Das Schweigen des Lammes
Passion 25 • Sermon • Submitted • Presented
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· 19 viewsWährend es lärmt in der Welt, geht er besonnen, still, zielsicher, hingegeben seinen Weg: Jesus, Mensch und Gottessohn. Er schweigt im Verhör, antwortet kaum auf Fragen, stirbt unter grossen Schmerzen, wird beerdigt - aber überraschenderweise ist das Grab am dritten Tag leer. Und er selbst? Begegnet ausgewählten Freunden unscheinbar, aber eindrücklich als der Auferstandene! Auch heute... 18. April 2025 - FEG LuzernSüd. www.fegluzernsued.ch/predigt
Notes
Transcript
Die seltsame Schriftstelle
Die seltsame Schriftstelle
Biblestory Apg 8,26-35.
Die Gemeinde von Jesus war noch ganz jung. Einer ihrer fröhlichen Vertreter war Philippus. Eben hatte er Erweckung in Samarien erlebt, als der Engel des Herrn ihn aufforderte, nach Süden an die einsame Strasse von Jerusalem nach Gaza zu gehen.
Tatsächlich traf Philippus dort auf einen äthiopischen Königsbeamten, der in seinem Wagen zurück auf dem Heimweg war. Er war in Jerusalem gewesen, um anzubeten. Nun las er aus der Schriftrolle des Propheten Jesaja. Der Heilige Geist sagte zu Philippus: “Lauf hinüber und geh neben dem Wagen her.” Als Philippus nun hörte, was der Mann las, fragte er: “Verstehst du auch, was du da liest?” - “Wie soll ich das verstehen, wenn’s mir keiner erklärt?” So durfte Philippus neben dem Mann Platz nehmen. Er hatte gerade diese Stelle gelesen:
»Er wurde wie ein Schaf zum Schlachten geführt. Und wie ein Lamm vor dem Scherer verstummt, so machte er den Mund nicht auf.
Er wurde gedemütigt und erfuhr kein gerechtes Urteil. Wer kann von seinen Nachkommen sprechen? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen.«
“Von wem redet er da? Von sich selbst oder von jemand anderem?” Philippus begann bei dieser Schriftstelle und erklärte ihm die gute Botschaft, das Evangelium von Jesus.
Jesus, das Lamm
Jesus, das Lamm
Jesaja hatte diese Aussage etwa 700 Jahre vor Christus gemacht. Und er sagte noch mehr - der Kämmerer hat vermutlich noch mehr davon gelesen. Es ist dort die Rede vom Knecht des Herrn, der ein Mann der Schmerzen ist, der vertraut ist mit Krankheit. Aber wegen unserer Vergehen, heisst es dort, deswegen wurde er durchbohrt, zerschlagen, gestraft - damit wir Frieden haben. Er nahm unsere Krankheiten auf sich und wurde zum Opfer für die Sünde, ja er trug die Sünde vieler Menschen.
Er wurde misshandelt und niedergedrückt und gab keinen Laut von sich. Wie ein Lamm, das zum Schlachten geführt wird, und wie ein Schaf vor seinem Scherer verstummt, so machte auch er den Mund nicht auf.
Ist das so?
“Schafe sind stille Dulder”, heisst es auf einer Webseite über Schafe. Nicht, dass sie das Scheren stressfrei erleben. Es kann auch sein, dass sie Blöken. Aber sie sind stille Dulder.
Foto Schafschur
Schafe waren Opfertiere. Aus Dankbarkeit nach einer Heilung oder einer Geburt - oder aus Schuldbewusstsein ein reines Tier anstelle unserer Unreinheit hinzugeben. Und so war das Bild eines Schafes, das zum Schlachten geführt wird, verbunden mit dem Wissen: hier geht es um ein Opfer. Aber von wem redet der Prophet? Und was hat Philippus möglicherweise alles gesagt?
Lasst uns in die Geschichte eintauchen: das Schweigen des Lammes.
Es war Johannes der Täufer, der als erstes festhielt: Johannes 1,29
Am nächsten Tag, als Johannes Jesus auf sich zukommen sah, sagte er: »Seht her! Da ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!
Ausschnitt Johannes und Lamm aus dem Isenheimer Altar
Jesus - das Lamm Gottes! Das Opferlamm, das die Sünde der Welt trägt. Stellvertretende Hingabe.
