Schwerter zu Pflugscharen! - der große Traum
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"Schwerter zu Pflugscharen!" - der große Traum
"Schwerter zu Pflugscharen!" - der große Traum
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde,
haben wir als Menschen nicht alle Sehnsucht nach Frieden. Nicht von ungefähr gewann vor 37 Jahren das Lied der damaligen 17-jährigen Nicole „Ein bisschen Frieden“ den Eurovision Song Contest und dieses Lied ist auch heute noch bekannt.
Aber Frieden, wirklich Frieden - egal in welcher Form, ob in der großen Welt oder im Kleinen zu Hause, ist das wirklich machbar? Oder ist es nur ein Traum, den wir Menschen haben? Vielleicht eine fiktive Vision, die zu scheitern droht und an der Lebensrealität vorbeischlittert.
Tagtäglich bringen uns die Medien die Realität des Unfriedens ins Haus. Oder ist doch etwas möglich? Vielleicht im Kleinen oder wenigstens punktuell.
Dazu eine Begebenheit, die vor fast 105 Jahren geschehen ist, und wenn man sie weiterverfolgt hätte, vielleicht auch den Verlauf des ersten Weltkrieges veränderte.
Viele Soldaten aller Kriegsparteien waren 1914 enthusiastisch und voller Siegesgewissheit in den Krieg gezogen und hatten gehofft, „bis Weihnachten“ wieder zu Hause zu sein. Doch dieser Optimismus war bald verflogen. Die bittere Realität der Schlachten im Spätsommer und Herbst 1914 hat eine deutliche Ernüchterung auf beiden Seiten der Front bewirkt. So saß man auch am 24. Dezember 1914 in den Schützengräben fest. Die gegnerischen Schützengräben waren nur 50 bis 100m voneinander entfernt, so dass man in den Sprechkontakt kam. So kam es, dass man hier besonders an der Front der Front zwischen Mesen und Nieuwkapelle gemeinsam Weihnachten feierte, ja sogar Gottesdienste miteinander feierte. Man tauschte sogar Geschenke aus.
Dieser Weihnachtsfriede 1914 war im 1. Weltkrieg einmalig. In folgenden Jahren wurde so etwas von den Offizieren unterbunden.
Aber auch die Älteren unter uns wissen ja noch um die Momente, wo Friedensvisionen wahr werden. Erst einmal im negativen Sinne am 13. August 1961, also vor 58 Jahren, wurden Hoffnungen und ja sogar Leben zerstört, durch den Mauerbau.
Und dann am 9. November 1989 vor 30 Jahren geschah dann die Beseitigung der Mauer! – gewaltfrei und friedlich.
Doch wir wissen, so friedlich ist unsere Welt nicht, sondern es herrscht viel Krieg. Neben den Kriegen in dieser Welt, und diese werden auch durch die neuen populistischen Machthaber noch geschürt, gibt es den Krieg in den Wohnstuben.
Auch in vielen Familie herrscht regelrecht Krieg, oder auf Arbeit oder in der Nachbarschaft und selbst in der christlichen Gemeinde kann das sein. Auch in der Kirche, denn auch bei uns hier menschelt es.
Dass alle Menschen auf Erden in Frieden leben, das ist der große Traum. Doch wir sind heute davon weit entfernt.
Das sollte uns dennoch nicht abhalten, von der großen Vision von Gott her zu leben. Wir lesen dazu aus dem Buch des Propheten Jesaja:
Jesaja 2,1–5 (LU)
1 Dies ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, schaute über Juda und Jerusalem.
2 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,
3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.
4 Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
5 Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!
Liebe Gemeinde,
Wer ist Gott?
da stellt uns der Prophet als erstes, Gott in seiner Einzigartigkeit vor, und wo und wie wir ihm begegnen können. Er macht seinem Volk damals und uns heute deutlich Gott ist konkurrenzlos. Das war damals sehr wichtig, weil ja die Juden immer wieder auf die Götter der Nachbarvölker schielten. Aber auch wir müssen uns das heute verdeutlichen, bei der Vielfalt der Religionen und Nichtreligionen in unserer Welt.
Die Menschen werden vom Propheten eingeladen auf den Zionsberg zu ziehen, auf den Berg, wo der Tempel Gottes steht. Der Berg ist vielleicht nicht der höchste Ort im Land, aber er ist das Symbol für die Einzigartigkeit Gottes. Symbol dafür, dass Gott uns in seiner ganzen Einzigartigkeit begegnen will. Die Erfahrung der Einzigartigkeit Gottes macht Israel, dass er ein mitgehender Gott ist. Von der Wüstenwanderung aus Ägypten bis zur babylonischen Gefangenschaft. Trotz des Versagens des Volkes Israel blieb er ihnen treu und ging mit.
