Das Potential unseres Seins
Mit offenen Händen: Die Freude des Teilens • Sermon • Submitted • Presented
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· 11 viewsUnser Leben ist Geschenk und Verantwortung zugleich. Mordechai fragt Ester, ob sie nicht genau um ihrer aktuellen Situation Willen Königin geworden sei (Esther 4,14b)? Wer/was bin ich, wozu kann ich es einsetzen? Philipper 2,4: Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem anderen dient.
Notes
Transcript
Einleitung: Was für ein
Geschenk!
Was für ein Geschenk! Wenn du diesen Satz hörst, welche Gedanken kommen dir in
den Sinn? Vielleicht denkst du an ein unerwartetes Geburtstagsgeschenk oder an
etwas, das dich tief berührt hat. Aber manchmal kann dieser Satz auch anders
klingen: Was für ein Geschenk... – das kann auch eine
Herausforderung sein. Stell dir vor, du bekommst ein Geschenk, das
Verantwortung mit sich bringt. Ein Geschenk, das dich vor die Frage stellt: Was
mache ich jetzt damit und wieso gerade ich?
Unser Leben ist genau so ein
Geschenk. Gott hat uns das Leben gegeben, nicht nur, damit wir es geniessen,
sondern auch, damit wir es teilen und weitergeben. Damit wir ein Segen für
andere sind, Verantwortung übernehmen und mit dem, was Gott uns anvertraut hat,
wirken. Diese Frage – Was mache ich nun mit meinem Geschenk? – wird uns durch
die Geschichte von Ester deutlich gezeigt.
1. Die Spannung: Ein Geschenk,
das Risiko birgt
Die Geschichte von Ester beginnt mit scheinbaren Privilegien. Sie wird
durch einen Wettbewerb zur Königin erhoben. Sie hat Reichtum, Einfluss und
Zugang zu einem der mächtigsten Männer ihrer Zeit. Aber dieses Geschenk birgt
auch eine enorme Herausforderung. Mordechai, ihr Adoptivvater, sagt zu ihr:
"Wer weiß, ob du nicht gerade wegen dieser Zeit zur Königin geworden
bist?" (Ester 4,14b).
Um die Dramatik der Situation
zu verstehen, ist es wichtig, den geschichtlichen Kontext zu kennen: Haman, der
oberste Minister des Königs, hatte den König überzeugt, eine Verordnung zu
erlassen. In diesem wurde angeordnet, dass alle Juden im Reich an einem
bestimmten Tag getötet werden sollten (Ester 3,13). Dieses Dekret brachte Panik
und Verzweiflung unter das jüdische Volk, das sich nun seiner drohenden
Vernichtung gegenübersah. Ester stand als Königin in einer einzigartigen
Position, um etwas zu tun, aber sie wusste auch, dass der Weg dorthin voller
Gefahren war.
Ester steht vor einer sehr
wichtigen Entscheidung, die das Leben des Volkes Israel angeht: Wird sie
schweigen, dass sie zum jüdischen Volk gehört und ihre Position beibehalten?
Oder wird sie ihr Leben riskieren und für ihr Volk eintreten? Das Gesetz des
Königs macht klar: "Wer ungerufen, ob Mann oder Frau, zum König in den
inneren Hof des Palastes geht, muss sterben. Nur wenn der König ihm das goldene
Zepter entgegenstreckt, wird er am Leben gelassen." (Ester 4,11).
Ester weiss, dass dies ihren
Tod bedeuten kann, wenn sie das Risiko eingeht, vom König ungefragt zum König
geht und ein Thema von sich aus anspricht und sich für das Volk einsetzt, es
sei denn, der König streckt ihr das goldene Zepter entgegen.
Eine herausfordernde Situation,
in der Ester sich befindet und mit dem Entscheid ringt, ob sie nun mit ihrer
geschenkten Position Verantwortung übernehmen soll, das Leben riskiert oder das
Geschenk sein lässt und es für sich allein nutzt.
