Unverdient - Eingeladen bei Gott
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Unverdient - Eingeladen bei Gott
Unverdient - Eingeladen bei Gott
Kernaussage: Gott lädt uns unverdient und bedingungslos in seine Nähe ein – in Jesus Christus finden wir die Erfüllung dieser Einladung.
Herr, gib uns ein Wort für unser Herz, und ein Herz für dein Wort. Amen.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
Einleitung: Ein gedeckter Tisch – aber wer ist eingeladen?
Einleitung: Ein gedeckter Tisch – aber wer ist eingeladen?
Stellt Euch vor: Ein königliches Festmahl. Der Tisch ist reich gedeckt. Die Speisen sind vorbereitet. Alles ist bereit. Alles so wie wir es vorhin in der Lesung des Evangeliums gehört haben. Und dann geht die Einladung nicht an die Würdenträger und Regierungsleute, nicht an Reiche oder Angesehene – sondern an die Hungrigen, die Vergessenen, die Verlorenen, an die Menschen auf der Straße, an die Menschen, die im Einkaufswagen ihre ganzen Habseligkeiten haben, an die Menschen, die vielleicht vor unseren Kirchentüren sitzen und betteln, die wir aber übersehen bzw. übersehen wollen. Jeder darf kommen, kein besonderer Dresscode wird erwartet.
Gott selbst ist der Gastgeber. Er ruft: „Kommt her – ohne Geld, ohne Leistung, ohne Eintritt!
In einer Welt, in der alles einen Preis hat, klingt das fast zu schön, um wahr zu sein.
Und genau hier setzt heute auch unser Predigttext ein. Hören wir auf Jesaja 55,1–5, Worte voller Gnade, Weite, Hoffnung und Zuversicht. Es sind Worte, die einladen und gut tun.
Verlesung von Jesaja 55,1–5
1 Auf, ihr Durstigen, hier gibt es Wasser! Auch wer kein Geld hat, kann kommen. Kommt, kauft euch zu essen! Kommt und kauft ohne Geld! Wein und Milch – sie kosten nichts.
2 Warum wollt ihr Geld ausgeben für Brot, das nicht wie Brot schmeckt? Warum wollt ihr euren mühsam verdienten Lohn für etwas vergeuden, das nicht satt macht? Hört doch auf mich, dann bekommt ihr Gutes zu essen und könnt köstliche Speisen genießen.
3 Hört mich an und kommt zu mir! Hört, dann lebt ihr auf! Ich will mit euch einen Bund schließen, der für immer besteht. Was ich David für immer versprochen habe, gilt auch für euch.
4 Ihn habe ich ja dazu bestimmt, Völker zu beherrschen und ihnen Befehle zu erteilen. So sollte er meine Macht vor den Völkern bezeugen.
5 Ihr werdet Leute herbeirufen, die ihr nicht kennt. Und Leute, die euch nicht kennen, kommen herbei. So will es der Herr, euer Gott, der Heilige Israels. Er lässt euch diese Ehre zuteil werden.
Auf, ihr Durstigen, hier gibt es Wasser!
Auf, ihr Durstigen, hier gibt es Wasser!
Das ist eine Einladung, die so total anders ist, ja so richtig radikal anders, als wir selbst bei Einladungen kennen. Denn wir leben in einer Welt, wo alles seinen Preis hat, auch jede Einladung hat ihren Preis: Bildung, Gesundheit, Wohnung, Stand, selbst Anerkennung, und sehr oft sogar hat auch die Liebe Bedingungen. Wie oft hören wir das: Wenn, dann … Wenn du etwas willst, dann musst Du auch bezahlen!
Doch bei Gott ist es hier anders. Seine Einladung hat keinen Preis - und es gibt dafür auch einen Grund: “Sie ist unbezahlbar!” “Kommt und kauft ohne Geld! Wein und Milch – sie kosten nichts.”
Diese Gaben Gottes - das Lebenswasser, Brot und Wein - sind Zeichen für die Erfüllung, die Freude und das Leben. Und sie stehen für alle offen: “Alle, die ihr durstig seid!” Hier steht nicht: “Alle die ihr würdig seid”. Auch nicht: “alle, die genug getan haben.” Es gibt nicht nur Wasser als bloße Lebensnotwendigkeit, sondern auch den Wein und die Milch als Ausdruck luxuriöser Befriedigung. Denken wir an die Hochzeit von Kana, wo Jesus gleich mal so nebenbei 600 Liter Wasser in Wein verwandelt. Das ist Ausdruck der überfließenden Gnade Gottes.
