Predigt - Hoffnung 3.0 - Gemeinsam sind wir stark (1Petr. 3,8-12)

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Einleitung

Ich würde jetzt gerne mal mit euch einen kleinen Quiz machen zu dem 1. Petrusbrief, der ja unserer aktuellen Predigtreihe zugrunde liegt. Was wisst ihr noch darüber? Klar: der Autor ist der Apostel Petrus, der von Jesus berufene Fischer, der ursprünglich einmal Simon hieß. Aber wer sind die Adressaten? An wen richtet sich dieser Brief?
Petrus schreibt an Christen, die in der römischen Provinz Kleinasien leben. Sie sind überwiegend Christen heidnischen Ursprungs, also keine Juden. Und sie erleben eine sehr schwierige Zeit, die von Anfeindungen durch Heiden und Juden gleichermaßen geprägt war. Und am Horizont zogen dunkle Wolken einer kommenden staatlichen Verfolgung auf. Es scheint, als seien die Gemeinden Kleinasiens schon auf dem Weg in den Untergrund, denn Petrus nennt sie die Christen, die “verstreut wohnen” (1,1).
Das große Thema, das Petrus nun in seinem Brief entfaltet, ist die Frage, wie man in so einer Situation eine “lebendige Hoffnung” (1,3) haben kann. “Hoffnung 3.0” haben wir deshalb unsere Predigtreihe genannt. Petrus beantwortet diese Frage nach der lebendigen Hoffnung mit einer zweifachen Antwort: 1. Wir sollen uns bewusst machen, dass wir als Christen zu einer neuen Familie gehören: der Familie des lebendigen Gottes (1,13-2,10). Aber das bedeutet nun nicht, dass wir nicht mehr Teil dieser Welt sind und uns irgendwie daraus zurückziehen sollten. Wir sollen vielmehr als Kinder des lebendigen Gottes in dieser Welt leben, und zwar gerade auch wenn dies dazu führt, dass man um Jesu willen leiden muss (2,11-4,11).
Davon spricht Petrus sehr ausführlich. Wir sind gerade mitten in diesem Abschnitt. Im letzten Teil des Briefes wird es dann um den Zusammenhang von Leiden und Hoffnung gehen, aber das kommt noch.
In den letzten beiden Sonntagen haben wir darüber nachgedacht, wie dieses Leben als Teil der neuen Familie Gottes in dieser Welt konkret aussieht. Es ging zunächst darum, dass uns wir hier der staatlichen Herrschaft unterordnen sollen (2,13-17). Dass wir Bürger des Himmels sind, bedeutet nicht, dass wir unserer irdischen Regierung nicht mehr gehorchen, sondern umgekehrt. Wir sollen durch unser vorbildhaftes Leben in dieser Welt ein leuchtendes Zeugnis für Gott sein.
Dann spricht Petrus zu den Sklaven, die - vor allem wenn sie selbst Christen waren, aber ihre Herren nicht - viel zu leiden hatten (2,18-25). Petrus ermahnt sie, dieses Leiden, dieses “Unrecht” zu ertragen. Wenn jemand “um guter Taten willen leidet”, dann ist das, so Petrus, “Gnade bei Gott” (2,20).
Im nächsten Schritt wendet sich Petrus dem Verhalten in der Ehe zu (3,1-7). Vor allem in den Familien, in denen die Frauen Christinnen geworden waren, aber die Männer nichts mit diesem neuen Glauben zu tun hatten, macht Petrus deutlich, dass die neue Zugehörigkeit zu Gottes Familie nicht bedeutet, dass sie nun nicht mehr zu ihren Männern gehörten. Sie sollen vielmehr durch ihr ganzes Verhalten ihren christlichen Glauben ehren und dadurch vielleicht mit dazu beitragen, dass auch ihre Männer zum Glauben kommen.
Und nun kommen wir zu unserem heutigen Abschnitt. Es sind nur wenige Verse, aber die haben es in sich! Ich lese uns zunächst den Text aus 1Petr. 3,8-12 nach der NGÜ.
1. Petrus 3,8–12 NGÜ NT+PS
Euch alle schließlich fordere ich dazu auf, euch ganz auf das gemeinsame Ziel auszurichten. Seid voller Mitgefühl, liebt einander als Glaubensgeschwister, geht barmherzig und zuvorkommend miteinander um! Vergeltet Böses nicht mit Bösem und Beschimpfungen nicht mit Beschimpfungen! Im Gegenteil: Segnet! Denn dazu hat Gott euch berufen, damit ihr dann seinen Segen erbt. Denkt daran, dass es in der Schrift heißt: »Wer sich am Leben freuen und glückliche Tage sehen will, der gebe Acht auf seine Zunge, damit sie nichts Böses redet, und auf seine Lippen, damit kein unwahres Wort über sie kommt. Er wende sich vom Bösen ab und tue, was gut ist; er sei auf Frieden aus und setze sich mit ganzer Kraft dafür ein. Denn der Herr wendet sich denen zu, die seinen Willen befolgen, und hat ein offenes Ohr für ihre Bitten; doch wo jemand Böses tut, wendet er sich gegen ihn.«
Wir wollen uns jetzt diesen Text etwas genauer ansehen. Dabei werden wir drei Fragen nachgehen: 1. Wie wir sein sollen, 2. Was wir tun sollen und 3. Wie das geht. Das Ganze steht unter der Überschrift “Gemeinsam sind wir stark”.

