Leben und Sterben für den Herrn: Unsere Perspektive im Glauben
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Leben und Sterben für den Herrn: Unsere Perspektive im Glauben
Leben und Sterben für den Herrn: Unsere Perspektive im Glauben
Herr, gib uns ein Wort für unser Herz, und ein Herz für dein Wort. Amen.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
Liebe Gemeinde,
stellen Euch vor, Ihr sitzen in einem Café und beobachtet die Menschen um euch herum. Auf den ersten Blick scheint jeder in seiner eigenen Welt zu sein. Da ist die Familie am Nebentisch, die miteinander lacht und scherzt. Weiter hinten sitzt ein älterer Herr allein mit seiner Zeitung und einem stillen Lächeln. Am Fenster eine junge Frau, die mit ihrem Laptop beschäftigt ist, die Stirn in Falten gelegt. Jeder führt scheinbar sein eigenes Leben, gefangen in seinen eigenen Gedanken, Träumen und Sorgen.
Und doch, so unterschiedlich all diese Menschen auch erscheinen – in den Augen Gottes sind sie alle miteinander verbunden. Der Apostel Paulus erinnert uns in seinem Brief daran, dass niemand „für sich selbst“ lebt und niemand „für sich selbst“ stirbt. Er schreibt: „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn.“ Diese Worte geben, wenn wir sie für uns ernst nehmen, unserem Leben eine völlig neue Perspektive: Unser Leben, unsere Entscheidungen und selbst unser Ende sind nicht also nur unsere eigene Sache. Sie sind Teil von Gottes großem Plan und stehen unter seiner Fürsorge.
In dieser Gemeinschaft mit Gott und auch im Miteinander liegt eine tiefere Wahrheit, die der Apostel Paulus uns ans Herz legt: Wir sind in Gott geborgen, und wir sollen uns gegenseitig in seiner Liebe annehmen, ohne über andere zu urteilen. Denn nur Gott allein kennt das Herz eines jeden Menschen.
Das möchte ich heute mit Euch entdecken. Ich möchte entdecken, was es heißt, in diesem Bewusstsein zu leben und einander in diesem Geist zu begegnen – und wie Jesus Christus dabei der Mittelpunkt unseres Lebens und Sterbens wird.
Dazu wollen wir in die Worte des Römerbriefs eintauchen und uns von den Worten des Apostels inspirieren lassen, wie wir in Liebe und Demut miteinander wachsen können.
Wir lesen in Römer 14,7-13 :
7 Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. 8 Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. 9 Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.
10 Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. 11 Denn es steht geschrieben : »So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen sich alle Knie beugen, und alle Zungen sollen Gott bekennen.« 12 So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. 13 Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten; sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereite.
Liebe Gemeinde,
wir hören heute Worte, die uns über das Leben und Sterben hinausbegleiten wollen. Am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres lenken wir den Blick auf die Endlichkeit des Lebens und die Ewigkeit bei Gott. Der Apostel Paulus spricht in hier in ganz persönlicher Weise zu uns, indem er uns besondere Worte vor Augen stellt: „Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ Worte, die wir auch an den Gräbern unserer Lieben gehört haben und hören. Der Apostel erinnert uns damit, dass Leben und Tod für uns als Christen nicht uns selbst gehören, sondern Gott, und dass Jesus Christus in allem unser Bezugspunkt ist. Vertrauen wir darauf – denn daraus wächst ein tiefes Verständnis für die Liebe, die Annahme und den Respekt, die wir einander schuldig sind.
1. Für den Herrn leben
1. Für den Herrn leben
Der Apostel Paulus eröffnet diesen Abschnitt mit einer herausfordernden Aussage: „Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber.“
In all unserem Tun und Lassen gehören wir Gott – ob wir leben oder sterben. Wenn wir „für den Herrn“ leben, richtet sich unser ganzes Leben nach ihm. Unsere Entscheidungen, unser Handeln, unsere Worte, egal wann und wo – alles darf und soll ein Zeugnis sein, das andere Menschen zum Glauben an Jesus Christus ermutigt. Vielleicht fällt es uns in manchen Situationen schwer und ist uns selbst hart bei. Dennoch bedeutet es, dass wir uns in einer Welt, in der viele sich nur selbst leben, für andere öffnen, dass wir nicht isoliert sind und egoistisch handeln.
