Im Sturm des Lebens
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Im Sturm des Lebens
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus.
Amen
Liebe Gemeinde,
sie kennen sicher auch dieses Lied:
Eine Seefahrt, die ist lustig,
Eine Seefahrt, die ist schön,
Denn da kann man fremde Länder
Und noch manches andre sehn.
Hollahi, hollaho, hollahia hia hia, hollaho.
Es ist eines der Lieder, die so unzählig viele Strophen hat, dass man gar nicht weiß, welche man singen soll. Ich habe im Internet so an die 50 Strophen gefunden.
Nun heute in unserem Predigttext geht es auch um eine Seefahrt, die fanden aber diejenigen, die sie unternahmen, gar nicht mehr so lustig, obwohl unter den Leuten sogar Fischer, also gestandene Seeleute, waren. Denn sie fühlten sich in ihrem kleinen Schiff, dass auf den Wellen tanzte wie eine Nussschale, vom Sturm hin und hergeworfen.
Wir haben den Text vorhin schon einmal im Evangelium gehört.
Ich lese ihn aus Markus 4, 35 – 41 noch einmal nach der BasisBibel-Übersetzung:
35 Am Abend dieses Tages
sagte Jesus zu seinen Jüngern*:
»Wir wollen ans andere Ufer fahren.«
36 Sie ließen die Volksmenge zurück.
Dann fuhren sie mit dem Boot los,
in dem er saß.
Auch andere Boote fuhren mit.
37 Da kam ein starker Sturm auf.
Die Wellen schlugen ins Boot hinein,
sodass es schon volllief.
38 Jesus schlief hinten im Boot auf einem Kissen.
Seine Jünger weckten ihn
und riefen:
»Lehrer*! Macht es dir nichts aus,
dass wir untergehen?«
39 Jesus stand auf,
bedrohte den Wind
und sagte zu dem See:
»Werde ruhig! Sei still!«
Da legte sich der Wind
und es wurde ganz still.
40 Und Jesus fragte die Jünger*:
»Warum habt ihr solche Angst?
Wo ist euer Glaube*?«
41 Aber die Jünger überkam große Furcht.
Sie fragten sich:
»Wer ist er eigentlich?
Sogar der Wind und die Wellen
gehorchen ihm.«
Das ist die Tragik der Stürme am See Genezareth. Es geschieht auf dem See Genezareth sehr oft, dass von den umliegenden Bergen Fallwinde in den Talkessel stürzen und das Wasser tüchtig aufpeitschen. Das liegt auch an den geographischen Gegebenheiten des Sees. Rundherum von hohen Bergen umgeben liegt er über 200m unter dem Meeresspiegel. Das erzeugt durch die Temperaturschwankungen diese Fallwinde.
Plötzlich und unverhofft kommen Sie. Nach wenigen Augenblicken bricht auf dem See auch schon das Chaos aus: Schwarze Wolken, haushohe Wellen, ohrenbetäubendes Gewitter.
Und das genau geschah als Jesus mit seinen 12 Jüngern im Boot auf dem See Genezareth unterwegs war. Nach einem anstrengenden Tag ruhte Jesus im Boot. Hinten im Boot, auf es einen Schlafplatz gab, lag er und schlief.
Und seine Jünger und die anderen Mitstreiter in den anderen Booten? Sie hatten vollauf zu tun und kämpften. Sie rangen mit der See, sie rangen mit dem Sturm. Sie fühlten sich wie Jona im Bauch des Fisches. Sie waren nahe dran aufzugeben. Dabei waren doch einige Profis. Erfahrene Seeleute, gestandene Fischer.
Und Jesus: Er schläft.
Sie, die gestandenen Seeleute und Fischer, sie haben jetzt Angst. Sie schreien und rufen – hinaus aufs Meer, hin zu Gott, auch zu Jesus. Die hartgesottenen Fischer haben Angst. Und Angst ist etwas Natürliches. Angst signalisiert, dass das Leben in Gefahr ist. Die Jünger stellen jetzt Jesus in Frage: Er müsste doch. Er müsste doch eingreifen. Er müsste doch handeln. Doch er tut es nicht. Erkennt er es denn nicht selber?
Und Jesus: Er schläft.
Schläft Gott manchmal? Vergisst er uns? Überlässt er uns dem Schicksal der Naturgewalten? Den Jüngern ist es egal, was Jesus denkt, was er sagen wird, wenn sie ihn wecken in ihrer Not. Ihnen ist es egal, ob er ihnen dann Vorwürfe macht oder nicht. Denn die Macht der Naturgewalten erinnert die Jünger an ihr mögliches Ende. Sie machen ihn munter und bringen ihm ihre Not. Und so machen sie in ihrem Hilferuf doch Jesus den Vorwurf, den er zuerst zu überhören schien: »Meister, fragst du nichts danach, dass wir verderben?« Als ob ihrem Herrn ihr Leben gleichgültig sei. Ihr Vorwurf war der Ausdruck ihres Zweifels und ihrer Anfechtung. Es hinderte sie schließlich nicht, Jesus unsanft zu wecken. Sie wussten, nur er kann ihnen wirklich helfen. Nur er kann sie retten In der Angst kannten sie den Weg zu ihrem Retter.
