Gott ist mit uns

Gott ist... (Weihnachts-Edition)  •  Sermon  •  Submitted   •  Presented
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Engel sind Boten. In der Zeit, als Gottes Sohn Jesus von Maria geboren wurde, brachten sie erstaunliche Botschaften, die auch für uns bedeutsam sind. In allen Fällen schwärmen diese Boten von Gott und seinen unvergleichbaren Eigenschaften. Drei Aussagen sind: Gott ist nichts unmöglich (1.Dez 24), Gott ist mit uns (8. Dez 24) , Gott ist alle Ehre! (25. Dez 24) FEG-LuzernSüd www.fegluzernsued.ch/predigt

Notes
Transcript
Handout

Abgehauen?

Eine Gruppe Maschinenbau-Professoren sitzt im Flugzeug. Kurz vor dem Start wird verkündet, dass das Flugzeug von ihren Studenten gebaut wurde. Alle Professoren verlassen eiligst das Flugzeug außer einer. Als er gefragt wird, wieso er ruhig sitzen geblieben ist, verkündet er: „Ich habe großes Vertrauen in meine Studenten. Wenn sie dieses Flugzeug gebaut haben, dann hebt es eh nicht ab.“
… was eigentlich zeigt, dass er schlechtes Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten hat, Studenten etwas beizubringen, was funktioniert…
Manche denken, Gott ist so. Er hat die Welt geschaffen und als das Ganze aus dem Ruder zu laufen begann, hat er sich aus dem Staub gemacht. Stell dir vor, du öffnest WhatsApp, Signal, Threema, was auch immer du gerade kennst. Und da siehst du folgende Nachricht:
Gott hat die Gruppe ''Welt'' erstellt
Gott hat dich und 8 Mrd. Menschen hinzugefügt.
Gott hat die Gruppe verlassen
Diese Auffassung nennt man Deismus. Gott schafft alles und zieht sich dann zurück. Was hier abgeht, ist einfach von Naturgesetzen und materiellen Vorgängen gesteuert.
Andere gehen noch einen Schritt weiter und sagen: Gott ist nicht nur nicht da. Es gibt ihn gar nicht. Er ist gestorben - oder eigentlich hat’s ihn gar nie gegeben. Dieser Atheismus, der Glaube, dass es Gott gar nicht gibt, kommt sogar in der Bibel vor. Es tut mir leid, aber der Atheismus kommt dabei nicht sehr rühmlich weg:
Psalm 14,1 NLB
Nur Narren sagen sich: »Es gibt keinen Gott.« Sie sind durch und durch schlecht und ihre Taten sind böse. Es gibt keinen, der Gutes tut!
Da widersprechen viele! “Ich muss nicht an Gott glauben, um ein guter Mensch zu sein!” Dann kommen vielleicht Sprüche wie die hier:
“Tue Recht und scheue niemand” - was auch immer “Recht-Tun” bedeuten soll…
Oder in der frommen Version:
“Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott” - als ob man Gott dadurch aktivieren und aus dem Abseits zurückholen könnte, wenn man sich selbst der Nächste ist.
Noch etwas fällt mir ein, wenn ich an die Geschichte mit den Professoren und dem absturzgefährdeten Flugzeug denke: verhalten sich manchmal nicht auch gläubige Menschen so, als gäbe es Gott nicht? Sie sind gläubig. Bekennen sich zu Jesus Christus als ihrem Erlöser und Herrn. Haben ein religiöses Leben. Und sie leben gut, nach guten Regeln und Geboten. Aber sie tun all das, ohne wirklich mit Gott im Alltag zu rechnen. Sie tun etwas für Gott - aber rechnen nicht mit der Gegenwart Gottes. Jemand hat diese Gruppe “gläubige Atheisten” genannt. Und ich habe irgendwie das Gefühl, dass diese Gruppe der “gläubigen Atheisten” gar nicht so klein ist, im Verhältnis zur gesamten Christenheit…
Warum denken wir so über Gott, als wäre er nicht da? Ich glaube, da ist eine grosse Not. Nämlich: wir Menschen sind in der Trennung von Gott. Wir sind von Natur aus gott-los. Haben Gott verloren und sind verloren, ohne Halt im Universum. Haben Gott vergessen - und haben dabei bereits vergessen, dass wir ihn vergessen haben. Eigentlich ist nicht Gott abgehauen - sondern wir sind von Gott abgehauen. Aber:
Unser Predigtthema heisst ja: “Gott ist mit uns”. Das bedeutet: Gott ist weder gestorben, noch ist er abgehauen. Er ist mit uns. Man muss ihn auch nicht Reanimieren oder Aktivieren. Er ist mit uns. Ein Gott, der unsichtbar ist, ein Gott, den kein Mensch gesehen hat und sehen kann - macht von sich aus den Schritt auf uns zu und zeigt uns: Ich bin mit euch! Auf Hebräisch: Immanuel.
Johannes 1,18 (NLB): Niemand hat Gott je gesehen. Doch sein einziger Sohn, der selbst Gott ist, ist dem Herzen des Vaters ganz nahe; er hat uns von ihm erzählt.
Unsere heutige Advents- und Weihnachtsgeschichte erzählt von einem Mann, der gut und gerecht lebte. Aber als seine Pläne ins Wanken kamen, tat er, was viele tun würden: überlegen, wie er die Situation mit möglichst wenig Schaden selbst meistern kann. An seiner wahren Geschichte sehen wir eine Antwort auf die Frage:
Wie kann ich in Situationen, die ich unbedingt in Griff kriegen will, vom "selber handeln" zu einer wunderbaren Synergie mit Gottes Gegenwart kommen? (Vgl. Röm 8,28-29)

