Predigt (unbenannt) (4)

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Flucht vor dem Angesicht Gottes

Liebe Geschwister, sehr geehrte Damen und Herren, 

Einleitung: Ein Leben ohne Mops - ein Leben ohne Gott      

Kennen Sie vielleicht die Hunderasse der Mopse? Nun, der Mops ist ein kleiner kompakter Hund mit einem runden Gesicht, großen Augen und einem besonders liebenswerten Charakter. Er sieht aber so aus, als wäre er mit der Schnauze einmal ohne zu bremsen gegen die Wand gelaufen. Dennoch: Viele Hundehalter lieben ihren Mops. Einer von Ihnen war der Komiker Loriot. Er beantwortete die Frage: „Gibt es ein Leben ohne Mops?“. Seine Antwort war verblüffend einfach: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!“

Vier Gründe, warum ein Leben ohne Gott nicht möglich ist

Ich möchte Ihnen mit der heutigen Predigt eine andere Frage stellen, denn hier geht es nicht um Mopse. Meine Frage lautet: „Gibt es ein Leben ohne Gott?“ Man kann in diesem Fall nicht die Antwort von Loriot verwenden, denn ein Leben ohne Gott ist nicht möglich. Warum nicht? Dazu gibt es mindestens vier Antworten: 1. Gott ist allgegenwärtig und 2. zugleich auch allwissend. 3. ist Gott allgütig und 4. ist Er allliebend. Niemand kann Gott aus dem Weg gehen. Man kann es versuchen, aber im Grunde ist es unmöglich.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf wollen wir auf den folgenden Bibelabschnitt hören, welcher der heutigen Predigt zugrunde liegt. Ich muss dazu auch nicht allzu viel erklären, denn es handelt sich um den Anfang eines Buches aus dem Alten Testament: das Buch Jona, Kapitel 1, die Verse 1-3:
Jona 1,1 Und das Wort des HERRN erging an Jona, den Sohn Amittais, folgendermaßen:
Jona 1,2 Mache dich auf, geh nach Ninive, in die große Stadt, und verkündige gegen sie; denn ihre Bosheit ist vor mein Angesicht heraufgekommen!
Jona 1,3 Da machte sich Jona auf, um von dem Angesicht des HERRN weg nach Tarsis zu fliehen; und er ging nach Japho hinab und fand dort ein Schiff, das nach Tarsis fuhr. Da bezahlte er sein Fahrgeld und stieg ein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weg von dem Angesicht des HERRN.
Jona hat von Gott einen klar umrissenen Auftrag bekommen: Er soll den Bewohnern von Ninive eine Botschaft Gottes überbringen. Ich habe nachgezählt, es sind 22 Worte, die Gott ihm mitteilt - unmissverständlich und klar. Und ich denke, dass sich mancher oder sogar jeder von uns glücklich schätzen würde, wenn er oder sie solch einen klaren Hinweis von Seiten Gottes bekommen würde. „Ich möchte ja gern etwas für Gott tun, aber ich weiß einfach nicht was“, höre ich Leute manchmal sagen. Einige von ihnen leiden förmlich darunter und haben ein schlechtes Gewissen, dass sie gar keine Ahnung davon haben, was der Auftrag Gottes in ihrem Leben sein soll. Und daraus schließen nicht wenige: „Wenn ich für Gott nichts tue, dann kann es sein, dass Er mich vielleicht eines Tages fallen lässt.“ Nun, ich sehe diese Gefahr nicht, denn niemand wird von Gott verstoßen, weil er nicht genug für Ihn tun würde. Und Jona sieht dieses Problem offensichtlich auch nicht. Er hat definitiv ein anderes Problem: Denn Jona ist NICHT gewillt, dem Auftrag Gottes nachzukommen. Er will NICHT. Vor allen Dingen will er NICHT nach Ninive gehen und er will dort auch NICHT verkündigen.
Lassen Sie uns hier kurz innehalten. Was denken Sie über dieses Verhalten Jonas? Sagen Sie sich vielleicht: „So ein Glück möchte ich haben: Einen klaren Auftrag Gottes bekommen. Am besten auf einem kleinen Notizzettel, wo man genau nachlesen kann, was Gott will. Das sollte mir mal passieren.“ Und was macht Jona? Er macht sich tatsächlich auf den Weg. Aber leider nicht nach Ninive, sondern genau in die entgegengesetzte Richtung: nach Tarsis. An dieser Stelle brauchen wir die Unterstützung von Google Maps. Ninive liegt von Israel aus gesehen grob in Richtung Osten im heutigen Irak. Zur Zeit Jonas war Ninive die Hauptstadt des Assyrischen Reiches. Aber Jona geht nicht nach Ninive. Er marschiert direkt in Richtung Westen. Er macht so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was Gott will.
