Das Lamm Gottes

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Ihr Lieben,
schön, dass ihr eure Bibeln mitgebracht habt! Im Vorbereitungsteam war es uns wichtig, dass wir – auch im Gottesdienst – damit beginnen, selbst in die Bibel zu schauen und mit zu lesen, was da steht. Generell die Einladung an euch, eure Bibel zu jedem Gottesdienst mitzunehmen und mit in den Text zu schauen, vielleicht in der Predigt auch Stellen zu markieren, die euch wichtig werden. :-) Ich glaube, es ist gut, wenn wir uns daran gewöhnen, dass die Bibel unser täglicher Begleiter ist, dass wir aus der Kraft von Gottes Wort leben.
Bevor wir nun also gleich gemeinsam die Bibel aufschlagen, möchte ich aber zunächst alle Tierfreunde und Bauernhof-Liebhaber begrüßen, …
ich grüße zunächst alle Tierfreunde und Bauernhof-Liebhaber, die sich von unserem heutigen Gottesdienst-Thema angesprochen gefühlt haben – schön, dass ihr da seid! Ebenso aber auch alle Fleischer, die mit einer gewissen Hoffnung unserer Einladung gefolgt sind!
Lamm Gottes! – Das Thema klingt ja schon einigermaßen absurd. Jürgen Werth, der letztes Jahr mit uns zur Gemeinderüstzeit war und dort die Bibelarbeiten gehalten hat, bringt es mit einer Anekdote immer so schön auf den Punkt: Als er noch kein Christ war, erzählte ihm jemand, das Lamm sei für ihn geschlachtet. Alles, was Jürgen dachte, war, dass das Mittagessen jetzt fertig wäre…
Damit es uns nicht so geht, wenn wir vom Lamm Gottes hören oder sogar selbst Lieder singen, in denen um dieses Lamm geht, machen wir das Lamm Gottes heute zum Thema und schauen, was es damit eigentlich auf sich hat – und vor allem, was es für uns auf sich hat.
Und dafür möchte ich euch bitten, dass ihr eure Bibeln aufschlagt, denn wir müssen sehr weit vorn anfangen. – Ich bitte euch, 2. Mose 12 aufzuschlagen. …
Ich gebe euch eine kurze Zusammenfassung, was bisher geschah:
Wir befinden uns in Ägypten. Was heute ein schönes Urlaubsziel sein soll, ist damals für das Volk Israel zur Hölle geworden. Über 400 Jahre sind vergangen, seit Josef und seine Brüder nach Ägypten gekommen waren. Diese Familie ist in diesen vielen Jahren zu einem großen Volk gewachsen – ein so großes Volk, dass der amtierende Pharao es als Bedrohung sieht. Er versklavt die Israeliten, zwingt sie zu härtester körperlicher Arbeit. Sie beginnen, angesichts ihres Elends, zu Gott zu schreien – und Gott hört ihr Schreien. Er beruft Mose, der zum Pharao gehen soll, um zu fordern, dass das Volk Israel Ägypten verlassen darf. Weil der Pharao darauf aber wenig Lust hat und sich weigert, zeigt Gott Seine Macht: Er schickt 10 Plagen über das Land, die nun den Ägyptern das Leben zur Hölle machen. Immer wieder hatte der Pharao die Möglichkeit, seine Meinung zu ändern, doch er tat es nicht; auch nicht nach der 9. Plage…
In 2. Mose 12 sind wir nun unmittelbar vor der 10., der letzten Plage. Mose hatte dem Pharao angedroht, dass in jeder Familie der erstgeborene Sohn sterben muss! Nun sagt Gott zu Mose und seinem Bruder Aaron, wie die Israeliten sich auf diese 10. Plage vorbereiten sollen:
Wir lesen Kapitel 12, Verse 3 bis 8. … und den letzten Satz von Vers 11 bis Vers 14.
