Aufbruch - Heimat finden - Ester

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Die wahre Heimat finden wir allein bei Gott, denn das, was Heimat uns in dieser Welt verspricht, finden wir hier nur in den Begrenzungen menschlicher Akzeptanz und bei Gott in unendlicher Liebe.

Notes
Transcript

Heimat - Was ist Heimat?

Wir brauchen Lösungen. Wir müssen etwas ändern. Wir sind frustriert. Wir haben Angst. Wir sind unsicher. So kann es nicht weitergehen. 3 Wochen vor der Wahl ist das die Gemütslage vieler Leute. Viele Menschen, mit denen ich spreche, erleben Frustration, Angst, Trauer und Unsicherheit, wenn es um unsere Welt und unser Land geht. Egal ob es dabei um linke, rechte oder mitte Positionen geht. Egal wo wir selbst stehen, niemand ist zufrieden. Wir machen einander Vorwürfe. Wir streiten darum, wer Recht hat und alles spitzt sich im Moment an der Frage der Migration zu. Bei der letzten Wahl war es das Klima, jetzt ist es die Migration. Das Wahlkampfthema Nummer eins, das Thema, das tagtäglich in den Medien ist, um das sich alle Parteien streiten, weil es für die einen der Grund allen Übels und für die anderen gar kein Problem ist, ist die Frage der Migration. Es ist die Frage, ob Menschen bei uns eine Heimat finden können. Es ist die Frage, ob wir es als Gesellschaft schaffen aufeinander zu zugehen und miteinander die Spannungen der Welt zu erleben, oder ob es unsere Gesellschaft zerreißt. Es ist die Frage danach, welche Rechte ein Mensch hat, der nach Deutschland kommt und kein Deutscher ist. Wir starten in das Jahr 2025 mit der Themenreihe “Aufbruch - Heldinnen des Alten Testaments”. Wir wollen uns die Frage stellen: Inwiefern leben wir als Gemeinde die Vision, die am Anfang unserer Gemeindegründung stand? Heimat neu erfahren. Familie neu erleben. Glauben neu entdecken. Wenn wir mit dem ersten Satz unserer Vision anfangen, dann kommen wir nicht an der momentanen Diskussion vorbei. Das Thema Heimat steht im Mittelpunkt dieser Debatte. Inwieweit kann sich unsere Heimat öffnen oder eben auch nicht. Für uns als Gemeinde, die sich Heimatgeber nennt, kann das kein Thema sein, was an uns vorbeigeht. Es sollte an und für sich nicht an uns Christen vorbeigehen, aber wir haben allein mit der Bezeichnung unserer Gemeinde eine Verantwortung uns mit dem Thema Heimat, Heimat finden und Heimat geben auseinanderzusetzen, denn das ist es, worum es bei der Migrationsdebatte geht: Können wir Heimatlosen eine Heimat geben? Es sind Heimatlose, Flüchtlinge, die zu uns nach Deutschland kommen und Zuflucht suchen. Menschen aus anderen Kulturen, mit anderen Vorstellungen und Religionen, die alles zurückgelassen haben, die oftmals vor Zerstörung und Tod fliehen, traumatisches erleben und hier bei uns ankommen. Sie haben ihre Heimat verlassen. Sie haben das verlassen, was sie kannten. Ihr zu Hause. Ihre Stadt. Ihre Freunde. Ihre Familie. Ihre Sprache. Ihre Kultur. Ich bin noch nicht einmal aus Hennigsdorf raus gekommen und diese Menschen lassen alles hinter sich mit der Hoffnung darauf eine neue Heimat zu finden, ein neues zu Hause aufzubauen, Hilfe zu bekommen. Die Menschen lassen ihre Heimat nicht aus Spaß zurück. Sie lassen sie nicht zurück, weil sie denken: In Deutschland gibt es jetzt den Luxus, den ich nie hatte. Sie lassen ihre Heimat zurück, weil sie oftmals keine andere Wahl haben. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite stehen wir. Wir kennen unser Land. Wir wissen wie die Dinge funktionieren. Wir haben unsere Kultur, unsere Ansichten, unsere Güter. Wir haben unsere Vorstellung vom Leben. Wie sollen die Dinge in Deutschland laufen? Was ist uns wichtig? Was macht uns aus? Wir haben die Antwort darauf als Einzelne und als Gesellschaft. Wir wissen es und erwarten, dass Leute die hier zu uns kommen, diese Antworten lernen, sich mit ihnen auseinandersetzen und sich überlegen, ob sie mit dieser Lebensvorstellung umgehen können. Dabei geht es um ein Verständnis für die Kultur, die Sprache und das Zusammenleben. An den Punkten, wo das nicht übereinstimmt, entsteht Reibung. Es entstehen Konflikte, was total verständlich ist. Was total normal ist. Wir erleben das ja nicht nur um Großen als Gesellschaft, sondern genauso im Kleinen in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich weiß noch, als Narah und ich frisch verheiratet waren und unsere beiden nationalen und familiären Kulturen aufeinander getroffen sind. Es ist extrem Herausfordernd. Es ist mit Streit, mit Konflikten verbunden. Es ist aber möglich. Es ist möglich zusammenzufinden in aller Unterschiedlichkeit. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht einen großen Fehler machen: Dinge zu tun, die wir später bereuen und für die andere den Preis bezahlen werden. Was das nämlich verursachen kann, lesen wir in der Geschichte von Ester. Ester war eine junge Frau mit Migrationshintergrund. Sie war eine Ausländerin, die versuchte in einem anderen Land, Heimat zu finden. Sie war Israeliten aber lebte im Königreich der Perser. Ihre Position und Schönheit ermöglichte es ihr, dass sie die Königin des persischen Reiches wurde. Sie war die mächtigste Frau in ihrem Land. Was ihr König aber nicht wusste, war, dass sie keine Perserin war. Er wusste nicht, dass sie Israelitin war, denn sie hatte Angst davor, was passieren würde, wenn der König wüsste, dass sie Ausländerin ist. Sie verschleierte ihre Herkunft, was ihr am Ende fast das Leben gekostet hätte. Es kam nun dazu, dass ein Gesetz erlassen wurde, was dazu geführt hätte, dass alle Israeliten getötet worden wären. Dieses Gesetz entstand, weil ein hoher Beamter verlangte, dass sich ein Israelit, der Onkel von Ester, vor ihm niederwerfen sollte. Ein Israelit wirft sich aber vor niemanden nieder, es sei denn vor Gott.
Ester 3,2–4 BB
Alle königlichen Beamten, die am Königstor waren, mussten sich vor Haman verneigen und niederknien. So hatte es der König ihm zu Ehren befohlen. Mordechai aber kniete nicht nieder und verneigte sich nicht. Die königlichen Beamten, die am Königstor waren, fragten Mordechai: »Warum befolgst du den Befehl des Königs nicht?« Er antwortete ihnen: »Ich bin Jude.« Jeden Tag redeten sie auf ihn ein. Doch er hörte nicht auf sie, und sie berichteten es Haman. Sie wollten sehen, ob Mordechai mit seiner Begründung durchkommen würde.
Haman, der hohe Beamte, nahm das aber persönlich und nutzte seine Machtposition aus, um etwas gegen das ganze israelitische Volk zu tun. Im Sinne von: “Du wirst schon sehen, was du davon hast.” Er überzeugt den König, dass die Israeliten ein Problem wären und so kam es dazu, dass ein Gesetz erlassen wurde, dass die Vernichtung des jüdischen Volkes zur Folge hätte. Ich weiß, wir sind noch weit davon entfernt, dass wir Menschen in den Tod schicken. Trotzdem wird der Ton schärfer. Trotzdem werden Menschen für das Handeln Einzelner bestraft. Trotzdem kriegen Menschen Angst, die schon seit Jahren in Deutschland leben und arbeiten, abgeschoben zu werden.

