Kohelet (1)
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Einleitung
Einleitung
Habt ihr gewusst, dass im alten Rom bei einem Triumphzug durch die Stadt, beim Cäsar oder Kaiser jeweils ein Sklave hinter ihm mitfuhr, normalerweise kleinwüchsig, verkrüppelt oder hässlich. Seine Aufgabe war, dem Triumphaten während des ganzen Zuges einen goldenen Lorbeerkranz zu halten - und ihm das Memento mori einzuflüstern: “Bedenke, dass du sterben wirst. Bedenke, dass du ein Mensch bist. Sieh dich um und bedenke, dass auch du nur ein Mensch bist.”
Der Nachfolger dieser Sklaven waren im Mittelalter die Hofnarren. (Bild) Ihre Aufgabe war dieselbe: Dem Fürsten bei seinen (weitreichenden) Entscheidungen zu zeigen, dass auch er nur ein Mensch ist und sterben musst. Dies tat er, indem er den Fürsten und/oder die Umstände ins Lächerliche zog. Er musste nur dabei auch lächerlich sein.
Hier sehen wir die Statue am Narrenbrunnen auf dem Schlossplatz in Ettlingen, südlich von Karlsruhe. Auf seiner Rückseite steht ein Schild, auf dem geschrieben steht: „Las mich unveracht. Bedenck der Welt Wysheit und Bracht, ist vor Gott ein Dorheit geacht“ - “Verachtet mich nicht, bedenket: Alle Weisheit und Pracht dieser Welt ist vor Gott nur Torheit”.
Und damit sind wir schon beim Prediger, beim Kohelet angekommen. Beim Prediger ist alles unter der Sonne nichts, alles hohl und leer, alles sinnlos. Luther prägte dabei den Begriff “eitel”. Wir wollen miteinander in einer Predigtserie ergründen, um was es dem Prediger ging. Dabei müssen wir Sorge tragen, den vorliegenden Text genau anzuschauen. Denn ganz einfach ist es nicht immer, ihn verstehen zu können oder zu wollen. Ein Hinweis finden wir auf dem Schild des Hofnarren aus Ettlingen. Wir werden später noch darauf kommen. Starten wir ins Buch…
Nichtigkeit der Nichtigkeiten
Nichtigkeit der Nichtigkeiten
Kleiner Hinweis zu Anfang: Für die allgemeinen Dinge wie die Urheberschaft oder wer der Autor war und wann das Buch geschrieben wurde, möchte ich gerne auf meine Einleitung zum Buch verweisen. Ich habe ein paar Exemplare ausgedruckt, sie liegen hinten auf.
Die ersten 11 Verse sind wie eine Übersicht über den ganzen Text. Man muss also nicht wie bei einem Krimi die letzten Seiten zuerst lesen, um zu wissen, was drin steht. Wir hören uns diese Verse mal an…
Das ist ziemlich pessimistisch, nicht wahr. Diese Sicht haben viele Philosophen der Neuzeit aufgenommen und gespiegelt. Das menschliche Leben bietet nichts Neues, jeder Tag ist gleich, gleich wertlos. Keine neuen Impulse, nach denen wir uns sehnen. Alles ist nur Mühe und Trug.
Psalm 90,10 “Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre; und worauf man stolz ist, das war Mühsal und Nichtigkeit, denn schnell enteilt es, und wir fliegen dahin.” Du meine Güte…. und das von Mose, dem grossen Propheten des Volkes. Der Prediger sagt also nichts Neues - das ist schon fast ironisch!
Diese Sicht tut schon fast weh, grad für einen Christen, der ja eigentlich für den Optimismus prädestiniert ist. Wenn wir im Buch weiterlesen, wiederholt der Prediger seine Sicht. Wie wenn er alle überzeugen möchte. Was soll also dran sein, an diesem Buch, an der Weisheit Kohelets? Wieso steht das Ding im Kanon der Bibel? Ist doch nur pessimistisch, oder?
Nicht ganz … In meiner EInleitung habe ich das erläutert. Und hier weise ich auf den Schlüssel hin, wie dieses Buch zu verstehen ist. Diesen Punkt also nicht vergessen, solange wir miteinender den Prediger anschauen. Das ist übrigens der Unterschied zwischen hebr. Weisheit und der Weisheit der anderen alt-orient. Völker. Ist es Euch aufgefallen?
