Die Augen des Herzens - Epheser 1,15-23
Gerade weil es nicht selbstverständlich ist, daß Menschen in einer heilen Beziehung zu Gott und ihren Mitchristen leben, dankt er Gott unablässig dafür.
Der rote Faden im Text läßt sich folgendermaßen nachzeichnen: Gott wird gebeten, den ›Ephesern‹ (die ja schon seit ihrer Bekehrung nicht mehr geistlich blind sind, V.18a) durch seinen Geist vermehrte Gotteserkenntnis zu schenken, so daß sie dreierlei erkennen (Vv.18b–19): 1) welche Hoffnung Gott ihnen gegeben hat; 2) welch ein herrliches Erbe er für sie bereit gelegt hat; und 3) wie groß seine Macht ist, die in den Glaubenden wirksam wird.
Diesen herrlichen Gott, so betet Paulus, sollen die Gläubigen immer besser erkennen. Die Frage ist nur: wie? Antwort: Gotteserkenntnis ist eine Gabe Gottes. Er muß darum gebeten werden. Er muß dazu »den Geist der Weisheit und Offenbarung« geben, d.h. den Heiligen Geist, der die Glaubenden erkennen läßt, was Gott für ihr Leben bedeutet (d.i. ›Weisheit‹ als praxisbezogene Erkenntnis), und ihnen zeigt, wie Gott wirklich ist (d.i. ›Offenbarung‹ als Erschließung dessen, was vorher verborgen war). Geistgewirkte Weisheit und Offenbarung führen »zu genauer Erkenntnis seiner selbst« (wörtlicher: bestehen ›in genauer Erkenntnis …‹). Frage: Wie geht das zu? Schenkt der Heilige Geist jedem seine eigenen Gottesvisionen? Das ist offenbar nicht gemeint, denn ab V.18b schreibt der Apostel den Gläubigen ja ausdrücklich, was sie von Gott wissen sollen. Der ›Geist der Weisheit und Offenbarung‹ ist also nötig, damit die Gläubigen das verstehen und annehmen, was ihnen der Apostel aufgrund von Offenbarung (vgl. 3,2–5) verkündigt und schreibt.
Es geht also um nichts weniger als um die »genaue Erkenntnis seiner selbst«, d.h. die Erkenntnis Gottes!
›Erkennen‹ bedeutet in der Bibel, etwas durch Begegnung und Erfahrung kennenzulernen. (So kann der intime Umgang zwischen Ehemann und Ehefrau als ›Erkennen‹ bezeichnet werden, vgl.
15–23 Alles geht hier auf das eine hinaus: auf seine Gemeinde, und daß er, der größer ist als alles andere, ihr geschenkt worden ist und gehört. Das zu erkennen, ist nicht selbstverständlich; dazu gehören durch den Heiligen Geist erleuchtete Augen. Darum ist es bei aller Dankbarkeit und Mitfreude das Gebetsanliegen des Apostels, daß der Vater Jesu Christi das den Seinen schenken möge. Er aber kann es; denn er hat „Weisheit“ (hier wird ohne Bedenken das griechische Wort „sophia“ gebraucht), und er hat Kraft.
Das vom Dank getragene Gebet des Apostels zielt auf eine tiefere Erkenntnis des umfassenden Heilswerkes Gottes in Christus.
