Wenn Gott spricht: Gottes Wort gibt uns aktuelle Antwort
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Mitten ins Herz
Mitten ins Herz
Ich möchte euch mal mit reinnehmen in ein Erlebnis, das ich als junger Mann hatte. Ich war damals 20 Jahre alt und mit einer Männergruppe auf einer Freizeit. Wir waren irgendwo mitten im Wald, in einer einfachen Hütte – ohne viel Schnickschnack, einfach zusammen als Männer, mit Bibel, Lagerfeuer und jeder Menge Gespräche.
Eines Morgens hatten wir eine Zeit der Stille. Jeder sollte sich eine Bibel nehmen, irgendwo hingehen und einfach mal hören, was Gott sagt. Also bin ich losgezogen, ganz für mich, mitten in den Wald. Die Vögel zwitscherten, die Luft war frisch, und ich habe mich auf einen umgestürzten Baumstamm gesetzt. Die Bibel auf meinen Knien, habe ich einfach aufgeschlagen – und mein Blick fiel auf eine Stelle, die mich mitten ins Herz traf.
Es war die Szene, in der Jesus zu Simon sagt: „Du sollst Petrus heißen.“ Und ich weiß noch, wie ich da saß und das las – und plötzlich war das nicht mehr nur irgendein Bibelvers. Es war, als würde Jesus direkt zu mir sprechen.
Denn in dem Moment habe ich mich genau mit dieser Frage herumgeschlagen: Wer bin ich eigentlich? Ich war kein Jugendlicher mehr, aber irgendwie fühlte ich mich auch noch nicht wirklich wie ein Mann. Ich wusste nicht so recht, wo ich stehe. Und dann lese ich diese Worte – Worte, in denen eine Identität steckt, eine Bestimmung.
Petrus – der Fels. Jesus spricht ihn direkt an, gibt ihm einen neuen Namen, eine neue Bedeutung für sein Leben. Und während ich darüber nachdachte, fiel mir mein eigener Name ein: Christopher. Christopher heißt der Christusträger. Mein Vater hatte mir immer gesagt: „der, der Christus im Herzen trägt.“ Und da, mitten im Wald, habe ich plötzlich verstanden: Das reicht. Ich muss mich nicht beweisen, ich muss nicht jemand anderes sein – es reicht, dass ich Christus in meinem Herzen trage.
Diese eine Begegnung mit Gottes Wort hat mich damals tief geprägt. Es war nicht nur ein Vers auf einer Seite, sondern eine ganz persönliche Antwort Gottes auf meine Situation.
Und genau darum soll es heute gehen: Wenn Gott spricht, dann gibt er uns aktuelle Antworten. Antworten, die genau in unser Leben, in unsere Fragen, in unsere Unsicherheiten hineinsprechen.
Was ist das Wort Gottes?
Was ist das Wort Gottes?
Wenn wir von Gottes Wort sprechen, denken wir oft sofort an die Bibel. Und das ist auch verständlich – schließlich nennen wir sie ja auch „Gottes Wort“. Aber wenn wir nur daran denken, dann greifen wir zu kurz.
Das hebräische Wort „Dawar“ bedeutet nämlich nicht einfach nur „Wort“ im Sinne eines geschriebenen Textes. Es ist ein lebendiges Wort, ein wirkendes Wort. Wenn Gott spricht, dann passiert etwas. Sein Wort ist nicht nur eine Information, sondern eine Handlung. Es erschafft, es verändert, es bewegt.[1]
Und wenn wir uns die Bibel selbst anschauen, dann merken wir schnell: Die Menschen damals hatten ja noch gar keine Bibel! Und trotzdem war für sie das „Wort Gottes“ eine Realität.
Schauen wir uns zum Beispiel die Propheten an. Immer wieder heißt es im Alten Testament:
👉 „Und das Wort des HERRN erging an Jeremia …“ (Jeremia 1,4)
👉 „Da geschah das Wort des HERRN zu Hesekiel …“ (Hesekiel 6,1)
Das heißt: Gott hat geredet – direkt zu den Menschen. Sie hatten kein fertiges Buch in der Hand, aber sie wussten: Gott spricht.
Und auch im Neuen Testament sprechen die Menschen von „dem Wort Gottes“, obwohl es damals noch gar kein zusammengestelltes Neues Testament gab. Wenn die ersten Christen von „Gottes Wort“ sprachen, dann meinten sie das lebendige Reden Gottes, das Evangelium, das weitergegeben wurde, die Botschaft von Jesus Christus.
