Auferstehung und Leben

Sermon  •  Submitted   •  Presented
0 ratings
· 8 views

Jubelkonfirmation 2019 Nobitz

Notes
Transcript

Auferstehung und Leben

Liebe Diamantene Konfirmanden, liebe Gemeinde,
heute haben wir uns versammelt, um ihre Diamantene Konfirmation zu feiern. Sie halten Rückschau auf ihr Leben seit ihrer Konfirmation, wie es in den vergangenen 60 Jahren war. Da gab es viele Höhepunkte und manchen Tiefpunkt, an die wir uns erinnern. Zeiten des Wohlergehens, aber auch Momente oder lange Phasen des Leidens.
Doch heute sind Sie hier und schauen zurück in der Gemeinschaft, derer, die vor 60 Jahren mit ihnen konfirmiert wurden. Sicher sind nicht mehr alle da. Manche sind verhindert, aber auch mancher ist verstorben. Einige sind da und man hat sich heute vieles zu erzählen. Sicher auch, was sie in ihrem Leben erlebt haben. Wie es ihnen ergangen ist. Von den guten Zeiten und von den schweren Tagen. Eben vom Leben.
Auch ich habe ihnen eine biblische Geschichte mitgebracht, die exemplarisch ist für das Leben. Eine Geschichte, die von Leben und Tod spricht, von Krankheit und Gesundsein, von Hoffen und Bangen, von Trauer und Freude, von Freundschaft, von Zweifel und Glauben, von Vergangenheit, Gegenwart und auch von der Zukunft. Es ist eine Geschichte, wo das Wunder selbst gar nicht so sehr im Mittelpunkt stehen sollte, sondern die Botschaft, die das Wunder begleitet.
Wir lesen aus dem Johannes-Evangelium Kapitel 11 in Auszügen.
Ich lese es in einer moderneren Übersetzung:
Johannes 11,1–45 (BasisBibel)
1 Ein Mann war schwer krank, Lazarus aus Betanien. Das ist das Dorf, in dem Maria und ihre Schwester Marta lebten.
3 Die Schwestern ließen Jesus die Nachricht zukommen: »Herr, sieh doch! Dein Freund ist schwer krank!«
17 Als Jesus nach Betanien kam, lag Lazarus schon vier Tage im Grab.
18 Betanien war nahe bei Jerusalem, nur ungefähr fünfzehn Stadien entfernt.
19 Viele Leute aus der Umgebung waren zu Marta und Maria gekommen. Sie wollten ihnen in ihrer Trauer über den Tod ihres Bruders beistehen.
20 Als Marta hörte, dass Jesus kam, ging sie ihm entgegen. Aber Maria blieb im Haus.
21 Marta sagte zu Jesus: »Herr, wenn du hier gewesen wärst, hätte mein Bruder nicht sterben müssen.
22 Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, das wird er dir geben.«
23 Jesus antwortete ihr: »Dein Bruder wird vom Tod auferstehen!«
24 Marta erwiderte: »Ich weiß, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung der Toten am letzten Tag.«
25 Da sagte Jesus zu ihr: »Ich bin die Auferstehung und das Leben! Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.
26 Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben – in Ewigkeit nicht. Glaubst du das?«
27 Sie antwortete: »Ja, Herr, ich glaube fest: Du bist der Christus, der Sohn Gottes, der in diese Welt kommen soll!«
38 Jetzt wurde Jesus erst recht zornig. Er ging zum Grab. Es bestand aus einer Höhle, vor deren Eingang ein Stein gerollt war.
39 Jesus sagte: »Wälzt den Stein weg!« Marta, die Schwester des Verstorbenen, erwiderte: »Herr, er stinkt schon. Es ist doch schon der vierte Tag.«
40 Jesus sagte zu ihr: »Habe ich nicht zu dir gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?«
41 Da wälzten sie endlich den Stein weg. Jesus blickte zum Himmel empor und sprach: »Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.
42 Ich wusste ja, dass du mich immer erhörst. Aber ich sage es wegen der Leute, die hier stehen. Sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.«
43 Nachdem er das gesagt hatte, schrie er mit lauter Stimme: »Lazarus, komm heraus!«
44 Da kam der Tote heraus. Seine Füße und seine Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Tuch verhüllt. Jesus sagte zu den Leuten: »Befreit ihn davon und lasst ihn nach Hause gehen.«
45 Die Leute, die bei Maria waren, hatten miterlebt, was Jesus getan hatte. Daraufhin kamen viele zum Glauben an Jesus.
Liebe Jubelkonfirmanden,
ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber wenn man diesen Text erst einmal liest kommt er einen vielleicht etwas befremdlich vor.
Vielleicht fragen Sie sogar: Was hat dieser Text, an so einem Tag, wie heute mit uns zu tun?
Da stirbt einer an einer schlimmen Krankheit und liegt im Grab. Und wie heißt es: „Er riecht schon“ – also er ist wirklich tot – nicht irgendwie scheintot. Und dann kommt er wieder zum Leben. Nun ist das für viele nicht glaubhaft. Ich glaube, dass die Geschichte so geschehen ist. Und sie macht uns deutlich, dass der Tod nicht das letzte ist, sondern das Leben siegt.
Der Tod ist uns dennoch allgegenwärtig. Umso älter man wird, desto mehr Freunde Bekannte oder Verwandte sterben. Das sehen wir auch an den Jubelkonfirmanden, die heute fehlen.
Auch die Nachrichten bringen uns Tag für Tag Todesmeldungen. Der Tod ist gegenwärtig. Jeder Mensch weiß, das Leben ist begrenzt. Und doch leben wir, als wären wir ewig auf der Erde. Man kann sicher die Frage des Todes verdrängen, aber er ruft sich uns immer wieder ins Gedächtnis.
Bei einem älteren Menschen sagt man oft: Er oder sie hat ihr Leben gelebt. Anders ist es bei jungen Menschen. Wenn der Tod ganz unverhofft und plötzlich kommt. Wie reagieren wir Menschen darauf? Oft stellen wir dann die Frage nach dem Warum? Oder wir klagen sogar Gott an: Wo warst du, Gott? Oder wir sagen ähnlich wie die Martha: Herr, wärest du hier gewesen, hättest du nur eine Sekunde eingegriffen, das Unglück wäre nicht passiert.
Martha und Maria bleiben nicht untätig, als ihr Bruder Lazarus krank wird. Sie benachrichtigen Jesus. Der aber – obwohl er den Dreien sehr nahestand – bleibt noch zwei Tage im Ostjordanland, bevor er sich auf den Weg nach Bethanien unweit von Jerusalem macht. Denn die Krankheit des Lazarus dient zur Verherrlichung Gottes – wie wir hinterher erfahren: durch die Auferweckung aus dem Tod.
Als Jesus schließlich ankommt, ist Lazarus bereits vier Tage im Grab. In der Regel wurden Verstorbene noch am Todestag beigesetzt. Nach jüdischer Vorstellung bleibt die Seele noch drei Tage beim Verstorbenen. Nach vier Tagen ist jegliche Wiederbelebung ausgeschlossen. Da heißt es dann: Tot ist tot.
Dennoch bleibt Martha nicht untätig. Sie ergreift die Initiative. Sie verlässt die Trauergesellschaft und geht auf Jesus zu. Sie spricht ihn direkt und ohne Umschweife an. Dabei ist der klagende fast anklagende Unterton in ihrer Stimme nicht zu überhören: »Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben« (V. 21).
Sind wir ehrlich: Wer kann es ihr verdenken! Würden wir nicht in solch einer Situation ähnlich oder noch anklagender sein?
Der Tod des Lazarus war ein schmerzlicher Verlust für die beiden Schwestern. Auch wenn beide, jede auf ihre Weise aktiv ist, war der Mann damals in der Familie für den häuslichen Schutz zuständig. So stellt sich schon für Martha und Maria die Frage: „Wie sollte es ohne ihn weitergehen?“
Es ist doch die Frage nach dem Leid: Wie kann Gott das zulassen? Vielleicht haben auch Sie sich schon einmal in Ihrem Leben diese Frage gestellt?
Vor einiger Zeit habe ich einmal in der, sie werde es kaum glauben, „Bild-Zeitung“ gelesen, wie ein Autor genau dieser Frage nach gegangen ist. Seine Frage war: Warum verzweifle ich als Christ nicht am Leid?
Und die Antwort darauf: „Gott verursacht kein Leid. Er hat keine Freude daran. Auch im größten Grauen und in schlimmster Ungerechtigkeit steht er uns zur Seite. Der Fokus auf das Gute gab den Helfern und mir Kraft und Zuversicht.
Der Glaube ist nicht wie ein Neonlicht, das man anknipst, und schon ist die Finsternis weg. Für uns Christen ist Jesus vielmehr eine Kerze. Das Dunkel ist noch da, aber wir können die Liebe und die Gerechtigkeit leuchten sehen.“
Und darum ist genau das Wort, was Jesus zur Martha sagte, dass entscheidende Wort, welches ich Ihnen heute besonders mitgeben möchte:
Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.
Damit forderte Jesus Martha heraus und fragte sie darum: „Glaubst du das?“