Warum will er überhaupt fliehen? Und vor wem oder was will er fliehen? Das steht hier in unserem Bibelabschnitt: Da machte sich Jona auf, um von dem Angesicht des HERRN weg nach Tarsis zu fliehen. Will er tatsächlich vor dem Angesicht des HERRN fliehen? Ich hatte es schon kurz begründet: Das wäre ein ganz und gar aussichtloses Unternehmen.
Aber ich hatte Sie ja nach Ihren Gedanken gefragt. Vielleicht sehen Sie es auch ganz anders. Vielleicht fragen sie sich, ob Gott überhaupt das Recht hat, so über das Leben eines Menschen zu bestimmen. Im Grunde lassen wir alle uns nur ungern etwas sagen. Aber täglich sagen uns andere, was wir zu tun haben. (Ich bin mir sicher, dass mir zumindest die Verheirateten an dieser Stelle zustimmen werden.) Aber auch Ledige bekommen mehr oder weniger freundlich gesagt, was sie tun könnten oder sollten. Wenn wir z. B. in einer Schlange vor der Kasse im Supermarkt stehen, hören wir von hinten eine Stimme: „Können Sie mich bitte einmal vorbeilassen? („Vorbeilassen? Nein, mache ich nicht. Sie müssen warten, bis ich bezahlt habe.“)  So denken wir vielleicht im ersten Augenblick. Aber ist das dann auch Ihre Reaktion? Nein, natürlich nicht. Man ist ja gut erzogen und lässt die Person vorbei. Und wenn Gott etwas will? Hat Er das Recht etwas zu wollen? Ja, hat Er bestimmt! Es gibt mindestens 105 gute Gründe, warum Gott etwas wollen darf. Das weiß auch Jona. Deswegen fängt er auch gar nicht erst an, mit Gott zu diskutieren.
Aber was soll er machen? Gott WILL und Jona will NICHT. Nun, ich werde jetzt etwas tun, was vielleicht „nicht erlaubt“ oder „unpassend“ ist. Ich nehme die Anweisung Gottes und tausche ein Wort gegen ein anderes aus und lege es in ihre Post. Sie gehen also an Ihren Briefkasten und sehen dort einen Brief liegen. Ein weißer Umschlag. Sie nehmen ihn mit ins Haus und öffnen den Brief mit ihrem Brieföffner. Und dann lesen Sie: „Mache dich auf, geh nach GAZA, in die große Stadt, und verkündige gegen sie; denn ihre Bosheit ist vor mein Angesicht heraufgekommen!“
Na, was meinen Sie? Können Sie Jona jetzt etwas besser verstehen? Nach GAZA! „Was habe ich mit GAZA zu tun?“ – „Ich spreche gar kein Arabisch.“ – „Die Leute dort, die bringen mich um, wenn ich nur den Mund aufmache.“ – „Nein, HERR, nicht mit mir, da will ich nicht hin. Da such dir mal besser einen anderen. Ich bin doch nicht lebensmüde.“ Wir könnten diese Gedanken jetzt noch unendlich weiterführen. Aber ich denke, Sie haben verstanden, worauf ich hinaus will. Man kann etwas mehr verstehen, warum Jona nicht will. „Die da in Ninive, die können von mir aus machen, was sie wollen. Das interessiert mich nicht. Und ich ch gehe da auf keinen Fall hin.“
Ich gebe zu, das mit “GAZA” war sehr provokativ. Vielleicht steht in Ihrem Brief etwas ganz anderes. Möglicherweise lautet Ihr Auftrag folgendermaßen: „Mache dich auf, geh zum Haus Nr. 16, in deiner Straße, sage den Leuten dort, dass du sie für Sonntagnachmittag zum Kaffeetrinken einladen möchtest.“ Schon besser, oder? Ist nicht ganz so gefährlich. Klären Sie aber vorher unbedingt, ob es eine Anweisung Gottes ist. Bitten Sie den HERRN um Weisheit in dieser Angelegenheit. „Ja, mache ich, aber die Sache hat einen Haken. In Haus Nr. 16, da wohnt doch die Familie mit dem kläffenden Hund (kein Mops). Der Frau habe ich doch erst Anfang des Jahres erklärt, dass sie ihren Köter gefälligst nicht ohne Leine herumlaufen lassen sollen. Ist aber auch zu blöd. Was mache ich jetzt?“
Ich würde sagen, wenn der Auftrag wirklich von Gott kommt, dann sollten Sie ihn ausführen. Sie haben ja nichts zu verlieren. Wenn Sie gefragt werden sollten, wie Sie auf diese Idee gekommen sind, dann sagen Sie es freundlich: „Gott hat mir das gesagt.“ Und dann? Und dann werden Sie sehen was passiert.