2. Eigennutzen: Wenn Geschenke
missbraucht werden
Doch was passiert, wenn
Menschen ihr Geschenk nur für sich selbst nutzen? Da gibt es auch Menschen in
der Geschichte von Ester, welche das Geschenk für sich alleine nutzen. Da ist
einerseits der König, der handelt absolut nur im Eigeninteresse: Er stellt
seine Macht zur Schau und verstösst
seine Königin, als die nicht mitmachen will. Und dann ist da auch Haman, der
Minister des Königs: Er nutzt seine Stellung so, dass alle vor ihm niederknien
sollen. Mordechai, der Adoptivvater von Ester, weigerte sich und so wurden er
und das jüdische Volk bedroht und zur Vernichtung durch Haman bestimmt. Hamans
Stolz und Hass treiben ihn dazu, seinen eigenen Vorteil über das Wohl anderer
zu stellen.
Wie oft gibt es auch heute
ähnliche Muster? Ob in der Politik, im Beruf oder in der Familie – wenn
Menschen ihre Gaben und Positionen nur für sich selbst einsetzen, hat es
unglaubliches Potential dass Chaos und Leid entstehen. Doch Gott ruft die
Menschen, seine Geschöpfe, uns zu etwas anderem. Paulus schreibt in Philipper
2,4: "Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem
anderen dient." Ein Geschenk wird erst dann zu einem echten Segen, wenn
wir es teilen.
3. Gott gebraucht uns trotz
unserer Schwäche
Ester und Mordechai sind keine perfekten Menschen. Schaut man die Geschichte
genauer an, wird dies gleich deutlich: Mordechai weigert sich aus Stolz, Haman
zu ehren, Ester verschweigt ihre Herkunft. Und doch gebraucht Gott sie, um sein
Volk zu retten. Das zeigt uns: Gottes Wirken hängt nicht von unserer erbrachten
Leistung ab, und wir werden auch nicht bei Fehlern abgewiesen. Dort, wo
Menschen sind, kommt Gott hinein und will durch und mit diesen Menschen anderen
zum Segen werden. Was für eine Hoffnung! Und diese Hoffnung gilt es zu
entdecken.
Manchmal brauchen wir auch
andere Menschen, die uns darauf aufmerksam machen, dass wir ein Geschenk für
andere sind, weil wir vielleicht unsere Schwächen und Fehler nur allzu gut
kennen. Wir brauchen zuweilen Menschen wie Mordechai, der zu Ester sagte: "Wer weiss, ob du nicht gerade wegen
dieser Zeit zur Königin geworden bist?"
Auch wir brauchen solche
Menschen, die uns ermutigen, die uns daran erinnern, dass Gott uns einzigartig
geschaffen hat und dass unser Leben, so wie es ist, Bedeutung hat. Und dies
beginnt schon damit, dass wir einfach da sind. Allein schon unsere Gegenwart
kann für andere eine grosse Ermutigung sein. Vielleicht fällt dir jemand ein,
der das schon einmal zu dir gesagt hat, oder du merkst, dass du selbst diese
Rolle für andere einnehmen kannst. Zurück zu Esters Entscheidung:
4. Mut zur Verantwortung: Ein
Geschenk weitergeben
Ester entscheidet sich, trotz Risiko ihr Geschenk, ihre Position und
Verantwortung für andere einzusetzen. Sie hat erkannt, dass ihr Leben mehr ist
als Privilegien. Sie hat ihr Geschenk genutzt, um ein Segen für andere zu sein.
Und Gott hat durch sie gehandelt. Sie tritt vor den König, riskiert ihr Leben
und enthüllt Hamans Pläne. Der Galgen, den Haman für Mordechai gebaut hat, wird
sein eigener Untergang. Durch Esters Mut, Verantwortung zu übernehmen, wurden
viele Juden gerettet und dies war ein entscheidendes Ereignis in der Geschichte
Gottes.
Auch wir sind gerufen, unser
Geschenk des Lebens weiterzugeben. Das muss nicht so dramatisch sein wie es bei
Ester war. Weiter bedeutet es auch nicht, dass man gar nicht mehr auf sich
achten soll. Es geht eher damit, dass man andere sieht. Es beginnt mit kleinen
Dingen: einem ermutigenden Wort, einem Gebet, einer helfenden Hand.
