Kohelet (2)
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Transcript
Einleitung
Einleitung
Kennt ihr auch so Personen, die gewisse Dinge zum falschen Zeitpunkt machen?
Es gibt solche, die anfangen zu lachen, wenn etwas sehr trauriges oder dramatisches erzählt wird oder passiert. Oder solche, die wildfremde, zufällig getroffenen Menschen einfach so umarmen und abküssen. Oder solche, die in einem stillen Moment einfach drauflos plappern. usw. Kennt ihr das?
Das passiert mir übrigens auch, die Leute missverstehen das dann, ich schmunzle in den falschen Momenten….
Das ist mit allem so: Wenn etwas nicht der gängigen Ordnung entspricht, fällt es auf, oder aus dem Rahmen, oder in den falschen Hals….
In der Bibel lesen wir oft von Gottes Ordnung in verschiedenen Kontexten. Eine Stelle davon wurde vor etwa 60 Jahren mal besungen. Kennt ihr diesen Song? (abspielen)
Wisst ihr, welcher Text da be-/gesungen wird?
Und so tönt es, wenn dieser Text gelesen wird. (15 Verse abspielen)
Gottes ordnende Hand
Gottes ordnende Hand
Wenn wir das so hören oder lesen, und sind so in diesem Kohelet-Groove, in dieser Predigerstimmung, kommt es uns in erster Linie so vor, wie wenn der Prediger das ganze menschliche Dasein verwirft, als bedeutungslos, nichtig, unsinnig verurteilt. Das ist, was dieses Gedicht in den ersten 8 Versen beschreibt: die gesamte menschliche Existenz unter der Sonne. Und dann der Vers 9: Das ist doch die Bestätigung! Unser ganzes Leben ist nix!
Aber ist das auch so? Beim Prediger liegt der Hund im Detail begraben. Schauen wir uns doch den Text genauer an.
Noch eine kleine Anmerkung im Voraus: Bitte erinnert Euch an unsere Betrachtungen der Eigenschaften Gottes. Wir stossen heute oft darauf.
Verse 1-8: Gottes Ordnung
Ein Jegliches ist an seinem Platz. Das ist nicht nur eine reine Auflistung von Situationen in unserem Leben. Es steht da ja auch immer: Hat seine Zeit. Das ist Ordnung. Gottes Ordnung. Er hat sie gemacht (3,10 und 11a). “Und Gott sah, dass es gut war.” Seine Ordnung der Dinge ist gut. Gut für uns Menschen. Mit vielen dieser Zeiten haben wir keine Mühe, sie als gut zu erkennen: Geburt, pflanzen, heilen, aufbauen, lachen, umarmen. Aber selbst die Dinge, die uns zuerst nicht so gut scheinen, gehören zu Gottes Ordnung: sterben, ausreissen, töten, niederreissen, klagen, zerreissen, hassen, Krieg.
Der Prediger wertet hier erstmal nicht. Doch im Kontext zur ganzen Schrift finden wir die Bestätigungen, dass auch diese “negativen” Dinge ihren Platz vor Gott haben.
Ausreissen - Jesus sagte da doch mal was mit dem Auge, das zur Sünde verführt (Mt5,29) oder den Splitter aus dem Auge (Mt 7,5).
Hassen - Nicht den bösen Menschen, doch seine bösen Taten. Und vor Allem: die Sünde (Spr 8,13)
Töten, Krieg - wir stehen in ständigem geistlichen Kampf gegen die Verführung. Paulus beschreibt, wie wir uns wappnen sollen für diesen Kampf (Eph 6).
Gottes Ordnung - sie ist gut, weil sie von Gott kommt. Viele Menschen, auch Christen, haben ihre liebe Mühe damit und bezweifeln diese Güte. Darin liegt die Gefahr, den Glauben an Gott abzulehnen oder zu verlieren. Wir stellen unsere Moral, unsere Wertung, über diejenige Gottes. Wir stellen uns über Gott. Aber das nur so am Rande. Der Prediger kommt jetzt zu seinem Urteil der Dinge und stellt eine Frage:
Verse 9-11: Sinn des Lebens
Was soll das? Hat das alles einen Sinn? Das ganze Leben ist mit diesen Plagen und Mühen aufgefüllt. Am Schluss bleibt nichts übrig.
