Wo wohnt Gott?

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Wo wohnt Gott?

Predigt Himmelfahrt 2019 – 1 Könige 8,22-24.26-28 – Langenleuba-Niederhain
Wo wohnt Gott?
Liebe Gemeinde,
Wo wohnt Gott? – Das ist die Frage, die uns heute Morgen beschäftigt.
Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber erzählte dazu folgende rabbinische Geschichte:
Ein junger Mann kam zu einem Gelehrten und sagte: "Ich gebe Ihnen 100 Euro, wenn Sie mir sagen, wo Gott wohnt!" Der Gelehrte antwortete: "Und ich gebe Ihnen 200 Euro, wenn Sie mir sagen, wo er nicht wohnt!"
Und noch eine dazu:
Ein Rabbi überraschte einmal seine Schüler mit der Frage: „Wo wohnt Gott?“ Die Schüler lachten und sagten: „Was ist das denn für eine Frage! Die Welt ist doch voll von seiner Herrlichkeit!“ –
Der Rabbi beantwortete seine eigene Frage so: „Gott wohnt, wo man ihn einlässt!“
Und das ist auch die Antwort Jesu auf diese Frage, wenn er sagt:
„Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten. Mein Vater werden ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“
Doch noch einmal die Frage: Wo wohnt Gott?
Denn es ist eine uralte Frage. Die Menschen zu allen Zeiten haben sie gestellt, auch wenn mancher heute offensichtlich nichts mit Gott mehr zu tun haben will.
Und wir finden dann die vielfältigsten Antworten darauf:
Gott wohnt im Himmel.
Gott wohnt in der Natur.
Den alten Völkern haben die Gestirne als Wohnsitze des Göttlichen gegolten. Auch Berge, Felsen, Quellen, Flüsse, Bäume ... sahen sie als Wohnstätten der Götter.
Tatsächlich ist Gott in seiner Schöpfung zu finden. Aber seine Gegenwart ist eben doch nicht auf bestimmte Bereiche beschränkt.
Wo wohnt Gott?
Israel, das alttestamentliche Gottesvolk war zutiefst von dem Glauben durchdrungen, das Gott mitten in seinem Volk wohnt, - und dass er in besonderer Weise im Tempel zu Jerusalem zugegen ist. Gerade als man ihn auch im Namen Gottes errichtet hat
Dabei aber war man sich aber sogleich bewusst, dass dieser Tempel den allgegenwärtigen, unermesslichen Gott nicht zu fassen vermag.
Das kommt besonders in dem Weihegebet des Königs Salomo zum Ausdruck, welches er betete, nach dem der Tempel errichtet und eingeweiht wurde.
Wir lesen aus 1. Könige 8:
1. Könige 8,22–24. 26-28 (LU)
22 Und Salomo trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel
23 und sprach: HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen;
24 der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage.
26 Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast.
27 Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?
28 Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, auf dass du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir.
Der König David wollte in Jerusalem gern für Gott einen Tempel bauen. Doch er durfte es wegen der vielen Übertretungen und Versagen Gottgegenüber nicht.
Erst sein Sohn Salomo, der nach David König in Israel wurde, nachdem dieser gestorben war, durfte dann den Tempel bauen. Salomo ließ dann einen wunderschönen Tempel für Gott bauen. Nach sieben Jahren war er fertig. Dann feierte Salomo mit den Israeliten ein großes Einweihungsfest.
Es war ein prunkvolles Fest; so wie wenn ein König seinen Einzug in einen neuen Palast feiert.
Dieses Fest wird hier ausführlich beschrieben. Einen Ausschnitt davon haben wir eben als Predigttext gehört.
Salomo sprach nun dieses lange Gebet zur Einweihung des Tempels. Ein König betet vor seinem Volk und mit seinem Volk. Er macht deutlich: Es gibt noch einen mächtigeren König über mir; auf dessen Hilfe sind wir alle angewiesen. Er weiß, dass Gott, mit all seiner Größe und Herrlichkeit, nicht in ein Haus aus Steinen gepresst werden kann. Sondern Gott ist überall im Himmel und auf Erden. Er umgibt alles mit seiner Herrlichkeit. Niemand und nichts kann ihn umfassen. Keiner von uns kann ihn in seiner ganzen Größe erfassen.
