Karfreitag 2025

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Das Opfer Jesu an Karfreitag ruft uns in seine Nachfolge, die sich des Preises der Gnade bewusst ist und die Gotteshingabe Jesu als Sieg ansieht.

Notes
Transcript

Das Opfer - Was ist das Opfer Jesu?

Warum machen wir an Karfreitag einen Lobpreisgottesdienst? Das ist eine Frage, die ich schon des öfteren gestellt bekommt habe. Wäre es nicht angemessener eine Totenwache abzuhalten? Etwas zu machen, dass ruhiger, andächtiger, angemessener ist? Ist es wirklich passend an einem Tag, der uns an den Tod Jesu erinnern soll, miteinander zu singen, vielleicht sogar Freude zu verspüren? Gerade für Außenstehende kann das sehr komisch wirken, wenn wir am Todestag der Person, die das Zentrum des Christentums ist, miteinander singen und beten. Vor einigen Wochen habe ich für unseren Sohn Levi ein Buch gekauft, in der Edda die Gans versucht herauszufinden, was Ostern ist und Alfred der Esel erzählt ihr nach einem tollen Abenteuer die Geschichte. Er erzählt davon, wie gut Jesus war. Wie sehr er sich für die Menschen eingesetzt und sie geliebt hat. Er erzählt davon, dass er noch wenige Tage zuvor von den Menschen gefeiert wurde und es dann dazu kam, dass die religiöse Elite Angst um ihre Stellung und vor der Macht Jesu bekam und ihn deshalb aus dem Weg schaffen wollte. Am Ende führt das alles zu Karfreitag. Es führt zum Tod Jesu. Jesus wird gekreuzigt. Er wird gekreuzigt wie ein Verbrecher. Einige Tage vorher wird er gefeiert und kurz darauf hängt er am Kreuz und stirbt. Als Alfred an diesen Punkt der Geschichte kommt, reagiert Edda wie folgt:
Edda konnte es nicht fassen. Was war das denn für eine traurige Geschichte?! Ihr kamen die Tränen. Wie konnte man jemanden, der nie etwas Böses, sondern so viel Gutes für die Menschen getan hatte denn so schrecklich töten. Sie seufzte ganz laut. “Und dann? Ist das wirklich Ostern? Das ist doch kein Fest! Das kann man doch nicht feiern!” - Was ist Ostern fragt Edda: Sandra Janzen
Edda hat recht. Wenn es dabei einfach um einen Menschen geht, der so viel Gutes getan hat und zu Unrecht bestraft wird, dann kann man das nicht feiern. Dann kann man nur traurig und beschämt sein, wenn man sieht, wozu wir Menschen fähig sind. Es war nicht irgendjemand, der Jesus ans Kreuz nagelte. Es waren Menschen wie du und ich, die vor Pilatus dem Stadthalter Jerusalems standen und riefen: Kreuzige ihn. Und aus Angst vor der Menschenmenge, vor den religiösen Oberhäuptern ließ Pilatus Jesus kreuzigen. Trotzdem ist Karfreitag für uns ein Moment des Gedenkens und auch des Lobens. Es ist nicht allein Trauer, sondern es ist viel mehr ein Staunen, ein Bewusstsein über das, was wir gar nicht fassen können. Es ist ein Aufatmen unserer inneren Unvollständigkeit, die sich immer wieder in unserer Unperfektheit, unseren Verfehlungen, Verletzungen bahnen bricht, und an Karfreitag eine Erlösung gefunden hat. Es ist ein ruhig werden in Anbetracht dessen, was Jesus an diesem Tag für uns gegeben hat, wodurch wir zum einen Befreiung erleben können und zum anderen aufgerufen werden, unser Leben von Jesus bestimmen zu lassen.
An Karfreitag gibt Jesus sein Leben hin, damit wir frei sein können. Frei von der Last unserer Vergangenheit. Frei von der Angst des Todes oder Krankheit. Frei von Unsicherheiten. Diese Freiheit gibt er uns, indem er uns eine Liebe zugänglich macht, die uns ausfüllt. In unserem Leben suchen wir nach Liebe. Wir suchen nach Zuneigung. Wir suchen nach Annahme. Was wir aber erleben ist: Andere Menschen können uns das nur bedingt geben. Wir werden enttäuscht und wir enttäuschen. Wir werden verletzt und wir verletzen. Trotzallem bleibt dieser Wunsch, dieses Verlangen, diese Sehnsucht. Unsere Unvollkommenheit, unsere Fehler, unsere Bedrängnisse lassen es nicht zu, dass wir so lieben können, dass unser Verlangen jemals gefüllt wird. Jesus macht uns an Karfreitag eine Liebe zugänglich, die vollständig ist. Eine Liebe, die alles vollbringt.
Johannes 19,28–30 BB
Nachdem das geschehen war, wusste Jesus, dass jetzt alles vollbracht war. Damit vollendet würde, was in der Heiligen Schrift steht, sagte er: »Ich bin durstig!« In der Nähe stand ein Gefäß voll Essig. Die Soldaten tauchten einen Schwamm hinein. Dann legten sie ihn um einen Ysopbund und hielten ihn Jesus an den Mund. Nachdem Jesus den Essig genommen hatte, sagte er: »Es ist alles vollbracht.« Er ließ den Kopf sinken und starb.
Es ist vollendet. Es ist vollbracht. Was soll das bedeuten? Was wird hier vollendet und was hat das mit der Liebe zu tun, die wir suchen? Jesus vollbringt das, was wir nicht können: Er lebt erfüllt von Liebe und gibt sich selbst auf, damit ein gerechter, heiliger, liebender Gott nicht von uns getrennt, sondern mit uns gemeinsam lebt. Der Tod Jesu vollendet das, was Gott mit der Erschaffung der Welt begonnen hat: Es ist eine Liebesgeschichte, die auf die Hingabe eines Gottes hinzuläuft. Ein Gott, der sich selbst gibt, damit wir bei ihm sein können. Jesus war sein eigenes Leben nicht so wertvoll, wie wir es für ihn sind. Er trägt die Last. Er zeigt, wozu die Liebe Gottes im Stande ist. Sie heilt. Sie vergibt. Sie gibt nicht auf. Sie gibt sich hin. Jesus war nicht einfach nur ein guter Mensch. Jesus war der Sohn Gottes. Er war Gott in Menschengestalt und ist bereit sich selbst hinzugeben, sich von den Menschen verspotten zu lassen, sich den Menschen auszuliefern, nicht weil er uns zeigen will, zu welchen Schandtaten wir fähig sind, sondern um uns zu zeigen, dass seine Liebe größer ist.

