Das Buch des Lebens
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Transcript
Ihr Lieben,
stellt euch vor: Ihr wollt eines abends in ein edles Restaurant gehen. Die Stimmung in diesem Restaurant hat etwas ganz Besonderes, fast schon Erhabenes. Die Kellner behandeln jeden Gast wie einen König. Am Klavier sitzt ein begnadeter Pianist, der mit seiner Musik die Menschen verzaubert. Es duftet wundervoll nach den leckeren Gerichten, zwischen denen ihr wählen könnt. Und es wird der beste Wein serviert, den ihr jemals getrunken habt. – Zu Hause werft ihr euch dafür so richtig in Schale. Die Männer holen den feinsten Anzug hervor – oder leihen sich mal einen aus – und die Frauen freuen sich, nach Jahren endlich wieder einmal das Abendkleid aus dem Schrank holen zu dürfen.
Es ist also alles angerichtet für einen wundervollen Abend, der Herz und Sinne berühren wird. Ihr steigt in euer Auto, das extra zu diesem Anlass natürlich noch einmal ordentlich gewaschen und blitzeblank geputzt wurde und fahrt zum Restaurant. Als ihr ankommt, nimmt ein Page die Autoschlüssel entgegen und verbeugt sich vor euch. Ihr schreitet voller Vorfreude über den edlen Teppich auf das Restaurant zu, nehmt die ersten duftenden Gerüche und wohligen Klänge wahr und erblickt den freundlich lächelnden Kellner, der seitlich am Eingang steht und euch zuvorkommend begrüßt. Er fragt euch freundlich nach eurem Namen und wendet seinen Blick dann dem großen Buch zu, das er vor sich liegen hat.
Wie schön wäre es doch, mit seinem Namen in diesem Buch zu stehen! Ein Buch, das Einlass gewährt – oder den Einlass verweigert. Ein Buch, das die Tür zur Glückseligkeit weit öffnet – oder sie verschließt.
In der Bibel findet sich an ein paar Stellen die Vorstellung von genau so einem Buch. Es eröffnet allen, die mit ihrem Namen darin stehen, den Eingang zum königlichen Festmahl. Wer in diesem Buch steht, darf mit Gott am Tisch sitzen! – Umfangen von den schönsten Klängen und den feinsten Speisen, umgeben von duftenden, wohltuenden Gerüchen und umhüllt von der wundervollsten Atmosphäre.
Im Himmel wird es zuerst ein großes Festessen geben, ähnlich einer Hochzeitsfeier. Die Bibel spricht davon, dass es sein wird, als wäre Jesus der Bräutigam und seine Gemeinde, also alle Christen dieser Welt, seine Braut. Wir feiern miteinander ein unglaublich wundervolles Fest; wir feiern, dass wir endlich mit Gott vereint sind. Und das ist erst der Beginn der Ewigkeit…
Wer mit seinem Namen im Buch des Lebens eingetragen ist, der wird bei diesem Fest dabei sein, dessen Platz, ja dessen Heimat ist im Himmel. Wir Christen sind Bürger des Himmels, schreibt Paulus im Philipperbrief; wir gehören in den Himmel. Einen besseren Ort gibt es nicht! Selbst der wundervollste Ort auf dieser Erde kommt nicht einmal annähernd an die Schönheit heran, die uns im Himmel erwartet. Selbst der überwältigendste Moment auf dieser Erde kann nicht an das heranreichen, was uns bei Gott erwartet. Dort ist unser Platz. Der Himmel ist unser Ziel.
Und Paulus spricht uns zu, dass uns bereits jetzt das Bürgerrecht für den Himmel zugesprochen ist. – Als würde in unserem Personalausweis bei Nationalität stehen: „Gottes himmlisches ewiges Reich“. Für diesen Ort sind wir gemacht. Dort ist unser Platz. Bei Gott sind wir zu Hause.
Jesus macht uns klar: Bei Gott, im Himmel, anzukommen ist, um was es in diesem Leben geht. Was zählt, ist, dass unsere Namen im Buch des Lebens stehen.
Einmal schickte Er Seine Jünger und noch einige Nachfolger mehr los, insgesamt 72. (Lk 10,1-12.17-20) Sie erleben unglaubliche Dinge. Sie verkünden den Menschen, dass das Reich Gottes jetzt ganz nah ist. Sie heilen Kranke. Und sie haben die Macht, böse Geister aus besessenen Menschen auszutreiben. – Ich bin ehrlich: Das würde ich auch gern des Öfteren erleben. – Voller Euphorie kommen die Jünger nach einiger Zeit zu Jesus zurück und erzählen Ihm davon.
Die Reaktion von Jesus überrascht durchaus. Zunächst unterstreicht Er noch einmal, wie groß Seine Macht ist, der niemand etwas entgegenzusetzen hat, und dass Er uns diese Macht gegeben hat. Aber dann lenkt Er den Blick auf das Entscheidende: „Aber ihr sollt euch nicht darüber freuen, dass euch die Geister gehorchen. [– so viel Grund zur Freude das auch schon ist –] Freut euch vielmehr darüber, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind.“ (Lk 10,20) Es geht nicht darum, wie toll wir vielleicht im Glauben sind, oder was wir alles für Wunder erleben. Es geht darum, dass wir mit Gott leben, dass wir bei Gott ankommen. „Freut euch, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind!“
Läuft dein Leben gerade richtig gut, alles gelingt dir, du gehst fröhlich durch den Tag? – Freue Dich, dass Dein Name im Himmel aufgeschrieben ist!
Lebst du dein Leben gerade eher so vor dich hin, hast keine wirklichen Ziele, manchmal auch keinen wirklichen Antrieb? – Freue Dich, dass Dein Name im Himmel aufgeschrieben ist!
