Unerwartet beschenkt

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(Christvesper)
Lukas 2,8-20 | 24. Dezember 2024 | EFG Wiesbaden | Christopher Nork
Anmerkung zur homiletischen Besonderheit der Christvesper
Die Christvesper ist ein Gottesdienst mit einer besonderen homiletischen Herausforderung. Sie bringt Menschen aus verschiedenen Generationen und mit unterschiedlichen kirchlichen Hintergründen zusammen: von Kindern über Eltern bis hin zu Großeltern, von Kirchen-nahen bis hin zu Kirchen-fernen Menschen. Diese Vielfalt erfordert eine Predigt, die in Sprache, Inhalt und Stil sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht und zugleich Glaubensnahe wie Glaubensferne einlädt, sich auf die Weihnachtsbotschaft einzulassen.
Die besondere Atmosphäre der Christvesper – geprägt von Vorfreude auf die Bescherung und der Erwartung eines familiären und besinnlichen Rahmens – beeinflusst zudem die Aufmerksamkeitsspanne der Teilnehmenden. Daher ist es wichtig, die Predigt bewusst kurz und prägnant zu halten, ohne dabei die Tiefe der weihnachtlichen Botschaft zu verlieren.
Ziel ist es, mit wenigen, klaren Worten die frohe Botschaft von der Geburt Christi so zu verkündigen, dass sie in die Herzen der Zuhörenden dringt und zugleich eine Brücke zwischen Tradition, Feierlichkeit und moderner Lebenswirklichkeit schlägt. Eine klare Struktur, eine einfache, bildhafte Sprache und eine hoffnungsvolle Botschaft können dazu beitragen, diese besondere homiletische Aufgabe zu erfüllen.
Lukas 2,8-20 (LU17)
8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9 Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens[3]. 15 Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. 
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Schon Geschenke besorgt?
Eins meiner Kinder hat am Samstag gesagt (ich verrate nicht, welches): Ich muss noch Geschenke besorgen! Dabei war der ganze Samstag schon komplett verplant – es ging von einer Aktivität zur nächsten. Sonntag haben die Läden zu. Und Montag? Da müssen ja noch die Lebensmittel für die Weihnachtsfeiertage besorgt werden! Wann also? Da habe ich mich gefragt: Wie soll das klappen?“
Vielleicht kennt ihr das auch – diesen Moment, wenn man merkt: Die Zeit wird knapp, und die Ideen für Geschenke fehlen vielleicht auch noch. Kinder, mal Hand hoch: Wer von euch hat denn schon alle Geschenke fertig? Und wer hat vielleicht noch keine?
Aber keine Sorge, ich habe eine Idee für euch! Ihr könnt euren Eltern zum Beispiel Gutscheine schenken – fürs Geschirrspülmaschine Ein- und Ausräumen, fürs Zimmer Aufräumen oder vielleicht sogar fürs Frühstückmachen. Glaubt mir, das sind Geschenke, die richtig gut ankommen!
Doch jetzt mal ehrlich: Worum geht es eigentlich an Weihnachten? Geht es wirklich nur um die Geschenke? Klar, sie gehören dazu – und es macht Freude, anderen etwas zu schenken. Aber was ist das größte Geschenk an Weihnachten? Und wer bekommt es?
Wir haben eben schon von den Hirten gehört. Die Hirten, die haben in der Weihnachtsnacht etwas ganz Besonderes geschenkt bekommen. Ein Geschenk, das niemand einpacken musste, das keine Schleife brauchte – und doch die Welt verändert hat. Sie haben damals sicherlich nicht damit gerechnet, ein Geschenk zu bekommen.
Die Hirten und das größte Geschenk
Die Hirten sind uns heute ein vertrautes Bild in der Weihnachtsgeschichte. Sie stehen an der Krippe, neben Maria, Josef und dem Kind in der Futterkrippe. Aber: Warum sind sie eigentlich dort?