Bei diesem Psalm Mose geht es im Vers 11 weiter mit einer Betrachtung Gottes. Nach diesem niederschmetternden Urteil über das menschl. Leben schaut Mose auf Gott. Und der Kohelet macht das auch. Da, im Vers 9 des ersten Kapitels ist der Schlüssel: “und es geschieht nichts Neues unter der Sonne”
Diese Weisheit ist natürliche Weisheit. Sie betrachtet das Leben hier, auf dieser gefallenen Welt. Wenn es nämlich etwas unter der Sonne gibt, gibt es auch etwas darüber, die himmlischen Gefilde, da wo Gott wohnt, da wo Gott ist. Gott ist Weisheit haben wir gelernt. Und das ist die andere Weisheit, die andere Sicht der Welt. Im Kohelet geht es aber nur um das Leben hier und die Sicht des Menschen darauf. Und dabei spielt es auch eine Rolle, dass Salomo den Messias noch nicht kannte. Auferstehung, ewiges Leben kannte man nur als theol. Ideen, aber nicht als Gewissheit. Geschweige denn das Kreuz. Es ist die Zeit des AT. Wir kommen am Schluss noch darauf zurück.
Die Vergeblichkeit der [Weisheit] 1,12-18
Also wenn der Weisheitslehrer zum Schluss kommt, dass die Weisheitssuche selbst ein Haschen nach Wind ist, dann ist alles verloren. Wie kommt er zu diesem Schluss?
Trotz aller Weisheit, allen Erfindungsgeistes, allen Anstrengungen und allem Einsatz zum Trotz bleibt in der Schöpfung (unter der Sonne!) alles gleich. “15 Krumm kann nicht gerade werden, noch, was fehlt, gezählt werden” Das Fehlende zur Erfüllung aller Sehnsucht, zur Vollkommenheit kann der Mensch nicht ersetzen, die Löcher nicht stopfen. Er kann diese Welt nicht flicken.
Und der Weise weiss das. Aller Weisheit zum Trotz kann nichts geändert werden. Das tut auch weh: “18 Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämen, und wer viel lernt, der muss viel leiden.” Der Prediger erkennt, dass er nichts tun kann. Sein Urteil also: Weisheit ist unnütz unter der Sonne. Das ist eigentlich auch eine Bankrotterklärung aller menschlichen Weisheit - der damaligen wie auch der heutigen.
Die Vergeblichkeit des Vergnügens 2,1-11
Und dann versuchte Salomo etwas, was sich nicht alle leisten können: “10 Und alles, was meine Augen wünschten, das gab ich ihnen und verwehrte meinem Herzen keine Freude, sodass es fröhlich war von aller meiner Mühe; und das war mein Teil von aller meiner Mühe…” Nur die Reichen können versuchen, ihrem Leben durch Vergnügungen einen Inhalt zu geben. Die Armen müssen arbeiten.
Wichtig daran ist aber, und die, die das nicht können, vergessen das gerne mal: Es gelingt den Reichen aber auch nicht. Natürlich schaut man sich so die Villen und Yachten und Autos an, und denkt bei sich, dass diese Leute auch nicht glücklicher sind. Aber ein kleiner Zweifel bleibt doch: Wenn ich ein bisschen mehr Geld hätte, könnte ich mir auch mehr Freude machen… Ist doch so, oder nicht?
Aber genau da setzt der Kohelet an. Denn er hat das durch, er weiss, dass es so ist. Reichtum und Vergnügen füllen die Löcher auch nicht, machen nicht vollkommen. Es ändert sich nichts unter der Sonne, alles bleibt ein vergebliches Streben und wird nicht belohnt. Der Mensch hat nichts davon. Das ist doch schrecklich…
Weise und Toren - alle gleich 2,12-16
In diesem Abschnitt kommt der Prediger nun direkt zum “Grossen Gleichmacher”, dem Tod. Er gibt zwar zu, dass die Weisheit die Torheit um Welten übertrifft und er trotz allem lieber weise ist statt töricht.