Ein Leben für den Herrn ist ein Leben, das den anderen sieht und sich fragt: „Wie kann ich dir ein Segen sein? Wie kann mein Leben Jesus Christus im Alltag widerspiegeln?“ Diese Hingabe beeinflusst unser ganzes Sein, unser tägliches Handeln und auch unsere Werte. Es führt uns in die Gemeinschaft, zu einem Leben, das der Liebe verpflichtet ist, und andere Menschen, vielleicht im Besonderen den Bruder und die Schwester neben uns, aufbaut. Es macht auch Mut, uns von Ängsten zu befreien, weil wir wissen, dass unser Leben und unser Sterben in Gottes Hand liegen. So ist Christus der Mittelpunkt unserer Existenz, unseres Lebens, unseres Seins – er ist der Herr über unser Leben und über unseren Tod.
2. Christus bestimmt unser Schicksal
2. Christus bestimmt unser Schicksal
„Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei,“ sagt der Apostel. Mit anderen Worten: Christus ist der Herr über alles, was ist. Das Leben und der Tod sind durch ihn besiegt. Indem Jesus den Tod überwand, ist unser ganzes Schicksal in seine Hand gelegt. Der Sieg Christi über den Tod bedeutet für uns, dass wir in allem, was wir durchleben, Hoffnung haben dürfen. Christus ist es, der uns trägt, und seine Liebe und Gnade umfassen alles.
In dieser Wahrheit können wir zur Ruhe kommen, besonders an den Tagen, an denen uns das Leben schwer erscheint oder die Vergänglichkeit des Lebens bedrückend wird. Unser Schicksal, ob Leben oder Tod, liegt in Jesus Christus. Wir dürfen sicher sein, dass er für uns den Tod besiegt hat und uns zu sich zieht. Das schenkt uns einen Frieden und eine Hoffnung, die über die Ängste und Unsicherheiten des Lebens hinausreichen. Und diese sind ja in diesen Tag nicht weniger geworden. Egal ob wir die gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Unsicherheiten sehen und bei manchen von uns die persönlichen Höhen und Tiefen.
3. Der Verzicht auf Verurteilung
3. Der Verzicht auf Verurteilung
Wie gehen wir miteinander um, wenn wir aneinander schuldig werden? Vielleicht sogar uns vor Gericht streiten und über den anderen urteilen? Das scheint es schon im alten Rom gegeben zu haben und heute passiert das leider unter uns Christen auch. Der Apostel Paulus fordert die Römer, und auch uns heute dazu auf, einander nicht zu verurteilen. „Was richtest du deinen Bruder?“, fragt er.
Der Apostel Paulus weiß, wie schnell wir dazu neigen, über andere zu urteilen. Vor allem dann, machen wir das, wenn sie zum Beispiel die Dinge anders sehen oder vielleicht anders leben, einen anderen Lebensstil leben, oder ihr Christsein anders ausdrücken. Doch er mahnt uns: Wir alle stehen vor dem Richterstuhl Gottes. Unsere Aufgabe ist es nicht, das Leben, die Glaubensformen und die Entscheidungen anderer zu beurteilen, sondern sie in der Liebe Christi anzunehmen.
Was würde geschehen, wenn wir den anderen nicht durch die Brille der Kritik, sondern durch die Brille der Liebe sehen könnten?
