Babel, die Söhne Gottes und die Götter der Nationen
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Einleitung
Einleitung
Ich möchte heute den zweiten Teil der 3-Teiligen Bibelstudiums über das Babel-Ereignis im Gesamtkontext der Schrift machen.
Ich möchte zu Beginn kurz wiederholen: Beim ersten Mal haben wir uns das Babel Ereignis selbst angesehen, was es sich mit dem Turm auf sich hat und wie das alles mit dem Garten Eden in Verbindung steht und wie man somit das Babel-Ereignis in die rhetorische Strategie der Entfaltung des Heilsplans miteinbinden kann. Wir haben uns dabei den antiken mesopotamischen Kontext dieses Ereignisses, durch Betrachtung archäologischer Funde und Inschriften angeschaut. Wir haben uns besonders angesehen wie die Zikkurat-Türme die mögliche Auslegung präsentiert, dass die Menschen zu diesem Zeitpunkt mit diesem Bauprojekt zum ersten Mal versucht haben, die in Eden verloren, gegangenen Privilegien, die Gegenwart Gottes bzw. heiligen Boden durch eigene Bemühungen wiederherzustellen. Das ganze Ereignis jedoch zeigte nicht nur die verdorbene Motivation der Menschen sich selbst einen Namen zu machen, sondern auch ihre verdrehte Sicht von Gott, wodurch der Name des Herrn verunehrt wurde.
Heute möchte ich beginnen einen Blick in die Zeit nach dem Babel- Ereignis zu werfen. Der Hauptfokus wird dabei die Klärung der Frage, was die Söhne Gottes des AT mit diesem Ereignis zu tun haben und wer diese Söhne Gottes eigentlich sind. Ursprünglich wollte ich noch viel mehr in dieses BS miteinbinden, wie zum Beispiel die Berufung Abrahams und die Erwählung Israel, aber das geht sich zeitlich nicht aus, da wir sehr ins Detail gehen werden, wer diese Söhne Gottes sind.
Der Titel der Fortsetzung ist daher: Babel, die Söhne Gottes und die Götter der Nationen.
1. 5 Mose 32,8-9 – Nach der Zahl der Söhne Gottes
1. 5 Mose 32,8-9 – Nach der Zahl der Söhne Gottes
Ich möchte gleich zu unserer ersten Bibelstelle von heute kommen, und zwar in 5 Mose 32. Ich projiziere zwar den Vers auf die Leinwand, jedoch bitte ich euch dieses Kapitel auch selbst aufzuschlagen. In diesem Kapitel finden wir das sogenannte „Lied Moses“. Dabei blickt Moses teilweise in die Vergangenheit und sagt unter anderem folgendes:
“Denke an die Tage der Vorzeit; achte auf die Jahre der vorhergehenden Geschlechter! Frage deinen Vater, der wird dir’s verkünden; deine Alten, die werden dir’s sagen: Als der Allerhöchste den Heiden ihr Erbe austeilte, als er die Menschenkinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israels. Denn das Teil des Herrn ist sein Volk; Jakob ist das Los seines Erbteils.” (5 Mo 32,7–9, SLT)
Wir werden nun Schritt für Schritt verschiedene Aussagen in diesen Versen genauer betrachten. Moses blickt hier zurück zu einem bestimmten Ereignis. Dieses Ereignis wird dadurch gekennzeichnet, dass Gott die Menschenkinder voneinander schied und die Grenzen der Völker festsetzte. Dies ist klar eine Bezugnahme auf das Babel-Ereignis, denn von dort zerstreuten sich die Menschen in verschiedene Gebiete und es entstanden Nationen mit jeweils eigener Sprache und es entstanden Grenzen zwischen Gebieten dieser Völker.
Betrachten wir uns nun die Phrase „nach der Zahl der Söhne Israels“. Gott legt die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Söhne Israels. Das ist eine höchst seltsame Aussage, nicht wahr? Besonders deswegen, weil es zu diesem Zeitpunkt der Scheidung noch keine Söhne Israels gab. Hat jemand von euch eine Elberfelder 2006 Übersetzung? Welche Fußnote findet sich hier?
Unsere deutschen Bibelübersetzungen des hebräischen AT basieren auf dem sogenannten masoretischen Text. Was ist der masoretische Text? Ich möchte nur ein paar Dinge erwähnen und hier nicht ins Detail gehen, da diese Thematik äußerst komplex ist und ich niemanden verwirren möchte. Die Masoreten waren jüdische Gelehrte, die zwischen etwa 500 und 1000 n. Chr. tätig waren und sich der Bewahrung und Standardisierung des hebräischen Textes des Alten Testaments widmeten. Ihre Arbeit resultierte im masoretischen Text, der die Grundlage für die heute verwendeten hebräischen Bibeltexte bildet. Die endgültige Form des MT wurde im 10. Jahrhundert n. Chr. festgelegt. Fakt ist aber auch, dass sowohl die Septuaginta, die griechische Übersetzung des AT, die es schon zur Zeit Jesus gab, aber auch die im 20 Jh. gefundenen Qumran Schriftrollen, die Kopien von großen Teilen des hebräischen AT beinhalten und wesentlich älter sind als der MT, Zeugnis geben, dass es vor der Standardisierung durch die Masoreten tatsächlich verschiedene Textversionen der hebräischen Heiligen Schrift gab. Es ist äußerst wichtig hier anzumerken, dass obwohl es einige Unterschiede gibt, die Funde zeigen, dass der masoretische Text über Jahrhunderte hinweg erstaunlich genau überliefert wurde und es sich bei den Unterschieden meistens nur um einzelne Buchstaben, ein Wort oder einzelne Phrasen handelt.
5 Mose 32,8-9 ist eine dieser Passagen, wo die Septuaginta und die Qumran Rollen, also deutlich ältere Manuskripte, eine andere Leseart haben, und zwar „nach der Zahl der Söhne Gottes“. Viele Bibelwissenschaftler sind sich einig, dass dies die originale Version ist. Es gibt Begründungen, warum es zu dieser Änderung gekommen sein kann, aber auch darauf will ich nicht eingehen.