Der Preis - Was kostest Gott die Gnade?

Jesaja 53,5 BB
Doch er wurde gequält, weil wir schuldig waren. Er wurde misshandelt, weil wir uns verfehlt hatten. Er ertrug die Schläge, damit wir Frieden haben. Er wurde verwundet, damit wir geheilt werden.
Die Liebe Gottes ist größer als unsere Verfehlungen. Gott selbst wird das Opfer, dass es brauchte, um die Brücke zwischen den Menschen und Gott wiederherzustellen. In Israel wurden Tiere geschlachtet und geopfert, um Vergebung für die Schuld zu erlangen, die man auf sich geladen hat. Es war unschuldiges, reines Blut, was vergossen wurde für die Schuld der Menschen. Für die Vergangenheit, die man mit sich trägt. Für die Ängste, die das Leben bestimmen. Das Opfer sollte einen Neuanfang bringen, durch den das eigene Leben nicht mehr davon bestimmt wird. In Jesus nimmt Gott die Vergangenheit eines jeden auf sich. In Jesus nimmt Gott die Ängste eines jeden auf sich und er sagt: Es ist vollbracht. Du musst dich nicht mehr davon bestimmen lassen. Es hat keine Macht mehr über dich. Du darfst frei sein. Gott sagt: Es hat mich alles gekostet. Ich bin dir gnädig. Ich rechne dir Nichts mehr an. Sei du auch gnädig zu dir.

Der Ruf - Inwiefern ruft mich dieses Opfer in die Nachfolge?

Diese Gnade hat Gott alles gekostet. Sie hat das Leben seines Sohnes gekostet. Gott hatte einen guten Plan für diese Welt und für unser Leben. Er hat uns die Freiheit gegeben diesen Weg zu gehen oder nicht. Es war ein Weg der Liebe zu ihm, zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen.
1. Johannes 4,12 BB
Niemand hat Gott jemals gesehen. Aber wenn wir einander lieben, bleibt Gott mit uns verbunden. Dann hat seine Liebe in uns ihr Ziel erreicht.
Das ist sein Plan. Das ist sein Weg. Das ist der Weg, den er selbst bis Karfreitag und darüber hinaus gegangen ist und weiter geht. Das ist es, wozu Karfreitag uns aufruft. Karfreitag steht für die vollkommene Hingabe eines Menschen für etwas, dass über ihn hinausgeht. Karfreitag steht für die Absage an Egoismus und die Zusage vollkommener Liebe. Jesus zeigt uns, was es bedeutet, wenn Gott und sein Wille das wichtigste im Leben ist. Er zeigt uns, wohin es führen kann, wenn man bedingungslos liebt. Er ruft uns dazu auf, es ihm gleich zu tun.

Der Sieg - Wieso ist die Hingabe Jesu ein Sieg?

Warum sollten wir das aber tun? Ich mein diese hingebungsvolle, aufopferungsvolle Liebe, ist sehr teuer. Sie hat Jesus alles gekostet. Es hat ihn sein Leben gekostet und jetzt sollen wir diesem Beispiel folgen? Ja, wir sollen diesem Beispiel folgen. Wir sollen uns der Liebe Gottes hingeben. Wir sollen unser Leben von ihr füllen lassen. Und ja, das wird uns etwas kosten. Karfreitag erinnert uns daran, dass Gott seine Liebe zu uns sehr teuer war. Seine Gnade ist nicht billig. Sie geht einher mit Buße und Umkehr. Sie geht damit einher, dass wir uns selbst eingestehen müssen, dass wir aus uns heraus nicht dazufähig zu sein wie Jesus. Das wir versagen werden, aber das wir uns immer wieder aufrichten lassen durch die Zusage Jesu am Kreuz. Es ist vollbracht. Du musst es nicht schaffen. Ich habe es vollbracht. Der Preis ist bezahlt. Komm und folge mir. Ich gehe dir voran. Ich bin dir voraus gegangen. Lass die Dinge hinter dir, die dich davon abhalten zu lieben. Das ist das Kreuz. Das ist Karfreitag. Es ist der Ruf der Liebe, die uns zu sich hinzieht und die durch uns gelebt werden will, auch wenn es uns etwas kostet, denn das ist es, wozu wir gemacht sind: Radikale Liebe.
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