Und damit sind wir an einem entscheidenden Punkt:
Jesus selbst ist das Wort Gottes.
Im Johannes-Evangelium lesen wir:
👉 „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ (Johannes 1,1)
👉 „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ (Johannes 1,14)
Das bedeutet: Gottes Wort ist nicht nur etwas, das man lesen kann – Gottes Wort ist eine Person. Jesus ist das lebendige Wort. In ihm hat sich Gott selbst offenbart, nicht nur durch Buchstaben, sondern durch sein ganzes Leben, durch seine Taten, durch sein Sterben und seine Auferstehung.
Und genau deshalb ist die Bibel so wertvoll:
Sie ist nicht einfach nur ein Buch, sondern ein Zeugnis davon, dass Gott redet. Sie ist ein Zusammenschluss von Berichten, Erlebnissen und Erfahrungen, in denen Menschen Gott gehört haben – so wie ich damals im Wald.
Die Bibel ist nicht das einzige Reden Gottes, aber sie ist das zuverlässige Zeugnis davon, dass Gott spricht. Sie hilft uns, sein Reden in unserem eigenen Leben zu erkennen.
Kein Automatismus: Gott spricht souverän
Kein Automatismus: Gott spricht souverän
Aber – und das ist wichtig – wir können Gott nicht zwingen zu reden.
Manchmal hätten wir das gerne, oder? Dass Gott uns einfach eine direkte Antwort gibt, wenn wir eine Frage haben. Dass wir die Bibel aufschlagen und da steht dann genau das, was wir hören wollen. Aber so funktioniert das nicht. Gott ist kein Automat, in den wir ein Gebet werfen und eine klare Antwort herausbekommen.
Gott ist souverän. Er spricht, wenn er es will, und auf die Weise, die er will. Manchmal spricht er direkt und klar, manchmal müssen wir warten. Und manchmal verstehen wir erst im Rückblick, dass er längst gesprochen hat.
Das heißt aber nicht, dass er schweigt. Es bedeutet nur, dass wir nicht die Kontrolle darüber haben, wann und wie er spricht. Unsere Aufgabe ist es, offen zu bleiben, aufmerksam zu sein und ihm zu vertrauen.
Gott spricht auf verschiedenen Ebenen
Gott spricht auf verschiedenen Ebenen
Und wenn Gott spricht, dann tut er das auf ganz unterschiedlichen Ebenen.
(a) Gott spricht allgemein zu uns Menschen
(a) Gott spricht allgemein zu uns Menschen
Es gibt Dinge, die hat Gott schon gesagt, und sie gelten für alle Menschen. Das hatten wir schon in der Predigt von Peter, als es um Prägung ging. Dinge wie Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Liebe – das sind Worte Gottes für alle Menschen.[2]
Wir brauchen manchmal gar keine besondere Eingebung, um zu wissen, dass Gott will, dass wir einander vergeben oder dass wir einander dienen sollen. Das hat er schon längst gesagt – es steht in seinem Wort und es ist für alle gültig.
(b) Gott spricht zu Gemeinden
(b) Gott spricht zu Gemeinden
Aber dann gibt es auch das Reden Gottes zu einer Gemeinde.
Die Frage ist: Wo haben wir als Gemeinde eigentlich den Rahmen, um Gottes Stimme gemeinsam zu hören? Ist das nur die Predigt? Oder gibt es andere Wege, wie wir gemeinsam hinhören?
Gott kann einer ganzen Gemeinde eine Richtung zeigen, eine Berufung geben, eine Herausforderung ins Herz legen. Aber wir müssen uns auch als Gemeinde die Zeit nehmen, hinzuhören.
(c) Gott spricht ganz persönlich
(c) Gott spricht ganz persönlich
Und schließlich gibt es noch die ganz persönliche Ebene. Das, was ich damals im Wald erlebt habe.
Es gibt Momente, da trifft uns ein Wort mitten ins Herz – und das ist dann nur für uns bestimmt. Es hat keine allgemeine Bedeutung für andere, es ist nicht etwas, das für die ganze Gemeinde gilt. Aber für uns persönlich ist es eine direkte Antwort Gottes auf unsere Situation.
