Die Kraft des Lobens
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1. Lob im Leid
Ihr Lieben,
der Sonntag Kantate, den wir heute feiern, hat das Singen schon im Titel! Wir sind aufgefordert, Gott zu loben, weil Er so viel Gutes in unserem Leben tut. Schon als Kinder haben wir fleißig gelernt, „Danke“ zu sagen, wenn uns jemand etwas Gutes tut. Und aus eigener, mehrmaliger Erfahrung kann ich sagen: Wenn die Frau im Netzschkauer Getränkemarkt kleinen Jungen Lutscher in die Hand drückt, freut sie sich sehr, wenn zwei Kinderstimmen ein verlegenes und piepsiges „Danke“ hauchen.
Wenn uns jemand etwas Gutes tut, sagen wir gern „Danke“. Wenn Gott etwas in unserem Leben tut, dann fängt unser Herz an, Ihn zu loben – so wie wir es im Wochenspruch gehört haben: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn Er tut Wunder.“ (Ps 98,1) Lobt Gott für das, was Er tut!
So weit, so klar. Unser heutiger Predigttext stellt dieses Prinzip auf den Kopf!
Ich lese aus Apostelgeschichte 16 ab Vers 23. Ihr könnt gern eure Bibeln aufschlagen…
[Paulus uns Silas wurden in der Stadt Philippi gefangen genommen.] 23 Nachdem sie viele Schläge erhalten hatten, ließ man sie ins Gefängnis werfen. Dem Gefängniswärter wurde eingeschärft, sie besonders gut zu bewachen. 24 Er führte den Befehl aus und brachte sie in die hinterste Zelle. Dort schloss er ihre Füße in den Holzblock. [Mit anderen Worten: Es ging ihnen schrecklich!]
25 Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und sangen Loblieder für Gott. Die anderen Gefangenen hörten ihnen zu. –
Bis hierhin für den Moment.
Wie verrückt ist das bitte! Ganz ehrlich: Wer von uns hätte so reagiert? Paulus und Silas wurden zusammengeschlagen, sie haben üble Schmerzen. Da klagt man doch! Da schreit man doch zu Gott, wenn es einem so dreckig geht! – Paulus und Silas singen Loblieder.
Die anderen Gefangenen, die dieses Gesinge gehört haben, mussten auch denken: „Leute, was ist bei euch los!? Habt ihr sie noch alle?“ Aber Paulus und Silas war das völlig egal. Vielleicht haben sie mit ihrem Gesang sogar andere ermutigt…
Um Gott zu loben, ist es nicht wichtig, wie es uns geht. – Es ist nur wichtig, wer der ist, an den wir glauben, der, den wir loben! Natürlich lässt es sich leichter loben, wenn alles in bester Ordnung ist und wir uns pudelwohl fühlen. Aber unser Gott ist würdig, angebetet und gelobt zu werden, selbst wenn unser Leben dazu gerade keinen Anlass bietet. Weil Gott der ist, der Er ist: der Allmächtige, der Heilige, der Höchste. Und natürlich weil Er schon so viel getan hat. Und auch weil Er noch so viel tun wird.
Es erscheint beeindruckend, was Paulus und Silas hier machen. Selbst in der Bibel finden wir nur wenige ähnliche Stellen, in denen Menschen im Schrecken des Leids Gott loben, anstatt zu Ihm zu klagen. Es mag fast heroisch erscheinen, aber es soll uns ermutigen, genau das zu tun: Gott zu loben, weil Er Gott ist. Ganz egal, wie es in unserem Leben gerade aussieht, ganz egal, wie es in unserer Welt gerade aussieht. Den Blick allein auf Gott und Seine Herrlichkeit zu richten.