1. Wie wir sein sollen (1Petr. 3,8)

Ich lese uns noch einmal den Text aus 1Petr 3,8, zunächst nach der Luther-Übersetzung.
1. Petrus 3,8 LU84
Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig.
Die NGÜ sagt es so:
1. Petrus 3,8 NGÜ NT+PS
Euch alle schließlich fordere ich dazu auf, euch ganz auf das gemeinsame Ziel auszurichten. Seid voller Mitgefühl, liebt einander als Glaubensgeschwister, geht barmherzig und zuvorkommend miteinander um!
Petrus hatte zu den Sklaven und den Ehepaaren gesprochen. Nun wendet er sich allen zu. Mit den Worten “Endlich aber” bzw. “schließlich” fasst er sozusagen zusammen, was er vorher in den unterschiedlichen Zusammenhängen deutlich gemacht hat. Wörtlich könnte man übersetzen: “Wozu dies aber alles führen soll” oder “Was das Ziel von all dem ist”.
Ihr alle, so sagt Petrus, ihr alle seid gefordert, euer ganzes Verhalten in dieser Weise auszurichten. Also ganz gleich, in welcher gesellschaftlichen Situation du lebst, ob du Sklave oder Herr bist, verheiratet oder nicht, ob dein Ehepartner gläubig ist oder nicht - als Christ solltest du in dieser Weise leben. Das gilt daher auch für jeden von uns heute. Auch wenn wir gar keine Sklaven mehr haben oder unser Verständnis von Ehe und Familie weit von dem entfernt ist, was damals in der Gesellschaft üblich war.
Fünf Dinge sind es, die Petrus hier nennt. Wir wollen sie uns einmal etwas genauer ansehen.