Akzeptanz - Inwiefern ist Heimat von der Begrenzung menschlicher Akzeptanz abhängig?

Das Problem waren nicht die Juden. Das Problem sind nicht die Ausländer. Das Problem sind nicht die Deutschen, sondern es ist unsere menschliche Natur. Es war ein Israelit, der sich nicht so verhielt, wie es sich der hohe Beamte Haman vorgestellt hat. Mordechai ist seinem Gewissen und seinem Glauben gefolgt, was zur Folge hatte, dass er sein ganzes Volk in Gefahr gebracht hat. Sicherlich würde Mordechai es wieder so machen, bei ihm liegt ja auch nicht das Problem, sondern bei Haman. Haman kann es nicht akzeptieren. Er kann nicht damit umgehen, dass sich jemand anders verhält und sich ihm widersetzt, davon abgesehen, dass Haman auch größenwahnsinnig ist. Ich kann nicht damit umgehen, wenn sich jemand anders verhält, als er soll. Mir fällt es schwer zu sehen und zu verstehen, dass sich unsere Kultur und unser Land ändert. Deutschland ist einfach nicht mehr das christliche Abendland, sondern genauso wie das Christentum ist der Islam Teil unseres Landes und unserer Kultur. Und ja, es gibt Grenzen, wo unseren Akzeptanz als Mensch aufhören darf. Wir wollen in Freiheit leben, aber unsere Freiheit hört da auf, wo die Freiheit meines Mitmenschen beginnt. Oft ist es aber so, dass wir unseren Mitmenschen nicht einmal die Freiheit lassen, die ihnen zusteht. Oft verängstigt und verunsichert uns die Freiheit des anderen, der vielleicht sein Leben anders lebt und füllt als wir. Diese Grenze und daraus folgende Angst führt dazu, dass wir nach Halt und Sicherheit suchen. Wir suchen Halt und Sicherheit zum Beispiel in Parteien, die uns Dinge versprechen, die sie am Ende wahrscheinlich sowieso nicht halten werden. Wir suchen Sicherheit in härteren Gesetzen und Regeln, die uns versprechen, dass alles wieder gut wird. Und den Menschen, die von diesen Änderungen betroffen sind, den geht es so wie dem israelitischen Volk, als es von dem neuen Gesetz des Königs hört:
Ester 4,1–3 BB
Mordechai erfuhr alles, was geschehen war. Da zerriss er seine Kleider und zog stattdessen einen Sack an. Er streute sich Asche auf den Kopf und ging hinaus, mitten in die Stadt. Dort fing er ein lautes und bitteres Klagegeschrei an. Er kam bis an das Königstor. Er durfte das Tor aber nicht betreten, weil er einen Sack angezogen hatte. In jeder einzelnen Provinz herrschte große Trauer bei den Juden. Überall, wo das Gesetz des Königs galt, gab es Weinen, Klagen und Fasten. Viele schliefen auf einem Lager aus Sack und Asche.
Viele Menschen haben Angst. Viele Menschen trauern. Viele Menschen sind unsicher. Die Israeliten lebten schon einige Jahre im persischen Reich. Sie haben sich ein Leben aufgebaut. Sie haben Freundschaften geschlossen. Sie arbeiten. Sie haben ihre Familie dort und auf einmal wird ihre Existenz bedroht. Sie sind nicht mehr sicher. Angst, Trauer und Unsicherheit gibt es auf beiden Seiten.

Suche - Wie kann ich Heimat finden?

Wir sind auf der Suche nach Sicherheit. Wir sind auf der Suche nach dem, was uns Ruhe und Frieden gibt. Wir alle sind auf der Suche nach Heimat. Im Moment versprechen uns die Parteien Sicherheit. Sie versprechen uns Frieden. Sie versprechen uns Gesetze und Regeln, die alles in Ordnung bringen. Egal wie christlich, atheistisch, muslimisch, konservativ, liberal, mittig, sozial eine Gesellschaft oder ein Staat bisher war, die Unsicherheit und Angst der Menschen wurde in keinem System vollends besiegt. Bisher ist jedes System an sich selbst gescheitert. Keine Partei wird uns das Heil bringen. Kein neues Gesetz wird die Lösung liefern. Mordechai wendet sich an seine Nichte Ester. Ester, die Königin Persiens und Jüdin. Nachdem sie sagte, dass sie auch nicht viel tun kann, richtet er ihr folgendes aus:
Ester 4,13–14 BB
Mordechai antwortete Ester: »Glaube ja nicht, dass du im Palast in Sicherheit bist. Sollte es dir anders gehen als allen anderen Juden? Willst du in dieser Lage wirklich schweigen? Dann kommen Befreiung und Rettung für die Juden eben von anderswo her. Du aber und deine Familie – ihr kommt dann um. Wer weiß, vielleicht bist deswegen gerade du in dieser Zeit Königin geworden.«
Es ist nicht einfach Heimat zu finden. Wenn wir Heimat finden, dann wird aus unserer Angst Sicherheit. Wir haben Zuversicht. Wir sind zufrieden. Ja, Mordechai trauert, aber er ist sich trotzdem bewusst: Egal was kommt und wie es für uns ausgeht, Gott steht an unserer Seite. Es wird Rettung kommen. Wir werden befreit werden. Mordechai hat Angst um seine Heimat hier in dieser Welt, aber er ist sich auch bewusst, dass es noch eine andere Heimat gibt. Eine Heimat, die Hoffnung gibt, auch wenn die Welt uns Angst macht. Eine Heimat, die uns Sicherheit gibt, auch wenn die Welt unklar und unsicher ist. Eine Heimat, die uns Frieden schenkt, auch wenn um uns herum Kämpfe toben. Eine Heimat, die nicht durch andere Menschen begrenzt wird, sondern durch die unendliche Liebe Gottes bestimmt ist. Und wer weiß, vielleicht bist du deswegen gerade hier. Vielleicht lebst du gerade deswegen in dieser Welt, in diesem Land zu dieser Zeit. Vielleicht gibt es ja einen Grund, warum du heute hier bist. Vielleicht gibt es ja einen Grund, warum du in deiner Familie, deinem Freundeskreis, deiner Arbeit, deiner Schule bist. Vielleicht bist du ja derjenige, der für die Liebe Gottes einstehen soll, damit andere gerettet werden.

