Bittet, so wird euch gegeben
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Bittet, so wird euch gegeben
Bittet, so wird euch gegeben
Predigt Johannes 16,23b-33 - Rogate
Liebe Gemeinde,
Ein kleiner Junge sagte zu seinem Vater: "Ich möchte ein neues Fahrrad." Der sagte der Vater zu ihm: "In unserm Haus beten wir und bitten Gott um die Dinge, die wir wollen und brauchen." In dieser Nacht betete der kleine Junge: "Lieber Gott, ich brauche ein neues Fahrrad." Am nächsten Morgen wachte der kleine Junge auf und rannte in die Garage, aber es gab kein Fahrrad.
Der kleine Junge betete drei Nächte lang dasselbe Gebet ohne Erfolg. Am vierten Tag fand er beim Spielen in seinem Haus eine kleine Marienstatue. Er wickelte die Statue vorsichtig in Seidenpapier und steckte sie in einen Schuhkarton. Dann stellte er den Schuhkarton in den Schrank seiner Großmutter. In dieser Nacht, als er seine Gebete sprach, betete der kleine Junge. "Lieber Gott, wenn du deine Mutter jemals wiedersehen willst ..........“
Jesus liebte seine Jünger. Es schmerzte ihn, dass er am Vorabend seines Todes von ihnen Abschied nehmen musste.
In vielem waren seine Jünger noch so unreif und ungefestigt. Wie sollten sie nur ohne Jesus zurechtkommen!?
Aber er setzte sein Vertrauen auf sie und ermutigte sie. Er vertraute ihnen nun an, was kommen würde. Darum zeigte er ihnen auf, wie sie auch ohne ihn zurechtkommen können, und ermutigt er sie:
Johannes 16,23b–33 (LU)
23b Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben.
24 Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei.
25 Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Stunde, da ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater.
26 An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde;
27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin.
28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.
29 Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und nicht in einem Bild.
30 Nun wissen wir, dass du alle Dinge weißt und bedarfst dessen nicht, dass dich jemand fragt. Darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist.
31 Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubt ihr?
32 Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein lasst. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.
33 Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Liebe Gemeinde,
»Bisher habt ihr um nichts gebetet in meinem Namen.«, so sagt es Jesus zu seinen Jüngern. Das heißt doch bisher waren die Jünger recht unselbständig. Sie haben Jesus das Beten überlassen.
Doch jetzt ermutigt Jesus seine Jünger zum eigenen Gebet. Sie dürfen und sollen direkt zum Vater beten. Denn der Vater liebt auch sie und will ihnen Gutes tun.
Er, Jesus, verspricht ihnen, dass der Vater sie erhören wird. Und genau dieses Versprechen gilt noch heute, auch für uns.
So haben wir mit dem Gebet eine direkte Leitung zu Gott. Wir können direkt mit ihm reden. Wir dürfen ihn um alles bitten, was uns bewegt: um Gesundheit für den kranken Sohn, um einen Ausbildungsplatz für die Tochter, um den Frieden in der Familie, um die Befreiung von Sorgen, auch um ausreichend finanzielle Mittel, um Kraft für den Alltag und natürlich um Vergebung von Schuld.
Manchmal fragen wir vielleicht: Müssen wir denn beten, Gott kennt doch meine Bedürfnisse?
Es ist ganz einfach: Gott will gebeten sein.
In einem Liedvers schreibt Paul Gerhard dazu:
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen,
es muss erbeten sein.
Da stand Jesus vor dem blinden Bartimäus. Er wusste um dessen Not. Dennoch hat er ihn gefragt: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“
Vielleicht möchte Jesus wissen, wie groß unser Glaube ist und ob wir ihm zutrauen, dass er uns helfen kann. Jesus hat uns gezeigt, dass das Gebet und der Glaube zusammengehören. Er hat gesagt: »Alles, was ihr bittet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden.«
Mit unseren Bitten wird also deutlich, wie groß unser Glaube ist.
Gott möchte, dass wir mit Glauben und Vertrauen zu ihm beten. Er will uns erhören. Im Jakobusbrief lesen wir: »Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet.« Die Jünger haben das verstanden und haben angefangen zu beten. Das Gebet ist ihnen zur Selbstverständlichkeit geworden.
Die Erfahrung der Jünger und unzähliger Christen soll auch uns ermutigen, mit großem Glauben zu beten und alles von Gott zu erwarten.
Vielleicht ergeht es euch, so wie dem kleinen Jungen am Anfang der Predigt, und darum möchtet ihr jetzt protestieren und sagen: »Ich habe doch schon gebetet, und es hat nichts genützt. Mich hat Gott nicht erhört. Was Jesus versprochen hat, stimmt doch nicht«
Stellt euch vor: auch Jesus ist es passiert, dass er den Vater um etwas gebeten hat – und es ist ihm nicht erfüllt worden.
Unerhört!
Ist das nicht unerhört? Unerhört in jeder Hinsicht. Der, der uns das Beten beibringt, betet und wird nicht erhört!
Die Bitte Jesu an die Jünger um etwas Beistand wird ebenso nicht erhört wie seine Bitte an Gott, den Vater: „Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ Das ist doch unerhört!
Darum ist es doch auch gut für uns zu wissen, dass es auch dem Sohn Gottes nicht anders erging, als es uns manchmal ergeht.
Bei Gott geht eben nicht nach einem Theatermanuskript oder Drehbuch. Die Dinge des Lebens sind nicht bis ins Letzte vorher geplant und festgelegt.