Ich persönlich bin auch davon überzeugt, dass „Söhne Gottes“ die originale Version war, nicht allein deswegen, weil es sich bei der Septuaginta und den Qumran Rollen, die miteinander übereinstimmen, um die älteren Manuskripte handelt, sondern auch, weil „nach der Zahl der Söhne Israels“ keinen Sinn ergibt. Denn zurzeit Babels und auch in 1 Mose 10, wo wir von den zerstreuten Nationen lesen, gab es Israel noch nicht. Wie sollen also die Grenzen der Nationen festgelegt worden sein nach der Zahl der Söhne Israels?
Deshalb möchte ich nun im Folgenden mit euch betrachten und erforschen, wer diese Söhne Gottes im AT sind, was es bedeutet, dass die Grenzen der Völker nach ihrer Zahl festgelegt wurden, und wie auch viele andere Stellen im AT, aber auch im NT diese Ansicht untermauern und uns ein besseres Bild liefern. Lasst uns damit beginnen, was uns die Schrift über die Söhne Gottes des AT sagt, wer diese sind.
2. Wer sind die Söhne Gottes?
2. Wer sind die Söhne Gottes?
In den letzten Jahren ist mir bewusst geworden, dass wenn sich Themen oder auch nur einzelne Phrasen, wie „die Söhne Gottes“ vom AT bis ins NT ziehen, es für unser Verständnis sehr hilfreich zuerst das AT für sich sprechen zu lassen, und dann erst, nachdem wir uns ein Bild aus dem AT gemacht haben, die Aussagen des NT miteinbeziehen.
Was ich damit meine: Wenn wir wissen wollen, was es mit den Söhnen Gottes auf sich hat, müssen wir aufpassen, dass wir nicht, das was das NT über die Identität der Kinder und Söhne Gottes sagt, direkt auf das AT anwenden. Im NT, so wissen wir, ist dieser Titel eine Beschreibung der Identität und der Stellung der Gläubigen in Christus, also wir alle. Dieses Verständnis sollten wir aber nicht direkt auf den Kontext des AT anwenden, sondern wir müssen zuerst das AT für sich sprechen lassen. Deshalb ist es ein besserer Ansatz beim AT anzufangen, uns zu informieren, was das AT über die Identität dieser Söhne Gottes sagt und dann unsere Schlussfolgerungen ziehen, was es bedeutet, dass nun wir diesen Titel und diese Stellung aus Gnade haben.
Das Buch Hiob
Das Buch Hiob
Zugegeben, es gibt einige Stellen im AT wo es nicht so klar ist, wer genau die Söhne Gottes sind und es viele Diskussionen gibt. Daher möchte als erstes im Buch Hiob beginnen, denn dort werden die Söhne Gottes einige Male erwähnt und wir finden hilfreiche Informationen über sie. In Hiob 38 beispielsweise, lesen wir wie Gott mit Hiob redet und folgendes sagt:
“Wo warst du, als ich den Grund der Erde legte? Sprich es aus, wenn du Bescheid weißt! Wer hat ihre Maße bestimmt? Weißt du das? Oder wer hat die Messschnur über sie ausgespannt? Worin wurden ihre Grundpfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne miteinander jauchzten und alle Söhne Gottes jubelten?” (Hiob 38,4–7, SLT)
Dies ist eine klare Bezugnahme auf die Schöpfung. Als Gott die Erde schuf war Hiob nicht dabei, ABER es gab andere Wesen, offensichtlich keine Menschen, die dabei waren und demnach schon vor der Schöpfung der Erde geschaffen wurden, nämlich die Söhne Gottes, oder hier auch Morgensterne genannt. Sie waren Zeugen der Schöpfung und jauchzten, als sie Zeugen von diesem spektakulären Werk wurden.
Die meisten von euch werden sicherlich auch gut den Anfang vom Buch Hiob kennen. Auch dort werden die Söhne Gottes bereits erwähnt:
“Es geschah aber eines Tages, dass die Söhne Gottes vor den HERRN traten, und unter ihnen kam auch der Satan.” (Hiob 1,6, SLT)
“Es geschah aber eines Tages, dass die Söhne Gottes vor den HERRN traten, und unter ihnen kam auch der Satan, um sich vor den HERRN zu stellen.” (Hiob 2,1, SLT)
In diesen ersten beiden Kapiteln vom Buch Hiob lesen wir von einer Versammlung der Söhne Gottes vor Gott, also in der Gegenwart des Gottes, unter ihnen auch der Satan. Dadurch wird klar, dass es sich hier nicht um Menschen handelt. Wir lesen also von einer himmlischen Versammlung, daher sind die hier beschriebenen Wesen geistliche. In dieser Versammlung bespricht sich Gott mit zumindest einem dieser Wesen, dem Satan, und alle anderen sind Zeugen. Dabei entscheiden die Dinge die hier besprochen werden, was auf Erden passiert. Von der Geschichte in diesem Buch wissen wir, dass aufgrund dieser Versammlung und dem was darin besprochen wurde, Hiobs Leben völlig umgedreht wird. Aber die Konsequenzen dieser Besprechung sind nicht bloß auf das Leben Hiobs beschränkt. Im ersten Kapitel lesen wir wie Hiob all seinen Besitz, viele seiner Knechte und alle seine Kinder verliert. Dies geschieht durch andere Menschen, wie die Sabäer und Chaldäer und durch Naturkatastrophen wie Feuer vom Himmel und einen heftigen Wind. So können wir schlussfolgern, dass durch diese Versammlung im Himmel und durch die Entscheidungen, die dort getroffen werden, sowohl Menschen als auch die Natur gelenkt wurde.
