Der vergessene Vater

Weihnachten  •  Sermon  •  Submitted   •  Presented
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Es gibt Umstände in unserem Leben, die augenscheinlich nicht von Gott sind oder sogar seinem Willen widersprechen, wenn wir in ihnen Gott suchen, können wir ihn auch finden.

Notes
Transcript

Herausforderungen und Zweifel - Welche Umstände sind nicht von Gott bzw. widersprechen seinem Willen?

Wie konnte das alles nur so schief gehen? Wie konnte das nur diesen Weg einschlagen? Wie soll ich jetzt damit umgehen? Und was denken nur die Leute darüber? Wart ihr schon einmal in einer Situation, wo ihr das gedacht habt? Eine Situation, die euch verzweifeln lässt, weil ihr sie nicht habt kommen sehen und sie euch an die Grenze eurer Möglichkeiten bringt? Eine Situation, die so schwer, so grenzwertig ist, dass ihr euch fragt: Wie konnte Gott das nur zulassen? Oder wie konnte er es nur auf diese Art und Weise machen? Oder auch wie konnte ich nur diesen Weg gehen? Ich glaube, dass das Leben uns immerwieder vor genau solche Situationen stellt oder in christlichem Sprech: Das Gott uns solchen Prüfungen immer wieder unterzieht. Man lebt sein Leben und versucht es so zu tun, dass es Gott gefällt und dann tut mir irgendjemand etwas an, meine Lebensumstände ändern sich dramatisch und es kommt anders, als ich es mir gedacht hätte. Es kommt schlimmer. Es zieht mir den Boden unter den Füßen weg und lässt mich an meinen Entscheidungen, meinem Urteilsvermögen zweifeln. Wir kommen in diese Situationen. Wir erleben solche Situation Gott sei Dank nicht alltäglich, aber im Laufe unseres Lebens immer öfter. Situationen, die uns nicht schlafen lassen. Die uns keine Ruhe lassen. Die uns und unser Leben ins Wanken bringen. Umso beeindruckender find ich es, dass die Weihnachtsgeschichte in genau so einer Situation stattfindet. Die Weihnachtsgeschichte hat viele offene Fragen. Sie ist bei weitem nicht idyllisch oder einfach, sondern eigentlich ist sie das reinste Chaos, dass Gott durch seine Führung und seine Eingreifen ordnet. Die Weihnachtsgeschichte zeigt uns, dass gerade in diesen Umständen und Situationen, die augenscheinlich nicht von Gott sind oder seinem Willen widersprechen, wir Gott finden können, wenn wir auf ihn vertrauen. Situationen, wo wir an unserer Grenze sind, wo wir vielleicht auch durch das Verschulden anderer in eine blöde Situation kommen, können wir Gott finden. Es ist möglich, dass Gott im Chaos wirkt und es gebraucht, um Ordnung in das Leben, die Welt zu bringen. Die Ausgangssituation der Weihnachtsgeschichte ist wirklich dramatisch, vorallem wenn wir uns die Beziehungsebene betrachten.
Matthäus 1,18 BB
Zur Geburt von Jesus Christus kam es so: Seine Mutter Maria war mit Josef verlobt. Sie hatten noch nicht miteinander geschlafen. Da stellte sich heraus, dass Maria schwanger war – aus dem Heiligen Geist.
Da ist eine junge Frau. Maria wird circa 14 Jahre gewesen sein und sie ist verlobt mit einem jungen Mann: Josef. Ihr Glaube verbietet es beiden, vor der Ehe miteinander zu schlafen. Sie halten sich füreinander rein und auf einmal ist die Maria schwanger. Ja, der Heilige Geist hat sie geschwängert, aber wer soll ihr das glauben? Wer glaubt einer 14-jährigen, dass sie durch den Heiligen Geist schwanger geworden ist und nicht durch den Geschlechtsverkehr mit einem Mann? Das gab es vorher nicht und wird es auch nie wider geben. In der damaligen Zeit war eine Verlobung rechtlich mit einer Eheschließung gleichgesetzt, was bedeutet, dass Maria Ehebruch begangen hat. Sie hat also gegen damalige Gesetze verstoßen, was zu Folge hat, dass sie gesteinigt werden sollte. Josef wurde augenscheinlich von seiner Verlobten betrogen. Die Leute redeten über ihn und Maria und seine Familie wurde einer großen Schande durch all das ausgesetzt. Die Leute fragten sich wahrscheinlich: Wann wird er es tun? Wann wird er sich von ihr trennen und sie zur Rechenschaft ziehen? Wann wird er seine Ehre wieder herstellen? Der gesellschaftliche Druck war immens. Der Druck den Josef hatte war immens. Natürlich war es auch ein immenser Druck für Maria, aber Maria hatte keine Entscheidungsgewalt. Maria konnte nur hoffen und beten. Wer am Ende eine Entscheidung über die Verlobung und das weitere Leben Marias und ihres Kindes treffen musste, war Josef. Es ist eigentlich ein riesiges Chaos. Josef hat auf der einen Seite seine Verlobte, die beteuert, dass sie nicht falsch gemacht hat. Es ist Gottes Plan. Er hat in ihr gewirkt und ihr dieses Kind geschenkt. Es ist seine Verlobte, mit der er den Rest seines Leben verbringen wollte. Auf der andere Seite ist seine Familie, seine Freunde, seine Bekannten, die reden. Die ihr Urteil über Maria und auch ihn fällen. Er spürt den gesellschaftlichen Druck. Wie soll Josef sich entscheiden? Wie würdest du dich entscheiden? Was tust du, wenn alles auf die einprasselt und du nicht weiter weißt? Wie findest du Klarheit im Weihnachtschaos?