Auch für uns heute gilt, dass Gott ein mitgehender Gott ist. Heute geht Gott sogar mit uns als ein ohnmächtiger Gott. Als ein Gott, der das Versagen und Scheitern kennt. Er geht mit uns durch seinen Sohn Jesus Christus. Das Kreuz ist das Kennzeichen dafür. In Jesus kommt die Liebe Gottes zu uns Menschen. So wird uns Gott einzigartig und einmalig.
Die Völker
Aber unser Text heute geht über dies bisherigen Verheißungen des Alten Testamentes hinaus. Denn jetzt gilt eben nicht nur diese Einladung allein dem Volk Israel, sondern allen Völkern. So zeigt der Prophet ein Bild auf, wie die Menschen aus allen Völkern und Nationen ganz freiwillig zum Zionsberg, und damit letztlich zu Gott kommen. Ja sie laden sich sogar gegenseitig ein. Sie ermuntern sich auf dem Weg gegenseitig. Sie kommen mit großen Erwartungen. Sie wollen Gottes Wort und Weisung direkt und unmittelbar von ihm hören.
Da gibt es keine geheime Kommandostelle, die sie jetzt anweist, zu kommen. Sie werden auch nicht fremdgesteuert. Ihrem „Glück“ wird auch nicht mit Waffengewalt nachgeholfen, wie das ja heute so oft in unserer Welt üblich ist. Nein, sie merken: Es kann uns nichts Besseres geschehen, als dass der Rechtswille dieses Gottes sich durchsetzt! Darum ermutigen sie sich gegenseitig zu kommen!
Gottes gute Weisung
Der Rechtswille Gottes ist Gottes gute Weisung. Und diese Leidenschaft unter den Völkern, die hier zu erkennen ist, ist vielleicht für uns schwer nachvollziehbar.
Denn mit dem Recht und der irdischen Rechtsprechung haben wir vielleicht unserer Probleme. Sie kennen ja sicher alle die Redewendung „Recht haben und Recht bekommen sind zwei paar verschiedenen Schuhe“. Dabei wünschten wir uns eine gute irdische Rechtsprechung. Eine Polizei, die uns schützt.
Wie wichtig auch irdische Rechtsprechung ist, dazu brauche ich nur ein paar Stichworte zu sagen, die uns bestimmt auch in der vergangenen Woche wieder im Leben oder in den Medien begegnet sind:Anarchie, Terrorismus, „Faustrecht", Mord und Todschlag, Mobbing, ja und auch bei der Kaffeefahrt kann man über den Tisch gezogen werden. Da gibt es mittlerweile Gesetze, wodurch das erschwert wird.
Dennoch brauchen wir das Rechtsprechen durch Gott. Und die Zusammenfassung dessen sind ja die Zehn Gebote.
Aber mal ehrlich: Wer braucht das schon – die Zehn Gebote – Anweisungen von außen – Gebote – Ordnungen – Anordnungen -Anweisungen vom Berg Zion.
Wird uns da nicht heute etwas anderes gelehrt? Leben wir denn nicht heute in einer Zeit, wo es um die Selbstbestimmung des Menschen geht? Haben wir nicht selbst ein inneres Rechtsbewusstsein? Sind darum diese Belehrungen von Gott her nicht überflüssig? Und werden wir da nicht als freie Menschen entmündigt? Wie weit es mit unserer Selbstbestimmung ist, sehen wir gegenwärtig in unserer Weltpolitik, wo es so viele populistische Politiker gibt, wie lange nicht mehr. Und die, die Massen mit ihren Ideen und Vorstellungen in alle Richtungen begeistern, so dass viele gar nicht mehr darüber nachdenken.
Darum ist gerade das Handeln dieses lebendigen Gottes vom Zion her ganz anders. In seinem Herr sein will er uns nicht entmündigen, sondern wir sollen mit ihm zusammen verantwortlich leben und handeln!
Gottes Wille für unser Leben
Dieser lebendige Gott will, dass wir verantwortlich mit ihm leben und handeln. Darum hat er uns seine Weisungen und in der Minimalform seine Gebote gegeben. Und er wirkt mit seinen Heiligen Geist in uns selbst. Denn der Heilige Geist ist Gott in uns.
So werden auch jeweils die Gebote Gottes in unserer jeweiligen Lebenssituation konkret und wirksam. So wird der unwandelbare Gotteswille in der jeweiligen Situation, in die Erfordernisse und in die Kultur unseres Lebens umgesetzt. So handelt Gott in und durch uns. Und weil jeder von uns ein Original ist, werden auch die Gebote Gottes und seine Weisungen in origineller Weise zu uns kommen und umgesetzt.