Interessant ist, wie oft in der Bibel von so einer Versammlung im Himmel berichtet wird, wo wichtige Entscheidungen und Beschlüsse gemacht werden und die Weltgeschehnisse gelenkt werden. Es ist eine Herausfordernden diese miteinander zu verbinden, da nicht immer dieselbe Terminologie verwendet wird, wie zum Beispiel die Bezeichnung „Söhne Gottes“. Aber nur weil der Begriff nicht verwendet wird, bedeutet es nicht, dass es nicht um diese Wesen geht. Die Söhne Gottes im AT haben nämlich auch verschiedene Synonyme. Eines haben wir bereits gelesen in Hiob 38, z.B. Morgensterne. Sie werden also mit Sternen verglichen.
Psalm 89 – Versammlung der Söhne Gottes
Psalm 89 – Versammlung der Söhne Gottes
Eine weitere sehr interessante Stelle mit einem anderen Synonym finden wir zum Beispiel in Psalm 89:
“Und die Himmel werden deine Wundertat preisen, o HERR, ja, deine Treue in der Gemeinde (Versammlung) der Heiligen! Denn wer in den Wolkenist dem HERRN zu vergleichen, wer ist dem HERRN ähnlich unter den Göttersöhnen? Gott ist sehr gefürchtet im Kreis der Heiligen und furchtgebietend über alle um ihn her.”(Ps 89,6–8, SLT)
Wir lesen hier von einer Gemeinde bzw. von einem Kreis der Heiligen. Wenn man nur diese Information berücksichtigt, könnte man glauben, dass Menschen damit gemeint sind, vor allem wenn wir unsere neutestamentliche Brille aufhaben. Aber der Ort, an dem sich diese Gemeinde befindet und die andere Bezeichnung dieser Heiligen lässt auf anderes schließen. Diese hier erwähnte Gemeinde der Heiligen, die Gott fürchtet und seine Wundertat preist besteht aus den Göttersöhnen und sie befindet sich in den Wolken, um Gott her. Das hebräische Wort qədōšîm, welches hier mit „Heilige“ übersetzt wurde, wird im AT auch öfters für die Wesen der unsichtbaren Welt verwendet.
Daniel 4 – Der Rat der Wächter
Daniel 4 – Der Rat der Wächter
Eine weitere sehr interessante Stelle, wo wir von so einer himmlischen Versammlung lesen, die Beschlüsse trifft, ist in Daniel 4. Der Kontext ist die Demütigung des babylonischen Königs Nebukadnezars. Nebukadnezar hat dabei einen Traum der in symbolhafter Weise diese Demütigung voraussagt:
“Ich, Nebukadnezar, lebte sorglos in meinem Haus und glücklich in meinem Palast. Da hatte ich einen Traum, der mich erschreckte, und die Gedanken auf meinem Lager und die Gesichte meines Hauptes ängstigten mich.“ (Dan 4,1–2, SLT)
In den Folgeversen lesen wir von einem großen Baum, der Nebukadnezar und sein Königtum symbolisieren. In Vers 10 lesen wir dann folgendes:
“Ich schaute in den Gesichten meines Hauptes auf meinem Lager, und siehe, ein heiliger Wächter stieg vom Himmel herab; … (Dan 4,10, SLT)
Hier lesen wir von einem gewissen Wächter. Der Wächter wird als „Heiliger“ bezeichnet und kommt vom Himmel herab, also es handelt sich um ein himmlisches Wesen. Nun wird in den Folgeverse der Traum weiter beschrieben und wir lesen, wie dieser Wächter den Befehl gibt, den Baum, also König Nebukadnezar und sein Königtum, umzuhauen. Der Wurzelstock wird jedoch in der Erde gelassen.
In Vers 14 lesen wir dann nochmals von dem Wächter:
“Im Rat der Wächter wurde das beschlossen, und von den Heiligen wurde es besprochen und verlangt, damit die Lebenden erkennen, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es gibt, wem er will, und den Niedrigsten der Menschen darüber setzt!” (Dan 4,14, SLT)
Nun lesen wir, dass die Botschaft über die Demütigung Nebukadnezars nicht nur in symbolhafter Form von einem solchen Wächter übermittelt wurde, sondern, dass das dies alles in einem Rat von Wächtern besprochen und beschlossen wurde. Die Wächter werden hier im Parallelismus auch als Heilige bezeichnet. Und dieser Beschluss wiederum soll zeigen, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht. In Vers 21 wird es noch deutlicher, denn dort wird dieser Beschluss des Rates der Wächter als Gottes Beschluss bezeichnet:
“Dass aber der König einen heiligen Wächter vom Himmel herabsteigen sah und sagen hörte: Haut den Baum um und verderbt ihn; aber seinen Wurzelstock lasst in der Erde, und zwar in Fesseln von Eisen und Erz im Gras des Feldes, dass er vom Tau des Himmels benetzt werde und seinen Anteil habe mit den Tieren des Feldes, bis sieben Zeiten über ihm vergangen sind!, das hat, o König, folgende Bedeutung, und dies ist der Beschluss des Höchsten, der über meinen Herrn, den König, ergangen ist:” (Dan 4,20–21, SLT)
Also, Nebukadnezar soll gedemütigt werden, damit er erkennt, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht. Dieser Beschluss wird sowohl als Beschluss des Rates der Wächter, aber auch als Beschluss des Höchsten selbst beschrieben.
Das hebräische Wort für „Wächter“ kommt nur in diesem Kapitel im AT vor. Aber, in außerbiblischen Schriften der Juden, sowohl in den zusätzlichen hebräischen Schriften der Qumran Gemeinschaft als auch in verschiedenen in griechisch verfassten Schriften wird diese Bezeichnung sehr oft verwendet, und zwar als Synonym für niemanden anderen als die Söhne Gottes. Besonders Signifikant in diesem Zusammenhang ist das 1. Buch Henoch, welches in den ersten 36 Kapiteln die Geschichte der Söhne Gottes zur Zeit Noahs beschreibt, die zu den Frauen der Menschen eingegangen sind. Dieser Teil des Buches wird auch „das Buch der Wächter“ genannt.
1 Könige 22 – Das Heer des Himmels
1 Könige 22 – Das Heer des Himmels
Schauen wir uns noch eine weitere sehr detaillierte Stelle an, die auch genau von so einer himmlischen Versammlung spricht, bei der, so wie im Buch Hiob und im Buch Daniel, die irdischen Geschehnisse bestimmt und gelenkt werden. Auch in dieser Stelle wird die Bezeichnung „Söhne Gottes“ nicht erwähnt.