2Mo 12,3-8.(11c)12-14
3 »Sagt der ganzen Gemeinde Israels: Am zehnten Tag dieses Monats soll jeder Familienvater ein Lamm nehmen, je ein Lamm für jedes Haus. 4 Wenn eine Familie für ein Lamm zu klein ist, soll sie sich mit anderen zusammentun. Sie soll es mit dem Nachbarn teilen, der dem eigenen Haus am nächsten wohnt. Es sollen so viele Leute sein, dass sie das Lamm ganz aufessen können. 5 Ein männliches Tier muss es sein, das ein Jahr alt und makellos ist. Von den Schafen oder Ziegen sollt ihr es nehmen. 6 Bis zum 14. Tag dieses Monats sollt ihr es von der Herde getrennt halten. Dann soll die ganze Versammlung Israels ihre Lämmer in der Abenddämmerung schlachten. 7 Von dem Blut sollen sie etwas nehmen. Sie sollen es an den Türrahmen des Hauses streichen, in dem sie das Lamm essen werden. 8 Noch in derselben Nacht sollen sie das Fleisch essen. Es soll am Feuer gebraten sein und zu ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern gegessen werden.
(und den letzten Satz von Vers 11 bis Vers 14)
11 … Es ist das Passa, das für den Herrn gefeiert wird!
12 In dieser Nacht werde ich durch Ägypten schreiten. Alle Erstgeborenen im Land werde ich erschlagen bei Mensch und Vieh. Über alle Götter Ägyptens werde ich Gericht halten, ich, der Herr. 13 Das Blut an den Häusern, in denen ihr seid, soll euer Schutzzeichen sein. Wo ich das Blut sehe, werde ich vorübergehen. Wenn ich das Land Ägypten schlage, soll keine Plage euch treffen und Verderben bringen. 14 Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag halten. Feiert ihn als Fest für den Herrn, als Brauch für immer, von Generation zu Generation.«
Wir lesen hier vom ersten Passahfest – noch heute wird dieses Fest in Israel gefeiert. Damals in Ägypten schlachtete also jede jüdische Familie, der es möglich war, ein Lamm. Ein Jahr sollte es alt sein und makellos. Und mit dem Blut dieses Lammes bestrichen sie die Pfosten ihrer Tür. → Türpfosten bestreichen
Dieses Blut schützte die Familien vor dem Tod des Erstgeborenen. Das hebräische Wort „Passah“ (Pessach) bedeutet so viel wie vorübergehen oder überspringen. Der Todesengel, der Ägypten in dieser Nacht heimsuchte, ging an jedem Haus vorüber, dessen Türpfosten mit dem Blut eines Lammes bestrichen waren.
Für die Israeliten ist das Passahfest bis heute eines der wichtigsten Feste des Jahres. Zum Beispiel werden heute noch für die Zeit des Passahfestes alle Produkte, die Sauerteig enthalten, aus den Regalen der Supermärkte entfernt, denn Gott hatte dem Volk Israel damals in Ägypten befohlen, kein gesäuertes Brot zu essen. Das zeigt, welchen Stellenwert das Passahfest heute noch hat. Letztlich geht es bei diesem Fest darum, dass sich das Volk Israel erinnert, dass Gott sie aus Ägypten befreit hat. „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was Er dir gutes getan hat!“ Ps 103,2
Für uns ist es wichtig, dass wir diese Geschichte kennen, dass wir sehen, dass das Blut eines Opfers Menschen geschützt hat, ja dass dieses Blut ein wichtiger Teil war, das Volk Israel aus Ägypten zu befreien.
Gott hat Israel befreit aus der Gefangenschaft fernab der eigenen Heimat. Er hat die Ketten der Sklaverei zerbrochen, die sie umschlungen hatten. – Doch wie wir Menschen so sind, begaben sich die Israeliten bald wieder in eine Gefangenschaft, diesmal in die Gefangenschaft ihres eigenen Herzens. Sie rebellierten in der Wüste gegen Gott, glaubten nicht an Ihn, obwohl sie Seine Wunder gerade erst erlebt hatten. Viel mehr kamen sie auf die dämliche Idee, sich ein goldenes Kalb zu gießen und davor niederzuknien. Das ist ungefähr so gehaltvoll, als würde ich eine große LEGO-Figur bauen, sie schön anmalen und mich dann vor ihr niederwerfen und zu dieser Figur beten – so wie ich sonst eigentlich nur zu Gott bete.