Gehorsam - Wie kann ich in diesen Umständen Gott vertrauen?

Matthäus 1,19 BB
Ihr Mann Josef lebte nach Gottes Willen, aber er wollte Maria nicht bloßstellen. Deshalb wollte er sich von ihr trennen, ohne Aufsehen zu erregen.
Josef wollte das tun, was richtig ist, aber er wollte es auch auf die richtige Art und Weise machen. Josef konnte aus sich heraus anscheinend nicht mit dem Betrug seiner Verlobten leben. Er entschied sich, sich von ihr zu trennen. Er konnte sich nicht vorstellen, das Kind eines andere großzuziehen und mit einer Frau zusammenzuleben, die ihn anscheind betrogen hat. Sein Recht wäre es gewesen, dass er Maria ihrer “gerechten” Strafe hinzuführt. Bei all dem dürfen wir nicht vergessen, dass die Zeiten damals anders waren. Was damals als Gerecht galt, hat nichts mit dem zu tun, wie heute ein gerechter Umgang mit so einer Situation aussieht. Vielleicht würden wir aber sogar sagen: Es wäre gerecht, wenn er sie bloßstellt, nach allem was sie ihm angetan hat. Vielleicht hätten wir Verständnis dafür, wenn er sie vor anderen schlecht macht. Als Mann, der nach dem Willen Gottes lebte, würden wir vielleicht sogar denken: Dann wird jetzt das Folgen, was die Gläubigen damals für gerecht hielten: Die Steinigung der Ehebrecherin, damals nicht nur verbal, sondern wortwörtlich. Aber das ist nicht das, was Josef beschlossen hatte. Josef wollte sich so von ihr trennen, dass es kein Aufsehen erregt. Er wollte, dass Maria in Ruhe mit ihrem Kind leben kann. Das sie sich in Ruhe etwas neues Aufbauen kann. Sie und ihr Kind werden zwar immer komisch begutachtet werden, aber in gewisser Weise wird ihnen das Leben ermöglicht. Josef hätte auf sein Recht pochen können. Er hätte den Weg gehen können, der ihn die Schulterklopfer seiner Freunde und Bekannten gebracht hätte. Der Weg, der sein Ansehen schnell wieder hergestellt hätte. Er hätte auf Kosten des Lebens von Maria und ihrem ungeborenen Kind sein Ansehen, seine Reputation wiederherstellen können. Er hätte schnell dem Chaos entfliehen können. Ein Mann, der nach dem Willen Gottes lebt, ist aber kein Mann, der einfach nur auf sein Recht beharrt und es durchsetzt. Ein Mann, der nach dem Willen Gottes lebt, ist derjenige, der aus Liebe zu seinem Nächsten auf sein Recht verzichten kann. In all dem Chaos, was um Josef herum herrschte, wusste er, dass Nächstenliebe die Überschrift der Gesetze Gottes ist. Josef war Gott gegenüber gehorsam. Josef vertraute darauf, dass, wenn er nach dem Willen Gottes lebt, sich alles zum Guten wenden würde. Er vertraute darauf, dass die Nächstenliebe gewinnen würde. Josef war ein Mann nach dem Willen Gottes, weil er sich selbst nicht an erste Stelle setzte, sondern Gott. Sein Verständnis von einem liebevollen Gott führte dazu, dass er Maria nicht dem Pöbel hingab, sondern sie trotzallem beschützen wollte und ihr leben ermöglich wollte. Das Weihnachtschaos von Josef klart sich auf durch die Nächstenliebe. Durch den Blick von sich selbst weg hin zu Gott und zu Maria.

