wird und als den, der für die gemeinsame Kasse verantwortlich war, daraus aber immer mal wieder Geld für sich selbst auf die Seite legte. Mit welchen Motiven er dies getan hat wird nicht geklärt; wollte er nur sich selbst bereichern oder dachte er einfach, er müsse dafür sorgen, dass genug Rücklagen übrig sind? Wir wissen es nicht. Klar ist jedoch, dass er dadurch einen krassen Kontrast zu Maria bildet. Hier Maria, die Jesus komplett vertraut und alles für ihn hingibt – dort Judas, der Jesus scheinbar nicht komplett vertrauen kann und meint, er müsse sich selbst etwas zurücklegen, damit er nicht zu kurz kommt. Die Frage ist nun wieder: Wo stehe ich? Wo stehst du? Wo stehen wir als Gemeinde? Eher auf der Seite Marias oder der Seite Judas’? Vertraust du Jesus vollkommen und bist bereit, aus Liebe zu ihm alles hinzugeben oder meinst du, du müsstest zunächst auf dich selbst achten und kannst nicht vertrauen, dass er sich um dich kümmert? Wie denkst du? Und wie handelst du?
Judas versteht diese verschwenderische Liebe nicht, weil er sie selbst nicht hat. Doch anstatt sich zu hinterfragen und nach dieser Liebe auszustrecken, macht er Maria mit ihrer Liebe zu ihrem Herrn Vorwürfe. Er – und andere - kritisiert die Liebe, die er selbst nicht hat. Und auch das hält mir den Spiegel vor. Wie schnell können wir jemanden bremsen, der eine feurige, innige Liebe zu Jesus hat, der alles für seinen Herrn geben will. Sei es ein Pastor oder anderer Mitarbeiter, der frisch in den Dienst kommt, ein Gemeindeglied mit einer großen Vision, ein Neubekehrter, indem diese Liebe ganz neu ist oder welcher Bruder oder Schwester auch immer. Statt uns mit ihnen zu freuen und von ihrer Liebe anstecken zu lassen stehen wir daneben und denken uns: “Ja, ja, warte du nur, bis die ersten Probleme kommen. Bald wirst du nicht mehr so sein.” Oder schlimmer noch: Wie Judas bremsen wir sie, kritisieren ihre Liebe und ersticken sie dadurch langsam aber sicher – bis aus dem brennenden Feuer ein kleiner glimmender Docht wird. Denn das ist ja auch angenehmer für uns. Wenn wirklich alle verschwenderische Liebe nur eine vorübergehende Phase, eine gewisse unbeschwerte Naivheit ist, die sich irgendwann ändern wird, dann müssen wir uns ja nicht selbst hinterfragen, wo denn unsere Liebe geblieben ist; warum wir oft nur noch glühen, statt zu brennen. Kennt ihr das: Wenn man lange in einem nur schwach beleuchteten Raum war und plötzlich macht jemand ein helles Licht an. Es ist unangenehm, es tut weh in den Augen – aber es ist doch gut und richtig. Natürlich wäre es leichter, das helle Licht auf die Helligkeit der übrigen Beleuchtung zu dimmen, doch besser ist es, die übrige Beleuchtung diesem Licht anzupassen ... Der größte Vorwurf, den Jesus in den Sendschreiben der Offenbarung seiner Gemeinde macht ist auch nicht theologische Unsauberkeit oder fehlender Einsatz, sondern fehlende Liebe – eine Gemeinde, die nicht mehr für ihn brennt, sondern so lauwarm dahindümpelt. Also lasst uns nicht das Feuer der Liebe unserer Geschwister dimmen, weil es angenehmer für uns ist, sondern lasst uns sie unterstützen und uns von ihnen anstecken lassen. Lasst uns uns untereinander ermutigen, lasst uns gemeinsam in Gottes Wort lesen, gemeinsam mit ihm sprechen und gemeinsam in der Liebe zu ihm wachsen. Denn auch durch unsere Liebe untereinander, so schreibt Johannes in seinem ersten Brief, lieben wir unseren Herrn. Lasst uns einander nicht bremsen, sondern anzünden und anzünden lassen in der Liebe unseres Herrn.
Und in diese Gemengelage hinein, in diesen Duft des Salböls und diese Stimmen der Kritik und der Vorwürfe, die das Haus erfüllen, spricht nun Jesus hinein – er gibt eine Antwort und nimmt die in Schutz, die ihn liebt. “Lass sie!” Jesus steht für die ein, die ihn lieben und setzt sich für sie ein. Doch dann öffnet er eine Perspektive, die wohl keinem der Anwesenden vor Augen stand – weder Judas noch Maria. Er gibt eine Antwort, die den Blick weitet und zeigt, dass die Liebestat Marias sogar noch eine größere Bedeutung hat als sie selbst zu dem Zeitpunkt sehen konnte. Während Maria evtl dachte, sie salbt Jesus jetzt zu seinem Herrschaftsantritt, wie ein König im AT bei seiner Ernennung zum König gesalbt wurde, bezieht Jesus diese Salbung auf seinen Tod und sein Begräbnis, denn auch zum Begräbnis wurden Könige gesalbt. Eine Bedeutung dieses Liebesdienstes, die keinem der Anwesenden vor Augen stand, doch durch die Jesus uns vier wichtige Dinge zeigt.