1.1 Seid “gleich gesinnt”

Die NGÜ übersetzt: “richtet euch auf das gemeinsame Ziel aus”. Das griechische Wort, das hier verwendet wird, kommt im NT nur an dieser Stelle vor. Es bedeutet soviel wie “das gleiche denken” oder “eines Sinnes sein” bzw. “einträchtig sein”.
Was ist damit gemeint? Müssen wir alle in allen Fragen dasselbe denken? Das wäre ziemlich schwierig. Eigentlich sogar unmöglich. Und ich glaube auch, dass es nicht dem entspricht, was Petrus hier sagen will. Es geht nicht um die Inhalte unseres Denkens, sondern auf die gemeinsame Ausrichtung. Ich halte daher die Übersetzung der NGÜ für sehr gelungen: “richtet euch auf das gemeinsame Ziel aus”. Denn das macht uns eins. Die gemeinsame Ausrichtung auf Jesus.
Wenn man gemeinsam ein Haus baut - so wie wir das jetzt in Altenkirchen planen - dann hat sicher jeder, der mit daran arbeitet, unterschiedliche Vorstellungen von der einen oder anderen Frage: wie groß soll die Küche sein, welcher Bodenbelag wäre schön, wie sollen die Wände aussehen? Und das ist auch richtig und gut. Wenn man alle diese Vorstellungen miteinander abwägt, kann etwas sehr schönes entstehen. Aber wenn es dann um den Bau selbst geht, dann müssen alle mit anpacken, auch wenn ein anderer Bodenbelag verlegt oder eine andere Ausstattung gewählt wird, als man selbst das gedacht hat. Denn ein Bau kann nur gelingen, wenn alle sich auf das gemeinsame Ziel ausrichten.
So ist es auch in geistlichen Dingen. Wir mögen unterschiedliche Vorstellungen und Ansichten haben. Und das ist auch gut so. Wir können und sollen darüber reden und im positiven Sinn “streiten”, eben weil wir gemeinsam an dem großen Bau des Reiches Gottes arbeiten. Aber wir sollen das tun mit der gleichen Ausrichtung. Weil es uns um Jesus geht, nicht um uns und unsere Ansichten. Weil wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren dürfen.
Das ist das erste, was Petrus hier sagt. Dann folgt das zweite:

1.2 Seid “mitleidig”

Die NGÜ übersetzt: “seid voller Mitgefühl”. Auch dieses Wort kommt im NT nur hier vor. Es bedeutet “mit jemand mitfühlen” oder “mitleiden”. Es ist das Verhalten, das der barmherzige Samariter an den Tag legt, als er dem ausgeraubten und zusammengeschlagenen Mann hilft. Er hatte Mitgefühl mit ihm (Lk. 10,33). Und schon im Alten Testament wird gefordert:
Sacharja 7,9 LU84
dass der Herr Zebaoth sprach: Richtet recht, und ein jeder erweise seinem Bruder Güte und Barmherzigkeit,
“Güte und Barmherzigkeit”, das ist eine sehr gute Umschreibung dessen, was Petrus hier von jedem fordert, der Teil dieser großen Familie Gottes ist. Gerade auch, wenn wir unterschiedlich denken, wenn wir charakterlich gar nicht zusammenpassen, wenn wir uns übereinander ärgern. Sobald wir anfangen, dem oder der anderen gegenüber Mitgefühl zu entwickeln, mit ihm und seiner Situation zu leiden, ändert sich auch unsere ganze Haltung zueinander.
Dann fordert Petrus:

1.3 Seid “voll brüderlicher Liebe”

“Liebt einander als Glaubensgeschwister”, so übersetzt die NGÜ. Das griechische Wort, das hier verwendet wird, ist einer der drei Begriffe, die die griechische Sprache für “Liebe” hat. Neben der “Agape”, der selbstlosen Liebe und dem “Eros”, der verlangenden Liebe, ist “Philadelphia” die Liebe zu den Geschwistern, die Geschwisterliebe oder, wie Luther übersetzt: die “brüderliche Liebe”.
Gemeint ist eine gegenseitige Zuneigung, eine Liebe, die den anderen nicht wegen seiner Leistungen liebt (das wäre eher “Eros”), sondern weil wir zueinander gehören.
Ich weiß nicht, ob ihr Geschwister habt. Ich habe zwei Brüder und eine Schwester. Es gibt manche Fragen, in denen wir nicht einer Meinung sind. Vom Charakter her sind wir so unterschiedlich, dass man eigentlich nicht vermuten würde, dass wir verwandt miteinander sind. Und doch sind wir Geschwister. Und als solche achten und lieben wir uns.
Wir würden vermutlich nicht sehr gut miteinander Urlaub machen können. Das ging nur, als wir noch kleiner waren und unsere Eltern dabei waren :-). Aber als Geschwister sind wir füreinander da, wenn es Schwierigkeiten gibt.
Geschwisterliebe - das sollte uns als Gemeinde ausmachen. Gerade auch, wenn dieser Bruder oder diese Schwester so ganz anders ist als ich. Anders denkt und anders glaubt, einen soooo schwierigen Charakter hat, wenn seine Nase mir genausowenig passt wie seine Ansichten - wir sind doch Bruder und Schwester, denn wir sind beide Kinder des lebendigen Gottes. Wir gehören in seine Familie und werden eine ganze Ewigkeit miteinander leben. Da lohnt es sich, schon hier damit anzufangen, einander zu achten und zu lieben.