Wie DUMM können wir Menschen eigentlich sein?! – Und ich sag euch eins – so völlig absurd das alles klingt –: Genau das machen auch wir immer wieder in unserem Leben! Prüft euch selbst: Was ist euer goldenes Kalb? – Oder was könnte dazu werden?
Ist es die Arbeit? „Ich will immer mehr verdienen, eine immer bessere Position in der Firma bekommen, um anerkannt zu sein, um Geld zu scheffeln. Meine Familie stelle ich dafür hinten an, meinen Gott stelle ich dafür hinten an!“ Ja – Gott hat uns Talente gegeben; und wir sollen sie gebrauchen! Aber wir sollen unsere Arbeit nicht zu unserem Gott erheben.
Ist es irgendein Hobby? „Ich will in meinem Sportverein immer besser werden, damit ich Erfüllung finde und von anderen Anerkennung bekomme!“ – „Mein Garten soll absolut perfekt aussehen, er darf keinen Makel haben! Das allein erfüllt mich und dann endlich denken die Menschen gut über mich!“ – „Ich will das teuerste Auto fahren, das ich mir nur irgendwie leisten kann. Dann werde ich erfüllt sein und von anderen beneidet werden.“
Es ist gut, Sport zu machen und auch, seine Talente in eine Mannschaft einzubringen, Gemeinschaft mit andern zu haben. – Es ist gut, seinen Garten zu pflegen, seinen grünen Daumen zu benutzen, weil es einfach wunderschön ist. – Es ist gut, dass wir Auto fahren können, um von A nach B zu kommen; unser Leben wird dadurch so viel leichter.
Aber wenn wir irgendeine Sache davon überhöhen – oder sei es etwas ganz anderes –, in ihr Erfüllung suchen, unser Herz an sie hängen, dann ist sie nichts anderes als unser Goldenes Kalb. Wir nehmen uns etwas aus dieser Welt und überhöhen es. Wir machen es zu unserem Gott. So hat es Martin Luther zusammengefasst: „Woran du dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“ (Martin Luther)
Wir merken also: Auch wir sind – zumindest immer wieder – in der Gefahr, uns von Gott abzuwenden und uns so ein Goldenes Kalb zu errichten – obwohl wir genau wissen, dass Gott so viel größer und mächtiger und besser ist! Auch wir können gefangen sein in Dingen, aus denen wir nicht selbst herauskommen. Auch wir brauchen Gottes Hilfe, Gottes Handeln, das uns frei macht.
Wir haben vorhin in der Lesung gehört, wie Johannes der Täufer auf Jesus zeigt und den Leuten zuruft: „Seht doch! Das ist das Lamm Gottes. Es nimmt die Sünde dieser Welt weg!“ (Joh 1,29)
Damit wir aus unserer Gefangenschaft befreit werden, müssen wir kein makelloses Lamm schlachten und unsere Türpfosten mit seinem Blut bestreichen. Wir hätten es wieder und wieder tun müssen, Jahr für Jahr – ein ewiges Blutvergießen, damit wir mit dem Leben davonkommen.
Die Passah-Lämmer in jener Nacht in Ägypten waren ein Vorgriff auf das vollkommene, wahre Lamm Gottes.
Gott hat diesem ewigen Kreislauf von Schuld, Opfer und Vergebung ein Ende gesetzt, indem Er Sein eigenes Lamm für uns gegeben hat. Das einzige Lamm, das in der Lage war, alle Schuld dieser Welt wegzunehmen. Das einzige Lamm, das wirklich makellos war, ohne Fehler, absolut vollkommen.
Wir blättern noch einmal in der Bibel…
Ich bitte euch (eine Seite?) Johannes 19 aufzuschlagen, euch (andere Seite?) Jesaja 53 und euch (noch eine Seite?) 1. Petrus 1.