Denn die Gnade Gottes gilt allen: “Du darfst kommen, auch wenn du nichts mitzubringen hast.” Oder sogar besser: “Gerade dann darfst du besonders kommen.”
Diese Einladung ist keine Nebenbotschaft, sondern sie ist die Kernbotschaft des Evangeliums. Sie ist das Herz und sie gilt Dir und mir. Wie sagt es Jesus selbst zu den Menschen (Johannes 7,37
37Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!
Doch Gott bleibt nicht bei diesem Angebot stehen. Er stellt dann eine provokante Frage, die uns ins Mark trifft: „Warum zählt ihr Geld für das, was kein Brot ist, und euren Verdienst für das, was nicht sättigt?“
Diese Frage ist aktueller denn je. Denn wer von uns kennt sie nicht – diese innere Unruhe, dieses Getrieben-Sein? Wie viele von uns kenn nicht dieses Gefühl. Da investieren wir uns. Wir investieren Energie, Zeit, Geld – in unsere Karriere, in besondere Projekte, vielleicht auch in Projekte der Gemeinde. Wir optimieren uns selbst, vielleicht mit irgendwelchen Coaches. Da scrollen wir durch endlose Angebote, die uns suggerieren, dass wir dort endlich finden, was uns fehlt: Anerkennung. Sicherheit und Erfüllung. Aber am Ende bleibt oft nur Leere. Man lebt, aber ist nicht lebendig. Man funktioniert, aber ist nicht erfüllt. Und genau hier spricht der lebendige Gott hinein – nicht mit Vorwürfen, sondern mit einem tiefen, heilenden Ruf: „Hört auf mich, dann bekommt ihr Gutes zu essen und könnt köstliche Speisen genießen. Hört mich an und kommt zu mir! Hört, dann lebt ihr auf!“
Das Leben, das trägt, entsteht nicht durch Konsum, sondern durch Hören. Wahres Leben beginnt beim Hören. Nicht beim Produzieren. Nicht beim Perfektionieren. Sondern beim Innehalten, beim sich Zeit nehmen, beim Stillwerden. Beim Hören auf das Wort Gottes – eben das Wort, das Leben schafft, das Wort, das uns erinnert, wer wir wirklich sind: Die geliebte Kinder Gottes, die Eingeladenen an Gottes Tisch.
Mancher Christ beginnt seine Tag mit einer Stillen Zeit - das ist eine Zeit, wo er oder sie die Losung und die Bibelliest, über das Wort Gottes nachdenkt, still ist, wie es eben der Titel der Zeit ausdrückt, und betet, mit Gott ins Gespräch kommt.
Das Hören auf Gottes Wort ist kein religiöses Ritual, sondern der Weg zum wahren Leben. Wie sagt es Jesus: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.“ (Mt 4,4)
Und dann geht Gott noch einen Schritt weiter. Er verspricht einen Bund. Einen ewigen Bund – begründet in der Treue, die er einst David geschenkt hat. „Ich will mit euch einen Bund schließen, der für immer besteht. Was ich David für immer versprochen habe, gilt auch für euch. “ Es ist ein Bund, der Königsherrschaft, Treue und Heil verheißen hat.
Gerade darin zeigt sich auch bis heute das Besondere an Israel: dass es – bei aller Geschichte von Zerstreuung, Verfolgung und Exil – mit dem Anspruch und dem Zuspruch dieser göttlichen Verheißung lebt. Gerade auch jetzt wieder, in seinem Kampf in Gaza und mit dem Iran.
Doch jetzt geschieht etwas Neues: Dieser Bund beschränkt sich aber nicht auf das Königtum in Jerusalem und Juda. Er beschränkt sich nicht auf Israel, sondern wird alle ausgeweitet, die Gottes Wort hören. Gott sagt: „Ich will mit EUCH einen ewigen Bund schließen.“
Mitten im Exil – also fern von Tempel, Land, Herrschaft und Dynastie – gilt Gottes Zusage: „Ich habe euch nicht vergessen. Mein Bund gilt weiterhin. Und er wird größer, tiefer, umfassender.“
Und dieser Bund ist schon ein Blick in die Zukunft: Denn diese Verheißung an David – von einem ewigen König, von einer unvergänglichen Herrschaft – erfüllt sich in Jesus Christus. Und nun wird diese Verheißung allen zugänglich gemacht, die Gottes Wort hören. Die sich von Gott rufen lassen. So verstand es auch der Apostel Paulus in seiner Rede in der Synagoge in Antiocha in der Apostelgeschichte als er sagte: Apostelgeschichte 13,34 (BB)
Gott hat Jesus von den Toten auferweckt und nicht zugelassen, dass sein Körper verwest. Davon hatte Gott gesprochen, als er sagte: ›Ich will euch die unvergänglichen Güter schenken, die ich David versprochen habe.‹ Damit ist er der erhöhte Sohn Davids, in dem der Bund Gottes endgültig und ewig verwirklicht wird.
