Wenn Gott spricht, dann ...

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1. Einführung: Die Kraft von Worten

In einer Gemeindeversammlung, es war eigentlich ein ganz normaler Nachmittag, stand plötzlich jemand auf und fragte mit empörter Stimme: „Wer hat denn das Spielzeug im Gemeindecafé weggenommen? Das ist doch geklaut worden!“ Der Raum war sofort still, die Worte hingen wie schwere Wolken in der Luft. Es war ein Moment, der sofort Unruhe schuf – Schuldzuweisungen standen im Raum, auch wenn niemand direkt angesprochen wurde.
Ein paar Minuten später klärte sich die Situation auf: Eine Mitarbeiterin hatte das alte, kaputte Spielzeug und die unvollständigen Spiele aussortiert, weil sie Platz für Neues schaffen wollte. Es war eine gute und nützliche Entscheidung, aber die ersten Worte dazu hatten eine ganz andere Realität geschaffen. Sie hatten Misstrauen gesät, wo eigentlich ein gutes Anliegen stand.
In der Psychologie gibt es den Satz: Worte haben Macht. Sie schaffen Atmosphären, sie können belasten oder befreien. Das, was Eltern ihren Kindern sagten, hat Auswirkungen auf ihre Psyche. Es kann sie ermutigen, Vertrauen in sich selbst und die Welt zu entwickeln. Oder es kann sie verunsichern und in ihnen das Gefühl wecken, nie genug zu sein – manchmal auch so heftig, dass sie im Erwachsenenalter sogar in eine Therapie müssen. 
Worte haben Macht und schaffen Realitäten; Worte erschaffen Wirklichkeiten. 
Wie viel mehr gilt das für die Worte Gottes! Wenn er spricht, geschieht etwas Großes. Wenn Gott spricht, dann [Pause] ... Wenn Gott spricht, dann – entsteht Leben, Hoffnung und Ordnung.

2. Drei Dimensionen von Gottes Reden

a) Wenn Gott spricht, dann erschafft er

Lass mich dir eine Geschichte erzählen: Stell dir vor, du kommst in ein chaotisches Kinderzimmer. Überall liegt Spielzeug herum, nichts ist an seinem Platz, und es fühlt sich an wie pures Durcheinander. Und das ist ein Zustand, den wohl alle Eltern kennen. Ich muss zugeben, dass ich früher nicht besser war. In meinem Zimmer war pures Chaos. Klamotten lagen auf dem Boden, Teller und Schüsseln wurden abgestellt, auf dem Schreibtisch gab es keine freie Fläche, wo man arbeiten hätte können. Stellt euch vor, in so ein Chaos kommt dann jemand mit einem klaren Plan, sortiert alles aus, bringt Ordnung hinein, und plötzlich siehst du wieder den Boden, erkennst die Struktur. Genau das ist es, was Gottes Worte tun. Am Anfang der Bibel lesen wir: 
"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe..." (Gen 1,1-2 LU17)
Wüst und leer... im hebr. heißt es "Tohu wa bohu". Im Deutschen haben wir daraus ein Lehnwort gemacht. Wenn wir Tohuwabohu sagen, meinen wir ein absolutes Chaos, ein heilloses Durcheinander. Und Gott spricht in dieses Durcheinander. Und so heißt es weiter:
 "Und Gott sprach: Es werde Licht!" (Gen 1,3 LU17) Und was geschah? Licht. Sein Reden bringt Ordnung ins Chaos und erschafft Leben.
„Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern.“ (Genesis 1,6 LU17)
„Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einem Ort ... .“ (Genesis 1,9 LU17)
„Und Gott sprach: Die Erde lasse aufgehen Gras und Kraut ... .“ (Genesis 1,11 LU17)
„Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels.“ (Genesis 1,14)
„Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen ... ." (Genesis 1,20 LU17)
„Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier ... .“ (Genesis 1,24 LU17)
„Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei ... ." (Genesis 1,26 LU17)
All diese Bibelstellen machen deutlich: Wenn Gott spricht, passiert etwas. Seine Worte sind nicht leer, nicht bedeutungslos. Sie sind kraftvoll, sie schaffen Leben, Ordnung und Schönheit. Seine Worte bringen das Licht in die Dunkelheit, das Leben ins Chaos, die Struktur in die Leere.
Jetzt könnte man denken: „Schön und gut, aber was hat das mit mir zu tun? Was hat das mit meinem Alltag zu tun, mit meinen Sorgen, meinen Fragen?“ Und genau hier wird es spannend. Denn das, was wir in der Schöpfung sehen, ist ein Muster, das sich durchzieht. Gott spricht auch heute. Und sein Reden hat immer noch diese Kraft, unser Leben zu verändern.
Stell dir mal vor, wie das aussehen könnte. Vielleicht gibt es Bereiche in deinem Leben, die sich anfühlen wie „wüst und leer“. Und ich glaube, genau dann wünschen sich die Menschen, dass Gott anfängt zu reden. Vielleicht eine Beziehung, die schwierig ist. Vielleicht ein Projekt, bei dem du keinen Anfang findest. Vielleicht eine innere Unruhe, ein Chaos, das dich nicht loslässt. Vielleicht weil man keinen guten Ansatz hat, woran man sich hängen kann. Vielleicht weil alle Optionen einfach besch***en sind. Gottes Reden hat die Macht, genau dort hineinzusprechen. Die Frage ist: Sind wir bereit, hinzuhören?
Gott spricht auf so vielfältige Weise – durch die Schöpfung, sein Wort, andere Menschen, und manchmal sogar durch Situationen, die wir im ersten Moment nicht verstehen. Und wir werden in den nächsten Wochen noch genauer darauf eingehen, wie Gott spricht. Aber hier ist das Entscheidende: Gottes Reden ist nie bedeutungslos. Es hat immer eine Absicht, eine Relevanz für unser Leben. Wenn Gott spricht, dann hat es auch etwas schöpferisches. 
 