Kommen wir zurück zu Jona. Was tat er? Er hörte nicht auf Gott. Er war ungehorsam und machte sich auf eine lange Reise, weg von Gott. Es war eine Reise nach unten. Warum? Wir wissen nicht viel über Jona persönlich. Aber Wir können davon ausgehen, dass er aus Gat-Hepher stammte. (Das steht an einer anderen Stelle in der Bibel: in 2. Könige 14,25).  Gat-Hepher ist ein Ort in Israel, in der Nähe des Sees Genezareth, etwa 5 Kilometer von Nazareth entfernt. Nazareth kommt uns bekannt vor, oder? Aber Jona lebte ungefähr 800 Jahre vor Christus. Und Nazareth liegt auf einer Höhe von durchschnittlich 400 Metern. Von dort war es etwa 100 Kilometer weit bis Japho, einer Hafenstadt am Mittelmeer.Wir kennen die Stadt heute unter dem Namen Tel Aviv. Die Stadt liegt so ziemlich auf Meereshöhe. Das ist schon ein deutlicher Abstieg und wenn es sehr schnell gehen musste, dann konnte man diese Strecke vielleicht sogar innerhalb von 24 Stunden zurücklegen. Und ich vermute, dass es Jona sehr eilig gehabt hat.
Und es lief alles so, wie von ihm geplant, meinte er. Er fand „zufälligerweise“ sogar eines von diesen großen Tarsis-Schiffen im Hafen von Japho. Er ging also hin und fragte, wohin das Schiff fahren würde. „Nach Tarsis“, bekam er zur Antwort. (Oh, Mann, was bin ich doch für ein Glückspilz.) „Da will ich auch hin! Könnt ihr mich mitnehmen?“ – „Ja klar, komm, steig ein.“ Voller Freude bezahlte er den Fahrpreis und stieg weiter  hinab, nämlich in den Bauch des Schiffes.
Wenn ihn in diesem Augenblick jemand gefragte hätte: „Hey, Jona, wie geht es dir?“ Ich bin mir sicher, er hätte geantwortet“ „Gut. Mir geht es richtig gut.“ Wie gut oder schlecht es uns geht, wissen wir in der Regel nicht. Aber die meisten antworten dann wie Jona: „Gut.“ Dabei hatte er sein Geld schon zum Fenster hinausgeworfen. Das Schiff wird zwar nach Tarsis fahren, gewiss, aber ohne Jona. Ihn wird man bald auf seinen eigenen Wunsch hin ins Meer schmeißen. „Mir geht es gut.“
Dreimal wird in diesem Bibelabschnitt das Angesicht Gottes erwähnt. Zuerst wird gesagt: „Ihre Bosheit ist vor mein Angesicht heraufgekommen.“ Gott kannte die Bosheit der Menschen von Ninive. Er kennt auch die Bosheit der Menschen in Gaza. Und natürlich kennt er auch die Bosheit der Menschen in deiner Stadt – einschließlich deiner eigenen Bosheit. Manchmal haben wir den Eindruck, dass Gott keine Ahnung hätte von dem, was so passiert. Wie kann Gott das alles zulassen? Das haben Sie bestimmt schon einmal gehört, oder? Die Antwort lautet: „Ihre Bosheit ist vor mein Angesicht heraufgekommen.“ Gott weiß Bescheid.
Als nächstes kommt der Hinweis: „Jona machte sich auf, um von dem Angesicht des HERRN zu fliehen.“ Wir hatten vorhin schon gehört, dass niemand vor dem Angesicht Gottes fliehen kann. Aber trotzdem versuchen viele Menschen vor dem Angesicht Gottes zu fliehen. Sie nennen es wahrscheinlich anders. „Ich glaube nicht an Gott.“ Oder: „Ich bin Agnostiker.“ Oder: „Ich hab’s nicht so mit der Religion.“ Es gibt viele Ausreden, wenn man nicht sagen will: „Ich bin auf der Flucht vor dem Angesicht Gottes.“ Die meisten deiner Arbeitskollegen dürften auf der Flucht sein. Deine Schulkameraden, sie sind wahrscheinlich größtenteils auf der Flucht. Die Leute, die in der Straßenbahn aus dem Fenster schauen, viele von ihnen sind auf der Flucht. Was die Beziehung zu Gott angeht, sind die meisten Menschen Flüchtlinge: Sie befinden sich auf der Flucht vor dem Angesicht Gottes.
