Der Heilige Geist
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Ihr Lieben,
als Paulus nach Ephesus kommt – einer Hafenstadt in der heutigen Türkei –, findet er dort bereits ein paar Christen vor. Sie waren viele Jahre zuvor durch Johannes den Täufer zum Glauben an Jesus gekommen und auch getauft worden. Paulus fragt sie: „Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr zum Glauben gekommen seid?“ Sie antworten: „Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt.“ (Apg 19,2)
Als ich diesen Vers in der Apostelgeschichte gelesen habe, fand ich ihn sehr treffend für uns Christen heute in Deutschland. Ich befürchte, dass viele in unserer Kirche noch nichts vom Heiligen Geist gehört haben, zumindest nichts Ernsthaftes und Tiefes. Mit dem Heiligen Geist fällt es uns manchmal schwer, etwas anzufangen. Was soll das sein – ein Geist? Mit Geistern haben wir es ja allgemein nicht mehr so in Mitteleuropa.
Deswegen wollen wir uns heute – und auch im nächsten Salz+Licht-Gottesdienst – einmal besonders mit dem Heiligen Geist beschäftigen, dem Geist Gottes, der in der Bibel so viel öfter vorkommt als in unserer Kirche.
Ich habe euch dazu 4 Punkte mitgebracht. Wir fangen ganz basic an:
1. Wer ist der Heilige Geist?
Zunächst – und das ist ganz grundlegend – ist der Heilige Geist eine Person Gottes, ein Teil der Dreieinigkeit. Mit anderen Worten: Der Heilige Geist ist Gott selbst! Wir lesen im 1. Buch Mose zum Beispiel, dass Er bei der Schöpfung dabei war: „Der Geist schwebte über dem Wasser“, heißt es im 2. Vers unserer Bibel.
Sowohl das hebräische als auch das griechische Wort für Geist bedeuten daneben auch Wind oder Hauch. Und hier merken wir bereits, dass der Geist Gottes nichts ist, was man mal eben greifen könnte. Vielleicht fällt es uns deswegen so schwer, mit Ihm umzugehen.
Aber der Heilige Geist ist eben nicht nur ein Wind oder eine unbestimmte Kraft, die irgendwie durchs Universum wabert, sondern Er ist Gott selbst, eine Person der Dreieinigkeit. – Ich sage bewusst „Person“. Es gibt durchaus auch Bibelstellen, die darauf hinweisen, dass der Heilige Geist eben mehr ist als nur eine Kraft. Zum Beispiel heißt es im Epheserbrief: „Betrübt nicht Gottes heiligen Geist!“ (Eph 4,30) Ich kann nur eine Person betrüben, ein Gegenüber. Der Heilige Geist ist also Gott selbst, der auf dieser Erde auch heute handelt.
Im Alten Testament sind es insbesondere die Propheten, die von Gottes Geist erfüllt sind. Ihnen ist es dadurch möglich, die Welt aus der Perspektive Gottes zu sehen und zu beurteilen, den Menschen zu sagen, was gut läuft und was nicht. Ebenso gibt es im Alten Testament immer wieder Anführer – sogenannten Richter oder später Könige –, die auf Gottes Geist hören und sich von Ihm leiten lassen.
Im Neuen Testament ist es schließlich allen Menschen möglich, Gottes Geist zu empfangen. Zu Pfingsten gießt Gott Seinen Geist über die Jünger und bald über viele weitere Menschen aus. Ich finde dieses Bild vom Ausgießen so schön, weil es so etwas Erfüllendes hat – wie ein leeres Glas, in das Wasser eingegossen wird, solange bis es überläuft! Jesus sagt im Johannes-Evangelium: „Wer an mich glaubt, aus dessen Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen!“, womit Er den Heiligen Geist meint. (Joh 7,38f) – Zu Pfingsten gießt Gott Seinen Geist aus, so wie er es bereits viele hundert Jahre vorher durch den Propheten Joel angekündigt hatte – und die Jünger fließen von diesem Geist über.
