„Schwerter zu Pflugscharen – Eine Vision des Friedens in unsicheren Zeiten“

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„Schwerter zu Pflugscharen – Eine Vision des Friedens in unsicheren Zeiten“

Denkt an die Zeit, als die Mauer in Berlin fiel. Diese Mauer war ein Symbol des Krieges und der Trennung. Doch als sie fiel, kamen Menschen zusammen und begannen, Brücken der Freundschaft zu bauen. Die Transformation von einer Mauer zu einer Straße des Friedens kann in jedem von uns geschehen, wenn wir unsere Vorurteile ablegen und ein Leben des Mitgefühls und der Liebe anstreben. Diese biblische Botschaft der Versöhnung ist heute mehr denn je relevant. Wir lesen dazu:
Micha 4,1–5 LU17
1 In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen, 2 und viele Heiden werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. 3 Er wird unter vielen Völkern richten und mächtige Nationen zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. 4 Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des Herrn Zebaoth hat’s geredet. 5 Ein jedes Volk wandelt im Namen seines Gottes, aber wir wandeln im Namen des Herrn, unseres Gottes, immer und ewiglich!
Liebe Gemeinde,
wenn wir in die Nachrichten blicken, scheinen die Herausforderungen unserer Zeit kein Ende zu nehmen. Der Krieg in der Ukraine tobt weiter. In den USA wird ein Präsident gewählt, dessen Entscheidungen für die ganze Welt eine immense Tragweite haben, und in Deutschland bröckelt die politische Stabilität, die uns so lange selbstverständlich schien. Krisen überlagern sich, und das Vertrauen in die Zukunft wird auf die Probe gestellt.
In dieser Situation begegnet uns das Wort des Propheten Micha, ein Wort, das heute eine so aktuelle Botschaft hat wie damals: „Am Ende der Tage wird es geschehen, dass der Berg des Hauses des Herrn fest gegründet dasteht ... Völker werden dorthin strömen und sagen: Kommt, wir wollen hinaufziehen zum Berg des Herrn, ... damit er uns seine Wege lehre und wir auf seinen Pfaden gehen.“ (Micha 4,1-2)
1. Eine Vision des Friedens in Zeiten des Krieges
Micha spricht von einer Welt, in der sich Völker zum Frieden versammeln, eine Welt, in der Schwerter zu Pflugscharen und Spieße zu Sicheln umgeschmiedet werden. In einer Zeit voller Konflikte und Gewalt, wo jede Nation aufgerüstet und voller Misstrauen ist, klingt das fast naiv. Und doch liegt hier der tiefste Kern des Glaubens: die Hoffnung auf Frieden, der nicht durch Gewalt und Macht erzwungen wird, sondern durch Einsicht, Gemeinschaft und die Überwindung der Trennung zwischen uns.
Wenn Micha sagt, die Völker werden sich zum Berg des Herrn wenden, dann ist das nicht einfach ein frommer Wunsch. Es ist eine Einladung an uns, an etwas Größeres zu glauben als an den endlosen Kreislauf der Gewalt. Gott zeigt uns den Weg des Friedens, aber es liegt an uns, ihm zu folgen. Das verlangt von uns, dass wir unser Vertrauen auf Waffen und politische Macht loslassen – eine schwierige, vielleicht unmöglich scheinende Aufgabe, gerade in einer Zeit der Unsicherheit. Doch Frieden beginnt im Kleinen, im eigenen Herzen, im Umgang mit unseren Mitmenschen und darin, wie wir uns entscheiden, auf Hass und Gewalt zu reagieren.
2. Ein Zeichen der Hoffnung: Der Berg des Herrn als Zuflucht
In den Worten Michas steckt eine Vision des Schutzes und der Geborgenheit. Der Berg des Herrn steht fest und unverrückbar. Während sich die Mächte der Welt verändern und Regierungen kommen und gehen, bleibt Gott als Zuflucht bestehen. Wenn die Welt um uns herum unsicher ist, wenn politische Systeme zerbrechen und Konflikte eskalieren, haben wir dennoch einen Ort, an den wir uns wenden können.