Wie wir aber letztes Mal gesehen haben, es geht um “unter der Sonne/unter dem Himmel”. Wenn das nun alles ist, was der Mensch hat, ist alles umsonst. Hevel - Rauch, bedeutungslos, ohne Beständigkeit, nichts bleibt. Im Vers 11 fällt sein Blick dann auf Gott, und die Perspektive ändert sich.
Klar, der Mensch müht sich, doch es ist die Ordnung, die Gott für diese Welt geschaffen hat. Für diese gefallene Welt. Das Leben der Menschen geschieht in dieser Ordnung. Was passiert, wenn wir das missverstehen? Bleibt unser Blick irdisch gefangen, werden wir unzufrieden, rastlos, leer. Wird unser Blick von der Ewigkeit her bestimmt, bekommt alles eine Bedeutung. Freude, Frieden, Frieden mit Gott zu finden in diesem Leben hängt von unserer Einstellung dazu ab. Verwerfen wir seine Weisheit, verlieren wir uns in den Problemen, zweifeln wir an seiner Güte, wird es schwierig. Erkennen wir aber seine Weisheit in dieser Ordnung, vertrauen wir in seine Fähigkeit, alles gut zu machen, akzeptieren wir diesen Weltenlauf, finden wir Ruhe.
Das ist es, was Kohelet dann im Vers 11 meinte: Gott hat dem Menschen das Wissen um die Eweigkeit ins Herz gelegt. Wir wissen, dass da noch was ist, hinter all diesen Plagen und Problemen dieser Welt. Wir erkennen nicht das ganze Handeln Gottes, doch ein Schimmer davon dringt bis zu uns durch und weckt eine Sehnsucht. Wir irren, diese Sehnsucht stillen zu wollen, indem wir den Sinn in dieser Welt suchen, in den schönen und guten wie den schrecklichen und bösen Dingen. Der Sinn unseres Lebens liegt in Gott.
Und der Weise kommt wieder mal zu diesem Schluss:
Verse 12-15: Ein weises und erfülltes Leben
Freude und Genuss sind die einzigen Dinge, die der Mensch - laut dem Prediger - aus seinen Mühen ziehen kann. Und selbst das ist ein Geschenk Gottes, wenn wir das tun können. Aber wer kann das schon, wenn er den Blick nur auf die irdischen Dinge lenkt? Sich zu freuen, Frieden zu finden, auch in Dingen, die nicht erfreulich sind, ist eine Kunst, die nur aus dem Blick auf Gott entsteht.
Seit Anbeginn der Zeit ordnet Gott seine Schöpfung so, wie es ihm gefällt (Souveränität). Er hat alles im Griff (Allmacht).
Was ist der Sinn des Lebens? In den Sprüchen steht, und auf denselben Schluss kommt auch der kritische Prediger: das Leben aus Gottes Hand nehmen, mit dem Blick nach oben und im Vertrauen auf seine Weisheit in Ehrfurcht vor ihm leben. Die Welt mit all ihren Schönheiten und grossartigen Dingen kann uns nicht erfüllen. Das kann nur Gott. Amen
Ein persönliches Schlusswort: Ich mag dieses Buch. Einen Teil habe ich für mich verinnerlicht. Das merken auch einige Christen, wenn ich dann mal gewisse Dinge hinterfrage, oder nicht einfach positiv und optimistisch einer Sache gegenüber stehen kann, die alle für wahnsinnig toll finden. Das hat mir schon manchen schrägen oder zweifelnden Seitenblick eingebracht. Aber eines habe ich mir auch verinnerlicht: Das Vertrauen auf Gott, seine Weisheit, Güte, Gnade und Allmacht ist das einzige, das mir einen Halt in dieser chaotischen und unfairen Welt geben kann. Auch das gehört zu mir (nicht immer, aber immer öfter)
