Alles prüfen: Eine Aufgabe unter vielen

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Alles prüfen: Eine Aufgabe unter vielen.

Bibelstelle: 1. Thess 5,12-15

Luther 1984 (Kapitel 5)
12 Wir bitten euch aber, liebe Brüder, erkennt an, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem Herrn und euch ermahnen;
13 habt sie umso lieber um ihres Werkes willen. Haltet Frieden untereinander.
14 Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann.
15 Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.
Liebe Geschwister,
CMV-Materialsammlung (Einer für alle, alle für einen)
Ein Fußballtrainer wurde einmal von einem Reporter gefragt, welche Bedeutung der Profifußball für die Volksgesundheit hätte. Er antwortete: »Sehr wenig. Da haben wir die Situation, dass 50.000 Menschen, die dringend Bewegung brauchen, 22 Menschen zuschauen, die dringend Erholung brauchen.«
Wer einmal das Geschehen um eine Fußballmannschaft beobachtet hat, weiß, dass es noch schlimmer ist. Nicht nur, dass die Leute sich nicht bewegen, sie wissen auch genau, wie sich die Spieler auf dem Platz bewegen sollen. Klappt etwas nicht, gibt es Pfiffe. Spielt ein Spieler eine Zeit lang schlecht, fordern sie, er solle gar nicht mehr spielen oder am Besten gleich verkauft werden. Bei einer Welt- oder Europameisterschaft haben wir plötzlich nicht mehr nur einen Nationaltrainer, sondern Millionen, und jeder macht einen anderen Vorschlag.
Ist es so ähnlich nicht auch in unseren Gemeinden? Wie schnell sind wir am Kritisieren, wenn wir unsere Leiter anschauen. Wie schnell sind wir unzufrieden, wenn sie eine Entscheidung treffen, die uns nicht behagt. Oder wie schnell werden wir sauer, wenn die Leiter uns kritisieren. Ja, wir lassen uns alle nicht gerne etwas sagen.
Wenn wir anfangen, den Text zu lesen, dann geht es augenscheinlich um die Ältesten der Gemeinde, die die Gemeinde leiten. Der Begriff “Älteste” taucht hier aber nirgends auf. Diejenigen, um die es geht, werden als “die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem Herrn und euch ermahnen.”
Das sind aber nicht nur die Ältesten. Das sind all diejenigen, die Verantwortung tragen in unserer Gemeinde. Sie arbeiten im Idealfall ja nicht aus Eigennutz, sondern sie stehen uns vor “in dem Herrn”, das bedeutet: Sie sollen Stellvertreter unseres Herrn sein, an seiner Stelle reden und handeln. Wenn ein solcher Leiter vor uns steht, steht in ihm auch unser Herr vor uns. Was er tut, das tut der Herr durch ihn. Wir sollen die Verantwortungsträger in unserer Gemeinde auch nicht wegen ihrer Persönlichkeit achten oder wegen ihres persönlichen Charismas oder ihrer Fähigkeiten, sondern um ihres Werkes willen, aber nicht um ihres Werkes willen, sondern darum, dass Christus durch sie sein Werk tut.
Eigentlich steht hier im Text auch nicht das Wort “anerkennen”, sondern nur “erkennen”. Wir sollen die Leute erkennen. Das ist ein ganz intimer Begriff in der Bibel. Wir sollen Umgang mit ihnen haben. Wir sollen auf ihre Mühen und Lasten achten, die sie um unsretwillen tragen. Wir sollen auf ihre Kämpfe achten, die sie um unseretwillen ausfechten. Sie sind die Hirten unserer Gemeinde. Sie stehen an vorderster Front. Eines der Erfolgsgeheimnisse der israelischen Armee ist die Tatsache, dass die Offiziere nicht irgendwo hinter der Front sitzen und ihren Truppen aus sicherer Entfernung Anweisungen geben. Die Offiziere der israelischen Armee sind ganz vorne, mitten unter ihren Leuten, mitten im Kampf, und so gibt es in der israelischen Armee überdurchschnittlich viele Verluste unter den Offizieren. Aber ihre Schlagkraft liegt eben darin, dass sie mit ihren Leuten zusammen sind, mit ihnen kämpfen und so auch vor Ort die nötigen Entscheidungen in kürzester Zeit treffen können.