1.4 Seid “barmherzig und gütig”

Ich fasse diese beiden Aufforderungen hier einmal zusammen. Die NGÜ sagt: “geht barmherzig und zuvorkommend miteinander um”. Das Wort, das mit “barmherzig” übersetzt wird, ist ebenfalls recht selten im NT. Es kommt außerhalb dieser Stelle nur noch in Eph 4,32 vor, ein Text, der unserem Text sehr ähnlich ist:
Epheser 4,32 LU84
Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
An dieser Stelle wird das Wort mit “herzlich” wiedergegeben. Wörtlich übersetzt könnte man es mit “gute Eingeweide haben” oder vielleicht sogar mit “einen guten Darm haben” wiedergeben. Die “Eingeweide” sind in der Bibel der Ort, mit dem die Gefühle verknüpft sind. So, wie wir auch manchmal sagen, dass wir eine Entscheidung “aus dem Bauch heraus” treffen.
Was hier gemeint ist, kann man daher wirklich am besten mit “herzlichem Erbarmen” wiedergeben. Gemeint ist eine echte Zuneigung, eine herzliche Zuwendung.
Dazu gehört dann auch das zweite: “gütig sein”. Erneut ein Wort, das im NT nur an dieser Stelle vorkommt. Es setzt sich zusammen aus zwei Begriffen: “niedrig” und “gesinnt sein”. Man könnte es daher auch mit “demütig” wiedergeben. Auch hier finde ich die Übersetzung der NGÜ sehr gelungen: “zuvorkommend”.
Das Gegenteil davon wäre der Stolz oder Hochmut. Das “ich bin besser oder wichtiger als du”. Stattdessen sollen wir den anderen wichtiger nehmen, sollen uns um ihn kümmern und für ihn da sein. “Barmherzig und gütig” umschreibt das eigentlich sehr gut.
Damit haben wir uns sehr ausführlich mit dem beschäftigt, wie wir sein sollen. Die nächsten beiden Punkte sind nicht weniger wichtig, aber deutlich kürzer.