Es geht also hier nicht um ein Fürwahr halten einer Aussage von Jesus, sondern es geht hier um eine tiefe existenzielle Frage. Es geht um die Frage echten Glaubens.
Dieser Dialog zwischen Martha und Jesus endet im bekenntnisvollen „Ja ich glaube“ der Martha. Martha, die Macherin, hat hier Glauben. Anders bei Maria, die sonst glaubende, begegnet hier Jesus ein wenig vorwurfsvoll: „Wenn du hier gewesen wärst, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Sind das nicht auch manchmal solche Aussagen, die wir Gott gegenüber machen, wenn sich die Dinge nicht so erfüllen, wie wir uns das wünschten.
Und hier handelt dann Jesus als der, der er ist, als der Herr über Tod und Leben, als Herr über die Auferstehung und des Lebens und er ruft den Lazarus wieder aus dem Grab. Er ruft ihn wieder zum Leben.
Doch auch Lazarus ist wieder gestorben – Diese Auferstehung war nicht endgültig.
Aber er, Jesus, will die endgültige Auferstehung und das ewige Leben schaffen, darum muss auch sein Weg weitergehen bis hin ans Kreuz und seine eigene Auferstehung am Ostermorgen.
Jesus Christus spricht hier von sich als die Auferstehung und das ewige Leben. Und wozu ist er das? Damit auch wir das ewige Leben haben. Seine Heilswirken ist kein Selbstzweck. Die Tatsache, dass Gott seinen Sohn als vollkommenen Menschen in diese verlorene Welt sandte und ihn in unseren Tod dahingab, ist nicht bloß ein interessantes historisches Ereignis, sondern es diente dem Zweck, dass unsere Sünde und unser Tod überwunden wurden, und uns das ewige Leben geschenkt wird. Es ist etwas, was wir selbst niemals hätten vollbringen können.
Das Evangelium von Jesus Christus stellt uns nicht nur die Tatsachen vor Augen, sondern es ruft uns auch zum Glauben. So rief auch die Auferweckung des Lazarus die Anwesenden zum Glauben. Aber was lesen wir über ihre Reaktion:
„Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus getan hatte, glaubten an ihn. Etliche aber von ihnen gingen zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte. … Von jenem Tag an beratschlagten sie nun miteinander, um ihn zu töten“ (Verse 45–46.53)
Glaube bei den einen, Unglaube und tödlicher Hass bei den anderen. Der Blick auf das Wunder der Auferweckung, der Blick auf Jesus Christus und sein Heilswerk rief eine Spaltung hervor.
Das Evangelium spaltet die Menschheit. Das Evangelium ist die Kraft Gottes zur Errettung nicht für jeden, sondern für jeden, der glaubt (Römer 1,16). Das ist die Warnung und zugleich der Aufruf, die heute mit diesem Wort an jeden von uns gerichtet sind. Glaubt dem Evangelium! Glaubt dem, der heute spricht: Ich, Christus, bin die Auferstehung und das Leben! Ich bin euer einziger Trost, eure einzige Hoffnung. Ich bin euer Fels. Stoßt euch nicht an mir, denn ihr würdet zerschmettert werden. Verleugnet euch selbst und kommt zu mir. Ergreift mich im Glauben.
Derselbe Herr, der Lazarus von den Toten auferweckt hat, wird durch Glauben auch euch auferwecken an Leib und Seele und euch ewiges Leben schenken. Glaubt ihr das? Vor dieser Frage stehen wir. Was ist unsere Antwort? Schauen wir erst einmal nach, wie es in uns aussieht? Da werden wir nicht viel finden. Glauben heißt gerade nicht, in sich hineinzuhorchen, sondern im Gegenteil von sich auf den Fels hin wegzuschauen, auf Christus. Und das tun wir, oder? Und dann antworten wir mit den Worten von Markus 9,24: „Ich glaube, Herr, hilf mir loszukommen von meinem Unglauben!“
Diese Worte werden uns auch im kommenden Jahr als Jahreslosung begleiten.
Gerade, dass möchte ich Ihnen, liebe Jubelkonfirmanden, mit auf den Weg geben.
Jesus Christus ist die Auferstehung und das Leben. Jeder von euch, der an ihn glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder von euch, der lebt und an ihn glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.
Amen.
Related Media
See more
Related Sermons
See more
Earn an accredited degree from Redemption Seminary with Logos.