Es geht um 1. Könige 22,19–23. In dieser Passage lesen wir von einem Bericht in der Geschichte Israels, in der der israelitische König Ahab den König von Juda, Josaphat, in seinen Palast einlädt, um ihn von seinen Schlachtplänen zu überzeugen. Ahab will hinaufziehen und die Stadt Ramot-Gilead angreifen.
Und so begibt sich Josaphat dorthin, um Ahab zu treffen. Ahab ruft alle seine Propheten herbei, und diese ermutigen ihn fortzufahren. Josaphat aber spürt, dass diese falschen Propheten sind, und fragt Ahab: „Ist hier kein Prophet Jahwes mehr, den wir fragen könnten?“
Dann sagt Ahab zu Josaphat, dass es schon noch einen Mann gibt, durch den sie den HERRN fragen können, nämlich ein gewisser Micha. Aber Ahab hasst diesen Micha, denn er weissagt nie, was Ahab hören will.
Schlussendlich bringen sie Micha doch heraus, und Micha spricht dann nach einigem hin und her Folgendes:
“Micha aber sprach: Darum höre das Wort des HERRN! Ich sah den HERRN auf seinem Thron sitzen und das ganze Heer des Himmels bei ihm stehen, zu seiner Rechten und zu seiner Linken. Und der HERR sprach: »Wer will Ahab betören, dass er hinaufzieht und bei Ramot in Gilead fällt?« Und einer sagte dies, der andere das. Da trat ein Geist hervor und stellte sich vor den HERRN und sprach: »Ich will ihn betören!« Und der HERR sprach zu ihm: »Womit?« Und er sprach: »Ich will hingehen und ein Lügengeist sein im Mund aller seiner Propheten!« Er sprach: »Du sollst ihn betören, und du wirst es auch ausführen! Geh hin und mache es so!«” (1. Kön 22,19–22, SLT)
In dieser Vision, die der Prophet sah, bekommt er einen detaillierten Einblick in so eine himmlische Ratsversammlung. Der Herr sitzt auf seinem Thron und das Heer des Himmels steht um ihn her, so wie die Söhne Gottes in Psalm 89. Besprochen wird Ahabs Schicksal, welches bereits beschlossen war von Gott. Ahab soll bei Ramot-Gilead sterben, jedoch involviert der Herr in diesen Plan seine himmlische Ratsversammlung, bestehend aus dem himmlischen Heer, welche hier auch Geister genannt werden. Diese Wesen haben offensichtlich einen freien Willen und Mitspracherecht in der Ausführung von Gottes Plan.
Es gibt noch weitere, jedoch nicht so detaillierte Stellen wie diese, wo wir von einer himmlischen Ratsversammlung lesen, die Beschlüsse fasst, die auf Erden ausgeführt werden, aber ich werde es dabei belassen. Ich wollte bisher nur zeigen, dass die Bibel von Wesen der unsichtbaren Welt spricht, die in enger Gemeinschaft mit Gott stehen, die sich mit Gott versammeln und besprechen, die einen eigenen freien Willen und ein Mitspracherecht bei der Bestimmung von Weltgeschehnissen haben. Diese Wesen werden Söhne Gottes, oder Gottessöhne genannt, aber sie werden auch mit anderen Begriffen bezeichnet, wie beispielsweise Morgensterne, Heer des Himmels, Heilige, Geister oder auch Wächter.
Die Söhne Gottes können sich gegen Gott auflehnen
Die Söhne Gottes können sich gegen Gott auflehnen
Ich möchte nun noch etwas wichtiges herausheben bzgl. dieser Söhne Gottes. Wie wir gesehen haben, haben diese Wesen einen freien Willen. Deshalb sind auch sie, genauso wie wir im Stande gegen Gott zu sündigen und sich gegen ihn aufzulehnen. Dies wird besonders deutlich an der ersten Stelle in der Bibel, wo wir von diesen Söhnen Gottes lesen, nämlich in 1 Mose 6.
“Und es geschah, als sich die Menschen zu mehren begannen auf der Erde und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, dass die Töchter der Menschen schön waren, und sie nahmen sich von allen jene zu Frauen, die ihnen gefielen.” (1 Mo 6,1–2, SLT)
Bezüglich dieser Verse gibt es viele Diskussionen, wer genau diese Söhne Gottes sind. Es gibt grundsätzlich 3 verschiedene Auslegungen, wobei 2 davon ausgehen, dass es sich bei den Gottessöhnen um bestimmte Menschen handelt. Eine davon ist sehr interessant, aber ich denke trotzdem, dass es sich bei diesen Gottessöhnen auch um dieselben Wesen handelt, wie wir bereits gesehen haben. Ich habe dafür 3 Gründe.
1. Der Gesamtkontext des AT lässt darauf schließen. Die Stellen, die wir uns bisher angesehen haben, lassen darauf schließen, dass es sich um Wesen der unsichtbaren Welt handelt.
2. Die Gegenüberstellung der Gottessöhne im direkten Kontext mit den „Töchtern der Menschen“ deutet für mich darauf hin, dass die Gottessöhne keine Menschen sind.
3. Der Judasbrief im NT nimmt Bezug auf diese Geschichte und den weiteren Kontext vom Buch Henoch, wo es sich bei diesen Söhnen Gottes klar um Wesen der unsichtbaren Welt handelt.
Wenn es sich also bei den Gottessöhnen hier um diese Wesen der unsichtbaren Welt handelt, die in Gottes Gegenwart sind, dann haben wir hier einen sehr starken Hinweis, dass diese nicht nur einen eigenen Willen haben, sondern sich auch gegen Gott auflehnen können.