Der Weg Jesu ans Kreuz auf Golgatha ist kein besonderer Fall der Planerfüllung.
Sehen wir einmal genau hin, da wird viel mehr gerungen, betend gerungen. Da ist der Sohn Gottes, der zu seinen Jüngern sagt: „Betet mit mir und betet für mich!“
Und Jesus betet dann voller Zuversicht zu Gott: „Vater, alles ist dir möglich.“ Und sogleich spricht er auch aus, was er will: Diesen Kelch will er nicht trinken und auslehren, dieses Leid und Schicksal will er nicht auf sich nehmen.“ Und dann findet, der, der durchaus einen eigenen Willen hat, das Ja dazu. Er gibt seine Ein-Willigung dazu: “Nicht wie ich es will, sondern wie du es willst.“
Am Ende weiß er, was sein Vater will und stimmt dem zu: Der Menschensohn wird in die Hände der Menschen, seiner Feind ausgeliefert. Der Kelch wird nicht an ihm vorrübergehen. Sondern das Gegenteil ist der Fall, er wird ihn bis zum letzten Schluck auskosten.
Dieses Geschehen wird uns auch in dem Lied von Dietrich Bonhoeffer deutlich: „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.
Ist das nicht eigentlich eine Zu-Mutung?
Gott will immer das Beste für uns. Darum kommt es manchmal vor, dass er unser Gebet nicht erfüllen kann. Jeder Vater und jede Mutter, die ihren Kindern aus gutem Grund etwas abschlagen müssen, werden dies verstehen.
Mit dem Gebet ist es wie mit einer Ampel.
Manchmal steht sie auf rot. Das würde dann im Blick auf unser Bitten bedeuten: Halt! Gott kann dein Gebet leider nicht erfüllen, weil es nicht gut für dich wäre. Er hat andere Pläne, bessere Pläne für dich. Vertraue ihm.
Manchmal steht die Ampel auf gelb. Das würde dann heißen: Achtung! Noch ist es nicht so weit, dass dein Gebet erfüllt werden kann. Bete weiter und warte auf die Erhörung.
Manchmal steht die Ampel auf grün. Das würde dann heißen: Gott erhört dein Gebet, wie du es dir erwünscht und erbeten hast. Sei ihm dafür dankbar. Wer solche Gebetserhörung erlebt hat, der wird sich mit immer mehr und größerem Vertrauen an seinen Vater wenden. Wer so bittet und empfängt, der wird immer dankbarer und wird Gott loben und ihn immer mehr anbeten.
Dennoch - es bleibt etwas Unerhörtes!
Manches können wir vielleicht erklären, über manches klärt uns auch die Bibel auf. Und doch, es bleibt etwas Unerhörtes. Es bleibt ein Stachel, und den kann auch ich nicht nehmen.
Warum Menschen, für die so im Gebet gerungen wird, sterben mussten, weiß ich nicht. Warum so manches Gebet nicht erhört wird, weiß ich nicht:
•die Bitte eines Kindes, dass Mama und Papa nicht auseinandergehen;
•die Bitte einer Mutter, dass ihrem Kind nichts zustoßen möge;
•die Bitte eines Mannes, der endlich wieder eine Arbeit haben möchte;
•die Bitte einer Frau, dass der Mann endlich von der Flasche loskommt.
Es gehört zu unserem Menschsein dazu, dass wir Vieles nicht erklären können.
Das Warum bleibt oft im Dunkel. Doch es ist besser, das Geheimnis, auch das dunkle Geheimnis, stehen zu lassen, als törichte Erklärungen anzubieten, die am Ende nicht trösten können.
Was bleibt uns aber dann?
Nicht aufhören!
Klagen
Das erste bleibt uns, gerade dann nicht aufzuhören zu beten, wenn scheinbar keine Reaktion kommt, gerade dann weiter zu beten. Und dann wird unser Beten vielleicht die Gestalt der Klage annehmen, so wie es auch Jesus am Kreuz getan hat: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Im Klagen verstummen wir nicht. Im Klagen bleiben wir vor Gott und wenden uns nicht von ihm ab.
Auch der Protest gegen Gott ist ein Verhältnis zu Gott und damit besser als das Verstummen, als die Abkehr, als das nicht mehr reden wollen und vielleicht auch nicht mehr reden können.
Auf Jesus sehen
Das zweite ist der Blick auf Jesus. Er bleibt uns immer und das ist gut. Auch „Beten" ändert an einer Sache nichts: Am Gang der Dinge in unserem Leben können wir nicht ablesen, wie es Gott mit uns meint.
Geht es uns gut, hat er uns lieb - geht es uns schlecht, hat er uns nicht lieb? Nein so funktioniert das nicht.
Wie es Gott meint, sehen wir nur an einer Stelle: an Jesus selbst.
An Jesus sehen wir einen, der alles Menschliche am eigenen Leib durchgemacht hat, bis hin zum unerhörten Gebet. Bis hin zum Schmerz. Bis hin zum Tod.
Als Jesus am Kreuz starb, hat Gott es durchlitten, was es heißt, ein verwaister Vater zu sein. Er kennt es. Er ist nicht gegen uns, auch wenn es uns schlecht geht. Auch wenn uns vieles unerklärlich bleibt, wozu das alles heute gut sein soll.
Es ist zu etwas gut, und es gehört zu Gottes Erziehung und Führung in unserem Leben, auch wenn wir es nicht verstehen. Er ist uns gerade dann besonders nah.
Und am Ende gilt uns allen seine Zusage: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Johannes 16,33b
Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unseren Herrn. Amen