b) Wenn Gott spricht, dann zeigt er uns, wer er ist

Gott spricht aber nicht nur, um zu handeln / um zu erschaffen, sondern auch, um sich selbst zu zeigen. Stell dir Mose vor. Ein einfacher Hirte, ein Mann, der sich wahrscheinlich längst an das Leben in der Wüste gewöhnt hatte. Er hütet die Schafe seines Schwiegervaters, Tag ein, Tag aus. Alles scheint ganz normal, nichts Außergewöhnliches. Doch plötzlich sieht er etwas, das ihn stutzig macht: ein Busch, der brennt, aber nicht verbrennt. Neugierig nähert er sich, und dann geschieht es – eine Stimme spricht zu ihm. Es ist die Stimme Gottes. Aus einem gewöhnlichen Tag wird ein heiliger Moment, ein Moment, der alles verändert.
Im Mittepunkt dieser Geschichte, steht etwas ganz Besonderes. Es ist nicht ein Dornbusch, der brennt, aber nicht verbrennt. Im Mittelpunkt steht auch nicht das Sehen. Der Dornbusch ist nur ein Signal, damit Mose kommt und er markiert einen besonderen Raum der Gottesbegegnung. Im Mittelpunkt steht das Reden Gottes und das Hören von Mose. 
Mose stand in einer Situation, die alles andere als gewöhnlich war. Er begegnete plötzlich dem außergewöhnlichen Gott und hört Gottes Stimme. Und mitten in diesem heiligen Moment stellt Mose eine Frage, die aus seinem Leben und der Situation seines Volkes herauskommt: „Wer bist du, Gott?“ Er war unsicher – ein Mann, der einst als Prinz in Ägypten lebte und jetzt Schafe in der Wüste hütete. Das Volk Israel, unterdrückt und versklavt, schrie nach Befreiung. Und Gottes Antwort? Sie ist faszinierend und zugleich tiefgründig: „Ich bin, der ich bin.“ (2. Mose 3,14) Auf den ersten Blick mag das wie eine rätselhafte Antwort wirken, fast so, als würde Gott die Frage zurückweisen. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Gott offenbart hier seinen Namen: „Ich bin, der ich bin.“ Oder anders übersetzt: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Das ist mehr als eine Beschreibung; es ist eine Verheißung. Gott sagt: „Ich werde da sein. Mit dir. Für dich. Ich bin der Gott, der aufmerksam ist, der mitfühlend ist, der entschlossen ist zu retten und zu helfen. Ich bin der Gott, der dich nicht allein lässt – auch dann, wenn du meine Gegenwart nicht immer spüren kannst. Unsichtbar, verborgen, manchmal kaum wahrnehmbar, aber ich werde da sein."
Dieser Name, auf hebr. „Jahwe“, trägt die Zusage in sich, dass Gott unveränderlich ist, ewig und gegenwärtig. Er ist kein Gott, der sich verbirgt oder distanziert bleibt. Nein, er ist der Gott, der sich offenbart, der Beziehung sucht und dessen Herz für sein Volk schlägt. Auch wenn seine Wege für uns manchmal verborgen bleiben, sagt er: „Vertraue darauf, dass ich da bin. Lass dich nicht täuschen, vergiss nicht, wofür mein Herz schlägt.“
Lasst euch sagen: Wenn Gott spricht, dann zeigt er dir, wer er ist! Er ist der Gott, der sieht, hört, sich erbarmt, das Böse verneint und retten will!
 