Ein weiteres Synonym der Söhne Gottes – Götter
Ein weiteres Synonym der Söhne Gottes – Götter
Ich möchte nun noch weitergehen und noch ein weiteres Synonym der Söhne Gottes herausarbeiten. Ich habe mir das bis jetzt aufgehoben, weil ich bei diesem Synonym sehr vorsichtig sein will, damit ich nicht missverstanden werde. Dieses Synonym aber lässt uns auch schlussendlich den Kreis schließen und wieder zum Babel-Ereignis zurückkommen. Lasst uns deshalb nun miteinander den unter Bibelauslegern umstrittenen Psalm 82 betrachten. Ich möchte aber nicht gleich den ganzen Psalm ansehen, sondern nur ein paar Verse und dann am Schluss noch einmal darauf zurückkommen.
“Gott (Elohim) steht in der Gottesversammlung, inmitten der Götter (Elohim) richtet er.“ (Ps 82,1, ELB 2006)
In diesem Vers kommt das Wort Elohim 2-mal vor. Die meisten Übersetzer entschieden sich jedoch das Wort einmal im Singular (Gott) zu übersetzen und einmal im Plural (Götter). Während das Wort Elohim seiner Form nach immer im Plural ist, kann seine Bedeutung sowohl im Plural als auch im Singular vorliegen. Im Deutschen oder Englischen gibt es nichts, was gänzlich damit zu verglichen wäre, aber wir haben ähnliches, um das ein bisschen zu veranschaulichen. Denkt man zum Beispiel an das Wort „Küken“ so wissen wir, dass es sowohl im Singular als auch im Plural verwendet werden kann und der Kontext (z.B. die Verbform) macht klar, ob es sich um den Singular oder den Plural handelt (das Küken schlüpft/ die Küken schlüpfen).
Am häufigsten (über 2.000-mal) steht Elohim in der hebräischen Bibel im Singular und bezieht sich auf den Gott Israels, also auf Jahwe. Es gibt aber auch einige Stellen, wo Elohim für jemanden anders verwendet, wird als Jahwe. Aus der Grammatik in Psalm 82,1 wird nun klar, dass das erste Elohim im Singular übersetzt werden muss, da die dazugehörigen Verben „Gott steht …“ und „richtet“ im Singular sind. Wo richtet Elohim jedoch im Kontext? Er richtet in der Gemeinde Gottes, inmitten der Elohim. Es wäre grammatikalisch absurd zu sagen Gott richtet inmitten Gottes (Singular), daher ist aus dem Kontext klar, dass die Übersetzung „Gott richtet inmitten der Götter“ lauten muss. Aus dem Folgevers wird noch deutlicher, dass das zweite Elohim im Plural übersetzt werden muss und sich nicht auf den Gott Israels bezieht:
“Bis wann wollt ihr ungerecht richten und die Gottlosen begünstigen?” (Ps 82,2, ELB 2006)
Hier erfahren wir mehr Detail darüber wie Gott (Elohim) inmitten der Götter (Elohim) richtet, nämlich indem Er (der Gott Israels) die anderen Götter anklagt und spricht „Bis wann wollt ihr …“. Aus diesem Psalm scheint hervorzugehen, dass es neben Jahwe andere Götter gibt, andere Elohim. Wenn diese nicht echt wären, dann wäre der Psalm sinnlos.
Nun genau aufgrund dieser Tatsache wird unter Bibelauslegern heiß debattiert und viele wollen sich das so erklären, dass die Elohim in diesem Kontext Menschen in Richterrollen sind und dafür kann auch ein gewisses Argument gemacht werden. Dieses Argument ist für mich jedoch nicht gänzlich schlüssig und überzeugt mich nicht. Ich werde es hier auch nicht präsentieren. Die Übersetzer der Schlachter 2000 gehen diesem Problem völlig aus dem Weg und übersetzen hier das zweite Elohim seltsam mit „inmitten der Mächtigen“. Das ist eine kuriose Wahl, wenn man bedenkt, dass dieses Wort jedes andere in den fast 2600 Stellen mit Gott oder Götter übersetzt wurde.
Wie dem auch sei. Ich glaube viel mehr, dass es sich bei diesen plural Elohim in Psalm 82 um tatsächliche Wesen aus der unsichtbaren Welt handelt, und zwar aufgrund mehrerer Fakten.
Zum Beispiel werden diese Elohim hier auch Söhne des Höchsten genannt:
“Ich sagte zwar: Ihr seid Götter, Söhne des Höchsten seid ihr alle!” (Ps 82,6, ELB 2006)
Die Söhne des Höchsten, oder die Söhne Gottes im AT sind jene Wesen, die sich mit Gott im Himmel versammeln und bei den Entscheidungen und Beschlüssen über die Weltgeschehnisse Mitspracherecht haben. Nicht nur sehen wir, dass diese Götter Söhne des Höchsten genannt werden, sondern auch, dass sich dies alles in der Gottesversammlung abspielt. Ein weiteres höchst interessantes Detail ist Vers 7, wo das Schicksal dieser Götter, dieser Söhne des Höchsten mit etwas verglichen wird:
“Doch wie ein Mensch werdet ihr sterben, wie einer der Obersten werdet ihr fallen.” (Ps 82,7, ELB 2006)
Das Schicksal dieser Götter wird mit dem Schicksal der Menschen verglichen und gegenübergestellt. Genauso wie wir in 1 Mose 6 davon gelesen haben, dass die Söhne Gottes den Töchtern der Menschen gegenübergestellt wurden und dies ein Hinweis darauf ist, dass diese keine Menschen sind, so haben wir hier dasselbe Prinzip. Diese Götter im Kontext werden von Jahwe verurteilt und deshalb werden sie wie ein Mensch oder einer ihrer Obersten sterben. Wenn es sich bei diesen Elohim also um Menschen handelt, wäre diese Aussage sinnlos.
Es gibt für mich noch eine einen Grund, warum ich davon überzeugt bin, dass es sich bei den in Psalm 82 erwähnten Göttern um reale Wesen der unsichtbaren Welt handelt und warum ich glaube, dass diese die Söhne Gottes sind. Das hat mit dem Babel Ereignis zu tun, was dort geschehen ist und was die Folgen davon waren, aber dazu komme ich erst am Schluss noch einmal zurück.