Unsere Leiter, seien es Älteste oder Gruppenleiter oder sonstige Verantwortliche kämpfen mit uns an vorderster Front. Wir sind im Krieg. Und im Krieg ist es unvorteilhaft, wenn die Soldaten ständig ihre Offiziere kritisieren. Gemeindeleiter sollen nicht wie Offiziere sein, die im sicheren Unterstand Entscheidungen treffen und ihren Soldaten befehlen, was sie zu tun haben. Sie sollen an vorderster Front sein und sind das meistens auch. Das sollen wir als Gemeinde erkennen, wir sollen ihre Situation verstehen lernen und mit ihnen und für sie kämpfen, weil wir dann nicht nur für die Gemeinde kämpfen, sondern auch für das Reich Gottes.
Natürlich ist es erlaubt, manchmal sogar geboten, dass wir auch unsere Leiter infrage stellen. Aber auch wir sind keine Fußsoldaten, die ihren Offizieren beim Kämpfen zusehen, ohne selbst mitzukämpfen. Wir sind gefordert. Und wir können nur Siege erringen, wenn wir gemeinsam kämpfen, nicht gegeneinander, sondern miteinander gegen den Feind. Wenn Paulus hier schreibt: “Haltet Frieden untereinander”, dann geht es genau darum: Wir sollen Einmütigkeit suchen, wir sollen gemeinsam unseren Dienst tun, wir sollen Vertrauen finden zu unseren Offizieren. Und die Offiziere sollen ihren Leuten vertrauen können. Wir sollen einander “erkennen”, und da gehört dann das “anerkennen”, die gegenseitige Achtung, selbstverständlich mit dazu. Ohne sie zu “kennen” können wir sie ja auch gar nicht lieben, und das bedeutet in diesem Zusammenhang, dass wir uns ihnen zur Verfügung stellen und den Beistand geben, den sie in ihrem Dienst brauchen.
Die ersten beiden Verse unseres Predigttextes befassen sich also mit dem Verhalten zwischen Leitern und Geleiteten, zwischen Hirten und Schafen. Der zweite Teil befasst sich nun mit unserem Verhalten untereinander. Denn nicht nur die Leiter sind für die Gemeinde verantwortlich, sondern jeder Einzelne unter uns hat einen Auftrag an jedem Einzelnen unter uns. Das wird in den Versen 14 und 15 gesagt. Wir sehen das an der Formulierung: “Wir bitten euch aber, liebe Brüder” - das schließt natürlich auch die Schwestern mit ein, das muss man ja heute dazu sagen.
Es werden uns beispielhaft drei Aufgaben gegeben. Erstens: Weist die Unordentlichen zurecht. Auch das ist ein Begriff aus der Militärsprache. Im damaligen Kriegswesen gab es keine Fronten, wie das seit dem ersten Weltkrieg üblich ist, sondern Feldschlachten. Die Infanterie wurde dabei in Schlachtreihen aufgestellt. Die griechische Phalanx kannte drei hintereinander angeordnete Reihen. Die erste war diejenige mit Feindberührung, sie kämpfte. Die Männer der zweiten Reihe rückten in die erste Reihe auf, wenn ihr Vordermann verwundet oder gefallen war, um seinen Platz einzunehmen. Die Männer der dritten Reihe füllten entsprechend die zweite Reihe auf. Es war absolut wichtig, dass man in der Schlachtordnung an seinem Platz blieb. Man konnte nicht einfach sagen: Ich kämpfe ein paar Meter weiter, dort sehen die Feinde sympatischer aus. Wo man stand, musste man die Stellung halten. Die Unordentlichen waren dann die Leute, die sich nicht an die Schlachtordnung hielten und damit die Niederlage der ganzen Truppe riskierten. Ihnen konnte man nicht einfach vorschlagen oder sie darum bitten, doch bitte wieder da hinzustehen, wo der Feldherr sie hingestellt hatte. Man musste sie zurechtweisen. Im Sinne eines Befehls. Wir würden sagen: Sie zur Ordnung rufen, denn Sinn zurechtsetzen. Oberste Priorität für Fußsoldaten war die Eingliederung in die Schlachtreihe, nicht die individuelle Klasse. Im Fußball heißt das heute: Mannschaftsleistung. Keiner will mehr einen Individualisten, der sich nicht an die Taktik des Trainers hält. Zwar ist individuelle Klasse auch wichtig. Aber selbst ein Ronaldo fügt sich heutzutage in die Mannschaft ein. Einerseits sind die Ideen Einzelner in bestimmten Situationen entscheidend. Andererseits nötigt auch eine bestimmte Situation dazu, dass auch die Stürmer in der Verteidigung aushelfen und auch die Verteidiger Tore schießen. Disziplin ist gefragt, Vertrauen in das Ganze, und unser Trainer ist Jesus, die Vertrauensspieler sind die Leiter in unserer Gemeinde.