Das geschriebene Wort – Gottes Reden in vielen Facetten
Das geschriebene Wort – Gottes Reden in vielen Facetten
Ich habe jetzt beschrieben, dass Gottes Wort nicht nur gedruckte Buchstaben sind. Ich habe es bewusst sehr breit erklärt, um unseren Horizont zu weiten. Doch gerade im geschriebenen Wort, in der Bibel, erfahren Menschen seit Jahrhunderten, dass Gott in ganz konkrete Situationen hineinspricht.
Es kann auf ganz unterschiedliche Weise in unser Leben sprechen.
👉 Eine persönliche Anrede – So wie Gott zu Mose sprach: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen … So geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden.“ (2. Mose 3,7.10) – Gott ruft Menschen bei ihrem Namen, beruft sie in seine Pläne.
👉 Ein Trost – Wie in Jesaja 41,10: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; sei nicht ängstlich, denn ich bin dein Gott.“
👉 Eine Mahnung – Wie bei Kain, als Gott ihn vor der Sünde warnte: „Warum ergrimmst du? Die Sünde lauert vor der Tür … du aber herrsche über sie!“ (1. Mose 4,6-7)
👉 Ein Zuspruch – So wie Gott Josua ermutigt: „Sei stark und mutig! Denn der HERR, dein Gott, ist mit dir, wohin du auch gehst.“ (Josua 1,9)
👉 Ein Ansporn – Wie Paulus, der Timotheus ermutigt: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens!“ (1. Timotheus 6,12)
👉 Eine Überwindung – Wie bei Petrus, als Jesus ihn nach seiner Verleugnung dreimal fragte: „Liebst du mich?“ (Johannes 21,15-17) – Jesus gab ihm damit eine neue Chance und stellte ihn wieder her.
👉 Eine Aufdeckung von Sünde – Wie als der Prophet Nathan zu David sagte: „Du bist der Mann!“ (2. Samuel 12,7) – Gottes Wort kann uns auch entlarven und zur Umkehr rufen.
Diese Liste könnte noch viel länger sein. Gottes Wort begegnet uns in jeder Lage des Lebens – ermutigend, ermahnend, heilend, herausfordernd.
Die Frage ist also nicht, ob Gottes Wort in unsere Situation spricht – sondern ob wir bereit sind, es zu hören. Es ist eine Begegnung mit dem lebendigen Gott.
Wo hast du erlebt, dass ein Bibelwort genau in deine Situation hineingesprochen hat?
Gottes geschriebenes Wort spricht in konkrete Situationen
Gottes geschriebenes Wort spricht in konkrete Situationen
Ich will ein paar Beispiele nennen – Momente, in denen das geschriebene Wort Gottes nicht nur gelesen, sondern lebendig wurde. Momente, in denen Menschen Gottes Stimme genau in ihrer Situation gehört haben.
1. Ein biblisches Beispiel: Der Fund der Schriftrolle – Ein Wort, das eine Nation verändert
1. Ein biblisches Beispiel: Der Fund der Schriftrolle – Ein Wort, das eine Nation verändert
Es ist eine Zeit des geistlichen Verfalls. Israel hat sich von Gott abgewandt, Götzendienst ist Alltag geworden. Viele Menschen wissen nicht einmal mehr, was Gott ihnen einst gesagt hat.
Doch dann passiert etwas Entscheidendes: Beim Tempelumbau findet der Priester Hilkija eine alte Schriftrolle – das Gesetz des HERRN.
Als der König Josia davon erfährt, lässt er die Worte laut vorlesen. Und plötzlich wird ihm klar:
👉 „Groß ist der Zorn des HERRN gegen uns, weil unsere Väter nicht gehört haben auf die Worte dieses Buches!“ (2. Könige 22,13)
Diese Worte treffen ihn mitten ins Herz. Er zerreißt seine Kleider, er demütigt sich vor Gott – und er verändert sein Leben. Durch das geschriebene Wort Gottes wird eine ganze Nation wachgerüttelt, der Götzendienst wird beseitigt, ein geistlicher Neuanfang beginnt.
Dieses Beispiel zeigt: Gottes Wort kann uns den Spiegel vorhalten. Es kann uns korrigieren. Aber es tut das nicht, um uns niederzudrücken – sondern um uns zurück zu Gott zu führen.