Ich möchte nun noch eine andere wichtige Frage klären, bevor wir weitergehen, nämlich:
Wenn diese Götter/Elohim in Psalm 82 reale Götter sind, bedeutet das, dass die Bibel den Polytheismus lehrt? Lehrt die Bibel, dass es ein Pantheon an Göttern gibt, die sich versammeln und besprechen, so wie es in den anderen Religionen der Antike üblich war?
Die kurze Antwort ist Nein! Diese Problematik lässt sich lösen, indem man sich genauer ansieht, wie das Wort Elohim von den Schreibern des AT verwendet wurde. In seinem Buch „The unseen Realm“ hebt Dr. Michael Heiser etwas Wichtiges über die Verwendung und Bedeutung des hebräischen Wortes Elohim im damaligen Gebrauch heraus:
Da „Elohim“ so oft mit „Gott“ übersetzt wird, betrachten wir das hebräische Wort genauso wie unser Wort„G-o-tt“. Beim Wort „Gott“ denken wir instinktiv an ein göttliches Wesen mit einzigartigen Eigenschaften – Allgegenwart, Allmacht, Souveränität und so weiter. Doch so dachten die biblischen Autoren über den Begriff nicht. Sie ordneten dem Wort „Elohim“ keine spezifischen Eigenschaften zu. Das wird deutlich, wenn wir beobachten, wie sie das Wort verwendeten. Die biblischen Autoren bezeichnen mit dem Wort „Elohim“ ein halbes Dutzend verschiedener Wesen. Nach religiöser Auffassung sind die Eigenschaften dieser Wesen jedoch nicht gleich.[1]
Als Beispiele nennt Heiser unter anderen zum Beispiel, dass dämonische Wesen, die von anderen Völkern als Götter verehrt wurden als Elohim bezeichnet werden:
“Sie opferten den Dämonen, die nicht Gott (Eloah) sind, Göttern (Elohim), die sie nicht kannten, neuen Göttern, die erst vor kurzem aufgekommen waren, die eure Väter nicht fürchteten.” (5 Mo 32,17, SLT)
Auch die Septuaginta gibt uns Zeugnis davon, dass die Juden damals von Dämonen als Elohim gedacht haben. Vergleichen wir beispielsweise den hebräischen Text von Psalm 95 mit der LXX sehen wir das sehr deutlich:
“Denn alle Götter der Völker sind nichtige Götzen; aber der HERR hat die Himmel gemacht.” (Ps 96,5, SLT)
“Denn alle Götter der Völkerschaften sind Dämonen, der Herr aber hat die Himmel gemacht.” (Ps 95,5, LXX.D)
Aber auch Engel werden als Elohim verstanden. So haben lesen wir Beispielsweise in Psalm 8:
“Was ist der Mensch, dass du an ihn gedenkst, und der Sohn des Menschen, dass du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als die Engel (Elohim); mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt.” (Ps 8,5–6, SLT)
“was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott (Elohim), mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.” (Ps 8,5–6, LU84)
“Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, der Sohn des Menschen, dass du dich um ihn kümmerst? Du hast ihn (nur) um ein weniges niedriger gemacht im Vergleich zu den Engeln, mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn bekränzt.” (Ps 8,5–6, LXX.D)
“sondern an einer Stelle bezeugt jemand ausdrücklich und spricht: »Was ist der Mensch, dass du an ihn gedenkst, oder der Sohn des Menschen, dass du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig niedriger sein lassen als die Engel; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt und hast ihn gesetzt über die Werke deiner Hände;” (Hebr 2,6–7, SLT)
Dasselbe geschieht auch in vielen anderen Stellen. Durch die Septuaginta werden mehrere hebräische Begriffe für Wesen der unsichtbaren Welt unter dem Begriff Engel oder Dämon zusammengefasst, darunter auch die „Söhne Gottes“ selbst. Aber nicht nur Dämonen und Engel sind Elohim, Heiser macht auch darauf aufmerksam, dass sogar der verstorbene und im Scheol ruhende Samuel, der von König Saul durch eine Wahrsagerin kontaktiert wurde, als Elohim bezeichnet, wird:
“Als nun die Frau Samuel sah, schrie sie laut und sprach zu Saul: Warum hast du mich betrogen: Du bist ja Saul! Und der König sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Was siehst du? Die Frau sprach zu Saul: Ich sehe ein Götterwesen (Elohim) aus der Erde heraufsteigen!” (1. Sam 28,12–13, SLT)
Zum einen kann man also nicht leugnen, dass die Bibel von realen Göttern (Elohim) im Plural spricht, zum anderen jedoch sehen wir klar, dass dieser Begriff für Wesen verwendet wird, die nicht dieselben Attribute wie Jahweh-Elohim haben. Das Problem liegt demnach nicht an der Pluralität der Götter (Elohim), sondern an unserer Assoziation mit der deutschen (oder auch englischen) Übersetzung davon. In anderen Worten: Wir assoziieren ganz bestimmte Dinge mit dem deutschen Wort Gott, welche die Israeliten jedoch nicht mit dem hebräischen Wort Elohim assoziierten. Denn wenn gemäß der Schrift Dämonen, Engeln oder sogar der verstorbene Samuel als Elohim bezeichnet werden, so wissen wir, dass die biblischen Autoren damit nicht Attribute wie allmächtig, allwissend, allgegenwärtig, usw. in Verbindung gebracht haben, die wir jedoch sehr wohl mit der deutschen Übersetzung des Begriffes, dem Wort Gott, assoziieren. Das hebräische Wort Elohim scheint eine Art Überbegriff zu sein für alle Wesen der unsichtbaren Welt.