Fühlt sich dein Leben gerade schwer an, der Alltag macht dir zu schaffen, die Probleme wollen nicht aufhören? – Freue Dich, dass Dein Name im Himmel aufgeschrieben ist!
Ihr merkt: Zum einen ist dieser Satz von Jesus eine Einordnung, ein Geraderücken des Wesentlichen: „Das Wichtigste ist, dass du bei Gott ankommst!“ – Zum anderen finde ich in diesem Satz aber auch Zuspruch und Trost: „Dein Name ist im Himmel aufgeschrieben, das ist alles, was zählt.“
„Freue Dich, dass Dein Name im Himmel aufgeschrieben ist, dass Du im Buch des Lebens stehst!“
Nun müssen wir aber endlich zur zentralen Frage kommen: Wie gelangt mein Name in dieses Buch??
Das Buch des Lebens ist kein gewöhnliches Buch. Es ist kein Gästebuch einer Herberge, in das man seinen Namen einträgt und dazu einen Spruch wie: „War nett hier – gerne wieder.“ Das Buch des Lebens ist auch nicht wie ein Gipfelbuch, in das man nach den Mühsalen des Aufstiegs erschöpft, aber voller Freude, Stolz und Genugtuung seinen Namen mitsamt einer netten Lebensweisheit unter die anderen Namen setzt.
Das Buch des Lebens ist kein Buch, in das man sich selbst eintragen kann. Nichts befähigt uns dazu, das tun zu dürfen. Wir können noch so viel Geld auf den Tisch legen, wir können uns noch so sehr anstrengen: In dieses Buch können wir uns nicht selbst einschreiben. In dieses Buch können wir nur eingeschrieben werden. Einzig Gott schreibt in das Buch des Lebens.
Das Schöne ist: Am liebsten würde Gott jeden Namen in dieses Buch schreiben! (s. 1Tim 2,4) Gott möchte, dass alle Menschen bei Ihm ankommen und zu Ihm gehören.
Und so – könnte man sagen – schickt Gott jedem Menschen einen Goldenen Brief, einen ganz besonderen Brief. Es ist eine Einladung – die Einladung! Gott lädt Dich zu Seinem Fest und der anschließenden Ewigkeit bei Ihm ein. Er freut sich so sehr, wenn Du diese Einladung annimmst und zusagst! Er legt dem Brief auch gleich noch einen Packen angemessener Kleidung bei, die Du gleich anziehen kannst, wenn Du zusagst; festliche, schöne Kleidung, die dem Anlass angemessen ist und die Du jetzt schon anziehen und tragen darfst. Falls sie mal dreckig wird, übernimmt Gott, für dich gratis, sogar die Reinigung. Außerdem liegt dem Brief ein Antwortschreiben bei, damit Du Gott zurückmelden kannst, ob Du zu Seiner großen Feier kommen wirst.
Es ist jedem Menschen freigestellt, mit diesem Brief umzugehen, wie er möchte. Manche werfen den Brief achtlos in den Mülleimer. Ich denke, das tut Gott weh, aber Er lässt es zu. Manche stellen den Brief ins Regal und denken, sie können ihn ja später noch lesen, aber so oft wird er vergessen und verstaubt. Manche öffnen den Brief, lesen ihn, bekommen Tränen in den Augen, aber sie können sich nicht durchringen, das beigelegte Antwortschreiben auszufüllen. Viel zu gern haben sie ihre alte verschlissene Kleidung und ihr ebenso verschlissenes Leben, als dass sie die schönen neuen Sachen anziehen und in ihrem Leben etwas aufräumen wollten. Und dann gibt es aber auch noch die, die das Antwortschreiben tatsächlich ausfüllen, entweder weil sie emotional so ergriffen von dieser Liebe sind, die dieser Goldene Brief ausstrahlt, oder weil sie erkannt haben, dass das die Chance ihres Lebens ist. Sie schicken das Antwortschreiben zurück und ziehen die neue Kleidung an, die Gott mitgeschickt hat. – Gott schreibt sie in das Buch des Lebens. – „Freut Euch, dass Eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind!“
Gott ist sich übrigens nicht zu schade, Erinnerungsbriefe zu schreiben, wenn Er noch keine Zusage bekommen hat. Das tut Gott, indem Er in das Leben eines Menschen spricht, immer wieder und auf ganz vielfältige Weise. Gern schickt Er dazu auch andere Menschen vorbei, die von Ihm erzählen und so an den Goldenen Brief erinnern, den Gott geschickt hatte. Selbst denen, die Seinen Brief entsorgt hatten, schickt Er neue Briefe. Er wünscht sich so sehr, dass jeder Mensch Seiner Einladung zusagt und im Himmel dabei ist. – Aber: Er lässt uns die Entscheidung. Er wirbt um uns Menschen, aber Er zwingt uns nicht.
Das ist wahre, tiefe Liebe: Alles für den anderen zu tun, Ihm alles anzubieten – und ihm doch nichts aufzuzwingen. Gott möchte uns Seine Liebe schenken. Gott möchte uns das Leben schenken. Er möchte unseren Namen ins Buch des Lebens schreiben und in alle Ewigkeit gemeinsam mit uns leben. Er hat alles dafür getan, dass das möglich ist. Er hat sogar dafür gesorgt, dass wir neue Menschen werden, wenn wir an Ihn glauben, dass wir „von Neuem geboren werden“ (Joh 3,3). Wir müssen nichts tun, um zu Gott zu kommen, als nur auf Seinen Brief zu antworten.
Wenn wir das getan haben, dann sagt Jesus auch zu uns: „Freut Euch, dass Eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind!“
Amen.