So prächtig der Tempel auch ist: er kann nicht der Raum sein, auf den Gott sich beschränken lässt. Und so lesen wir in 1. Könige 8 in Vers 27: „Salomo sprach: ‚Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?‘“ Das Weltbild des Beters aus uralter Zeit ist natürlich anders als das unsrige. Die Erde wurde begrenzt wahrgenommen, so als ende sie am Firmament oder an den großen Wassern. Und doch ahnte Salomo etwas von der unendlichen Größe Gottes „der Himmel und Erde erfüllt“ (Jeremia 23,24).
Doch warum wurde dann der Tempel gebaut? Warum bauen wir denn heute unsere Kirchen?
Es geschieht um der Menschen Willen. Es geschieht um unsertwillen. Der Tempel wurde gebaut, damit ein besonderer Ort der Anbetung vorhanden ist. Er wurde gebaut damit der Mensch in seiner Niedrigkeit dem großen Gott begegnen kann.
Dazu sind auch unsere Kirchen da. Und ich glaube, wenn sie hier in unsere Niederhainer Kirche gehen und sich einmal in der Stille in sie hineinsetzen, haben auch sie ein Stück dieses Gefühl, was uns zur Anbetung führen kann. Mir geht es jedenfalls so.
Aber so richtig scheint es mit dem Tempel als Ort der Anbetung nicht funktioniert zu haben. Denn wenige Jahre später war der Tempel eben nicht mehr der Ort der Anbetung, sondern ein Ort des religiösen Kultus mit Priester und Tempelkult und einem eigenen und nicht kleinen Geschäftsbetrieb. Also alles andere als das, was er eigentlich sein sollte.
Das wird uns gerade auch in der Zeit Jesu verdeutlicht. Denn bei Jesus sehen wir es, wie er gegen den religiösen Missbrauch antritt, als er die Geldwechsler und Taubenhändler aus dem Tempel treibt „Mein Haus soll ein Bethaus sein, aber ihr habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“
Nun stellt sich die Frage, was hat nun dieses Tempelweihe mit Christi Himmelfahrt und mit uns heute zu tun?
Hier in diesem Tempelweihegebet des Salomo hören wir eine Ortsbeschreibung des Ortes zu dem Jesus bei der Himmelfahrt hinweggehoben wird. Eine Ortsbeschreibung, die deutlich macht, dass dieser Ort für uns nicht zu beschreiben ist.
Es ist ein Ort, der fern und doch nahe ist. Es ist aber kein Ort, der weit weg ist. Etwa frei nach Schiller aus der Ode an die Freude: „Brüder - überm Sternenzelt wird ein lieber Vater wohnen ... Droben überm Sternenzelt wird ein großer Gott belohnen.“ Weit weg von uns ist Gott – nicht für uns erreichbar, als weißes altes Großväterchen, dass an dem Rad der Zeit spinnt, aber jemand der uns für ein gutes und tugendhaftes Leben belohnen wird.
Martin Luther schreibt dazu: „Droben habe ich gesagt, dass die Rechte Gottes an allen Enden ist, aber dennoch zugleich auch nirgends und unbegreiflich ist, über und außer aller Kreatur. Es ist ein Unterschied unter seiner Gegenwärtigkeit und deinem Greifen. Er ist frei und ungebunden allenthalben, wo er ist. Und muss nicht dastehen, als ein Bube am Pranger oder Halseisen geschmiedet.“
Gott ist ungebunden und doch nahe bei uns. Viel näher als wir es uns denken und erfassen können. Und Gott ist auch Gott und kein Hampelmann, der uns für jede tugendhafte Tat belohnt, aber auch nicht für jeden Fehler gleich bestraft.
Gott ist mehr als Himmel und Erde und doch kann ich ihm im Alltag begegnen, so wie im Lied heißt:
„Fürstentümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht halten, geben ihm die Herrlichkeit; alle Herrschaft dort im Himmel, hier im irdischen Getümmel ist zu seinem Dienst bereit.“
In seinem Sohn Jesus Christus hat er für uns einen Weg zu sich eröffnet. Diesen Weg dürfen wir im Glauben beschreiten.