Die zweite Gruppe, die nun in den Blick gerückt wird, sind die Kleinmütigen. Denen es schwer fällt, zu vertrauen. Sie haben schon viel mit Jesus erlebt, aber jeder Glaubensschritt ist trotzdem eine Herausforderung für sie. Ja, bei manchen Dingen, bei denen sie früher schon das Eingreifen und die Hilfe Jesu erlebt haben und die nun erneut auf sie zukommen, trauen sie nicht, zu tun, weil ihnen der Glaube fehlt. Irgendwie kennen wir das wohl alle, nur die Wenigsten sind so unbekümmert, dass sie in allen Dingen auf Jesus vertrauen und handeln. Ich jedenfalls kenne die Kleinmütigkeit und schaffe es oft nicht, sie im ersten Anlauf zu überwinden. Solche Leute sollen wir Mut zusprechen. Sollen versuchen, mit ihnen gemeinsam den Weg zu gehen, ihnen unter die Arme greifen, sie zu stützen, damit sie den Schritt erneut wagen können.
Die dritte Gruppe, das sind die Schwachen. Sie sind anfälliger für Versuchungen, lassen sich leicht aus dem Tritt bringen, schaffen es nicht, sich aufzuraffen. Anders als manche von denen, die sich nicht an die Ordnung halten, sind sie nicht faul oder unwillig, aber sie haben nur eine kleine Kraft und haben Schwierigkeiten, das Wort des Paulus von der mächtigen Kraft Christi in der Schwachheit für sich umzusetzen. Hier fordert Paulus uns auf, die Schwachen zu tragen. Wörtlich: Für sie da zu sein. Ihnen das zu sein, was ihnen fehlt. Uns ihrer annehmen.
Wie schön ist es da, wenn wir uns an das Lied von Manfred Siebald erinnern: Gut, dass wir einander haben. Im übertragenen Sinn: Keiner ist immer schwach, keiner ist immer stark, keiner ist immer kleinmütig, keiner ist immer unordentlich. Wir sind ganz aufeinander angewiesen, und keiner kann alles und keiner hat nichts. Vielleicht meinst du, du bist nur eine Last. Ich muss dabei an die alte Standuhr meiner Oma denken. Wisst ihr, was diese Standuhr am Laufen gehalten hat? Zwei Gewichte, welche die Energie gaben, dass die Uhr läuft. Ohne die Gewichte wäre sie stehengeblieben, hätte sie nicht funktioniert. Weder ein Zeiger noch das Uhrwerk oder das Zifferblatt hätten das Fehlen der Gewichte ausgleichen können. Jeder, der in unserer Gemeinde ist, ist wichtig, sonst hätte Jesus ihn uns nicht geschickt.
Deshalb als allgemeine Mahnung: Seid geduldig gegen Jedermann. Gegen diejenigen, die immer wieder unordentlich sind, gegen diejenigen, die immer wieder den Glaubensmut nicht haben, gegen diejenigen, die immer wieder getragen werden müssen. Gegen jeden in der Gemeinde. Du weißt selber, wie schwer es ist, Gewohnheiten zu ändern, und nicht jeder Raucher kann von heute auf morgen mit dem Rauchen aufhören. Sei Geduldig gegenüber deinen Mitchristen und bete darum, dass sie auch geduldig sind mit dir.
Vers 15 ist sozusagen die Überschrift über das, was nach unserem Predigttext kommt, aber er ist doch eng verbunden mit Vers 13, zu dem er parallel ist. Vers 12 und 14: Die Zielgruppen, denen wir uns widmen sollen. Vers 13 und 15: Die Art und Weise, wie wir uns gegenüber den anderen verhalten sollen.
Frieden halten sollen wir zwischen Leitern und uns, und natürlich auch untereinander. Das Gegenteil wäre, wenn wir Böses mit Bösem vergelten würden. Jesus sagt uns in der Feldrede bei Lukas:
Luther 1984 Kapitel 6

Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen;

28 segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.

29 Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.

30 Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück.

31 Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!

32 Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben ihre Freunde.

33 Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Denn die Sünder tun dasselbe auch.

34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon? Auch die Sünder leihen den Sündern, damit sie das Gleiche bekommen.

35 Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

Das kann man zusammenfassen mit dem Satz: Tut immer Gutes, auch wenn andere euch Böses tun. Oder wie Paulus hier schreibt: Rennt immer dem Guten hinterher. Und zwar nicht nur unter Christen. Sondern unter allen Menschen. Das ist unter Christen schon schwer. Aber daran, sagt Jesus, wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid: Wenn ihr Liebe untereinander habt.
Ein anderes Jesuszitat in dem Zusammenhang: Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch. Wer will schon, dass andere Leute ihn böse behandeln. Also: Reagiert nicht auf das Tun anderer wie das Echo, sondern tut Gutes, selbst wenn die Anderen es euch mit Bösem vergelten. Das ist das wahre Cross-Training: Nehmt euer Kreuz auf euch und folgt Jesus nach. Es kommt doch nicht zuerst darauf an, dass du dich in der Bibel auskennst. Das ist natürlich sehr wichtig, aber entscheidend ist es, dass du dich nach der Bibel auslebst. Sie soll dein Tun bestimmen (ordentlich sein), auf ihr liegt die Verheißung (mutig sein) der Kraft Jesu, wo du selbst nichts tun kannst (Schwachheit). Einzelheiten dazu dann im folgenden Text. Ich lese ihn euch wenigstens noch vor:
Seid jederzeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. Dämpft den Geist nicht, verachtet nicht prophetische Rede. Aber: Prüft alles und das Gute behaltet (Jahreslosung!!). Meidet das Böse in jeder Gestalt.
Wir sind aber nicht auf uns allein gestellt, sondern Gott selbst tut sein Werk in uns, wenn wir uns an seine Ordnungen halten, und macht uns zu neuen Menschen: Er aber, der Gott des Friedens (denkt an Vers 13), heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Der, der euch beruft, ist zuverlässig, er wird es tun unter allen Umständen.
Lernt euere Leiter kennen und lieben, engagiert euch in der Gemeinde, wo ihr könnt, liebt einander und seid geduldig miteinander und vergesst nicht, warum wir alle das tun, was wir in der Gemeinde tun: Zum Wohl des Reiches Gottes und zum Wohl aller Menschen. Das walte Gott. Amen.
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