Volkstrauertag 2024 - Wem gehört mein Leben?
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Volkstrauertag 2024 - Wem gehört mein Leben?
Volkstrauertag 2024 - Wem gehört mein Leben?
Begrüßung der Anwesenden
Begrüßung der Anwesenden
Einstimmung: Gedicht,
Einstimmung: Gedicht,
Im Licht der fallenden Blätter,
Im kühlen Wind der stillen Zeit.
Erinnern wir uns heute wieder,
An die Jahre, tief im Leid.
Die Toten mahnen aus den Gräbern,
An Krieg und endloses Verweh’n.
Doch in uns lebt das Hoffen weiter,
Auf Frieden, der kann ewig steh’n.
Die Fackeln flackern, still und leise,
Erinnern an des Lebens Wert.
Lasst uns leben, wie die Weise,
Die Frieden bringt, und Liebe lehrt.
Musikstück
Musikstück
Verlesen des Totengedenkens
Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.
Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt Opfer geworden sind.
Wir gedenken der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land.
Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.
Lesung: Römer 14,7-13
Lesung: Römer 14,7-13
7 Denn wir gehören nicht uns selbst, ganz gleich, ob wir leben oder sterben. 8 Wenn wir leben, leben wir, um dem Herrn Freude zu machen, und wenn wir sterben, sterben wir, um beim Herrn zu sein. Ob wir nun leben oder sterben: Wir gehören dem Herrn. 9 Denn Christus ist ja gestorben und wieder lebendig geworden, um Herr über alle Menschen zu sein: über die Toten und über die Lebenden.
10 Warum verurteilst du einen anderen? Warum siehst du auf einen anderen Bruder herab? Wir alle werden einmal vor dem Richterstuhl Gottes stehen. 11 Denn in der Schrift heißt es:
»›So wahr ich lebe‹, sagt der Herr, ›jedes Knie wird sich vor mir beugen und jeder Mund wird mich bekennen.‹«
12 Ja, jeder von uns wird sich persönlich vor Gott verantworten müssen. 13 Deshalb urteilt nicht mehr übereinander, sondern lebt so, dass ihr niemanden behindert und keinen vom Weg Gottes abbringt.
Andacht
Andacht
Liebe Anwesende,
am heutigen Volkstrauertag kommen wir zusammen, um den Opfern von Krieg und Gewalt zu gedenken, um innezuhalten und uns unserer Verantwortung bewusst zu werden. Der heutige Tag lädt dazu ein, über das Leben und dessen Bedeutung nachzudenken, über Recht und Unrecht und über die Frage, wie wir mit unserer gemeinsamen Geschichte und den Herausforderungen der Gegenwart umgehen können.
Im Brief an die Gemeinde in Rom spricht der Apostel Paulus davon, dass am Ende der Tage jede und jeder von uns Rechenschaft ablegen muss. Dieser Gedanke – dass unser Leben und unser Handeln Konsequenzen hat – kann auf verschiedene Weise verstanden werden. Jahrhunderte lang wurde dieser Gedanke genutzt, um Angst zu erzeugen und Menschen gefügig zu machen. Für viele von uns mag die Vorstellung eines Gerichts am Ende der Zeit befremdlich oder altmodisch wirken. Aber vielleicht hilft uns das, uns daran zu erinnern, dass unser Handeln Gewicht hat – dass es nicht gleichgültig ist, wie wir leben und welche Entscheidungen wir treffen.
Ohne eine Vorstellung von ausgleichender Gerechtigkeit bliebe am Ende womöglich alles bedeutungslos: Täter und Opfer würden gleich behandelt, Diktatoren und Kriegsverbrecher müssten sich für nichts verantworten. Was, wenn niemand dafür zur Rechenschaft gezogen würde, was er anderen angetan hat? Dann bliebe nur die Hoffnung auf das menschliche Gerechtigkeitssystem – und wir wissen alle, wie begrenzt und unvollkommen dies sein kann. Wir erleben das ja ganz aktuell in unserer Welt.
Wenn wir hingegen daran glauben, dass unser Leben Bedeutung hat, dann bekommen unsere Entscheidungen eine tiefere, nachhaltige Dimension. Dann ist es wichtig, dass wir Haltung zeigen, dass wir Unrecht benennen und für den Frieden eintreten. Es ist entscheidend, dass wir uns nicht über andere erheben oder uns gegenseitig verurteilen, sondern den Wert und die Würde eines jeden Menschen anerkennen. Paulus fordert in seinem Brief dazu auf, sich gegenseitig zu respektieren und sich der eigenen Verantwortung bewusst zu sein.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Selbstbestimmung einen hohen Wert hat – jeder und jede soll frei entscheiden, wie das Leben gestaltet wird. Doch mit dieser Freiheit kommt auch Verantwortung. Ein Leben in Freiheit ist nicht nur Selbstzweck, sondern ein Leben in Beziehung zu anderen Menschen und zur Welt um uns herum. Wie der jüdische Philosoph Martin Buber sagt: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“ Erst im Gegenüber erkenne ich mich selbst. Indem wir anderen mit Respekt begegnen, lernen wir, dass unser Leben in einen größeren Zusammenhang eingebunden ist. Diese gegenseitige Wertschätzung hilft uns zu erkennen, dass Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung keinen Platz in einer gerechteren Welt haben.
