Wie gewonnen so zerronnen

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Einleitung

Sprichwörter 13,11 (SLT)
11 Was man mühelos gewinnt, das zerrinnt; was man aber mit der Hand sammelt, das mehrt sich.
Sprichwörter 13,11 (BidF)
11 Vermögen aus Schwindel vermindert sich; aber wer händeweise sammelt, vermehrt es.
Sprichwörter 13,11 (ELB CSV)
11 Vermögen, das auf nichtige Weise erworben ist, vermindert sich; wer aber allmählich sammelt, vermehrt es.
Sprichwörter 13,11 (ELB 2006)
11 Schnell erworbener Besitz wird schnell weniger; wer aber händeweise sammelt, vermehrt ihn.
Die verschieden klingenden Übersetzungen haben mit der Überlieferung der Manuskripte zu tun.
Im Masoretischen (hebräischen) Text steht מֵהֵבֶל (mehevel, „aus Eitelkeit“). Die griechischen und lateinischen Übersetzungen geben מְבֹהָל (mévohal, „in Eile“) wieder, das gegenüber mehevel zwei Buchstaben vertauscht hat.
Auf jeden Fall geht es um einen schnellen, mühelosen, erschwindelten (weil nicht redlich erarbeiteten) Gewinn im Gegensatz zu einem allmählich, ehrlich erarbeiteten Gewinn. Ersterer zerrinnt auch wieder schnell, zweiterer mehrt sich.
Der erste Teil des Sprichworts findet sich im deutschen Sprichwort “Wie gewonnen, so zerronnen” wieder.
Das ist ein Prinzip, das man im Leben oft anwenden kann, aber ich möchte auf die geistliche Bedeutung dieses Prinzips eingehen, das uns hilft zu verstehen, warum das christliche Leben so ist, wie es ist, bzw. warum Gott so mit seinen Kindern umgeht, wie er es eben tut.

Gottes Plan für das Wachstum

Gott schenkt uns durch das Evangelium seiner Gnade in Christus neues Leben. Ganz ohne Verdienst. Nur durch Glaube und Buße.
Und damit beginnt das Leben und Wachstum als Kinder Gottes nach Gesetzmäßigkeiten, die er uns in der Natur und in seinem Wort zeigt:

Es ist wie das Wachstum einer Pflanze.

Es braucht
den rechten Boden (im Wesentlichen die Offenheit unseres Herzens - siehe die Gleichnisse vom Ackerboden in Mt 13,18-23),
Wasser (das Wort Gottes, siehe z.B. Psalm 1,2-3),
Licht (ans Licht kommen, im Licht wandeln - siehe z.B. 1Joh 1,5-7),
Freiheit von Unkraut.
Und all das bedeutet Arbeit. Das Prinzip hat Gott nach dem Sündenfall festgelegt:
Genesis 3,17–18 SLT
17 Und zu Adam sprach er: Weil du der Stimme deiner Frau gehorcht und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir gebot und sprach: »Du sollst nicht davon essen!«, so sei der Erdboden verflucht um deinetwillen! Mit Mühe sollst du dich davon nähren dein Leben lang; 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Gewächs des Feldes essen.
ln soll er dir tragen, und du sollst das Gewächs des Feldes essen.
Diese Gesetzmäßigkeit gilt in der gefallenen Schöpfung sowohl für den physischen Ackerboden als auch für den geistlichen Ackerboden. Der Herr gibt das Wachstum und die Frucht, weshalb wir ihm auch dafür danken, aber es ist mit Anstrengung und Kampf unsererseits verbunden.
Es mag Wachstumsschübe geben, aber keine Wachstumsphase kann übersprungen werden. Ja nach Jahreszeit und Düngung gibt es Wachstumsschübe, aber dennoch ist das Wachstum kein Sprung, sondern ein Prozess.

Wenn wir das Prinzip göttlichen Wachstums nicht verstehen ...

Wenn wir das als Gotteskinder nicht verstehen oder nicht wahrhaben wollen, kann es zu folgenden Problemen führen:
Unrealistische Erwartung:
Es kann nur zur Enttäuschung und Frustration führen, wenn wir denken, dass wir heute den Baum pflanzen und morgen oder übermorgen die Früchte ernten. Wenn wir uns nicht auf die Arbeit einstellen, die es zur Förderung des Wachstums braucht, dann geben wir vielleicht zu früh auf.
Bauchlandung:
1. Timotheus 3,6 SLT
6 kein Neubekehrter, damit er nicht aufgeblasen wird und in das Gericht des Teufels fällt.
Es kann nicht gut gehen, wenn man von einem Neubekehrten - der noch so begabt sein mag - erwartet, dass er die geistliche Reife hat, eine Gemeinde zu leiten. Man tut weder ihm noch der Gemeinde einen Gefallen damit.
Falsche Beschleunigungsversuche:
Besonders in der charismatischen Szene, aber nicht nur dort, wird nach besonderen Erfahrungen gesucht, die einen auf ein anderes geistliches Niveau katapultieren sollen. Es gibt zwar Wachstumsschübe - und darum sollen wir beten und uns danach ausstrecken - aber es muss dennoch organisches Wachstum sein. Der Herr mag plötzlich Gaben schenken, aber das Wachstum des Charakters nach dem Bild Christi braucht seine Zeit.
2. Timotheus 2,5 SLT
5 Und wenn sich auch jemand an Wettkämpfen beteiligt, so empfängt er doch nicht den Siegeskranz, wenn er nicht nach den Regeln kämpft.
Faulheit:
Wenn wir nicht verstehen, dass wir mit der Hand - täglich - sammeln müssen, um zu geistlichem Reichtum zu kommen, dann führt das zu Trägheit, Faulheit, Nachlässigkeit, Passivität.
Sprichwörter 24,30–34 SLT
30 Ich ging vorüber am Acker eines Faulen und am Weinberg eines Unverständigen, 31 und siehe, er ging ganz in Unkraut auf, und Nesseln überwucherten ihn, und seine Steinmauer war eingestürzt. 32 Das sah ich und nahm es mir zu Herzen; ich betrachtete es und zog eine Lehre daraus: 33 »Ein wenig schlafen, ein wenig schlummern, die Hände ein wenig in den Schoß legen, um zu ruhen« 34 – so kommt deine Armut wie ein Wegelagerer und dein Mangel wie ein bewaffneter Mann!