Was ist Torheit im biblischen Sinne? Nicht einfach nur Dummheit, oder fehlende Fähigkeiten. Ein Tor lebt in den Tag hinein, lässt sich von seinen Gefühlen leiten und nicht vom Verstand, und vor allem bleibt er in der Sünde, weil er Gott nicht erkennen will. Das ist ein kleiner, aber wichtiger Hinweis. Sprichwörter 9,10 “Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit, und die Erkenntnis des Heiligen ist Einsicht.” Weisheit also gründet in der Gottesfurcht. Das nimmt das Ende des Buches vorweg. Dazu kommen wir aber noch in einer anderen Predigt.
Es hat ihn viel Arbeit gekostet, so weise zu werden und zu bleiben. Doch auch diese Mühe, folgert er, ist völlig wertlos im Angesicht des Todes. Tore und Weise, alle enden im Grab, werden zu Staub, und keiner von ihnen bleiben lange in Erinnerung. Unter der Sonne hat nichts Bestand, alles stirbt, vergeht. Deprimierend, oder?
Die Vergeblichkeit der Arbeit 2,17-23
Im nächsten Abschnitt führt der Kohelet das Thema weiter aus und kommt zum Schluss, dass er alles, was ihm von seinen Mühen und seiner Arbeit noch bleibt, einem anderen überlassen muss, wenn er stirbt.
Hat Salomo da schon gesehen, was aus dem Reich wird, wenn seine Söhne es erben werden? Wir wissen ja, dass sie das Reich geteilt haben und es dem ganzen Volk danach je länger je schlechter ging. Der König muss alles seinen Söhnen überlassen, die sich nicht dafür abgemüht haben. Tragisch, dass sich seine Worte im Nachhinein erfüllt haben.
Diese ganze Jagd nach etwas Besseren treibt den Menschen um. Und das, was er dabei vielleicht gewinnt, bekommt ein anderer. Kein Gewinn, kein Lohn, nichts Neues unter der Sonne.
Schlussfolgerung
Schlussfolgerung
Der Ausweg aus diesem Dilemma 2,24-26
Dies alles widerspricht doch ein bisschen der Weisheit, die wir aus den Sprüchen kennen. Da wird einem doch gesagt, dass Fleiss, Einsatz, Arbeit, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und all die anderen Tugenden einen Lohn haben. Der Prediger sieht das anders, zumindest unter der Sonne.
Denn jetzt, nachdem er das menschliche Leben und Streben demontiert hat, kommt er zum Schluss, dass es das Beste ist, trotz dieser Beschränktheit des Lebens in dieser gefallenen, unvollkommenen Welt, das Beste herauszuholen. Essen und trinken, geniessen was man kann.
Und das geht aber nur, weil es von Gott kommt: “24… Doch dies sah ich auch, dass es von Gottes Hand kommt. Denn wer kann fröhlich essen und genießen ohne ihn?” Hier berühren sich diese zwei Realitäten unter und über der Sonne. Und dabei ändert sich alles.
“26 Denn dem Menschen, der ihm gefällt, gibt er Weisheit, Verstand und Freude; aber dem Sünder gibt er Mühe, dass er sammle und häufe und es doch dem gegeben werde, der Gott gefällt. Auch das ist eitel und Haschen nach Wind.” Hier sagt der Prediger nun Folgendes: Weisheit und Freude kommt von Gott. Der Gläubige darf dies in dieser Welt erfahren: Aus Gottesfurcht entsteht Freude, trotz aller Mühe, allen Kummers. Im Glauben an Gott, und an das Evangelium, das Salomo noch nicht kannte (er hatte es also schwerer), da schenkt Gott Freude und eine Aussicht, die jenseits die Sonne, die in den Himmel blickt. Das ist kein Haschen nach Wind.
Der Tor aber jagt weiter den Dingen dieser Welt hinterher und versucht, diese Freude auf anderem Weg zu finden. Weil dies aber unter der Sonne bleibt, ist es nur vergeblich und unnütz.
Ich will mit dem schon gehörten Vers aus den Sprüchen schliessen: “Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit, und die Erkenntnis des Heiligen ist Einsicht.” Amen