Nicht nur Philippus sprach darüber, dort im Wagen des Äthiopiers. Petrus, der Apostel, fasst diese Erkenntnis, dass Jesus das Lamm ist, zusammen:
Er hat sich nicht gewehrt, wenn er beschimpft wurde. Als er litt, drohte er nicht mit Vergeltung. Er überließ seine Sache Gott, der gerecht richtet.
An seinem eigenen Körper hat er unsere Sünden an das Kreuz hinaufgetragen, damit wir für die Sünde tot sind und für die Gerechtigkeit leben können. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden!
Ganzes Bild: Johannes, das Lamm und Jesus am Kreuz (Isenheimer Alter)
Auch im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung wird deutlich: Jesus ist das Lamm, das geopfert ist:
Und sie sangen in einem gewaltigen Chor: »Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist. Es ist würdig, Macht und Reichtum entgegenzunehmen und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lob.«
Ein geschlachtetes Opfertier… was kann das noch entgegennehmen? Der gekreuzigte Jesus - bei ihm ist das besonders. Er ist einzigartig. Er ist die Erfüllung der uralten Jesaja-Prophetie und des Hinweises von Johannes dem Täufer: das Lamm Gottes.
Macht - Autorität
Reichtum - alle Güter und Zugehörigen des Königreichs Gottes
Weisheit - ja, die Weisheit, dass Gottes Liebe durch das Opfer seines Sohnes alle Menschen erreichen kann
Stärke - er hat den Starken, den Bösen bezwungen am Kreuz und in der Auferstehung
Ehre - der lange Finger von Johannes dem Täufer macht’s deutlich: Ehre. “Er muss zunehmen, ich muss abnehmen” steht hier in lateinischer Schrift auf dem Isenheimer Alter
Herrlichkeit - das Sichtbarwerden der Königsherrschaft Gottes in ihrer ganzen Schönheit und Leuchtkraft
Lob - dankbar, für dieses grosse Geschenk der Gnade.
Lied: Würdig das Lamm, das geopfert ist.
… und Jesus schwieg
… und Jesus schwieg
Wann schwieg Jesus?
Wann schwieg Jesus?
Als Menschen Lügen über ihn erzählten (er würde den Tempel Gottes zerstören und in 3 Tagen aufbauen; Mt 26,61-63); er würde lehren, dem Kaiser keine Steuern zu zahlen (Lukas 23,2)
die behaupteten: »Dieser Mann hat gesagt: ›Ich kann den Tempel Gottes zerstören und ihn in drei Tagen wieder aufbauen.‹«
Da stand der Hohe Priester auf und fragte Jesus: »Hast du zu diesen Anschuldigungen nichts zu sagen? Was hast du zu deiner Verteidigung vorzubringen?« Doch Jesus schwieg.
Als er angespuckt und geschlagen wurde und man ihn provozierte: prophezeie, wer die geschlagen hat! (Mt 26,67-68)
Dann spuckten sie Jesus ins Gesicht und schlugen ihn mit den Fäusten. Und einige prügelten auf ihn ein mit den Worten: »Prophezeie uns, du Christus! Wer hat dich gerade geschlagen?«
Als er vor Pilatus von den obersten Priestern und Ältesten angeklagt wurde (Mt 27,14)
Doch als die obersten Priester und die Ältesten ihre Anklagen vorbrachten, schwieg Jesus.
»Hörst du nicht die Anschuldigungen gegen dich?«, fragte Pilatus. Doch sehr zum Erstaunen des Statthalters sagte Jesus nichts.
Vor Herodes - denn dieser war nur ein Alibi und wollte vor allem eines seiner Wunder sehen Lk 23,8ff) Herodes stellte Fragen, die obersten Priester und Schriftgelehrten klagten an, Herodes und seine Soldaten verhöhnten Jesus mit einem edlen Kleid - Jesus schwieg... (Psalm 2 - und Herodes wurde Freund mit Pilatus) - Lukas 23,12.
Er stellte Jesus eine Frage nach der anderen, aber Jesus gab keine Antwort.
Als die Soldaten ihn mit dem purpurroten Gewand und der Krone aus Dornen, dem Zepter aus einem Stock und dem Gruss als König der Juden verspotteten (Mt 27,27-31)
Sie zogen ihn aus und legten ihm ein purpurrotes Gewand an.