In der damaligen Gesellschaft waren Hirten alles andere als angesehene Menschen. Ihr Beruf galt als unehrenhaft, ihr Leben war hart. Sie lebten draußen, fernab von den Städten und Dörfern, ständig umgeben von ihren Schafen. Sie waren unrein, weil sie nicht die religiösen Vorschriften einhalten konnten. Niemand traute ihnen; vor Gericht durften sie nicht einmal als Zeugen aussagen. Kurz gesagt: Die Hirten waren Menschen, die in ihrem Alltag mit Gott nichts zu tun hatten – und die vielleicht dachten, Gott habe auch mit ihnen nichts zu tun.
Die Hirten unserer Zeit
Wenn wir uns fragen, wer die „Hirten“ unserer Zeit sind, könnten wir ganz unterschiedliche Menschen vor Augen haben. Es könnten Menschen sein, die sich einsam fühlen – vielleicht, weil sie in unserer schnelllebigen Welt den Anschluss verloren haben. Oder solche, die sich ausgeschlossen fühlen, weil sie anders sind als die Mehrheit: Anders in ihrer Herkunft, in ihrem Glauben, in ihrer Lebensweise. Vielleicht denkst du auch an jemanden, der glaubt, nicht gut genug zu sein – für andere Menschen oder sogar für Gott.
Es gibt Menschen, die mit Religion nichts anfangen können. Sie sagen: „Das ist nichts für mich, ich passe da nicht rein.“ Manche fühlen sich vielleicht sogar, wie die Hirten damals, als wären sie nicht willkommen. Sie glauben, dass Gott sich nicht für sie interessiert, oder dass sie sich erst ändern müssten, bevor sie ihm begegnen könnten.
Vielleicht hast du selbst manchmal das Gefühl, nicht dazuzugehören. Vielleicht fragst du dich, ob du wirklich Teil dieser großen Weihnachtsgeschichte sein kannst, die wir jedes Jahr feiern.
Das Unerwartete
Und dann passiert etwas völlig Unerwartetes: Mitten in der Nacht erscheint ein Engel des Herrn. Der Himmel öffnet sich, die Dunkelheit wird vom Glanz Gottes erhellt. Die Hirten erschrecken zutiefst. Kein Wunder! Sie hatten mit vielem gerechnet, aber sicher nicht mit einem Engel. Und mal ehrlich: Wenn wir heute an Engel denken, dann stellen wir uns oft etwas sehr Niedliches vor, oder? Vielleicht ein kleines, pausbäckiges Baby mit Locken und Flügelchen, das freundlich lächelt. Oder ein schimmerndes Wesen mit langen, goldenen Haaren, das auf einer Wolke sitzt und Harfe spielt.
Die Hirten damals hatten jedoch eine ganz andere Vorstellung. Für sie waren Engel keine süßen Himmelswesen, sondern mächtige Boten Gottes – oft mit einem Schwert in der Hand, manchmal sogar mit der Aufgabe, Gericht zu bringen. Wenn ein Engel erschien, dann war das in ihren Augen kein Grund zur Freude, sondern ein Grund zur Furcht.
Dabei nutzte Gott auch sein ganzes Arsenal an Spezialeffekten. Die dunkle Nacht wird zum hellen Tag. Ich kann mir vorstellen, dass die Schafe auch ganz erschrocken gewesen sind – und dass vielleicht das eine Schaf eine Spontangeburt hingelegt hat. Einer der Hirten hat sich sicherlich auch in die Hosen gemacht.