Vor dem Abhauen bewahrt: Biblestory Matthäus 1,18-25

Die Geschichte von der Geburt Jesus’ nimmt ihren Anfang bei Maria, die mit Josef verlobt war. Noch vor ihrer Hochzeit wurde sie schwanger durch den Heiligen Geist. 
Der aufrichtige Josef wollte ihr aus Liebe helfen, dass sie nicht öffentlich beschämt wird: darum plante er, sie zu verlassen. 
Aber ein Engel des Herrn half Josef und sprach im Traum zu ihm: “Josef, du Davids-Nachkomme, heirate Maria. Ihr Kind ist vom Heiligen Geist. Nenne ihren Sohn Jesus - denn wer wird seinem Volk aus ihren Sünden heraushelfen.”
So hatte es vor langem ein Prophet angekündigt: Die Jungfrau wird schwanger und einen Sohn bekommen. Der wird Immanuel heissen - das bedeutet: Gott ist mit uns!
Josef nahm also Maria zur Frau, rührte sie aber nicht an. Und gab später dem Kind den Namen Jesus. Das geschah in Bethlehem in Judäa. 
Soweit diese Geschichte, von der ich überzeugt bin, dass sie sich so ereignet hat. Wenn es nur eine Erzählung wäre, wäre die Kernbotschaft ja total hinfällig: wie kann Gott mit uns sein, wenn er keinen wirklichen Engel sendet? Wie kann er mit uns sein, wenn Jesus nicht wirklich Gottes Sohn ist?