Ungehorsam - Was passiert, wenn ich Gott nicht vertraue?

Ja, das ist eine extreme Situation. Es geht dabei um Leben und Tod. Wenn das die Entscheidung ist, vor der man steht, dann entscheidet man sich doch immer für das Leben. Ich glaube, dass die Entscheidung Josefs für die Nächstenliebe, für Maria, die ihn augenscheinlich betrogen hat, eine Folge eines Lebens war, dass er in diesem Sinne gelebt hat. Ich glaube, dass Josef sich auch in den kleinen Dingen für die Nächstenliebe entschieden hat. Josef war ein Mann nach dem Willen Gottes. Ich bin beeindruckt von Josef. Es beeindruckt mich, dass er dem Druck der Gesellschaft, seiner Familie, seiner Freunde und Bekannten nicht nachgibt, um auf Kosten anderer aus dem Schlammasel zu kommen. Er wäre dadurch sogar geachteter gewesen als Vorher, weil er nach dem Gesetz handelt. Ich kenne diese Situationen selbst nur zu gut. Es gibt viele Situationen, wo es mir dann wichtiger ist, auf mein Recht zu beharren, um gut dazustehen, als das es meinem Nächsten gut geht. Ich rechtfertige mich oder schiebe anderen Menschen die Schuld zu. Ich mein sie waren es vielleicht sogar. Vielleicht bin ich sogar im Recht, aber mir schadet es weniger als meinem Gegenüber, wenn ich zurückstecke. Ich muss da an Situationen denken, wo ich schlecht über andere Menschen spreche, die mich vielleicht verletzt haben, um selbst in einem besseren Licht dazustehen, und um das Bild, dass mein Gesprächpartner von der anderen Person hat, kaputt zu machen. Ich stehe dann gut da und der anderen ist der Blöde. Ich baue mich auf den Trümmern des anderen auf. Die Bibel spricht deutlich über das Schicksal derer, die auf Kosten anderer ihren eigenen Ruhm suchen. Wahres Wachstum und Erfolg kommen von Gott, nicht aus den Trümmern anderer. Es ist wichtig, uns daran zu erinnern, dass der Weg zum höchsten Erfolg oft durch Demut und Gehorsam führt. Das ist es, was Josef erlebt. Das ist, was oft sehr schwer ist. Ich stehe nicht für mein eigenes Recht ein, sondern für das Recht anderer. Ich vertraue nicht mir selbst, sondern ich vertraue auf Gott und sein Wort. Ich handel nach dem Willen Gottes und nicht nach dem, was die Welt um mich herum oder vielleicht sogar meine eigene Intuition von mir verlangt. Wenn ich nur mir selbst vertraue, dann werde ich über die Trümmer der anderen gehen. Wenn ich Gott vertraue, dann werde ich die Trümmer der anderen wieder aufrichten.