Der Apostel Paulus erinnert uns daran, dass es unser Auftrag ist, uns gegenseitig in unserer Verschiedenheit anzunehmen, anstatt uns zu richten. Das bedeutet nicht, dass wir keine eigene Meinung oder Überzeugung haben dürfen. Vielmehr ermutigt er uns, im Glauben Demut zu lernen und einander auf Augenhöhe zu begegnen, im Wissen, dass Gott allein das Herz sieht und richtet.
4. Vereint durch das Bekenntnis
4. Vereint durch das Bekenntnis
Der Apostel Paulus zitiert Worte aus dem Propheten Jesaja: »So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen sich alle Knie beugen, und alle Zungen sollen Gott bekennen.«
Das ist eine wichtige Aussage: Letztlich sind wir alle vor Gott gleich, und es wird ein Tag kommen, an dem sich alle Menschen zu Gott bekennen werden. Dieses Bekenntnis erinnert uns daran, dass über allen Menschen derselbe Herr steht, unabhängig von kulturellen, sozialen oder theologischen Unterschieden. Wenn wir uns das vor Augen führen, erkennen wir, dass die äußerlichen Dinge, die uns im Alltag oft trennen, in Gottes Augen zweitrangig sind. Denn alle Christen, egal aus welcher Kultur, aus welchem Milieu oder sozialen Schichten, sind dazu berufen, durch Christus vereint zu sein.
Hier finden wir Trost und eine Ermutigung: Die Einheit in Jesus Christus übersteigt alle menschlichen Differenzen. Das ist die Kraft der Liebe Gottes, die Gemeinschaft entstehen lässt, selbst wo es Unterschiede gibt.
Ich habe das immer wieder auch auf christlichen Freizeiten, Tagungen und Konferenzen erlebt. Und so sollte es auch in jeder Gemeinde vor Ort sein.
5. Persönliche Verantwortung und Unterstützung
5. Persönliche Verantwortung und Unterstützung
Dann betont der Apostel Paulus, dass jeder Einzelne von uns Verantwortung vor Gott trägt. „So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben.“
Da wird unser Blick wieder in die Zukunft gerichtet, Wir werden daran erinnert, dass unser Glaube und unser Leben in Gottes Augen einmal zur Rechenschaft kommen werden. Das Wissen um diese Verantwortung sollte uns heute zur Erkenntnis führen, dass unser Handeln heute Konsequenzen hat – sowohl für uns persönlich als auch für die Gemeinschaft, in der wir leben - für das Miteinander.
Darum ist es wichtig, und das macht der Apostel Paulus noch einmal deutlich, dass wir unsere Geschwister nicht verurteilen, sondern sie in ihrer persönlichen Glaubensreise unterstützen. Niemandem soll Hindernisse in den Weg gelegt werden, sondern wir sollen einander helfen, zu wachsen und im Glauben zu bestehen. Damit gibt uns der Apostel Paulus ein klares Ziel: Lasst uns Menschen sein, die Brücken bauen, die anderen im Glauben beistehen und die demütig erkennen, dass jeder seine eigene Reise mit Gott geht, dass jeder seinen Weg mit Gott hat.
Schluss: Leben und Sterben im Licht der Liebe Christi
Schluss: Leben und Sterben im Licht der Liebe Christi
Das Wort aus dem Römerbrief ruft uns zu einem Leben, das sich ganz auf Jesus Christus ausrichtet. Wenn wir für ihn leben und sterben, erkennen wir, dass wir nicht nur für uns selbst leben, sondern dass unser Leben in den Händen Gottes geborgen ist. Wir dürfen einander in Liebe und Respekt begegnen, wissend, dass wir alle eines Tages vor Gott stehen werden.
Leben und Sterben „für den Herrn“ bedeutet, die Perspektive der Liebe und des Glaubens zu bewahren und einander uns im Licht der Liebe Christi zu sehen. Mögen wir einander in dieser Liebe tragen und einander ermutigen, stets auf Jesus Christus zu vertrauen. Er ist der Herr, über unser Leben und über unseren Tod. Er ist der Herr - heute, morgen und in Ewigkeit.
Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.