Das Wachstum von Beziehungen pflegen

Dieses Prinzip gilt auch für Beziehungen:
Unsere Beziehung zum Herrn
Es geht um ein zunehmendes Kennenlernen unseres Herrn. Wir brauchen Gemeinschaft, Kommunikation, gemeinsame Unternehmungen (in der Nachfolge). Auf diese Weise wird unsere Beziehung zum Herrn wachsen und damit unser Charakter, unsere Christus-Ähnlichkeit:
2. Petrus 1,3–4 SLT
3 Da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zum Wandel in Gottesfurcht dient, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend, 4 durch welche er uns die überaus großen und kostbaren Verheißungen gegeben hat, damit ihr durch dieselben göttlicher Natur teilhaftig werdet, nachdem ihr dem Verderben entflohen seid, das durch die Begierde in der Welt herrscht,
Wir waren Habenichtse, ohne Zukunft, doch dann kam der Herr und schenkte uns wunderschönes Ackerland, das an seines grenzt. Er stellte uns auch all sein Saatgut, den Traktor, die Bewässerung und jede denkbare Hilfestellung zur Verfügung. Was machen wir damit? Dasitzen und uns freuen, dass wir jetzt reich sind?
2. Petrus 1,5–8 SLT
5 so setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, 6 in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht, 7 in der Gottesfurcht aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe. 8 Denn wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind und zunehmen, so lassen sie euch nicht träge noch unfruchtbar sein für die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus.
Wir müssen all das nützen, was der Herr uns zur Verfügung stellt und mit Eifer den Acker bestellen. Dann werden wir nicht unfruchtbar sein.
Die Ehe
Und weil wir im Bild Gottes geschaffen sind und weil die Ehe ein Abbild der Beziehung zwischen Christus und seiner Braut, der Gemeinde ist, gilt dieses Prinzip auch in der Ehe.
Mit dem Verliebt-sein der Anfangszeit wird in der Regel dem jungen Paar ein blühender Garten geschenkt. Die Gefahr liegt darin, zu denken, das ist ein Selbstläufer. Wenn man sich nicht um den Garten der Ehe kümmert, wenn man ihn nicht bewässert und das Unkraut bekämpft, wenn man nicht die kleinen Füchse fängt, die den Weingarten verderben (Hohelied 2,15), dann wird der Garten langsam aber sicher verwahrlosen, von Unkraut zugewuchert werden und seinen Reiz verlieren.
Vielleicht ist jemand gerade in der Phase, wo nichts blüht, nichts gedeiht, wo ausgegraben, umgegraben, gesät und gegossen werden muss. Das ist harte Arbeit und man muss dran bleiben.
Die gute Nachricht: Es lohnt sich. Mit der Zeit wird der Garten Gestalt annehmen und Freude bereiten.

Zusammenfassung und Schluss

Gesundes geistliches Wachstum - ebenso wie physisches Wachstum - findet im Wesentlichen kontinuierlich statt, wenn die richtigen Rahmenbedingungen gegeben sind. Dazu können und müssen wir selbst etwas beitragen, auch wenn der Herr es ist, der das Wachstum schenkt.
Man kann es auch mit dem Kinderlied zusammenfassen: “Lies die Bibel, bet’ jeden Tag, wenn du wachsen willst!”
Damit hast du Wasser und Licht. Wandle täglich im Licht, indem du dich vom Wort Gottes korrigieren lässt und deine Sünden bekennst.
Und kämpfe gegen das Unkraut:
Jeremia 4,3 SLT
3 Denn so spricht der Herr zu den Männern von Juda und zu Jerusalem: Pflügt einen Neubruch und sät nicht unter die Dornen!
Die tägliche, stetige Arbeit wird über die Zeit den geistlichen Reichtum mehren und Frucht hervorbringen. Vor allem handelt es sich um Beziehungsarbeit, d.h. in der persönlichen Beziehung, in der Gemeinschaft und Verbundenheit mit unserem Herrn wachsen:
Sprichwörter 8,34–36 SLT
34 Wohl dem Menschen, der auf mich hört, indem er täglich an meiner Pforte wacht und die Pfosten meiner Türen hütet! 35 Denn wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen von dem Herrn; 36 wer mich aber verfehlt, tut seiner Seele Gewalt an; alle, die mich hassen, lieben den Tod!
Und dabei müssen wir verstehen, dass der Herr bei all unserer Mühe das Wollen und das Vollbringen gibt. Seine Gnade hat uns zu neuem Leben wiedergeboren. Seine Gnade führt uns zur Reife in Christus. Aber nicht ohne unsere Mitarbeit.
Psalm 127,1 SLT
1 Ein Wallfahrtslied. Von Salomo. Wenn der Herr nicht das Haus baut, dann arbeiten umsonst, die daran bauen; wenn der Herr nicht die Stadt behütet, dann wacht der Wächter umsonst.
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