Dann machten sie eine Krone aus langen, spitzen Dornen, setzten sie ihm auf den Kopf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand als Zepter. Daraufhin knieten sie vor ihm nieder, verhöhnten ihn und grölten: »Sei gegrüßt, König der Juden!«
Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock weg und schlugen ihn damit auf den Kopf.
Als er das Kreuz tragen musste, betäubenden Wein trinken sollte (den lehnte er ab), sie ihn ans Kreuz nagelten, seine Kleider verteilt wurden, sich die Soldaten wachend ums Kreuz setzten und die Tafel über seinem Kopf angebracht wurde: Dies ist Jesus, der König der Juden” (Mt 27,32-37)
Die Soldaten gaben ihm Wein, der mit bitterer Galle vermischt war, doch als er ihn schmeckte, weigerte er sich, ihn zu trinken.
Als die Passanten und die Mitgekreuzigten ihn verhöhnten: … wenn du der Sohn Gottes bist, dann rette dich selbst und steig vom Kreuz (Mt 27,40)
»So! Du kannst also den Tempel zerstören und in drei Tagen wieder aufbauen? Nun, wenn du der Sohn Gottes bist, dann rette dich doch selbst und steig vom Kreuz herab!« Die obersten Priester, Schriftgelehrten und Ältesten verspotteten Jesus ebenfalls.
Und auch die Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt worden waren, verhöhnten ihn.
Wann schwieg er nicht?
Wann schwieg er nicht?
Um die Ereignisse ins ganz grosse Bild des Heilsplanes einzubauen
Doch all das geschieht, um die Worte der Propheten zu erfüllen, wie sie in der Schrift aufgeschrieben sind.«
Als er nach seiner Identität gefragt wurde
Da sagte der Hohe Priester zu ihm: »Im Namen des lebendigen Gottes, sage uns, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes.«
Jesus erwiderte: »Es ist, wie du sagst. Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten Gottes sehen, auf dem Platz der Macht, und ihr werdet sehen, wie er auf den Wolken des Himmels wiederkommen wird.«
Nun stand Jesus vor Pilatus, dem römischen Statthalter. »Bist du der König der Juden?«, fragte dieser ihn. Jesus antwortete: »Ja, es ist, wie du sagst.«
Und Jesus schwieg nicht, als er am Kreuz betete - und auch unterwegs zu den Frauen von Jerusalem und am Kreuz mit dem Schächer, bzw. mit Maria und Johannes sprach.
Fazit: Warum schwieg Jesus?
Fazit: Warum schwieg Jesus?
Weil er im Garten den Kampf bereits gekämpft hatte und den bitteren Kelch angesetzt hatte
Weil das Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, nicht wie Schweine kreischt… Schafe sind stille Dulder.
Weil er den Plan kannte, den der Vater mit ihm vorhatte.
Weil er sich seiner Identität bewusst war. Anklagen prallen an ihm ab, wie Wasser auf dem Regenmantel.
Weil er von der dahinterliegenden Freude wusste (Heb 12,1ff)
Dies tun wir, indem wir unsere Augen auf Jesus gerichtet halten, von dem unser Glaube vom Anfang bis zum Ende abhängt. Er war bereit, den Tod der Schande am Kreuz zu sterben, weil er wusste, welche Freude ihn danach erwartete. Nun sitzt er an der rechten Seite von Gottes Thron im Himmel!
Lobpreiszeit
Jesus begegnen - heute!
Jesus begegnen - heute!
Doch ich bin taub für ihre Drohungen, wie ein Stummer schweige ich in ihrer Gegenwart. Ich stelle mich taub und gebe keine Antwort.
HERR, ich hoffe auf dich. Antworte du für mich, Herr, mein Gott.
Während es lärmt in der Welt, geht er besonnen, still, zielsicher, hingegeben seinen Weg: Jesus, Mensch und Gottessohn. Er schweigt im Verhör, Antwortet kaum auf Fragen, stirbt unter grossen Schmerzen, wird beerdigt - aber überraschenderweise ist das Grab am dritten Tag leer. Und er selbst? Begegnet ausgewählten Freunden unscheinbar, aber eindrücklich als der Auferstandene. Auch heute...