Der Messias, der Gesalbte, der König in Davids Linie wird zum Zeugen für die Völker. Seine Stimme bleibt also nicht im nationalen Raum gefangen – sie geht hinaus in alle Welt. Sie ist universal. Die Grenzen zwischen „drinnen“ und „draußen“ zerbrechen. Für uns heute heißt das: Wir leben aus einem Bund, den wir nicht verdient haben, der aber unumstößlich feststeht – in Christus.
Das ist zutiefst tröstlich und herausfordernd zugleich: Gott bindet sich an die Welt – nicht durch Macht, sondern durch Einladung. Nicht durch Gewalt, sondern durch Zeugnis. Jesus Christus ist dieser Zeuge, der Fürst, der Diener, der König. Und sein Wirken zieht Kreise bis heute.
„Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter.“
Wer ist „er“? Im Kontext kann es Israel selbst sein – das Volk als Licht für die Nationen (vgl. Jes 42,6). Diese Stelle weist eindeutig auf den Messias, auf Jesus Christus hin, der das wahre „Israel in Person“ ist. Jesus ist der treue Zeuge, der Fürst des Friedens, der König der Könige.
Und was tut er? Er führt die Völker in die Wahrheit – nicht mit Macht, sondern mit Wahrheit, Gnade und Liebe.
In einer Zeit, in der viele Menschen Orientierung verlieren, gilt gerade auch für uns heute: Jesus zeigt uns, wie Gott ist – und wie der Mensch sein kann.
Und am Ende des Abschnitts steht ein Bild, ein Paukenschlag, der uns aufhorchen lässt:
Jesaja 55,5 (BB) Ihr werdet Leute herbeirufen, die ihr nicht kennt. Und Leute, die euch nicht kennen, kommen herbei. So will es der HERR, euer Gott, der Heilige Israels. Er lässt euch diese Ehre zuteil werden.
Völker, die man nicht kannte, werden herbeilaufen. Menschen aus der Ferne kommen, gezogen von Gottes Herrlichkeit.
Was hier angedeutet wird, ist nichts Geringeres als die Völkermission, die universale Einladung zur Gemeinschaft mit Gott. Hier kündigt sich an, was später als „Missionsbefehl“ bekannt wird – aber schon in Jesaja grundgelegt ist: Gottes Heil gilt allen, nicht nur Israel. Die Einladung ist grenzenlos, nicht national beschränkt. Und das Bemerkenswerte ist: Sie ist kein neues Konzept des Neuen Testaments. Sie ist tief im Alten Testament verankert. Schon Jesaja sieht, dass Gottes Heil nie nur Israel galt, sondern durch Israel allen Völkern.
Und im Neuen Testament wird diese Einladung Gottes das Herzstück der Gemeinde Jesu: Matthäus 28,19
19 Geht nun hin zu allen Völkern und ladet die Menschen ein, meine Jünger und Jüngerinnen zu werden. Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Und das gilt auch:
Wer Gnade empfängt, wird zum Boten der Gnade.
Gottes Einladung bleibt nicht privat – sie wird öffentlich.
Gott denkt groß. Größer als unsere Kategorien, größer als unsere Grenzen. Und diese Weite, diese Gnade, diese Einladung – sie steht auch heute noch. Sie steht auch für uns.
Vielleicht spürst ihr gerade selbst diesen Durst. Vielleicht ist da eine Sehnsucht, die keine Erfüllung findet. Vielleicht sucht ihr nach einem Platz, wo ihr einfach nur „sein“ dürft – ohne euch beweisen zu müssen.
Dann hört noch einmal diesen Ruf : „Kommt her, alle, die ihr durstig seid… ohne Geld, ohne Preis.“
Die Einladung steht – auch heute
Die Einladung steht – auch heute
Die Worte Jesajas sind nicht nur schöne Worte für damalige Verzweifelte. Sie sind ein Brief Gottes an dich – heute.
Für alle, die Durst haben nach echtem Leben.
Für alle, die sich abgerackert haben und doch leer sind.
Für alle, die meinen, Gott könne sie nicht mehr gebrauchen.
Die Einladung Gottes steht:
„Kommt her – ohne Geld, ohne Leistung, ohne Angst.“
„Hört – und ihr werdet leben.“
„Seht – der Bund steht fest.“
In Jesus Christus hat diese Einladung einen Namen. Und er sagt es uns auch noch einmal zu: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Mt 11,28)
Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