Johannes 19,14-15a.30:
14 Es war der Tag, an dem das Passafest vorbereitet wird, etwa um die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: »Seht her: Da ist euer König!« 15 Aber sie schrien: »Weg mit ihm! Weg mit ihm! Lass ihn kreuzigen!«
30 Nachdem Jesus den Essig genommen hatte, sagte er: »Es ist alles vollbracht.« Er ließ den Kopf sinken und starb.
Was hier steht, bedeutet, dass Jesus zur selben Zeit am Kreuz stirbt, als die Passah-Lämmer geschlachtet werden. Er ist für uns zum Passah-Lamm geworden. (s. auch 1Kor 5,7)
Wir lesen beim Propheten Jesaja in Kapitel 53 vom sogenannten Gottesknecht. Jesaja 53,4-7:
4 In Wahrheit hat er unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich genommen. Wir aber hielten ihn für einen Ausgestoßenen, der von Gott geschlagen und gedemütigt wird.
5 Doch er wurde gequält, weil wir schuldig waren. Er wurde misshandelt, weil wir uns verfehlt hatten.
Er ertrug die Schläge, damit wir Frieden haben. Er wurde verwundet, damit wir geheilt werden.
6 Wir hatten uns verirrt wie Schafe. Jeder kümmerte sich nur um seinen eigenen Weg. Aber der Herr lud all unsere Schuld auf ihn.
7 Er wurde misshandelt, aber er nahm es hin. Er sagte kein einziges Wort. Er blieb stumm wie ein Lamm, das man zum Schlachten bringt. Wie ein Schaf, das geschoren wird, nahm er alles hin und sagte kein einziges Wort.
Nur ein kleiner Ausschnitt aus diesem wundervollen Gedicht, das über 700 Jahre vor Jesus geschrieben wurde.
Und wir lesen im 1. Petrusbrief. 1. Petrus 1,18-19:
18 Ihr wisst ja: Ihr seid freigekauft worden von dem sinnlosen Leben, wie es eure Vorfahren geführt haben. Das ist nicht geschehen durch vergängliche Dinge wie Silber oder Gold. 19 Es geschah aber durch das kostbare Blut von Christus, dem fehlerfreien und makellosen Lamm.
Jesus, der von keiner Sünde wusste, der ohne jede Schuld war, makellos, ohne Fehler, hat unsere Schuld auf sich genommen, damit wir frei sind! Frei von unserer Schuld, frei von unseren Zwängen, von den Ketten, die uns gefangen nehmen wollen. (Vgl. 2Kor 5,21)
Deswegen beten wir Ihn an. Deswegen loben wir Seinen Namen. Deswegen ist „Lamm Gottes“ für Ihn der größte Ehrentitel. – Und deswegen ist die Offenbarung, das letzte Buch in unserer Bibel, das uns einen Ausblick auf die Zeit am Ende der Welt gibt, voll von der Bezeichnung „Lamm Gottes“. Während es sonst in der Bibel nur einzelne Stellen sind, lesen wir hier 29x diese Bezeichnung für Jesus. Sie ist der größte Ehrentitel, mit dem Jesus bezeichnet werden kann.
Bevor wir gleich mit einem Lied in dieses Lob einstimmen wollen, noch ein letzter Gedanke: In Johannes 10 sagt Jesus von sich selbst: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet.“ (Joh 10,9a) – Ich gebe zu: Der Kontext ist etwas anders,  – und dummerweise bekomme ich diese Tür nicht auf, weil ich nur bestreichbare Türpfosten bestellt hatte … – aber ich finde diesen Ausspruch und dieses Versprechen von Jesus so passend: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet.“ Jesus lädt uns ein, dass wir Sein kostbares Blut auch für uns beanspruchen, dass Jesus uns von unserer Schuld reinigt – wenn es sein muss, immer wieder –, dass Jesus uns befreit von allem, was uns gefangen nimmt – wenn es sein muss, immer wieder –, dass Jesus uns in die Freiheit führt – wenn es sein muss, immer und immer wieder.
Amen.
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