Jahwe ist ein Elohim, aber keine anderer Elohim ist Jahwe und das wird an vielen Stellen sehr deutlich:
“Dir, Herr (adonai), ist keiner gleich unter den Göttern (Elohim), und nichts gleicht deinen Werken!” (Ps 86,8, SLT)
“Denn der HERR (Jahwe) ist ein großer Gott (El) und ein großer König über alle Götter (Elohim).” (Ps 95,3, SLT)
“Denn groß ist der HERR (Jahwe) und hoch zu loben; er ist furchtbar über alle Götter (Elohim). Denn alle Götter (Elohim) der Völker sind nichtige Götzen; aber der HERR hat die Himmel gemacht.” (Ps 96,4–5, SLT)
“Schämen müssen sich alle, die den Götzenbildern dienen und sich wegen der nichtigen Götzen rühmen; vor Ihm werfen sich alle Götter (Elohim) nieder.” (Ps 97,7, SLT)
“Dankt dem Gott (Elohe) der Götter (Elohim); denn seine Gnade währt ewiglich!” (Ps 136,2, SLT)
“Wer ist dir gleich unter den Göttern (Elohim), o HERR (Jahwe)? Wer ist dir gleich, herrlich in Heiligkeit, furchtgebietend in Ruhmestaten, Wunder vollbringend?”(1 Mo 15,11, SLT)
Zusammenfassung über die Söhne Gottes
Zusammenfassung über die Söhne Gottes
Bevor wir zum Schluss dieses BS noch einmal zum Babel Ereignis zurückkommen, möchte ich kurz zusammenfassen, was wir uns bisher über die Söhne Gottes angesehen haben und über sie wissen:
1. Die Söhne Gottes sind reale Wesen und Bewohner der unsichtbaren Welt, die bereits vor Erschaffung der sichtbaren Welt existiert haben.
2. Sie haben auch andere Bezeichnungen wie Morgensterne, Heer des Himmels, Heilige, Geister oder Wächter, die auf bestimmte ihrer Eigenschaften oder Funktionen hindeuten.
3. Sie stehen in einer Beziehung zu Gott, sie versammeln und besprechen sich mit Ihm in den himmlischen Regionen.
4. Bei diesen Versammlungen werden die Weltgeschehnisse besprochen und es werden Beschlüsse gefasst, wie sich diese entwickeln sollen.
5. Die ultimative Entscheidung was geschehen soll kommt von Gott, jedoch haben die Söhne Gottes Mitspracherecht wie dieses Ziel erreicht werden soll, und sie können auch Vorschläge machen was geschehen soll (Satan in der Versammlung über Hiob Strecke doch einmal deine Hand aus und taste alles an, was er hat; lass sehen, ob er dir dann nicht ins Angesicht absagen wird).
6. Die von dieser Versammlung gefassten Beschlüsse kommen zustande und beinhalten das Schicksal von vielen Menschen (Hiob, Hiobs Familie, Hiobs Knechte), Königen (Ahab und Nebukadnezar), oder Teile großer Volksgruppen (Chaldäer und Sabäer in Hiob), aber auch Dinge wie Naturkatastrophen (Feuer vom Himmel und Erdbeben in Hiob), usw.
7. Die Söhne Gottes werden auch Götter genannt, hebräisch Elohim, ein Ausdruck der in der hebräischen Heiligen Schrift nicht nur für Jahwe verwendet wird, sondern auch für andere Wesen der unsichtbaren Welt, seien es Engel, Dämonen oder auch verstorbene Menschen (Samuel).
3. Die Zuteilung der Söhne Gottes zu den Nationen
3. Die Zuteilung der Söhne Gottes zu den Nationen
Ich möchte nun schlussendlich wieder zum Babel- Ereignis zurückkommen. Sehen wir uns nochmal 5 Mose 32,8-9 an und ein paar Parallelstellen:
“Als der Allerhöchste den Heiden ihr Erbe austeilte, als er die Menschenkinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israels Söhne Gottes. Denn das Teil des HERRN ist sein Volk; Jakob ist das Los seines Erbteils.” (5 Mo 32,8–9, SLT)
In diesen Versen lesen wir von verschiedenen Erbteilen nach dem Babel Ereignis, dem Erbe der Heiden, und dem Erbteil des Herrn. Bis zu Babel waren die Menschen ein Volk und hatten eine Sprache. Es gab noch keine auserwählte Nation, es waren alle gleich, alle stammten von Noah und seinen Söhnen ab, deren Gott der Jahwe war. Somit war Gott bis zu diesem Zeitpunkt auch der Gott aller Nachkommen Noahs.
Doch wie wir uns beim Studium der Zikkurats angesehen haben, war die Gotteserkenntnis zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon sehr verdreht. Wenn der Turmbau von Babel eine Zikkurat darstellt, dann sehen wir anhand der Funktion und Bedeutung der Zikkurats wie sehr die Menschen Gott bereits vermenschlicht haben und ein völlig verkehrtes Bild von Ihm hatten und Ihn nur gebrauchen wollten um sich selbst einen Namen zu machen.
Deshalb hat Gott hier etwas sehr Einschneidendes getan, was die gesamte damalige Weltordnung betroffen hat, wenn man so sagen mag. Durch das Babel Ereignis wurden nicht nur die Sprachen verwirrt, was zur Bildung und Abgrenzung der verschiedenen Nationen geführt hat, sondern Gott hat seine direkte Beziehung zu diesen Nationen beendet und ihnen ihr Erbteil zugewiesen. Dieses Erbteil umfasste ein eigenes Gebiet und die Zuweisung der Nationen unter die Obhut bzw. Administration der Söhne Gottes. Gottes Erbteil hingegen war eine Nation, nämlich Israel. Beginnend mit der Berufung eines Mannes, direkt nach dem Babel Ereignis, nämlich Abraham, bildete Er die Nation Israel. Israel war sein Eigentumsvolk, all die anderen Nationen hat Er scheinbar gemäß dem Prinzip, welches wir auch in Römer 1 lesen, in ihrem verblendeten Sinn dahingegeben und hat sie unter die Administration der Söhne Gottes, der anderen Elohim gestellt.
