Das Geheimnis der Heiligen Nacht

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1Tim 3,16
Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er [gemeint ist Jesus Christus] ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Völkern, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. (LUT17, eigene Änderungen)
Ihr Lieben,
einer unserer Ausbilder hat bei solchen Texten wie diesem Vers aus dem 1. Timotheus-Brief gern von einem „Maggi-Würfel“ gesprochen: Er ist zwar klein, aber sehr verdichtet. In ihm steckt so viel drin, dass er einen ganzen Topf Wasser würzt und als Suppe schmackhaft macht. – Ähnlich ist es mit diesem Text: Kurz und prägnant, aber doch unglaublich dicht und inhaltsreich, genug um damit mehrere Tage des Nachdenkens über Jesus zu füllen.
Paulus schreibt hier einen Hymnus, ein Lobgebet, das Jesus Christus verherrlicht. Sechs Zeilen mit meistens nur drei Wörtern – und doch unglaublich tief und für viele nicht zu erfassen. Ein Geheimnis, ein „Mysterium“, wie Paulus seinen Text selbst einleitet. Unser Glaube an Jesus ist so einfach, das, was Jesus für uns getan hat und wer Er ist, so unkompliziert, dass es in gerade einmal 18 Worte passt – und dabei doch so tief und wunderbar, so unfassbar, dass es ein Mysterium ist, das unsere Vorstellung übersteigt, ein Geheimnis, das nur die ergreifen können, denen Gott selbst es offenbart.
Wir wagen zu dieser späten Stunde trotzdem einen Versuch zu verstehen, was Paulus hier über unseren Herrn Jesus Christus geschrieben hat.
1. Jesus ist offenbart im Fleisch
Jesus ist offenbart im Fleisch. „Im Fleisch“ ist eine Formulierung, die uns im Neuen Testament für Jesus immer wieder begegnet, besonders passend natürlich heute in der Heiligen Nacht. „Im Fleisch“ bedeutet, dass Jesus wahrer Mensch geworden ist. Er hat sich nicht nur in Menschengestalt gezeigt, wie es die alten Griechen und die alten Römer auch von ihren Göttern erzählten, sondern Er ist wirklich Fleisch geworden, Er ist wirklich Mensch geworden, fähig zu lachen und zu weinen, zu leiden und zu sterben. Gott hat sich in Jesus anfassbar, greifbar gemacht; Er hat sich als Baby sogar hilflos gemacht. Er ist wirklich Mensch geworden, mit allem, was dazu gehört.
Aus menschlicher Sicht ist es völlig unbegreiflich, dass sich der allmächtige Gott derart erniedrigt und klein macht, aus dem Himmel herabsteigt und so wird wie wir. Er schwebt nicht mehr über Raum und Zeit, sondern gibt sich ganz direkt hinein, wird konkreter Teil der Geschichte unserer Welt, bindet sich an Raum und Zeit; Er wird Teil unseres Lebens.
Und gleichzeitig ist es für uns Menschen die höchste Ehre, die Gott uns zukommen lassen konnte: Er wird einer von uns, verdeutlicht uns damit unsere Würde. Gott offenbart sich uns auf Augenhöhe, Er zeigt sich uns, begegnet uns mitten im Leben, ist in unserem Leben. Er hat sich uns offenbart, im Fleisch, als Mensch, so wie wir sind.
2. gerechtfertigt im Geist
Paulus fährt fort: Jesus ist gerechtfertigt im Geist. Das Gegenstück zum Fleisch ist der Geist, das Gegenstück zum Menschlichen das Göttliche. Dort, wo unser Fleisch zum Ende kommt, kann nur der Geist neues Leben schenken. So weckte der Geist Gottes Jesus wieder von den Toten auf. Für uns Menschen unmöglich und unvorstellbar, für Gott möglich – und auch für uns verheißen. Der Geist Gottes schenkt Leben.
Dadurch, dass Jesus durch den Heiligen Geist wieder zum Leben auferweckt wird, rechtfertigt Gott Ihn und zeigt der ganzen Welt: „Mein Sohn ist gerecht und vollkommen. Er war und ist ohne Schuld, ohne Fehler.“ Das Todesurteil, das Menschen über Ihn gesprochen hatten, erklärt Gott für nichtig.