2. Was wir tun sollen (1Petr. 3,9)

1. Petrus 3,9 LU84
Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.
Oder wie die NGÜ übersetzt:
1. Petrus 3,9 NGÜ NT+PS
Vergeltet Böses nicht mit Bösem und Beschimpfungen nicht mit Beschimpfungen! Im Gegenteil: Segnet! Denn dazu hat Gott euch berufen, damit ihr dann seinen Segen erbt.
“Wie du mir, so ich dir” - das ist eine zutiefst menschliche Verhaltensweise. Zumindest kenne ich das von mir selbst so. Vielleicht seid ihr da ja ganz anders … ? Also wenn mir jemand querkommt, dann sollte er sich warm anziehen …
Das hat ja auch viel mit unserem Gerechtigkeitsverständnis zu tun. Wenn ich ungerecht behandelt werde, wenn mir Böses geschieht oder mich jemand beschimpft - habe ich dann nicht ein Recht dazu, darauf entsprechend zu reagieren?
Vor einigen Jahren war ich mit einer Seminaristin unterwegs im Auto. Ich weiß nicht mehr genau, wohin wir gefahren sind. Aber wer schon einmal mit mir Auto gefahren ist, könnte etwas ähnliches erlebt haben. Ein anderer Autofahrer hatte sich wieder einmal unmöglich verhalten. Auch hier weiß ich nicht mehr, was es war. Ich vermute jemand hatte die linke Spur blockiert und ließ mich nicht vorbei. Da kann ich schonmal richtig wütend werden. Und das wurde ich auch.
Die Seminaristin saß daneben und hörte schweigend meinem Zornausbruch zu. Und dann sagte sie: “Nicht fluchen, segnen”. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich darauf reagiert habe. Aber ich weiß, dass mir dieser Satz seither immer mal wieder in Erinnerung gekommen ist. Nicht oft genug, aber immer mal wieder. Denn sie hatte ja Recht! Und immer, wenn ich das gemacht habe, wenn ich also mich nicht aufgeregt habe, sondern Gott für diesen unmöglichen Autofahrer um seinen Segen gebeten habe, musste ich mich plötzlich gar nicht mehr aufregen.
Das ist natürlich nur ein schwaches Beispiel. Aber es ist genau das, was Petrus hier sagt. Wir sind, so Petrus, zum Segen berufen, denn wir sind auch dazu berufen, selbst gesegnet zu sein. Wir sollen sogar einmal den Segen selbst erben. Gemeint ist hier, dass unser gesamtes Leben bis zum Ende unter der großen Verheißung steht, dass wir in den Segen Gottes hineingehen. In die ewige Gemeinschaft mit ihm. Dieser Blick auf den Reichtum, den Gott in unser Leben hineingelegt hat, kann uns über die großen und kleinen Bosheiten und Beschimpfungen unseres Alltags erheben.
Petrus sagt nicht: “segnet, weil die Bosheiten und Beschimpfungen doch gar nicht so schlimm sind”. Er weiß, dass das, was die Christen, an die er schreibt, in ihrem Alltag an Verfolgungen und Beleidigungen erleben, wirklich schwerwiegend ist und dass es wahrscheinlich noch schlimmer werden wird. Aber das ändert nichts an unserer Berufung. Und zwar an unserer Berufung zu segnen. Wir sollen ein Segen für die Menschen unserer Umgebung sein. Und zwar gerade auch dann, wenn diese Menschen den Segen Gottes nach unserer Ansicht überhaupt nicht verdient haben.
Segne - und zwar weil dein ganzes Leben unter dem großen Segen des lebendigen Gottes steht. Weil du den Segen einmal erben wirst, kannst du ihn heute schon großzügig verschenken!
Übrigens ist uns auch hier Jesus mit seinem eigenen Leben als Beispiel vorangegangen. In 1Petr. 2,21-25, also nur wenige Verse vor unserem Text, malt Petrus uns ja Jesus als unser Vorbild vor Augen, der gelitten hat, ohne sich selbst zu rächen, sondern der bis in den Tod gegangen ist für uns. In dem Zusammenhang schreibt er von Jesus: “der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde” (V.23). Er verwendet dabei die gleichen griechischen Begriffe, die in unserem Text mit “vergeltet nicht … Schweltwort mit Scheltwort” übersetzt werden. Wenn wir also Jesus nachfolgen wollen, müssen wir uns auch daran orientieren, wie er gelebt hat.
Petrus hat recht eindrücklich ein Leben als Christ gezeichnet, das ein Kontrastprogramm ist zu dem, was in der Gesellschaft üblich ist. Nun könnte man natürlich fragen, wie das in der Praxis aussieht. Wie macht man so etwas?