Zum einen zeigt er, dass er kein Heuchler ist. Anders als wir Menschen, die oft gerne Wasser predigen und Wein trinken, hat Jesus tatsächlich ein Herz für die Armen und stellt sich ganz hinter seine Anweisungen an seine Jünger, diesen zu dienen und zu helfen. “Arme wird es immer bei euch geben”, “und ihr könnt ihnen helfen”, fügt Mk an. Er macht also keine Ausnahme, wenn es um ihn selbst geht, sondern betont auch hier den Wert der Nächstenliebe und des Dienstes an dem anderen – gerade den Bedürftigen.
Zum anderen zeigt er aber, dass, wie schon Pred sagt, alles seine Zeit hat. Der Dienst für die Armen ist wichtig und wir sollen den Armen und Bedürftigen helfen, wo wir können. Doch nicht nur unser Dienst – sei es an den Armen, in der Gemeinde oder sonst wo -, sondern auch unsere Zeit mit Jesus, unsere Beziehung mit ihm hat seine Zeit und muss seine Zeit haben. Und an dieser Stelle war es eben nicht dran, das Öl zu verkaufen und den Armen zu spenden, sondern Jesus diesen Liebesdienst zu erweisen.
Ein Liebesdienst, der, und das zeigt Jesus uns hier auch, eine noch größere Bedeutung hatte als Maria es hätte ahnen können. Es ist nicht nur eine Salbung, nicht mal eine Salbung zur Amtseinsetzung – es ist eine Zurüstung Jesu für seine schwersten Stunden, eine Salbung für sein Begräbnis. Es ist eine Ehrung, vor der Schande und Erniedrigung, die Jesus am Kreuz erleben wird. So hat Gott diesen Liebesdienst Marias zu mehr verwendet als sie selbst wissen konnte. Und auch unsere Liebe zu unserem Herrn kann er zu mehr gebrauchen als wir evtl sehen. Liebe zu Gott kann mehr bewirken als wir meinen.
Letztlich zeigt Jesus uns aber auch, dass unsere Liebe keine Blinde Liebe ist und sein muss. Er redet von seinem Begräbnis, einem Begräbnis, dass nach seinem Sterben für uns stattfinden wird. Er erwartet nicht von uns, dass wir wie Maria alles hingeben, ohne dass er etwas geben wird. Er hat bereits alles gegeben – und viel mehr als wir jemals geben könnten. Er hat sein Leben gegeben. Dort am Kreuz hing er für unsere für deine und meine Sünden, um uns zu retten. Er lebte, litt und starb, wurde begraben, ist auferstanden und wieder in den Himmel aufgefahren für uns, für dich, weil er dich liebt und Gemeinschaft mit dir haben möchte. Aufgrund dieser Liebe und aus dieser Liebe, die er uns gezeigt hat, ruft er uns auch in die Liebe zu ihm – in eine sehende Liebe, die seinen Liebeserweis, seine Rettungstat, seinen Liebesdienst sieht und darauf antwortet. So schreibt Johannes auch später in seinem ersten Brief: “Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat” (1Joh 4,19) (und 4,10). So ruft er auch dich jetzt, diese Liebe, die alles überwunden hat und mit der er uns zuerst geliebt hat, anzunehmen und zu erwidern, um Gemeinschaft mit ihm zu leben, mit dem, der dich ganz besonders liebt – jetzt und in Ewigkeit. Diese Liebe, dieser Ruf gilt dir: Was ist deine Antwort?
In diesem auf den ersten Blick unpassend wirkendem Einschub lesen wir also von verschwenderischer Liebe zu Jesus, die alles hergibt und nichts zurückhält, um ihn zu ehren und zu dienen und die dadurch mit ihrem Duft ein ganzes Haus erfüllt und von allen wahrgenommen wird. Eine Liebe, die auch ich für meinen Herrn mir neu schenken lassen und bewahren will. Wir lesen von Kritik, die das Haus erfüllt, da sie die diese Liebe nicht verstehen kann, doch statt sich von ihr anstecken zu lassen, diese Liebe mit Vorwürfen überhäuft, um sich selbst nicht infrage zu stellen. Doch wollen wir uns nicht viel lieber von solch einer Liebe anstecken lassen, statt sie zu bremsen? Und wir lesen von einer Antwort, die den Blick weitet und zeigt, dass Gott diese verschwenderische Liebe wertschätzt und zu noch mehr verwenden will als für viele wahrnehmbar ist und dass diese Liebe gleichzeitig nicht “blind” sein muss, da sie nicht nur erwidert wird, sondern er uns gar zuerst geliebt hat – bis in den Tod und darüber hinaus.
So handelt es sich hier also ganz und gar nicht um einen unbedeutenden oder unpassenden Einschub. Vielmehr deutet diese Stelle bereits den unglaublichen Liebesdienst Jesu durch sein Sterben und Begräbnis an, von dem das Evangelium zentral spricht und bringt gleichzeitig die bisherige Entwicklung des Evangeliums auf den Punkt und stellt mir und dir die Frage: Wie stehe ich zu diesem Jesus? Liebe ich ihn mit solch einer Liebe, die bereit ist alles zu geben? Oder fehlt mir diese Liebe und kritisiere ich sie vlt sogar, statt mich nach ihr auszustrecken? Habe ich, hast du, haben wir eine Liebe, die das Haus erfüllt?