c) Wenn Gott spricht, wird es persönlich

Wenn Gott spricht, dann geschieht etwas Großes. Sein Reden hat Kraft, die Wirklichkeit zu verändern. Doch Gottes Reden ist nicht nur machtvoll – es ist auch persönlich. Und genau das sehen wir, wenn wir auf Jesus Christus blicken.
Johannes schreibt: "Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns." (Johannes 1,14) Das ist eine unfassbare Wahrheit. Gott wollte uns nicht auf Abstand begegnen. Er wollte nicht nur über uns reden oder zu uns sprechen. Er wollte mitten unter uns sein. Er wollte, dass wir ihn sehen, hören und berühren können. In Jesus hat Gott sich selbst offenbart – seine Liebe, seine Geduld, seine Wahrheit.
Alles, was Jesus sagt und tut, ist Gottes Reden an uns. In seinen Worten hören wir Gottes Herz. In seinen Taten sehen wir Gottes Liebe. Jesus ist nicht einfach nur ein Bote Gottes – er ist Gott selbst, der zu uns kommt. Er sucht uns, er ruft uns, er lädt uns ein, ihm zu vertrauen. Sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung zeigen uns, wie sehr Gott uns liebt und retten will.
Doch dieses Reden Gottes bleibt nicht allgemein. Es wird konkret. Es wird persönlich. Gott spricht auch heute noch – zu dir, zu mir, in unsere Lebenssituationen hinein. Vielleicht durch ein Wort aus der Bibel. Vielleicht durch einen Moment im Gebet. Vielleicht durch einen Menschen, der dir etwas sagt, das genau in dein Leben passt. Wir sehen das in den Begegnungen, die Jesus hatte: Er sprach die Ehebrecherin an und schenkte ihr Vergebung und Hoffnung. Er suchte den Zöllner Zachäus, sprach mit ihm, und veränderte sein Leben. Er berührte den Aussätzigen, der ausgestoßen war, und heilte ihn. Und er weinte mit Maria und Martha, bevor er Lazarus auferweckte. Gott kommt uns nahe, genau dort, wo wir sind. Die Frage ist: Hören wir hin? Sind wir offen für das, was Gott uns sagen will?
Das ist die Herausforderung – und die Einladung. Gott spricht nicht, um uns zu kontrollieren oder zu verurteilen. Er spricht, weil er uns liebt. Er kennt unser Leben, unsere Fragen, unsere Zweifel. Und er will uns führen, stärken und erneuern. Aber dafür müssen wir hinhören. Wir müssen bereit sein, seine Stimme zu erkennen und auf sie zu antworten.
 

Die Macht von Gottes Worten

Wir haben damit begonnen, über die Kraft von Worten zu sprechen – wie sie Realitäten schaffen können, manchmal gute, manchmal schlechte. Worte haben eine enorme Macht. Und wenn schon unsere Worte so viel bewirken können, wie viel mehr gilt das dann für die Worte Gottes?
Wenn Gott spricht, passiert etwas. Seine Worte bringen Ordnung ins Chaos, Licht in die Dunkelheit und Hoffnung in die Hoffnungslosigkeit. Sie erschaffen Leben und zeigen uns, wer er ist – ein Gott, der sich nicht zurückzieht, sondern uns begegnet. Und sie werden ganz persönlich in Jesus Christus, der nicht nur zu uns spricht, sondern mitten in unser Leben hineinkommt.
Vielleicht fragst du dich, was das mit deinem Alltag zu tun hat. Ich glaube, ziemlich viel. Denn Gott spricht auch heute noch – in dein Chaos, in deine Dunkelheit, in deine Fragen. Die große Frage ist: Sind wir bereit, hinzuhören? Halten wir inne, um seine Stimme wahrzunehmen – sei es durch sein Wort, durch Gebet, durch andere Menschen oder durch die Umstände, in denen wir gerade stehen?
Das Faszinierende ist: Gottes Worte bleiben nie folgenlos. Wenn er spricht, bleibt nichts, wie es war. Sein Reden hat die Kraft, uns zu verändern, uns zu erneuern und uns Hoffnung zu geben – egal, wo wir gerade stehen.
Deshalb möchte ich dich ermutigen: Sei offen für Gottes Reden. Nimm dir Zeit, hinzuhören. Und wenn du seine Stimme wahrnimmst, dann nimm sie ernst. Denn wenn Gott spricht, dann passiert etwas.
 