3. Wie das geht (1Petr. 3,10-12)

1. Petrus 3,10–12 LU84
Denn »wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber steht wider die, die Böses tun« .
Die NGÜ übersetzt:
1. Petrus 3,10–12 NGÜ NT+PS
Denkt daran, dass es in der Schrift heißt: »Wer sich am Leben freuen und glückliche Tage sehen will, der gebe Acht auf seine Zunge, damit sie nichts Böses redet, und auf seine Lippen, damit kein unwahres Wort über sie kommt. Er wende sich vom Bösen ab und tue, was gut ist; er sei auf Frieden aus und setze sich mit ganzer Kraft dafür ein. Denn der Herr wendet sich denen zu, die seinen Willen befolgen, und hat ein offenes Ohr für ihre Bitten; doch wo jemand Böses tut, wendet er sich gegen ihn.«
Petrus zitiert hier Psalm 34,13-17. Man könnte das, was hier gesagt wird, so zusammenfassen: Setz dich mit Worten (V.10) und mit Taten (V.11) für Gott ein. Beides ist wichtig!

3.1 Mit Worten sorgsam umgehen

Wir sollen darauf achten, dass wir “nichts Böses reden” und dass “kein unwahres Wort” über unsere Lippen kommt.
Worte haben eine ungeheure Macht. Sie können Menschen trösten und ermutigen. Aber sie können sie auch zutiefst verletzen und unglücklich machen. Dabei sind es heute nicht nur die Worte, die wir reden, sondern auch die Worte, die wir schreiben. Wie viele Hass-Emails gibt es. Und wie schnell hat man im Ärger etwas geschrieben und auf “Senden” gedrückt.
Zwei Fragen sollen wir uns stellen, so Petrus: 1. Ist es böse oder gut und 2. Ist es wahr oder unwahr? Es gibt Dinge, die durchaus der Wahrheit entsprechen, aber sie zu sagen, ist böse. Zum Beispiel, wenn uns jemand etwas in einem persönlichen, seelsorgerlichen Gespräch gesagt hat und wir es anderen weitersagen. Und es gibt Lügen, die als “gut” verkauft werden können, wenn man von dem Prinzip ausgeht, dass der Zweck schließlich die Mittel heiligt. Beides ist ganz klar falsch!
Unsere Zeit und Gesellschaft ist voll mit solchen Worten. Mit Bosheiten und Gemeinheiten, mit verletzenden Beleidigungen und übler Nachrede. Wir sollten als Gemeinde ein Ort sein, an dem dies alles keinen Platz hat. Ein Ort, an dem wir nicht übereinander reden, sondern miteinander. Ein Ort, an dem wir dem oder der anderen zunächst einmal das Gute zutrauen und übereinander das Gute reden. Und wenn wir etwas zu kritisieren haben, dann reden wir unter vier Augen miteinander und nicht in der Öffentlichkeit übereinander.
Warum sagt Petrus das an dieser Stelle? Weil das die Praxis dessen ist, was er vorher gesagt hat. Wenn wir “gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig und demütig” sind, dann hat es diese Auswirkungen auf unsere Worte. Dann reden wir nicht böse übereinander oder voneinander und dann sind unsere Worte wahr. Dann ist Gemeinde ein Ort, an dem man offen und ehrlich miteinander umgehen kann. Ein Ort, an dem man auch seine Schwächen zugeben darf, ohne Angst haben zu müssen, dass diese Schwächen morgen in aller Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.
Das ist also das erste: Mit Worten sorgsam umgehen