3. erschienen den Engeln & 4. gepredigt den Völkern
Daraufhin ist Jesus den Engeln erschienen und wird allen Völkern verkündigt, so Paulus. Das Wort, das hier im Griechischen für verkündigen steht, meint nichts Geringeres, als die Ausrufung eines neuen Kaisers, das Verkünden, wer nun der neue Herrscher ist. Jesus herrscht im Himmel und auf der Erde. Sein Name wird seit 2.000 Jahren verkündigt, erst in Jerusalem und Judäa und Galiläa und bald in der ganzen Welt. Der Messias unseres Gottes, Sein eigener Sohn, hat die Herrschaft angetreten – wie wir heute in der Christvesper gehört haben, eine Herrschaft des Friedens und der Hoffnung. Eines Tages wird Er gemeinsam mit den Engeln wieder mitten hinein in unsere Welt kommen, um Sein Reich für alle sichtbar anzutreten, um allem Krieg ein Ende zu bereiten und endlich echten Frieden zu schaffen.
Bis dahin ist es auch unser Auftrag, Ihn zu verkündigen, den Menschen zu erzählen, was Er wundervolles für uns getan hat.
5. geglaubt in der Welt
… damit sie mit uns glauben können. Die 5. Zeile „geglaubt in der Welt“ meint dabei viel mehr als nur ein Für-Wahr-Halten Seines Leidens, Seiner Auferstehung und Seiner Himmelfahrt. Es bedeutet zugleich die Anerkennung Seiner Herrschaft, das ganz persönliche Vertrauen in Seine Güte und Liebe, die Anerkennung Seiner Herrschaft über mein eigenes Leben. An Jesus zu glauben heißt, zur Seite zu treten und Ihn ans Steuer meines Lebens zu lassen – und Ihm nicht jedes Mal wie ein Fahrlehrer ins Lenkrad greifen zu wollen, wenn einem die Richtung nicht passt.
Auch der Glaube selbst ist ein großes Geheimnis. Manchmal merken wir, dass es nicht in unserer Hand liegt, an Jesus zu glauben. Zu glauben ist ein Geschenk, um das wir Gott freilich bitten können und sollen, doch das wir uns nicht selber nehmen können. Doch Gott gibt gern denen, die Ihn bitten, auch wenn Seine Wege oft andere sind als unsere.
Durch unseren Glauben erweisen wir Jesus die Ehre, die Ihm gebührt.
6. aufgenommen in die Herrlichkeit
Gott hat Ihn aufgenommen in Herrlichkeit, so schließt Paulus diesen Hymnus. Der Sohn Gottes, den die Menschen abgelehnt, verurteilt und hingerichtet haben, wurde von Gott rehabilitiert. Er wurde durch den Heiligen Geist wieder auferweckt und schließlich in Gottes Herrlichkeit aufgenommen. Dort hat Er Seinen Thron bestiegen und sitzt nun zur Rechten des allmächtigen Vaters.
Mit diesem Hymnus preist Paulus unseren Herrn Jesus Christus und hält zugleich die wichtigsten Eckpunkte unseres Glaubens fest – so einfach und doch unglaublich tief.
Heute, in der Heiligen Nacht, steht für uns natürlich der Beginn dieses Hymnus’ im Mittelpunkt: Jesus wurde im Fleisch offenbart, wurde ein Mensch, wie wir Menschen sind, kam mitten hinein in unsere Welt.
Es ist so einfach und gleichzeitig doch ein so tiefes Geheimnis.
Wir stehen vor der Krippe, sind verwundert, vielleicht sogar bestürzt, wie Gott so etwas tun kann und staunen doch über diesen vollkommenen Plan, den Gott sich schon von Anfang an erdacht hatte. Wir staunen darüber, dass Gott zu uns kommt, mitten hinein in unsere Welt, mitten hinein in unsere Schwäche, mitten hinein in unser Versagen, mitten hinein in unser Leben.
Alle Ehre sei Ihm, der offenbart ist im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Völkern, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.
Amen.
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