 

Fragen zur persönlichen Reflexion und für den Hauskreis/die Kleingruppe

Einstiegsfragen

Gibt es Worte oder Sätze, die dich in deinem Leben besonders geprägt haben – positiv oder negativ?
Wenn du an die Kraft von Worten denkst, welche Beispiele fallen dir spontan ein, bei denen Worte etwas Großes bewirkt haben?

Fragen zum Thema und zur Predigt

Was bedeutet es für dich, dass Gottes Worte schöpferische Kraft haben? Kannst du Beispiele aus der Bibel oder deinem Leben nennen?
In welchem Bereich deines Lebens fühlst du dich gerade wie in einem „Tohuwabohu“ (Chaos)? Was würde es für dich bedeuten, wenn Gott dort hineinspricht?
Wie verstehst du Gottes Antwort an Mose: „Ich bin, der ich bin“? Welche Aspekte von Gottes Wesen sind dir dadurch klarer geworden?
Jesus wird als „das Wort, das Fleisch wurde“ beschrieben. Wie berührt dich diese Wahrheit, dass Gott so nahbar wird?

Weiterführende Fragen

Wo oder wie erlebst du heute Gottes Reden in deinem Leben? Sind das eher leise, unauffällige Momente oder deutliche Erfahrungen?
Welche Hindernisse erlebst du manchmal, wenn es darum geht, Gottes Stimme zu hören?

Anwendungsfragen

9.     Gibt es einen konkreten Bereich in deinem Leben, in dem du dir wünschst, dass Gott spricht? Wie könntest du dich dafür öffnen?
10.  Wie könntest du dir in deinem Alltag mehr Raum schaffen, um Gottes Reden wahrzunehmen und darauf zu reagieren?
 

Exkurs: Unsere Sprache als Abbild Gottes

Gott hat uns als sein Ebenbild geschaffen, und als solche tragen wir etwas von seiner Schöpfungskraft in uns. Unsere Worte haben Macht – sie können Atmosphäre schaffen, Beziehungen prägen und sogar Realität beeinflussen. Wenn wir darüber nachdenken, dass wir in Gottes Bild erschaffen sind, dann sollte unsere Sprache ebenfalls etwas von der Schöpfungskraft Gottes widerspiegeln. Wie bei Gott, der durch sein Wort Leben, Ordnung und Licht erschafft, so können auch wir durch unsere Worte Atmosphäre schaffen – sei es ein Raum der Ermutigung, der Liebe und der Hoffnung oder ein Raum der Zerstörung, des Zweifels und der Verwirrung.
Unsere Worte sind ein Spiegel dessen, wer wir sind. Sie zeigen unsere Gedanken, unsere Werte und unsere Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen. Sie können tief persönlich werden, weil sie nicht nur Informationen vermitteln, sondern auch Herzen erreichen. Sie können Wunden heilen oder verletzen, Vertrauen aufbauen oder zerstören. Deshalb ist es entscheidend, dass wir uns bewusst machen, wie unsere Worte die Welt um uns herum gestalten.

Fragen zur Reflexion:

Welche Atmosphäre schaffen deine Worte? Sind sie von Ermutigung und Hoffnung geprägt oder eher von Kritik und Negativität?
Was zeigen deine Worte über dich aus? Welche Werte und Einstellungen spiegeln sie wider?
In welchen Bereichen deines Lebens könnte deine Sprache persönlicher und einfühlsamer werden? Wie könntest du die Worte Gottes in deinem Sprechen widerspiegeln?
Wie beeinflussen deine Worte deine Beziehungen zu anderen? Ermutigen sie oder verletzen sie?
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