2. Gott greift ein!
Verrückterweise antwortet Gott auf das Lob von Paulus und Silas, die da mitten in der dunklen Nacht auf dem kalten Boden des Gefängnisses sitzen. Ich lese weiter in unserem Bibeltext:
26 Plötzlich gab es ein starkes Erdbeben, das die Fundamente des Gefängnisses erschütterte. Da sprangen alle Türen auf, und die Ketten fielen von den Gefangenen ab.
Gott greift ein! Er macht frei! Er lässt die Erde beben. Er lässt die Ketten der Gefangenen abfallen. Er öffnet die Türen der Gefängniszellen.
Ich bin mir sicher: Jetzt sind auch Paulus und Silas erschrocken! Wie viel Kraft unser Gott hat! – Und wie viel Kraft deswegen unser Gebet zu Ihm hat, auch das Lobgebet. Wie viel Kraft es hat, Gott in die Mitte unseres Lebens zu stellen und Ihm die Ehre zu geben! Gott sprengt Ketten so gern! Seien es Gefängnisketten oder Ketten im übertragenen Sinn, die uns gefangen halten. Gott will uns freimachen, von dem was uns gefangen hält, was uns an sich binden will, was uns von Gott weghalten will. Gott möchte auch diese Ketten sprengen und uns in die Freiheit führen!
Wie wir bei Paulus und Silas sehen können, heißt das nicht, dass Er nicht auch Leid zulässt, dass wir nicht auch geduldig manches Üble über uns ergehen lassen müssen. Gott weiß, wann es gut ist einzugreifen. Unser Job ist es, zu Ihm zu halten, an Ihm festzuhalten und Ihn sogar zu loben, wenn alles dagegen spricht.
3. „Was muss ich tun, um gerettet zu werden?“
Nun geht die Geschichte von Paulus und Silas natürlich noch weiter. Sie sitzen ja immer noch im Gefängnis und müssen erstmal realisieren, was da gerade passiert ist während des Erdbebens. Und damit sind sie nicht allein… Ich lese weiter:
27 Der Gefängniswärter wurde aus dem Schlaf gerissen. Als er sah, dass die Gefängnistüren offen standen, zog er sein Schwert und wollte sich töten. Denn er dachte, dass die Gefangenen geflohen waren. 28 Aber Paulus schrie laut: »Tu dir nichts an! Wir sind alle noch hier.« 29 Der Wärter rief nach Licht. Er stürzte in die Zelle und warf sich zitternd vor Paulus und Silas nieder. 30 Dann führte er sie hinaus und fragte: »Ihr Herren, was muss ich tun, damit ich gerettet werde?« 31 Sie antworteten: »Glaube an den Herrn, Jesus, dann wirst du gerettet und mit dir deine ganze Hausgemeinschaft.« 32 Und sie verkündeten ihm und allen anderen in seinem Haus das Wort des Herrn.
„Was muss ich tun, um gerettet zu werden?!“ Der Gefängniswärter hat fürchterliche Angst. Er weiß, dass er mit seinem Leben zur Rechenschaft gezogen wird, wenn plötzlich alle Gefangenen verschwunden sind. Wahrscheinlich geht es ihm mit seiner Frage gar nicht um sein Seelenheil, wie wir beim ersten Lesen selbstverständlich denken, wie er in den Himmel kommen kann, wenn er stirbt, sondern darum, wie er in diesem Moment aus dieser für ihn extrem bedrohlichen Situation gerettet wird. Jesus selbst spricht regelmäßig davon, dass jemand „gerettet“ wird, wenn er „geheilt“ meint: „Dein Glaube hat dich gerettet!“
„Errettet“ bedeutet „erlöst“, „befreit“ – von welchem Problem auch immer. Sei es Krankheit, ein finanzielles Desaster, eine persönliche Katastrophe oder irgendeine andere Bedrohung. – „Was muss ich tun, um gerettet zu werden?!“
Der Gefängniswärter bekommt mehr als erhofft zur Antwort. So einfach und doch so tief, so viel mehr als erhofft: „Glaube an den Herrn Jesus und du wirst gerettet werden.“ Das ist die Antwort auf jedes Schlamassel, in dem wir feststecken, in dem diese Welt feststeckt!