Der Volkstrauertag führt uns vor Augen, wie oft Menschen für fremde Interessen missbraucht wurden – und noch immer werden. Wie oft wurden Leben geopfert für die Machtspiele anderer, für nationalistische Ziele oder den Fanatismus weniger. Noch immer stehen die Ereignisse vom 7. Oktober 2023, die Gräueltaten der Hamas, die Verzweiflung der Angehörigen der Geiseln vor Augen. Noch immer leiden die Menschen in der Ukraine unter Gewalt und Zerstörung, und auch bei uns in Deutschland erleben wir einen besorgniserregenden Anstieg von Hass und Antisemitismus. Das kann uns Angst machen um die Zukunft. Aber es sollte uns auch herausfordern, hinzusehen, zu handeln und Verantwortung zu übernehmen.
Der Volkstrauertag erinnert uns auch daran, dass diese Verantwortung uns alle betrifft. Was tun wir, um Unrecht zu benennen? Wie steht es um unsere Solidarität mit den Schwächeren und Leidenden? Was tun wir gegen die Spaltungen, die unsere Gesellschaft belasten? Was tut unsere Gemeinschaft, um diejenigen zu schützen, die verfolgt werden und Opfer von Hass und Gewalt sind?
In Zeiten, in denen die Unterschiede und Konflikte zwischen Menschen spürbarer werden, brauchen wir Hoffnung. Paulus malt am Ende seines Briefes an die Römer ein Bild der Zukunft: Eine Vision, in der sich alle Menschen in Frieden versammeln, ohne Gewalt, ohne Herrschaft oder Zwang. Ein Zusammenfinden, nicht durch Macht, sondern durch Einsicht und gegenseitigen Respekt. Diese Vorstellung eines gerechten Friedens kann uns die Kraft geben, im Hier und Jetzt Verantwortung zu übernehmen.
Mögen wir den Mut und die Stärke finden, uns für eine Welt einzusetzen, in der Menschen friedlich und frei miteinander leben können – in gegenseitigem Respekt und in Solidarität mit allen, die Schutz und Unterstützung brauchen. Jeder und jede von uns kann dazu beitragen, dass diese Welt ein gerechterer Ort wird.
Vielen Dank.
Gebet
Gebet
Herr unser Gott,
Du weißt, wie viele Menschen heute trauern um die Opfer von Gewalt und Krieg.
Du kennst alles Leid und seine Ursachen.
Du weißt, wie viele oder wie wenige unseres Volkes
Dich und unsere Nachbarn um Vergebung gebeten haben.
Wir danken Dir für alle Zeichen der Versöhnung, die uns entgegengebracht wurden,
für jede freundliche Begegnung, für empfangene Gastfreundschaft, für gemeinsame Gebete.
Hilf uns, im Geist Deiner Gerechtigkeit aller Frauen, Männer und Kinder zu gedenken,
die im Zweiten Weltkrieg durch die Schuld unseres Volkes getötet wurden,
die in Konzentrationslagern umgebracht wurden,
weil sie anders glaubten, dachten oder liebten.
Lass uns ihr Andenken nicht vergessen, lass sie geborgen sein in Deiner Liebe
und schenke ihnen Deine höhere Gerechtigkeit.
Hilf uns, auch die Erinnerung an jene Frauen und Männer zu bewahren,
die den Mut hatten, sich gegen Diktatur und Grausamkeit zu stellen,
die Widerstand wagten und ihr Leben dafür gaben.
Vergegenwärtige uns ihre Taten,
damit auch wir stark werden im Kampf gegen nationalistische Überheblichkeit und Antisemitismus,
dass wir nicht mutlos werden angesichts des wachsenden Hasses und der Hetze.
Wir haben erfahren müssen, dass auch Schweigen und Wegsehen schuldig machen.
Darum gib uns die Kraft,
öffentlich und mit Zivilcourage gegen Unrecht und Lüge aufzutreten.
Wir gedenken heute auch der Soldatinnen und Soldaten von heute, die weltweit im Einsatz sind,
im Namen des Friedens, der Sicherheit und der Menschlichkeit.
Gib ihnen Weisheit und Behutsamkeit, schenke ihnen Mut und Trost in schweren Momenten.
Lass sie geschützt sein und kehren sie heil zurück zu ihren Familien.
Wir denken an die Opfer des Hamas-Pogroms in Israel, an die Geiseln und ihre Angehörigen,
lass sie Freiheit und Trost finden.
Wir bitten Dich um einen gerechten Frieden für alle Menschen
im Nahen Osten, in der Ukraine, in den vielen weniger beachteten Kriegsgebieten der Welt.
Lass Worte statt Waffen sprechen und schenke den Verantwortlichen die Einsicht,
dass alle Menschen Deine geliebten Geschöpfe sind.
So gib uns Einsicht und Hoffnung
und lass uns nicht gleichgültig oder resigniert auseinandergehen,
ohne verstanden zu haben,
ohne tätig sein zu wollen
gegen das Unrecht, für den Frieden, für das Kommen Deiner Gerechtigkeit.
Amen.
Vaterunser
Kranzniederlegung
Schweigeminute
Musikstück
Dank an Unterstützer
Verabschiedung
Segen
Gott befreit aus der Gefangenschaft,
von Gewalt
und Trauer
und Fragen.
Gott wird die Gefangenen erlösen. Und dann werden wir sein wie Träumende.
Unsere Münder werden lachen.
Und man wird spüren:
Gott hat Großes an uns getan,
des sind wir fröhlich!
Wir gehen.
Mit der Hoffnung auf Befreiung.
Und mit dem Willen zum Frieden.
Geht befreit und als Mensch unter Menschen.
Geht gesegnet von unserem gemeinsamen Vater im Himmel:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.