Dieser Geist Gottes, der Heilige Geist, hat eine unglaubliche Kraft. In der Apostelgeschichte führt der Heilige Geist Philippus erst auf eine eher verlassene Straße, weil er dort einem Mann, der gerade vorbeifährt, das Evangelium Gottes erklären soll. Und als das geschehen und der Mann getauft ist, ist Philippus plötzlich weg! Der Heilige Geist hat ihn entrückt. Zack weg – und plötzlich war Philippus in Aschdod, einer Stadt 20-30km weiter westlich, schön am Mittelmeer.
Beim Propheten Sacharja – diesen Vers hören wir immer zu Pfingsten – sagt Gott, dass der Sieg im Kampf nicht durch eine Armee oder irgendeine andere Kraft geschehen soll, sondern durch Seinen Geist. Vers. Gottes Geist ist die Kraft des allmächtigen Gottes. Durch Seinen Geist zeigt sich Gott in unserem Leben.
Dabei ist Er in allem Gott treu und ergeben. Er verkündet uns Menschen nur, was Er von unserem Herrn Jesus selbst empfangen hat. Jesus hatte es seinen Jüngern selbst so angekündigt: Dem Heiligen Geist geht es darum, Jesus Christus zu verherrlichen.
Dieser Geist ist es, der Jesus von den Toten auferweckt hat. – Und dieser Geist will in uns leben!
Das bringt mich zum zweiten Punkt:
2. Wer ist der Heilige Geist für mich – für uns?
Paulus schreibt an die Christen in Korinth: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und Gottes Geist darin [– also in euch –] wohnt?“ (1Kor 3,16) – In einem anderen Brief schreibt er, dass Christus in uns lebt, wenn wir an Ihn glauben. Vers. (Gal 2,20) Das tut Er durch Seinen Heiligen Geist.
Dieser Heilige Geist möchte in uns wohnen. Er möchte uns durchs Leben führen. Er möchte uns leiten. Er – Gott selbst – möchte in uns leben.
Das hat im Wesentlichen wiederum 4 Aspekte:
2.1 Kindschaft Gottes
Zuerst versichert uns der Heilige Geist, dass wir wirklich Gottes Kinder sind. Wie ein Siegel die Echtheit eines Briefes verbürgt, so ist der Heilige Geist für uns wie ein Siegel, das uns verbürgt, dass wir wirklich Gottes Kinder sind. Paulus schreibt im Römerbrief: „Ihr habt einen Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht. Weil wir diesen Geist haben, können wir [zu Gott] rufen: ‚Abba! Vater!’ Und derselbe Geist bestätigt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“ (Röm 8,15b-16) – „Alle, die sich von diesem Geist führen lassen, sind Kinder Gottes.“ (Röm 8,14)
Du bist ein Kind Gottes, geliebt, gewollt, gerettet. Der Heilige Geist verbürgt sich dafür. Er spricht es in dein Herz: „Das ist die Wahrheit! Du bist Gottes Kind!“
2.2 Die Frucht des Geistes
Wenn wir als Christen leben und uns vom Heiligen Geist leiten lassen, wenn wir Ihm Raum geben, dann wird Er in unserem Leben Frucht hervorbringen, dann wird in unserem Leben Gutes wachsen. Paulus schreibt dazu: „Der Geist bringt als Ertrag: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Güte und Großzügigkeit, Treue, Freundlichkeit und Selbstbeherrschung.“ (Gal 5,22f) – So gute Sachen, die Gott in uns wachsen lassen möchte. Wir merken schnell, dass wir in manchen Punkten schon gut dabei sind, in anderen zu kämpfen haben. Gott möchte uns das schenken!
2.3 Der Paraklet
Wir Theologen lieben dieses griechische Wort, das Jesus einmal für den Heiligen Geist benutzt, weil es so vielschichtig ist. Man kann es übersetzen mit Anwalt oder auch mit Beistand, also jemandem, der für einen eintritt, der zu einem steht, der sogar vor Gott selbst für mich eintritt. Es kann auch mit Tröster übersetzt werden: Der Heilige Geist ist bei uns, auch wenn es uns schlecht geht. Gleichzeitig ist der Heilige Geist ein Ermutiger, der uns aufrichtet, wenn wir am Boden sind. Und Er ist auch ein Ermahner, der uns zurechtweist, wenn es nötig ist. All dies schwingt in diesem einen Wort mit. So vielschichtig ist der Heilige Geist für uns.