Ob menschliche Auflehnung gegen Gott, ob Götzendienst, ob Sünde, ob zerbrochene Beziehungen, ob Verzweiflung und Angst, ob Orientierungslosigkeit, ob eine ganz plötzliche und dramatische Lebenskrise, ob Sorgen, ob Krankheit, ob die eigene Ferne von Gott. – „Glaube an den Herrn Jesus und du wirst gerettet werden!“
An Jesus zu glauben ist der Ausweg aus jeder Sackgasse unseres Lebens. Er ist der Ausweg. Er rettet uns.
Paulus und Silas sprechen also sowohl die sehr spezifische Frage an, die der Gefängniswärter gestellt hat, als auch die tiefe Frage, die sie mit geübtem Auge unter der Oberfläche liegen sehen können.
Wie cool wäre es eigentlich, wenn jemand mit der Bitte um einen Rat zu uns kommt, wie er aus einer brenzlichen Situation herausfindet, dass wir ihm antworten: „Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden!“ – „Vertraue Jesus und lass Ihn in dein Leben, in dein Herz, dann wirst du gerettet werden!“
Ihr Lieben, das ist keine billige Ausflucht, nichts einfach daher Gesagtes! Es ist die tiefe Wahrheit: Wer anfängt, an Jesus zu glauben, der wird gerettet! – In diesem Leben aus seiner Not, aus seinen Ketten, aus seinen Bindungen und Gefangenschaften; nach diesem Leben hinein in Gottes ewiges Reich. Wer an Jesus, den Herrn aller Herrn, glaubt, der wird gerettet werden. – Und dessen Leben verändert sich. …
4. Jesus verändert!
Ich lese uns die letzten beiden Verse unseres Textes:
33 In dieser Nacht, noch in derselben Stunde, nahm der Wärter Paulus und Silas zu sich. Er wusch ihnen die Wunden aus. Dann ließ er sich umgehend taufen – mit allen, die bei ihm lebten. 34 Anschließend führte er die beiden in sein Haus hinauf und lud sie zum Essen ein. Er jubelte voller Freude, dass er mit seiner ganzen Hausgemeinschaft zum Glauben an Gott gefunden hatte.
Der Gefängniswächter macht gleich ganze Sache mit Jesus! Er besucht nicht erst einen Glaubenskurs und drei theologische Seminare, sondern er ist sofort überzeugt, dass das tatsächlich für ihn der einzige Weg zur Rettung ist und lässt sich umgehend taufen. Mit dieser Entscheidung bekommt er eine Freude in sein Herz, die er noch nie gespürt hat; er kann gar nicht aufhören, darüber zu jubeln!
Und man sieht, wie sein Herz verändert wird; der neue Glaube bestimmt gleich sein Handeln. Nicht nur, dass er die Wunden der beiden Apostel versorgt, sondern er nimmt sie auch in sein Haus auf und deckt ihnen als Gastgeber den Tisch nach diesen dramatischen Nachtstunden. Dabei sind Wundversorgung und Tischdecken in der Antike klassische Aufgaben von Sklaven und von Frauen. Der Gefängniswärter hat das Evangelium von Jesus bereits verinnerlicht, ohne dass es ihm zuvor ausdrücklich erläutert worden wäre.
Wahnsinn, was das Lob Gottes aus dem Munde zweier armseliger, geschundener Gefangener für Auswirkungen hat!
Gott greift in ihr Leben ein. Und Paulus und Silas dürfen ihrerseits miterleben, wie Gott damit auch in das Leben eines anderen Menschen eingreift. „Glaube an den Herrn Jesus und du wirst gerettet werden!“ – „Glaube an den Herrn Jesus und du hast allen Grund, Ihn zu loben – weil Er Grund genug ist!“
Amen.