Das dritte Mal wird dann gesagt: „Jona stieg in das Schiff, um wegzufahren von dem Angesicht Gottes.“ Die Flucht vor dem Angesicht Gottes ist nicht nur so ein passives „Ich glaube nicht an Gott“. Die meisten investieren richtig viel Zeit, Kraft und Geld, um vor Gottes Angesicht zu fliehen. Dafür gibt es jede Menge Beispiele. Der eine setzt sich mit seiner Familie am Sonntag ins Auto, um irgendwo hinzufahren. Dafür ist man gern auch mal den ganzen Tag unterwegs. Das Auto könnte zu einer der vielen Gemeinden in unserem Land fahren. Aber nein, ich bin auf der Flucht. Ein anderer fliegt in den Urlaub in die Vereinigten Staaten. Das kostet ihn viel Geld. Und dort gibt es wahrscheinlich noch mehr Gemeinden und Christen als hier bei uns in Deutschland. Aber man wird sich auch dort niemandem anschließen: Wir sind auf der Flucht vor dem Angesicht Gottes. Du kennst das, denn auch dir gehen viele Leute aus dem Weg, wenn es um Gott geht. Das ist schlimm. Am schrecklichsten wäre es allerdings, wenn du selbst auf der Flucht vor dem Angesicht Gottes sein solltest.
Aber die Antwort ist nicht, dass Gott nicht sieht oder nicht weiß. Nein, er kennt das Herz eines jeden Menschen. Es gibt nichts, das vor ihm verborgen wäre. Aber Gott ist nicht nur ein Gott der Gerechtigkeit, sondern auch ein Gott der Gnade. Und genau das ist der Punkt, den Jona nicht begreifen will.
Denn die zweite Erwähnung des Angesichts Gottes betrifft Jona selbst: Er will vor dem Angesicht des HERRN fliehen. Warum? Weil er nicht damit einverstanden ist, dass Gott sich der Menschen in Ninive erbarmen könnte. Jona weiß, dass Gott gnädig ist. Das ist sein Problem! Er fürchtet nicht, dass Gott ihn strafen wird, sondern dass Gott den Niniviten vergeben wird.
Und dann die dritte Erwähnung: Jona geht hinab in das Schiff, um sich dort zu verbergen – weg vom Angesicht des Herrn. Er glaubt, sich verstecken zu können. Aber kann man sich vor Gott verstecken? Natürlich nicht! Das wird Jona sehr bald auf drastische Weise erfahren.
Nun könnte jemand sagen: „Das ist eine Geschichte aus dem Alten Testament, was hat das mit mir zu tun?“ Doch die Frage ist: Wie oft tun wir genau das, was Jona tat? Vielleicht nicht so offensichtlich, aber doch im Herzen. Gott gibt uns Gelegenheiten, ihm zu dienen, auf Menschen zu zugehen, von ihm zu erzählen – aber wir ziehen uns zurück. Wir beschäftigen uns lieber mit anderen Dingen. Wir tun so, als hätten wir Seinen Ruf nicht gehört. Manchmal sogar mit der besten Absicht. Wir sagen: „Ich bin nicht bereit“, oder „Das kann ich nicht“, oder „Das ist nicht meine Gabe“. Aber ist das wirklich der wahre Grund?
Vielleicht gibt es auch in deinem Leben ein „Tarsis“. Einen Ort oder eine Situation, in die du fliehst, um Gottes Auftrag zu entkommen. Aber das Erstaunliche ist: Gott gibt uns nicht einfach auf. Genauso wenig wie Jona. Er hätte ihn laufen lassen können, aber das tat Er nicht. Gott hatte einen Plan mit Jona, und Er hat einen Plan mit dir.
Lass mich dich heute ermutigen: Höre auf Gottes Stimme. Vielleicht ruft er dich nicht nach Ninive, aber vielleicht zu deinem Nachbarn. Vielleicht zu einem Kollegen. Vielleicht zu einem Menschen, den du nicht magst. Bist du bereit zu gehen? Oder suchst du noch ein Schiff nach Tarsis? Lasst uns Gott darum bitten, dass wir bereit sind, zu gehen, wenn er uns ruft. Denn wo Gott uns sendet, da geht Er mit uns. Und wo wir uns Ihm verweigern, da wird Er uns nachgehen – nicht um uns zu zerstören, sondern um uns auf den richtigen Weg zu bringen. Denn unser Gott ist ein Gott der Gnade, für Ninive, für Jona – und für dich und mich. Amen.
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