2. Ein Beispiel aus der Kirchengeschichte: Martin Luther und Römer 1,17
2. Ein Beispiel aus der Kirchengeschichte: Martin Luther und Römer 1,17
Ein junger Mönch namens Martin Luther ringt mit der Frage: Wie kann ich vor Gott gerecht sein? Er quält sich, fastet, betet, sucht nach Frieden – doch findet ihn nicht.
Dann, beim Lesen der Bibel, trifft ihn ein einziger Satz aus dem Römerbrief mitten ins Herz:
👉 „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ (Römer 1,17)
In diesem Moment fällt ihm die Last von den Schultern. Nicht durch Werke, nicht durch Anstrengung – sondern allein durch den Glauben.
Das war nicht nur eine theologische Erkenntnis. Es war eine Befreiung. Und dieses geschriebene Wort veränderte nicht nur Luthers Leben – es setzte eine Bewegung in Gang, die die Welt bis heute prägt.
3. Ein Beispiel aus der heutigen Zeit: Corrie ten Boom und die Kraft der Vergebung
3. Ein Beispiel aus der heutigen Zeit: Corrie ten Boom und die Kraft der Vergebung
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in einer Kirche in Deutschland. Corrie ten Boom, die Jahre zuvor im KZ Ravensbrück gelitten hatte, predigt über Vergebung.
Nach der Predigt kommt ein Mann auf sie zu – und sie erkennt ihn sofort. Er war einer der Wärter im KZ. Einer von denen, die sie und ihre Schwester misshandelt hatten.
Der Mann streckt ihr die Hand entgegen und sagt:
👉 „Fräulein ten Boom, Gott hat mir vergeben – können Sie mir auch vergeben?“
In diesem Moment steht Corrie vor der größten Herausforderung ihres Lebens. Alles in ihr schreit Nein.
Dann erinnert sie sich an ein Wort aus der Bibel:
👉 „Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.“ (Matthäus 6,14)
Und in diesem Moment trifft sie eine Entscheidung. Sie hebt langsam ihre Hand – und ergreift die seine. Und sie erlebt: Vergebung ist keine menschliche Leistung. Sie ist eine Kraft, die aus Gottes Wort kommt.
Das geschriebene Wort wurde für sie zur Realität – und es veränderte ihr Herz.
Gottes Wort weitergeben – weil es Leben verändert
Gottes Wort weitergeben – weil es Leben verändert
Das sind schon krasse Beispiele, die zeigen, dass Gottes geschriebene Wort in ganz konkrete Situationen hineinspricht. Aber – und das ist jetzt der entscheidende Punkt – damit Gottes Wort uns trifft, müssen wir es auch kennen.
Stell dir vor, du stehst in einer schwierigen Situation. Du bist entmutigt, hast Angst, steckst in einer Sackgasse. Und genau dann fällt dir plötzlich ein Vers ein – ein Wort aus der Bibel, das du mal gelesen oder gehört hast. Plötzlich ist Gott da, mitten in deiner Situation.
Aber das passiert nur, wenn wir Gottes Wort in uns tragen.
Deshalb will ich dich heute herausfordern:
👉 Lies die Bibel! Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil Gott durch sie sprechen will – zu dir ganz persönlich.
👉 Lerne Bibelverse auswendig! Damit sie in deinem Herzen sind, wenn du sie brauchst.
👉 Und dann: Sprich anderen Bibelverse zu!
Denn manchmal brauchen nicht wir selbst, sondern jemand anderes ein Wort von Gott.
Schreib einen Bibelvers in eine Geburtstagskarte oder eine Nachricht.
Schenk jemandem eine kleine Bibelvers-Karte, einfach so.
Wenn du merkst, dass jemand kämpft, dann sag ihm ein Bibelwort, das ihn ermutigen könnte.
Vielleicht ist genau das der Moment, in dem Gott durch dich in eine andere Situation hineinspricht.
Gottes Wort ist nicht nur für dich. Es ist zum Weitergeben.
Denn wenn Gott spricht – dann verändert das Leben. Vielleicht deins. Vielleicht das eines anderen. Ich glaube daran, dass Gott in unsere konkreten Situation hineinspricht. Amen.
[1] Siehe erste Predigt der Reihe „Wenn Gott spricht, dann…“
[2] Predigt von Peter vom 2. Februar „Wenn Gott spricht: Gottes Wort befreit, verwandelt, prägt“.