Ihre Angst ist greifbar – vielleicht dachten sie in diesem Moment an all das, was in ihrem Leben nicht richtig lief. „Das habe ich jetzt davon“, könnte einer von ihnen gedacht haben, „weil ich letzte Woche jemanden übers Ohr gehauen habe.“ „Das war‘s jetzt!“
Eine gute Botschaft
Doch der Engel sagt: „Habt keine Angst! Ich bringe euch eine gute Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllen wird.“ Und dann: „Euch ist heute der Retter geboren!“
Nicht im Palast, nicht im Tempel, sondern bei diesen Hirten beginnt die Geschichte von Jesus. Gott selbst kommt zu denen, die dachten, sie seien zu weit weg von ihm. Zu denen, die glaubten, sie seien nicht gut genug. Zu denen, die meinten, sie könnten nicht zu Gott kommen.
Die Hirten werden die ersten Zeugen der Weihnachtsgeschichte. Gott traut ihnen zu, seine Botschaft zu verbreiten – und sie tun es! Sie erzählen voller Freude von dem, was sie gesehen und gehört haben.
Das ist das größte Geschenk an Weihnachten: Gott kommt zu uns. Er wartet nicht darauf, dass wir perfekt oder fehlerlos sind. Er kommt in unsere Welt, in unseren Alltag, so wie er damals zu den Hirten kam.
Die Einladung
Vielleicht fragst du dich: Kann das wirklich für mich gelten? Diese Botschaft, dass Gott zu uns kommt – zu mir? Vielleicht denkst du: „Ich bin doch gar nicht religiös.“ Oder: „Ich habe mich viel zu weit von Gott entfernt.“ Vielleicht fühlst du dich nicht würdig oder denkst, dass Glaube nur etwas für andere ist.
Aber schau auf die Hirten. Sie waren Menschen, die in der Gesellschaft keinen Platz hatten. Menschen, die nicht perfekt waren. Menschen, die nicht einmal mit Gott gerechnet haben. Und gerade sie waren die ersten, die diese unglaubliche Botschaft gehört haben: „Für euch ist heute der Retter geboren!“
Diese Botschaft gilt auch dir. Gott wartet nicht darauf, dass du perfekt bist oder dass du alles in deinem Leben auf die Reihe bekommen hast. Er kommt genau so, wie du bist, in dein Leben.
Vielleicht sehnst du dich nach Dingen, die tiefer gehen als alles, was diese Welt bieten kann:
Frieden – in dir selbst oder in deinen Beziehungen.
Freiheit – von Verletzungen, von alten Prägungen, von dem Gefühl, nicht gut genug zu sein.
Leben – echtes, erfülltes Leben, das mehr ist als nur Alltag und Überleben.
Die Hirten fanden genau das in der Begegnung mit Jesus. Sie erlebten einen Frieden, den die Welt nicht geben kann. Sie wurden Teil einer Geschichte, die ihr Leben für immer verändert hat. Und das kannst du auch.
Deshalb lade ich dich ein: Nimm dieses Geschenk an. Vielleicht heißt das für dich, einfach einmal in Ruhe darüber nachzudenken, was Weihnachten wirklich bedeutet. Vielleicht möchtest du Gott in einem stillen Moment sagen: „Wenn es dich gibt, dann zeig dich mir.“ Oder vielleicht bist du bereit, den nächsten Schritt zu gehen und Gott zu vertrauen, dass er in deinem Leben wirken kann.
„Die Geburt Jesu in Bethlehem ist keine einmalige Geschichte, sondern ein Geschenk, das ewig bleibt“ – auch für dich. Heute. Jetzt.
Lasst uns gemeinsam beten, denn so können wir uns Gott öffnen.
Gebet
Gott,
du bist zu uns gekommen – mitten in unsere Welt, so wie wir sind.
Danke, dass deine Botschaft der Freude und des Friedens auch heute noch gilt.
Hilf uns, die Türen unseres Herzens zu öffnen und dein Geschenk anzunehmen:
Frieden, Freiheit und neues Leben bei dir.
Zeige dich denen, die suchen,
und gib Hoffnung denen, die sich allein fühlen.
Lass uns erkennen, dass du uns liebst und bei uns bist –
jetzt und für immer.
Amen.
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