Der Aufrichtige

Der Aufrichtige, der seine eigenen Pläne umsetzen will.
Josef - war ein gerechter, aufrichtiger Mann. Hier übersetzt mit aufrichtig, fromm und gerecht. (Vgl. Lot, der ein Gerechter in Sodom war, 2 Petrus 2,8). Er dachte nach, ja, bewegte diese Geschichte mit seiner Verlobten hin und her. “Schwanger? Warum war sie mir untreu?! Was soll ich von ihrer Engelsgeschichte halten?” In seinem Ärger, seiner Wut, seiner Verzweiflung, seiner Trauer - und weil er sie nach wie vor über alles liebte - wollte er es gut machen. Er plante, Maria nicht öffentlich blosszustellen, sondern sie heimlich und unbemerkt in aller Stille zu verlassen. Vielleicht dachte er: “Dann kann sie immer noch erzählen, ich hätte sie geschwängert und sei dann abgehauen.” Ein edler Mann, nicht wahr? Aber leider machte er seine Pläne ohne Gott. Er war ein “gläubiger Atheist”… Einer, der nicht damit rechnete, dass Gott mit uns ist.
Warum kommt es dazu? Das hat mit der grossen Not zu tun. Wir sind von Natur aus durch unsere Sünde getrennt von Gott. Trennung führt zu Einsamkeit. Und Einsamkeit verleitet uns dazu, dass wir uns nur mit sich selbst Gedanken machen. Pläne schmieden. In dieser Einsamkeit kann es sein, dass wir einfach abhauen. Tschüss… ich bin dann mal weg.
Aber Gott ist mit uns! Wir sind als Gemeinde auf dem Weg, mehr Mission und Jüngerschaft zu entdecken und zu leben. Beides führt uns aus der Trennung heraus.
“Es geht darum, Menschen in die Nachfolge von Jesus zu führen und zu erleben, wie sie auf diesem Weg in der Gemeinschaft transformiert werden.” (Breen, Missionale Gemeinschaften, S.23)
Und Josef erlebt es, wie Gott ihn genau hier drin abholt. Der Engel erschien ihm in einem Traum. So real, dass er nach dieser Gottesbegegnung nicht mehr zögerte, sondern seinen Plan ablegte und tut, was er gehört hatte.
Zuerst spricht er ihn an als Sohn Davids. “Josef, du spielst hier eine Rolle! Hau nicht ab. Wer ein Nachkomme Davids ist, trägt eine Verheissung in sich.” Dann sagt ihm der Engel:
Fürchte dich nicht, deine Frau Maria zu dir zu nehmen, zu dir zu führen. Lass dich nicht von Angst leiten, sondern halte dein Versprechen. Die Erklärung: die Schwangerschaft ist durch die Wirkung des Heiligen Geistes. Gott hat es im Griff!
Nenne ihren Sohn mit Namen Jesus. Übernimm Verantwortung, das ist dein Part an der Sache. Nimm das Kind an. Benenne es, setz deine Würde und Autorität für dieses Kind ein. Nimm es in deinen Stammbaum auf. Begründung: er wird sein Volk von ihren Sünden retten.
Josef kam durch das Hören auf Gott dazu, vom "selber überlegen und tun" zum "Handeln aus Berufung" kommen.
Matthäus 1,24–25 (NLB)
Als Josef aufwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm gesagt hatte. Er nahm Maria zur Frau. Josef aber rührte sie nicht an, bis ihr Sohn geboren war. Und Josef gab ihm den Namen Jesus.
Was hilft uns heraus, aus einer Situation, wo wir ohne Gott planen, denken, fühlen, gehen wollen?
Ruf zu Gott: Herr, führe mich zurück zu dir. Zurück in den Zufluchtsort bei dir!
Wende deinen Glauben an. Einmal im Rückblick: was hat Gott bereits getan? Im eigenen Leben? Im Leben anderer? Und dann im Ausblick: ich wünsche mir, nah bei dir zu sein. Dein “Immanuel” real zu erleben!

Gott wirkt

Die Wirkungsweise des Heiligen Geistes
Zweimal steht ausdrücklich, dass Josef und Maria nicht Geschlechtsverkehr hatten. V.18: bevor sie zusammengekommen waren. Und V.25: er erkannte sie nicht. (Wobei “erkennen” oft den Geschlechtsverkehr und Zeugungsakt zwischen Mann und Frau umschreibt.)
Zweimal steht, dass der Heilige Geist für die Schwangerschaft verantwortlich war (V. 18 und V.20; vgl. Lukas 1,35). Dieses “aus dem Heiligen Geist” kann wiedergeben werden mit: “durch die Wirkung des Heiligen Geistes”. Der Heilige Geist ist die Ursache, die Veranlassung, der Beweggrund dieser einmaligen Schwangerschaft. Das bündelt in dieser Prophetie aus Jesaja 7,14, die hier erwähnt wird. Wo der Heilige Geist wirkt, dort ist Gott mit uns! Immanuel heisst: Gott ist mit uns!
Zur Diskussion, dass der Prophet nicht eine Jungfrau, sondern eine junge Frau gemeint hat. Ja, Jesaja 7,14 spricht von einer jungen Frau. Wobei damals klar war: eine junge Frau ist auch Jungfrau. Das sieht man dann auch in einer sehr alten griechischen Übersetzung dieser Stelle: sie verwendet bereits das Wort “Parthenos”, was Jungfrau bedeutet und im ganzen NT nur in diesem Sinn gebraucht wird: unverheiratetes, unberührtes Mädchen oder junge Frau. Also kann man sagen: der Prophet verwendete das Wort für “junge Frau” und meinte damit tatsächlich, dass eine Jungfrau schwanger werden wird. Das Wunder wurde vorausgesagt. Die Wirkungsweise, wenn Gottes Geist da ist, wenn IMMANUEL ist, bedeutet, dass neues Leben entsteht - und Gott uns Menschen an seiner göttlichen Natur anteil gibt (vgl. 2 Petrus 1,4).