Liebe - Wieso ist es bei Gott anders?

Ester wurde am Ende zur Heldin ihres Volkes. Ester riskierte ihr Leben, damit ihr Volk gerettet wird. Ester dürfte nur zum König kommen, wenn er sie darum bittet. Sie dürfte nicht einfach zu ihm gehen, denn falls sie das tat, konnte er sie mit dem Tode bestrafen. Ich weiß, das wirkt alles etwas verrückt, aber so war das damals. Sie ging trotzdem zu ihm. Sie stellte sich dem König gegenüber. Er ließ sie zu sich kommen und sie stand für ihr Volk ein. Sie gab ihrem Volk Sicherheit. Sie sicherte ihnen ihre Heimat. Ihr Volk war eine Minderheit im persischen Reich. Die Rechte ihre Volkes wurden aufrecht erhalten. Ester wusste, dass sie aus einem bestimmten Grund dort war, wo sie war. Ester war bereit ihr Leben zu riskieren, um für ihr Volk, ihre Familie einzutreten. Sie bittet nicht nur darum, dass sie verschont wird, sondern sie möchte Sicherheit für alle Juden. Die Liebe Gottes gilt allen Menschen. Jedem einzelnen, egal welche Hautfarbe, Nationalität und sogar Religion jemand angehört, gilt die Liebe Gottes. Für jeden einzelnen steht die Liebe Gottes ein. Jesus trat vor Gott, so wie Ester vor den König trat und bat ihn um Gnade für jeden einzelnen Menschen auf dieser Welt und Gott nimmt dieses Gnadengesuch an. Jesus hat Gnade für uns erwirkt. Wir haben die Gesetze Gottes gebrochen. Wir haben in seiner Welt Dinge getan, die nicht richtig waren und er sieht uns mit Gnade an. Er liebt uns. Seine Liebe ist größer und stärker als unsere menschliche Akzeptanz. Nur dort werden wir wahre Heimat finden. Nur dort werden wir echte Sicherheit finden. Nur dort werden wir echten Frieden finden. Nur dort werden wir echte Liebe finden. Bei Gott ist unsere Heimat. Nicht in Deutschland. Nicht in dieser Welt. Sondern bei Gott. Lasst uns für diese Heimat eintreten. Lasst uns für diese Werte stehen, so wie Ester es getan hat und Jesus es tagtäglich für uns tut. Zur Amtseinführung von Donald Trump hielt die Bischöfin Budde eine bemerkenswerte Predigt, in der sie sagte: “Ein Appell, Herr Präsident: Millionen Menschen setzen ihr Vertrauen in Sie. Sie erwähnten die schützende Hand Gottes. Ich bitte Sie, Erbarmen zu haben mit allen Menschen in unserem Land, die Angst haben. Das sind schwule oder lesbische Menschen, Demokraten, Familien. (..) Manche fürchten um ihr Leben. Es sind Menschen, die (unsere) Ernte einbringen, Gebäude reinigen, unser Geschirr waschen nach einem Restaurantbesuch oder in Geflügelfarmen und Fleischverpackungsfirmen arbeiten. Menschen, die den Nachtdienst übernehmen im Spital. Diese mögen keine Staatsbürger sein und die falschen Papiere haben. Dennoch sind die allermeisten unter ihnen nicht kriminell. Sie zahlen Steuern, sind gute Nachbarn, gläubige Mitglieder der Kirchen, Moscheen, Synagogen. Ich bitte Sie, barmherzig zu sein mit jenen, deren Kinder fürchten, die Eltern würden abgeschoben. Denjenigen zu helfen, die aus Kriegsgebieten oder vor Verfolgung fliehen. Gott lehrt uns, Erbarmen zu haben mit Fremden.”
Ich möchte euch ermutigen:
Römer 12,21 BB
Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!
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