Die Zehn Gebote sind Weisungen Gottes für unser Leben! Sie sind eine einmalige Weisung für alle Zeiten und an alle Menschen. Doch, wie gehen wir damit um? Wie schnell beugen wir sie im Lebensvollzug des Alltags? Wenn sie uns in unserem Alltag nicht in den Kram passen: So in Konfliktsituationen mit anderen Menschen, in der Familie, im Beruf, in der Firma, in der Gemeinde und Kirche, im Verein und im Dorf, in der Gesellschaft und in der Politik, also überall im Leben.
Mal hier schnell eine Notlüge, mal dort etwas Weglassen, oder mal etwas Wegfinden oder mal was umorganisieren.
Natürlich ist unser Leben nicht schwarz und Weiss, sondern hat viele Graustufen. Und oft geraten wir auch in Konflikte und dann gilt das, was Luther sagte: „Sündige tapfer, doch tapferer glaube und freue dich in Christus, der Herr ist über Sünde, Tod und Teufel.“
Doch es gibt da vielleicht vier Fragen, die uns helfen könnten, mit solchen Situationen umzugehen:
Könnte ich meine Sache aus der Hand geben und einem anderen überlassen, der über den Dingen steht?
Könnte ich damit Ernst machen, dass die Sünde mein Rechtsbewusstsein trübt?
Könnte ich mich mit meinem Gegner am dritten Ort treffen, vielleicht auf dem „Berg des Herrn“?
Könnte ich mich dem Gott anvertrauen, der nach der ganzen heiligen Schrift der Hüter des Rechtes ist?
Sicher ist es nicht einfach und leicht diesen Weg mit Gott zu gehen. Es hat dann Konsequenzen für das eigene Leben. Denn das heißt auch, dass ich von Gott in Anspruch genommen werde. Das bedeutet nicht mehr über den anderen richten, sondern sich für seinen Mitmenschen einsetzen. Denn wer Gott ehrt, wird auch seinen Mitmenschen achten. Der andere ist dann nicht Mittel zum Zweck. Im Reich Gottes geht es nicht ums Herrschen, sondern ums dienen. Wer mit Gott auf dem Weg ist, ist bereit, sich für Gott und sein Reich einzusetzen und ganz besonders der Schwachen anzunehmen. Wie sagt es Jesus:
26 So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; 27 und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, 28 so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. Mt 20,26–28
Frieden durch Gottes Recht
Nun das große Ziel ist Frieden und Heil durch Gottes Wirken. Und das Bild oder besser die Vision dafür ist das Umschmieden der Schwerter zu Pflugscharen und der Speere zu Winzermesser.
Am eindrucksvollsten ist uns das ja bewusst durch das Denkmal des sowjetischen Bildhauers Jewgeni Wiktorowitsch Wutschetitsch vor dem UNO-Hauptgebäude, welches ja dann später auch das Symbol der kirchlichen Friedensbewegung in der DDR wurde.
Nun vielleicht ist in unserem Text gar nicht so ein wuchtiges Umschmieden gemeint, sondern eher in eine Art Hacke, mit der man den Boden aufreißt. Auf jeden Fall werden Geräte, die Menschen verletzen und töten, so verändert, dass sie jetzt zum Wohlergehen dienen.
Es wir deutlich gerade durch dieses Recht und Heil Gottes soll Frieden auf Erden werden. Und das ist ja auch die Botschaft von Weihnachten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Lukas 2,14 (LU)
Darum sollen wir zu Friedenstifter werden. Das ist nicht einfach. Manchmal kann das richtig anstrengend und schwer sein. Und es bedarf immer wieder der Vergebung und des Neuanfanges.
Schluss
Als Christen sind wir auf dem Weg, dass dieses Bild des Heils und des Friedens Gottes wahr wird. Natürlich geschieht das nicht aus uns heraus, sondern weil Gott es tut. Doch wir können seinen Willen kundtun, von der großen Vision dieses Friedensreich Zeugnis geben, das ja mit Jesus Christus begonnen hat.
Und wir können unsere Umwelt ermutigen, sich mit auf diesen Weg zu machen, wenn wir als Christen selbst zu Gott unterwegs sind. Denn auch für uns gilt es auf dem Weg zu sein, als einzelner Christ, als Gemeinde, als Leute, die aus der Vergebung leben. Der Traum - die Vision kann und wird Wirklichkeit werden!
Amen!
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unseren Herrn! Amen!