3.2 Jage dem Frieden nach

Wende dich ab vom Bösen, tue Gutes und jage dem Frieden nach - mit diesen Worten erläutert Petrus, wie die Praxis eines Lebens in der Familie des lebendigen Gottes aussieht. Ein Leben, das “Frieden” zum Ziel hat.
Was ist damit eigenlich gemeint? Was ist dieser “Friede”? Auch Jesus hat ja davon gesprochen, wenn er diejenigen, die “Friedensstifter” sind, selig nennt (Mt. 5,9). Was für ein Bild haben wir eigentlich von einem solchen “Friedensstifter”? Und was ist das eigentlich, “Friede”?
Das hebräische Wort, das im Alten Testament für „Friede“ verwendet wird, heißt „Schalom“. Wenn man sich dieses Wort einmal genauer ansieht, stellt man fest, dass es sehr viel mehr ist als ein Zustand ohne Kampf und Streit. Es beschreibt einen Zustand, in dem alles so ist, wie es sein soll – vollständig und heil. Es kann daher nicht nur für „Friede“ stehen, sondern z.B. auch für „Gesundheit“ oder „Wohlstand“.
Und wenn etwas nicht gut ist, wenn es nicht heil ist, sondern kaputt? Wenn etwas fehlt an diesem Zustand des „Schalom“? Dann geht es darum, das, was fehlt, zu ersetzen. Das Verb, von dem „Schalom“ abgeleitet ist, kann daher auch benutzt werden im Sinn von „vergelten“ oder „ersetzen“.
Friede ist also nicht dann, wenn wir so tun, als sei alles in Ordnung, sondern wenn wir aktiv dazu beitragen, diese Ordnung herzustellen. Das ist es, was „Friedensstifter“ tun. Sie setzen sich dafür ein, dass Ungerechtigkeit beseitigt wird und Vergehen bestraft werden. Denn nur so kann Gerechtigkeit herrschen. Und nur so kann Friede sein.
Deshalb spricht Petrus hier auch davon, dass diese Friedensstifter “Gerechte” sind. Menschen, die sich aktiv dafür einsetzen, dass Gerechtigkeit herrscht. Und zwar nicht in erster Linie ihre eigene Gerechtigkeit, sondern die der anderen. Menschen, die den Frieden suchen und ihm nachjagen. Und zwar auch, wenn es ihnen selbst schadet. Wenn sie selbst keinen Vorteil davon haben.
Sie tun das, weil ihnen die anderen Menschen am Herzen liegen und weil sie davon überzeugt sind, dass sie als Kinder des lebendigen Gottes genau dazu berufen sind. Und weil sie glauben, dass Gott selbst dabei an ihrer Seite steht und durch sie in dieser Welt handelt.
“Die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet” - das ist die Verheißung, mit der Petrus seine Erläuterung dessen, wie wir als Familie Gottes in dieser Welt leben sollen, abschließt.
Nun sollen wir ja alle einen Gegenstand mitbringen, der dann in dem Regel im Foyer an das Thema der Predigt erinnert. Ich habe dazu eine Kette mitgebracht. Denn das ist - wie ich finde - ein gutes Bild für das, worum es Petrus in diesen Versen geht. Dass wir gemeinsam stark sind. Dass wir füreinander da sind mit Worten und mit Taten. Dass wir uns füreinander und für diese Welt einsetzen, damit Gottes Friede Raum gewinnt.
Ich möchte uns abschließend noch einmal den Abschnitt als Ganzes lesen:
1. Petrus 3,8–12 NGÜ NT+PS
Euch alle schließlich fordere ich dazu auf, euch ganz auf das gemeinsame Ziel auszurichten. Seid voller Mitgefühl, liebt einander als Glaubensgeschwister, geht barmherzig und zuvorkommend miteinander um! Vergeltet Böses nicht mit Bösem und Beschimpfungen nicht mit Beschimpfungen! Im Gegenteil: Segnet! Denn dazu hat Gott euch berufen, damit ihr dann seinen Segen erbt. Denkt daran, dass es in der Schrift heißt: »Wer sich am Leben freuen und glückliche Tage sehen will, der gebe Acht auf seine Zunge, damit sie nichts Böses redet, und auf seine Lippen, damit kein unwahres Wort über sie kommt. Er wende sich vom Bösen ab und tue, was gut ist; er sei auf Frieden aus und setze sich mit ganzer Kraft dafür ein. Denn der Herr wendet sich denen zu, die seinen Willen befolgen, und hat ein offenes Ohr für ihre Bitten; doch wo jemand Böses tut, wendet er sich gegen ihn.«
Amen
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