Verantwortung zu übernehmen heisst, den Segen, den wir empfangen haben,
weiterzugeben, sich auf die Menschen im Umfeld einzulassen und Gemeinschaft zu
leben.
Nach einem Gottesdienst kam ein älterer Mann
– so um die Mitte 50 – auf mich zu. Er wirkte freundlich, aber auch ein
bisschen nervös. „Hallo“, sagte er, „ich wollte fragen… ob du Lust auf Lasagne
hättest?“ Lasagne? Damit hatte er mich. Ich sagte zu, obwohl ich ihn nicht
kannte und nicht wusste, worauf ich mich da einliess – ausser auf ein
Abendessen. Am Abend sassen wir dann zusammen, und während ich die erste Gabel
Lasagne genoss, rückte er mit einer Überraschung raus: „Weisst du, ich hatte
nach dem Gottesdienst den Eindruck, dass Gott mir etwas aufs Herz gelegt hat.
Ich soll dich fragen, ob du Lust hättest… mit mir nach Spanien zu fahren.“ Ich
verschluckte mich fast. Spanien? Mit einem Mann, den ich gerade erst
kennengelernt hatte? Er lachte nervös. „Ich weiss, wie das klingt! Aber meine
Schwester und mein Schwager leben in Denia, und ich hatte den Eindruck, dich
einzuladen. Natürlich kannst du dir das überlegen, aber ich wollte dich einfach
fragen.“ Es war ungewöhnlich, ja – aber irgendwie fühlte es sich richtig an.
Ich sagte sofort zu. Was er nicht wusste: Mein Famile war gerade schwer
belastet. Mein Vater kämpfte mit einer psychischen Erkrankung, meine Mutter war
erschöpft – ebenfalls in Behandlung, und die Stimmung war bedrückend. Die Idee,
eine Woche Spanien und Gemeinschaft zu erleben, klang wie ein ungefragtes
Geschenk. Also sassen sagte ich zu und plante, damit es möglich wurde. In Denia
erlebte ich nicht nur eine wunderschöne Gemeinschaft, sondern auch die
Gewissheit, dass Gott uns durch andere Menschen beschenkt – manchmal durch
jemanden, der einfach den Mut hat, auf uns zuzugehen.
Schluss: Was für ein Geschenk!
Was für ein Geschenk! Unser Leben ist von Gott gegeben
– voller Segen, voller Potential, und das mitten im Alltag. Und durch uns
dürfen wir diesen Segen erleben und weitergeben. Da wird unsere Vision von
Himmel auf Erden durch Beziehung, Grosszügigkeit und Versöhnung erfahrbar.
Vielleicht hat dich heute das eine oder andere angesprochen. Gerne lade ich
dich zu folgenden zwei Reaktionen auf die Predigt ein, während der Worshipzeit:
Wem
kannst du ein Geschenk sein? Gibt es jemanden in deinem Umfeld, bei der Arbeit
oder in deiner Familie, der heute ermutigt, unterstützt oder einfach gehört
werden muss? Vielleicht fällt dir ein Freund, ein Nachbar oder ein Kollege ein,
dem du mit einer kleinen Geste oder einem guten Wort zeigen kannst: "Du
bist wertvoll."
Könnte es
sein, dass Gott dich genau für diese Person in eine besondere Position gestellt
hat, so wie Ester? Vielleicht bist du mit Gaben und Möglichkeiten ausgerüstet,
um genau jetzt in ihrem Leben einen Unterschied zu machen.
Vielleicht
sitzt du hier und denkst, eigentlich wäre ich froh, so ein Geschenk zu erleben.
Dann lade ich dich ein, während der Worshipzeit zu beten, dass Gott dir
Menschen oder Gelegenheiten schenkt, die dir seinen Segen spürbar machen.
Und ich
wünsche uns, dass wir durch den Heiligen Geist erleben, wie wir für andere zu
einem Geschenk werden und wie andere zu unserem Geschenk werden. Amen.
