Nicht zu gerecht und nicht zu gottlos

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Nicht zu gerecht und nicht zu gottlos
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen!
Liebe Gemeinde!
Von Loriot gibt es den berühmten Sketch „Zimmerverwüstung“. Weil er als Perfektionist ein Bild gerade hängen wollte, während er auf die Dame des Hauses wartete, nahm das Unheil seinen Lauf und es entstanden dabei immer größere Folgeschäden. Bis er schließlich das ganze Zimmer verwüstet hatte.
Dieser Sketch macht eigentlich deutlich, dass sich Perfektionismus nicht immer auszahlt. Manchmal sollte man auch etwas schief lassen.
Jedenfalls meint das in übertragener Weise auch der Prediger Salomo, wenn er heute in unserem Predigttext sagt, dass man nicht zu gerecht und nicht zu gottlos sein soll. Wir lesen aus dem Buch Prediger Salomo Kapitel 7, 15-18:
15 Dies alles hab ich gesehen in den Tagen meines eitlen Lebens: Da ist ein Gerechter, der geht zugrunde in seiner Gerechtigkeit, und da ist ein Gottloser, der lebt lange in seiner Bosheit.
16 Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest.
17 Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor, damit du nicht stirbst vor deiner Zeit.
18 Es ist gut, wenn du dich an das eine hältst und auch jenes nicht aus der Hand lässt; denn wer Gott fürchtet, der entgeht dem allen.
Liebe Gemeinde,
da erwarten wir vielleicht Sonntag für Sonntag eine Predigt darüber, wie wir rechte Nachfolger von Jesus Christus sein sollen, wie wir von Montag bis Samstag und natürlich auch am Sonntag ein frommes Leben in unserem Alltag führen sollen und dann das.
Da hören wir in einem Predigttext die Aussagen „Seid nicht allzu gerecht und seid nicht allzu weise“ – man kann auch sagen „seid nicht allzu fromm und seid nicht allzu weise“. Dem steht dann auch als Gegenpol gegenüber „Seid nicht allzu gottlos und seid keine Toren oder auch Narren“.
Also irgendwie sollen wir die goldene Mitte leben – als ob das so einfach wäre.
Ein Kollege von mir betreibt einen Blog unter dem Titel „nichtallzufromm“, - eben abgeleitet von unserem Predigttext, wo er von seinen alltäglichen Lebenserfahrungen, von seinen Höhen und Tiefen auch in seinem Leben als Christ erzählt.
Was will eigentlich der Prediger sagen, wenn er schreibt: „Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest.“ Er stellt erst einmal fest, dass ein rechtschaffender Mensch, trotz seiner Rechtschaffenheit, alles erleiden kann, was Menschen auf dieser Erde von Schicksalsschlägen erleiden können. Er steht also nicht außen vor. Wir werden faktisch an die Person des Hiob erinnert, der uns in der Bibel als ein Mensch, der in Gerechtigkeit lebt, vorgestellt wird. Und der eben doch einen Schicksalsschlag nach dem anderen erfährt. Er kann noch bis zu einem gewissen Punkt sagen: Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt! Ij 1,21
Auch wenn er dieses absolute Vertrauen nicht bis zum Schluss durchhält.
Nunn stellt der Prediger an uns die Frage: Wenn unsere Gerechtigkeit und Weisheit sowieso nicht vollkommen sind und deswegen kein langes glückliches Leben garantieren, dann sollte man sich doch damit nicht abquälen, vollkommen sein zu wollen oder? Man muss darum nicht hundertprozentig perfekt sein.
Auf jeden Fall ist es eine Warnung davor, spekulativ zu erwarten, wenn man gerecht und weise ist, dass man dafür ein langes Leben oder Glück erfährt. Die eigene Weisheit oder Gerechtigkeit sollen nicht die Grundlage für ein glückliches und wohlhabendes Leben sein.
Verfalle also nicht dem Perfektionismuswahn, sondern lebe glücklich und zufrieden aus der Kraft von Gottes vergebender Liebe! Also ein erster Ansatzpunkt wie das Leben aussehen kann.
Darum sollte der Mensch es mit seiner Bemühung um Weisheit und Gerechtigkeit nicht übertreiben, aber auch auf der anderen Seite nicht in das andere Extrem verfallen und ungerecht und töricht handeln und leben. Das andere Extrem ist also ‚nicht fromm‘ sozusagen gottlos zu leben. Und der Prediger kommt zum Schluss, dass Bösartigkeit nicht automatisch zum frühen Tod führt, auch wenn sich das mancher manchmal wünschen würde. Leider ist das sehr oft ist nicht der Fall. Ja es bringt sogar oft nichts die göttliche Vergeltung fordern und auf sich ziehen. Auch das alles bringt nichts.
Es gibt verantwortlich handelnde Menschen, die ein schweres Schicksal zu tragen haben, und Menschen, die sich um Gott und Moral nicht kümmern und ein, soweit es erkennbar ist, gutes Leben haben.