Vielleicht noch eine Geschichte, die uns das deutlich macht:
Zwei Brüder wohnten einst auf dem Berg Morija. Der jüngere war verheiratet und hatte Kinder. Der ältere war unverheiratet und allein. Die beiden Brüder arbeiteten zusammen. Sie pflügten ihre Felder zusammen und streuten gemeinsam das Saatgut auf das Land. Zur Zeit der Ernte brachten sie das Getreide ein und teilten die Garben in zwei gleich große Stöße, für jeden einen Stoß Garben.
Als es Nacht geworden war, legte sich jeder der beiden Brüder bei seinen Garben zum Schlafen nieder. Der Ältere aber konnte keine Ruhe finden und dachte bei sich: „Mein Bruder hat Familie, ich dagegen bin allein und ohne Kinder, und doch habe ich gleich viele Garben genommen wie er. Das ist nicht recht!”
Er stand auf und nahm von seinen Garben und schichtete sie heimlich und leise zu den Garben seines Bruders. Dann legte er sich wieder hin und schlief ein.
In der gleichen Nacht, geraume Zeit später, erwachte der Jüngere. Auch er musste an seinen Bruder denken und sprach in seinem Herzen: „Mein Bruder ist allein und hat keine Kinder. Wer wird in seinen alten Tagen für ihn sorgen?”
Und er stand auf, nahm von seinen Garben und trug sie heimlich und leise hinüber zu dem Stoß des Älteren.
Als es Tag wurde, erhoben sich die beiden Brüder. Und jeder war erstaunt, dass die Garbenstöße die gleichen waren wie am Abend zuvor. Aber keiner sagte darüber zum anderen ein Wort. In der zweiten Nacht wartete jeder ein Weilchen, bis er den anderen schlafen wähnte. Dann erhoben sich beide und jeder nahm von seinen Garben, um sie zum Stoß des anderen zu tragen. Auf halbem Weg trafen sie aufeinander, und jeder erkannte, wie gut es der andere mit ihm meinte. Da ließen sie ihre Garben fallen und umarmten einander in herzlicher und brüderlicher Liebe.
Gott im Himmel aber schaute auf sie herab und sprach: „Heilig ist mir dieser Ort. Hier will ich unter den Menschen wohnen!” (Nach Nicolai Erdelyi)
Am Himmelfahrtstag wird Jesus Christus hinweg genommen. Er fuhr auf in den Himmel. Das steht im Evangelium des heutigen Tages geschrieben.
Er fuhr auf in die Herrlichkeit des lebendigen Gottes, zu dessen Rechten er jetzt sitzt und diese Welt regiert, von wo er auch wiederkommen wird zu richten die Toten und die Lebendigen. So bekennen wir es im Glaubensbekenntnis.
Was ist der Himmel? Der Engländer hat es leichter den Begriff des Himmels zu definieren als wir Deutschen. Den Himmel, der über uns mit seinen Wolken ist und an das Weltall grenzt, bezeichnet er als Sky.
Den Himmel, der die göttliche Welt ist, bezeichnet er als Heaven. Wir haben für alles nur den einen selben Begriff.
Jesus Christus wurde hinweggenommen in den göttlichen Himmel, der uns dennoch alle umgibt.
Vier Dinge sollten wir uns heute mitnehmen:
1.Jesus Christus ist in der uns umgebenden unsichtbaren und für uns unfassbaren Welt Gottes.
2.Der Himmel als Wohnort Gottes ist nicht Exterritoriales, sondern umgibt uns unsichtbar und ist uns ganz nahe.
3.Wir brauchen keinen Tempel und keine Kirche, um zu Gott zu beten, und dennoch:
4.Eine Kirche als stiller Ort, als Ort der Besinnung kann hilfreich sein, um mit Gott zu reden.
Abschließen möchte ich mit dem Christushymnus aus Philipper 2:
Gott hat Jesus Christus erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.
Amen
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