Diese Vision vom Berg des Herrn lädt uns ein, unsere Hoffnung nicht in weltlichen Machtkämpfen zu suchen. So wichtig politisches Engagement auch ist, letztlich wird es uns nur begrenzt Sicherheit und Frieden schenken können. Gerade in einer Welt, in der wir oft verzweifelt nach Stabilität suchen, ist das ein radikaler Gedanke: Wir müssen nicht die Macht haben, um geborgen zu sein. Es ist Gott, der uns diese Beständigkeit gibt.
3. Schwerter zu Pflugscharen – eine radikale Botschaft der Umkehr
In Vers 3 fordert Micha die Völker dazu auf, ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln umzuschmieden. Dies ist eine Botschaft der Transformation, die uns an die Wurzeln unserer eigenen Bestrebungen führt. Wie oft setzen wir im Leben auf „Schwerter“, ob im übertragenen Sinne durch Streit, durch die Abgrenzung von anderen oder im wörtlichen Sinne durch bewaffnete Konflikte und Gewalt. Schwerter zu Pflugscharen zu machen bedeutet, nicht länger in Konkurrenz, sondern in Gemeinschaft zu denken; nicht auf die Zerstörung, sondern auf das Wachstum und die Fruchtbarkeit unserer Welt zu setzen.
Die Umkehr, die Micha fordert, ist keine passive Friedfertigkeit, sondern eine aktive Entscheidung für das Leben. Was können wir in unserem eigenen Leben umschmieden? Wo können wir Streit und Konkurrenz beiseitelegen und uns stattdessen für den Aufbau von etwas Positivem, von Gemeinschaft und Hoffnung, einsetzen?
4. Unter dem Feigenbaum sitzen – ein Bild der Fülle und des Friedens
Micha beschreibt die Vision, dass eines Tages jeder unter seinem eigenen Feigenbaum in Frieden sitzen wird. In einer Welt, die zunehmend unruhig und unsicher wird, sind solche Worte ein tiefes Versprechen von Heimat und Sicherheit. Jeder von uns sucht diesen Ort der Ruhe und der Geborgenheit. Doch diese Vision zeigt auch, dass Frieden kein Luxus für wenige, sondern ein Recht für alle ist.
Wir sind eingeladen, daran zu arbeiten, dass alle Menschen diesen Frieden erleben dürfen. Das bedeutet, die Armen nicht zu vergessen, die Ausgegrenzten nicht zu übersehen und jenen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, Zuflucht zu bieten. Es ist ein friedlicher Ort, an dem keiner die Waffen mehr hochhalten muss und jeder seine Bedürfnisse stillen kann. Es ist ein Ort, an dem das Leben im Zentrum steht und nicht die Angst vor dem Verlust.
5. Fazit: Ein Aufruf zum Glauben und zur Hoffnung
Am Ende bleibt uns das Versprechen: „Jeder wird wandeln im Namen seines Gottes, und wir werden wandeln im Namen des Herrn, unseres Gottes, immer und ewig.“ Micha ruft uns dazu auf, nicht nur in schlechten Zeiten, sondern immer auf Gott zu vertrauen. Dieses Vertrauen ist ein Gegengewicht zur Angst. Wenn die Welt unsicher und die Zeiten dunkel sind, dann sind wir berufen, Menschen des Lichts und der Hoffnung zu sein.
Lasst uns heute die Worte Michas als Anruf zum Frieden verstehen, als Anruf zur Hoffnung, die nicht blind ist, sondern gerade im Angesicht der Dunkelheit standhält. Diese Welt braucht Menschen, die sich für den Frieden und für die Würde eines jeden einsetzen – nicht aus Machtstreben, sondern aus der Liebe zu Gott und den Menschen.
Mögen wir den Mut haben, diesem Weg zu folgen, den Micha vorzeichnet. Möge uns der Glaube stärken, Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden und die Hoffnung auf eine Welt des Friedens und der Gerechtigkeit nie aufzugeben.
Amen.
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