Der verborgene Gott < > der offenbarte Gott

In vielen Lobpreisliedern singen wir Texte, die betonen: Gott ist da, du kannst ihm begegnen. Wir singen : Du stillst meine Sehnsucht, du erfüllst mich. Du bist Immanuel - Gott ist mit uns an jedem Ort, zu jeder Zeit, deine Gegenwart ist erfahrbar, und mit meinen inneren Augen kann ich dich sehen. Usw. Das ist sehr wertvoll und wahr. Aber es ist nicht die durchgehende Erfahrung der Christen aller Jahrhunderte - und auch heute, wenn wir ehrlich sind, haben wir Zeiten, wo uns Gott ein verborgener Gott zu sein scheint (deus absconditus).
Erinnert ihr euch: weil wir in Trennung von Gott sind, sind wir von Natur aus Gott-los. Das bedeutet, dass wir Gott auch nicht einfach so begegnen können, wie wir heute Nachmittag bei jemandem zu Besuch gehen könnten. Gott ist zwar erkennbar in vielem: in der Schöpfung, in der Liebe und Vergebung, in der Bibel… Aber Gott selbst bleibt verborgen. Man spricht vom “verborgenen Gott” (vgl. 1 Tim 6,16, wo es heisst, dass Gott in einem unzugänglichen Licht wohnt und dass ihn nie jemand gesehen hat, noch sehen kann). Das erklärt so vieles!
Es zeigt aber auch, warum wir darauf angewiesen sind, dass Gott uns sich zeigt und klar macht: Immanuel! Ich bin bei euch. Rechnet mit mir! Das ist es, was über Jesus gesagt wird in Joh 1,18.
Johannes 1,18 NLB
Niemand hat Gott je gesehen. Doch sein einziger Sohn, der selbst Gott ist, ist dem Herzen des Vaters ganz nahe; er hat uns von ihm erzählt.
Gott hat immer wieder Wege gefunden, Menschen zu zeigen, dass er aus der Verborgenheit heraus sich zeigt und beweist: ich bin bei euch! Immanuel. So bei Jakob, der in Bethel eine gewaltige Gottesbegegnung hatte (1 Mo 28,13-15). So bei Josua, der von Gott ermutigt wurde, mit Israel das Land Kanaan zu erobern (Jos 1,6-9). So bei Jesus, der seinen Jüngern im Missionsauftrag bestätigt: ich bin bei euch, alle Tage, bis an das Ende der Welt (Mt 28,18-20; vgl. Apg 1,6-8). So auch hier bei Josef, der in dem Traum hört, was Gott bereits wirkt, was er tun soll und dass Gott Immanuel ist. Diese Bibelstellen haben oft drei Aussagen:
Gott ist mit uns-Stellen
Autorität und Wirksamkeit Gottes
Auftrag und Verheissung
Beistand und Synergie Gottes mit dem Menschen
Das “Ich bin bei dir” gehört zu Gottes absoluten Lieblingszusage.
Wie können wir reagieren? Abhauen, weil Gott letztlich für uns verborgen bleibt? Nein, Petrus bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt:
1. Petrus 1,8 (NLB)
Ihn liebt ihr, obwohl ihr ihn nie gesehen habt. Obwohl ihr ihn nicht seht, glaubt ihr an ihn; und schon jetzt seid ihr erfüllt von herrlicher, unaussprechlicher Freude.

Was wäre, wenn...

… zum “tue Recht und scheue niemand” etwas dazukommt, was ursprünglich zu diesem Sprichwort gehörte? «Fürcht Got, Thue recht, Schew niemandt» hiess es bereits im Jahr 1592.
Diese Gottesfurcht, die hier gemeint ist, ist nicht ein angstvolles sich Verstecken vor Gott, nicht ein Trugschluss, dass Gott abgehauen ist oder gestorben… Diese Gottesfurcht ist staunende Ehrfurcht, dankbares Ergriffen sein. Wie es in 1 Petrus 1,8 heisst: ihn lieben, obwohl wir ihn nicht gesehen haben - und erfüllt sein von herrlicher, unaussprechlicher Freude.

Vertiefung

“Gott ist mit uns!” In welcher Lebenssituation wünsche ich mir gerade diese tiefe Erfahrung von Gottes Gegenwart?
Was sagt mir Jesus? Und was tue ich damit?
Beten wir: “Jesus, du hast uns den verborgenen Gott gezeigt - und wir staunen: er ist Vater! Er ist unser himmlischer Vater! Du erinnerst uns: dein Heiliger Geist wirkt. Er wirkte damals an Maria - und er wirkt heute an uns. Gottes Geist, komm, erfülle uns!
Wir beten und bitten für die, welche darunter leiden, dass sie dich als verborgenen Gott erleben. Und für die, welche in ihrem einsamen Denken und Überlegen, in ihrem Bewegt-Werden das Gefühl bekommen: besser abhauen und tschüss.
Wir sprechen dieses “Gott ist mit uns” ganz laut und deutlich aus. Ja, Gott ist mit dir! Immanuel! Er steht dir bei. Fürchte dich nicht. Übernimm Verantwortung. Handle, wie du von Gott gehört hast. Gott ist bei dir!
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