2.4 Führung durchs Leben
Und der Heilige Geist möchte uns durchs Leben führen. Immer wieder spricht Gott durch Seinen Geist in unser Leben. In der Bibel lesen wir es sooft, besonders in der Apostelgeschichte. Der Heilige Geist führt uns, wenn wir Ihn nur lassen. Er öffnet uns Türen, durch die wir gehen sollen und schließt andere, die nicht gut für uns wären.
Es ließe sich noch so viel mehr sagen, was der Heilige Geist für uns persönlich ist, aber ich möchte auch noch auf die anderen zwei Punkte eingehen, wenn auch nur ganz kurz.
3. Wer ist der Heilige Geist für uns als Gemeinde?
In allem, was der Heilige Geist tut, geht es nicht nur um uns persönlich – so schön und wichtig das auch ist –, sondern auch um uns als Gemeinde. Alles, was der Heilige Geist tut, soll uns als Gemeinde dienen. Es soll die Gemeinde aufbauen.
Beim nächsten Salz+Licht-Gottesdienst werden wir uns intensiver mit den Gaben beschäftigen, die der Heilige Geist in unser Leben hineinlegt. Nur so viel möchte ich hier schon einmal sagen: Wenn wir großartige Dinge mit dem Heiligen Geist erleben, geht es nicht darum, dass wir uns toll fühlen und denken, wir sind die tollsten Christen der Welt. Es geht darum, dass wir in unserem persönlichen Glauben gestärkt werden – und dass wir als Gemeinschaft im Glauben gestärkt werden.
Wenn wir als Gemeinde im Namen von Jesus Christus für jemanden beten, dann tritt der Heilige Geist beim Vater für uns ein. Wenn wir den Heiligen Geist einladen, dass Er in unserer Gemeinde wirken darf, dann werden wir Gottes liebevolles und mächtiges Handeln erleben dürfen, so wie wir es schon immer wieder erlebt haben. Wenn wir als Gemeinde dem Heiligen Geist Raum geben, dann wird Gott mit uns Seinen Weg gehen. Vielleicht dürfen wir Wunder erleben. Hoffentlich dürfen wir erleben, wie Menschen hier zu Gott finden und bei Ihm Rettung erfahren. Mit Sicherheit werden wir so zum Segen für unsere Stadt.
Deswegen: Lasst uns dem Heiligen Geist Raum geben. – Was mich direkt zum letzten Punkt bringt:
4. Woher bekommen wir den Heiligen Geist?
Ich gehe davon aus, dass viele von uns längst mit dem Heiligen Geist leben. Aber natürlich können wir Gott immer wieder neu – oder vielleicht auch zum ersten Mal – darum bitten. Und es scheint recht einfach zu sein:
Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Bittet und es wird euch gegeben! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch aufgemacht! Denn wer bittet, der bekommt. Und wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird aufgemacht. // Welcher Vater unter euch gibt seinem Kind eine Schlange, wenn es um einen Fisch bittet? Oder einen Skorpion, wenn es um ein Ei bittet? Ihr Menschen seid böse. Trotzdem wisst ihr, was euren Kindern guttut, und gebt es ihnen. // Wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn darum bitten.“ (Lk 11,9-13)
Gott lädt uns ein, dass wir Ihn um Seinen Geist bitten.
Bei der Pfingstgeschichte lesen wir: „Mit seinen Worten traf Petrus die Zuhörer mitten ins Herz. Sie fragten ihn und die anderen Apostel: ‚Ihr Brüder, was sollen wir tun?‘ // Petrus antwortete: ‚Ändert euer Leben! Lasst euch alle taufen im Namen von Jesus Christus. Dann wird Gott euch eure Schuld vergeben und euch den Heiligen Geist schenken. // Diese Zusage gilt für euch und eure Kinder. Und sie gilt für alle in den fernen Ländern – so viele der Herr, unser Gott, noch zum Glauben an Jesus hinzurufen wird.’“ (Apg 2,37-39)
Ich ermutige euch heute, den Heiligen Geist in euer Leben einzuladen. Vielleicht zum ersten Mal, vielleicht wieder neu. Vertraut Ihm die Führung über euer Leben an, etwas besseres kann euch nicht passieren!
Amen.