Und Jesus: er steht auf bedroht den Wind und beruhigt die See. Er greift ein. Seine Worte genügten! Kein religiöses Ritual, keine Zauberformel, keine Show, ganz ohne religiöse Dramaturgie.
Ein Happy End oder?
Jesus stellt die Jünger in Frage. Er fragt sie: Warum habt ihr solche Angst? Wo ist euer Glaube?
Und wie ist es bei uns?
Auch in unserem Leben gibt es genügend Stürme. Stürme des Lebens, wo wir meinen zu ertrinken. Jeder von uns hat schon genügend solche Stürme erlebt. Vielleicht kamen da auch solche Momente der unbändigen Angst und des Zweifels.
Dann wenn gerade solche Fragen laut werden: „Warum ich? Warum denn jetzt? Schläft Gott vielleicht? Hat er sich von mir abgewandt?“
Und wir wissen, dass auch wir Christen solche Situationen in unserem Leben erleben.
Der Liederdichter Jörg Swoboda hatte vielleicht genau das und diese Bibelstelle der Sturmstillung im Blick als er folgende Liedstrophe dichtete:
„Auch mit Gott gerät man in Krisen, Probleme, die unfassbar sind. Trotz aller Zweifel seid dennoch gewiss: Er schläft nicht und sorgt für sein Kind. Vertraut auf den Herrn für immer, denn er ist der ewige Fels.“
Es gibt kaum ein Lebensproblem, einen Lebenssturm, oder einen Schicksalsschlag, der nicht auch die Menschen durcheinanderschütteln könnte, die mit Gott leben und auf Jesus Christus vertrauen.
Die Suchtkrankenhilfe "Blaues Kreuz" macht auch immer wieder deutlich, dass auch engagierte Christen alkoholabhängig werden.
Andere Christen, die von Kindesbeinen in einer christlichen Gemeinde leben, beginnen zunehmend und offener davon zu berichten, dass auch sie von Erwachsenen sexuell missbraucht wurden. Für sie hatte auch das verheerende Folgen in der Persönlichkeitsentwicklung.
Auch der Sturm der Krankheit macht vor den Nachfolgern Jesu nicht halt. Wie viele unserer Brüder und Schwestern und vielleicht mancher auch von uns leiden unter Depression und anderer seelischer Störungen. Das kann bis hin zur Lebensverneinung und Selbstmordgedanken gehen, die dann auch manchmal zur Tat werden. Ich habe das auch in der eigenen Familie erlebt, was mich bis heute erschüttert.
Der Lebenssturm, der uns Christen treffen kann, ist genauso wie bei anderen Menschen auch. So zeigt sich an vielen Stellen des Lebens. Trotz ihrer Glaubensbeziehung zu Jesus gibt es auch bei Christen Partnerschaftsprobleme und werden sie auch von beruflichen Schwierigkeiten gebeutelt. Da sind Arbeitslosigkeit, Konkurrenzkampf, Mobbing und vieles mehr. – Alles das macht auch vor uns Christen nicht halt. Spätestens jetzt wird deutlich, dass es ihn nicht gibt, den Traum von einem angenehmen und schönen beschwingten Leben mit Jesus.
Aber in all diesen Stürmen und genau in diesen Stürmen unseres Lebens hören wir das Schreien der Jünger Jesu und schreien auch mit: " Fragst du nichts danach, dass wir umkommen?
"Herr, hilf, wir verderben, gehen unter. – Sturm und Wellen sind zu stark!"
Im Boot heißt es: Jesus stand auf, bedrohte den Wind und sagte zu dem See: »Werde ruhig! Sei still!« Da legte sich der Wind und es wurde ganz still.
Jesus bedrohte die Mächte, die das Leben seiner Jünger bedrohten. Auch heute reichen seine Worte aus, um bei uns den Stürmen des Lebens die tödliche Macht zu nehmen. Denn am Kreuz von Golgatha hat er dem Tod selber die Macht genommen, als er sprach: Es ist vollbracht! Durch die Auferweckung zu Ostern siegte das Leben über den Tod.
Der Theologe Adolf Schlatter beschreibt es so: Der Glaube schöpft aus der Ruhe Jesu nicht Verdacht, sondern selbst die Ruhe; er hält sich an ihm, dem Gegenwärtigen, auch wenn sein Nahesein sich nicht sofort spürbar macht.
Darum will uns Jesus auch heute in den Stürmen unserer Ängste, unserer Sorgen und unserer Verzweiflung durch sein Wort inneren Frieden und oft auch äußere Ruhe geben. Nicht jeder Sturm wird sich gleich legen. Doch in der Begegnung mit Jesus und seinem Wort wird er seine tödliche Macht verlieren.
Bei den Jüngern ist die Lebensangst der Gottesfurcht gewichen. Wer göttliche Macht unmittelbar erfährt, springt nicht gleich vor Freude auf. Vielmehr geht ihm ein heiliger Schauer über den Rücken. Nicht gleich können wir alles verstehen.
Der Schriftsteller Robert Cleaver Chapman schreibt:
Glaube ist wie ein gutes Tau. Auch wenn es gestreckt und gespannt wird, zerreißt es nicht im Sturm.
So bleibt uns wie den Jüngern nur das Vertrauen auf das Wort Jesu. Und das reicht!
Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.