Intervention und Berufung - Inwiefern handelt Gott , wenn ich ihm vertraue?

Gott sieht den Entschluss von Josef. Ein Entschluss, der Maria stehen und leben lässt. Es ist wichtig, dass diese Entscheidung so in der Bibel steht, denn es zeigt, was für eine Art Mann Josef war. Er zeigt sich als ein weiser und liebender Mann. Gott musste nicht erst eingreifen, bevor er das Richtige tat, sondern Gott zeigt sich ihm, weil er in all dem Chaos, all der Unsicherheit, mehr als nur sein Bestes gesucht hat. Sein Gehorsam, sein Weg im Vertrauen auf Gott führt ihn zu einer Begegnung mit Gott und seiner Berufung.
Matthäus 1,20–21 BB
Dazu war er entschlossen. Doch im Traum erschien ihm ein Engel des Herrn und sagte: »Josef, du Nachkomme Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen. Denn das Kind, das sie erwartet, ist aus dem Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn zur Welt bringen. Dem sollst du den Namen Jesus geben. Denn er wird sein Volk retten: Er befreit es von aller Schuld.«
Josef erfährt hier, dass seine Verlobte nie gelogen hat. Seine Verlobte, die er so sehr schätzt, die er liebt, hat ihn nicht betrogen. Sie hat ihn nicht verraten, sondern sie ist Teil des Plans Gottes mit dieser Welt. Gott benutzt das Chaos ihres Lebens, um den Retter der Welt daraus hervogehen zu lassen. Umstände, in denen wir nie nach Erfüllung oder Rettung suchen würden, gebraucht Gott, um in diese Welt zu kommen und uns zu befreien. Und Josef wird Teil dieses Plans. Josef der ein Nachkomme Davids ist, wird Maria heiraten und Jesus adoptieren. So wird Jesus Teil der Nachkommenschaft Davids. In all dem Weihnachtschaos entsteht etwas unglaubliches. Es entsteht etwas schönes. In all dem Chaos begegnet Gott Josef so wie niemals zuvor oder danach. Im Chaos unseres Lebens kann Gott uns begegnen. Wenn wir im Chaos sind, vieles drunter und drüber geht und wir nicht mehr weiter wissen, kann Gott uns begegnen. Er kann uns an diesen Feiertagen begegnen, wenn wir damit zu kämpfen haben, für 20 Personen zu kochen. Er kann uns begnen, wenn wir auf der Suche nach den letzten Weihnachtsgeschenken nicht mehr zur Ruhe kommen. Er kann uns begegnen, wenn wir das Gefühl haben, irgendetwas tun zu müssen, um anderen zu gefallen, obwohl wir es selbst für falsch halten. Wenn wir im Vertrauen auf Gott in diese Tage gehen, wenn wir im Vertrauen auf Gott dem Chaos entgegenstehen, dann wird er uns begegnen. Vielleicht ist es kein Engel. Vielleicht ist es nich einmal eine Stimme. Vielleicht ist es einfach nur ein Gedanke oder eine Begegnung. Ich weiß aber, dass er uns hilft Klarheit zu bekommen, so wie Josef. Gott hat Josef gezeigt: Das ist die Wahrheit und das ist dein Platz darin. Gott wird dir zeigen, was wahr ist und wo du dort stehst. Gott zeigt dir die Wahrheit im Chaos und deinen Platz. Gott wirkt im Chaos und ordnet es. Gott wird in das Chaos dieser Welt hineingeboren und rettet sie. Das ist die Botschaft von Weihnachten. Gott hat keine Angst vor dem Chaos. Gott kann mit unserem Chaos umgehen. Er möchte in unser Chaos hineinkommen, wenn wir auf ihn vertrauen. Gott kann uns im Chaos begegnen.
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