Der Prediger selbst wehrt sich hier einem Missverständniss seines Ratschlages, wenn er schreibt: „Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor, damit du nicht stirbst vor der Zeit.“ Der „gottlose Tor“ ist in den biblischen Weisheitsschriften jemand, der ausschließlich auf seinen persönlichen momentanen Vorteil bedacht ist. Er ist ein Egoist und will nur selbst ein bequemes Leben haben; die Mitmenschen kümmern ihn nicht.
Die Fanatismen unserer Zeiten an der einen oder anderen Stelle zeigen uns: Es gibt Menschen, die treten für etwas grundsätzlich Gutes ein, aber sie verlieren sich derart darin, dass ihnen am Ende Maß und Mitte abhandenkommen, sodass dass das Gute sie und andere tatsächlich zugrunde richten kann.
Manchmal denken wir, dass unsere Lebenserfahrung etwas lehrt, was scheinbar der Verheißung von Gottes Geboten widerspricht: Nicht jeder, der gut und gerecht lebt, lebt lange, und nicht jeder, der schlecht lebt, stirbt früh. Nicht jedem, der fromm ist, geht es überwiegend gut, und nicht jedem, der gottlos ist, geht es überwiegend schlecht. Der Zusammenhang von Tun und Ergehen, den Gottes Gesetz normalerweise lehrt, erfüllt sich im praktischen Leben nicht immer.
Nun aus dem Lesen dieses kurzen Textes stellen sich uns ein paar Fragen:
Warum ist das so?
Warum erfüllen sich Gottes Verheißungen für den Gerechten nicht so zuverlässig?
Ist Gott etwa launisch und handelt wie es ihm gefällt?
Auf keinen Fall, die Bibel zeigt uns genau das Gegenteil. Das Problem liegt auch nicht bei Gott, sondern bei unserer menschlichen Gerechtigkeit. Oder besser eigentlich: bei der Unvollkommenheit dieser Gerechtigkeit.
Dennoch ist der Ratschlag des Predigers auch gefährlich und kann missverstanden werden. Er kann völlig missverstanden werden – so, als sei es letztlich egal, wie wir uns verhalten, und als bräuchten wir uns keine Mühe zu geben.
Um dieser Gefahr zu entgehen, müssen wir ein Wort unsers Herrn Jesus Christus dagegensetzen. Und da kommen wir zur Bergpredigt. Dort sagt er: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. (Matth. 5,48).
Wie kommen wir jetzt zu diesem ausgewogenen Leben „nicht allzu fromm und nicht allzu gottlos“?
Da gibt die „Gottesfurcht“. Sie ist die Grundlage der Weisheit und eines gottgefälligen Lebens. Aber sie beruht eben nicht auf der Angst vor Strafe, vielleicht Strafe von Gott, wenn wir keine Perfektionisten sind beim Einhalten der Gebote. Der Mensch soll nicht zittern vor dem übermächtigen Gott, sondern ihm eben den ehrfürchtigen Respekt und die Anerkennung entgegenbringen, die Gott als dem Schöpfer gebührt. Zwischen der sklavischen Unterwerfung und der überheblichen Selbstsicherheit, als ob man über den Dingen steht, liegt das rechte Verhältnis zu Gott, in dem sich Achtung und Vertrauen durchdringen. Und wenn wir dann weiter in das Neue Testament schauen, dann wird es noch weiter ausgeführt: Es ist die Liebe zu Gott und letztlich oder zuerst die Liebe Gottes zu uns:
16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
17 Darin ist die Liebe bei uns vollendet, auf dass wir die Freiheit haben, zu reden am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.
18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
Nun der Prediger hat es an einer anderen Stelle schon gesagt, dass es im Leben Zeiten gibt. Es gibt recht unterschiedliche Zeiten. So gibt es auch die Zeit des Weinens und die Zeit des Lachens.
Die Zeit des Weinens vertieft unsere Seele. Die Zeit des Lachens erleichtert unsere Last. Darum sollen wir auch manchmal Dinge tun, die Spaß machen. Wenn die Zeiten gut sind, sei glücklich; aber wenn die Zeiten schlecht sind, denke nach: Gott hat sowohl das eine als auch das andere geschaffen. Wer Gott fürchtet, der erkennt, dass menschliche Weisheit und Gerechtigkeit begrenzt ist. Aber er erkennt auch die Folgen von Bosheit und Torheit.
Ja es gibt das Gute und das Schlechte. Und manchmal sagen wir es auch wie Hiob: „Der Herr hats gegeben - der Herr hats genommen.“ Und ich wünsche, dass wir auch den zweiten Teil sagen können: „der Name des HERRN sei gelobt!“
Ich wünsche ihnen, dass sie die Erfahrung machen, von Gott her, dass das Leben ein wunderbares Geschenk ist.
Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn!
Amen.
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