Andere Stellen im selben Buch, in 5. Mose, bestätigen diese Sichtweise wie wir gleich sehen werden. Die genauen Details verstehe ich nicht, aber es scheint, dass durch dieses Ereignis der Beginn des Götzendienstes der Nationen eingeleitet wurde. Seht wie die Parallelstellen dieses Verses mit dem Götzendienst der Nationen verbunden sind:
“So bewahrt nun eure Seelen wohl, weil ihr keinerlei Gestalt gesehen habt an dem Tag, als der HERR aus dem Feuer heraus mit euch redete auf dem Berg Horeb, damit ihr nicht verderblich handelt und euch ein Bildnis macht in der Gestalt irgendeines Götzenbildes … ; dass du deine Augen auch nicht zum Himmel hebst und die Sonneund den Mond und die Sterne und das ganze Heer des Himmels anschaust und dich verführen lässt, sie anzubeten und ihnen zu dienen, die doch der HERR, dein Gott, allen Völkern unter dem ganzen Himmel zugeteilt hat. Euch (Israel) aber hat der HERR genommen und herausgeführt aus dem Eisenschmelzofen, aus Ägypten, damit ihr (Israel) sein Eigentumsvolksein solltet, wie es heute der Fall ist.” (5 Mo 4,15–20, SLT)
Wenn wir uns erinnern: Die Söhne Gottes werden im Buch Hiob nicht nur als Morgensterne bezeichnet, sondern 1 Könige auch als Heer des Himmels. Hier warnt Gott sein Volk vor dem Götzendienst in jeglicher Form. Und dies beinhaltet das Heer des Himmels anzubeten, Sonne, Mond und Sterne. Die Verbindung des Heers des Himmels zu den Elohim wird auch an vielen Stellen deutlich:
“Wenn in deiner Mitte, in einem deiner Tore, die der HERR, dein Gott, dir gibt, ein Mann oder eine Frau gefunden wird, die tun, was vor den Augen des HERRN böse ist, sodass sie seinen Bund übertreten und hingehen und anderen Göttern (Elohim) dienen und sie anbeten, es sei die Sonne oder den Mond oder das gesamte Heer des Himmels, was ich nicht geboten habe,” (5 Mo 17,2–3, SLT)
In der Antike wurden diese Dinge tatsächlich mit göttlichen Wesen in Verbindung gebracht und als solche verehrt. Die Sterne waren physische Manifestationen der Götter, die im Himmel wohnten.
Sehen wir uns noch eine Stelle an, die von einer Warnung vom Götzendienst spricht:
“ja, alle diese Völker werden fragen: »Warum hat der HERR so an diesem Land gehandelt? Was bedeutet diese gewaltige Zornglut?« Dann wird man antworten: »Weil sie (Israel) den Bund des HERRN, des Gottes ihrer Väter, verlassen haben, den er mit ihnen schloss, als er sie aus dem Land Ägypten führte; und weil sie hingegangen sind und anderen Göttern gedient und sie angebetet haben, Götter, die sie nicht kannten und die er ihnen (Israel) nicht zugeteilt hatte.” (5 Mo 29,23–25, SLT)
Hier finden wir ebenfalls diesen Gedanken des Zuteilens. Israel war Gottes Erbteil, doch durch ihren Götzendienst beteten sie die Götter der Nationen anbeteten, die Gott ihnen nicht zugeteilt hat.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Nationen, die sich durch Gottes Gericht bei Babel formten, nach diesem Ereignis von Jahwe selbst unter die Herrschaft von anderen Wesen der himmlischen Welt getan wurden, den Söhnen Gottes, andern niedrigeren Elohim als Jahwe. Diesen Gedanken kann man durch die ganze Schrift verfolgen. Denken wir zum Beispiel and der Prinz von Persien und Griechenland vom Buch Daniel. Aber auch im NT lässt sich diese Tatsache finden, unter anderem in den Briefen des Paulus, wenn er von den Fürstentümern, Gewalten und Herrschaften in den himmlischen Regionen, den Weltbeherrschern der Finsternis und den geistlichen Mächten der Bosheit redet.
Was dadurch deutlich wird, ist dass die Söhne Gottes, denen Jahwe die Nationen zugeteilt hat offensichtlich nicht mehr zu den Guten gehören. Wie wir aber aus der Schrift sehen können, haben diese Söhne Gottes einen freien Willen und können gegen Gott rebellieren. Deshalb sprechen manche Bibelausleger von 3 verschiedenen Rebellionen in der himmlischen Welt, eine in 1 Mose 3 im Garten Eden, eine in 1 Mose 6 zur Zeit Noahs, und die dritte in 1 Mose 11 beim Babel Ereignis. Ob nun diese 3. Rebellion der Söhne Gottes schon vor, oder erst nach dem Babel Ereignis stattgefunden hat, darüber gibt es Uneinigkeit.
Ich möchte beim nächsten Mal einfach weitermachen, wo ich hier aufgehört habe. Ich möchte noch diese Tatsache, dass die Nationen ab dem Babel-Ereignis unter der Herrschaft von geringeren Elohim als Jahwe standen immer wieder miteinbinden und dazu überleiten, wie diese neue Situation, den Weg für die Auserwählung Abrahams, Isaaks, Jakobs und des ganzen Volkes Israels bereitet hat, und wie Gott dieses Volk als Werkzeug verwendet, um
1. seine Gegenwart und heiligen Boden wieder auf Erden zu etablieren – Eden umzukehren.
2. Aber auch wie die alttestamentlichen Schriften und Verheißungen in Bezug auf die Nationen auf eine Umkehrung Babels hindeuten.
Deshalb möchte ich schlussendlich noch mit einem kurzen Blick auf ein Detail aus Psalm 82 beenden, denn der letzte Vers des Psalms macht meiner Meinung nach erst Sinn in diesem Kontext, wenn er aus der Perspektive des Babel Ereignisses betrachtet wird und wenn wir davon ausgehen, dass es sich bei den im Psalm erwähnten Göttern/Elohim um diese Söhne Gottes handelt, denen Gott die Nationen zugeteilt hat über sie zu herrschen:
„Gott steht in der Gottesversammlung, inmitten der Götter richtet er. Bis wann wollt ihr ungerecht richten und die Gottlosen begünstigen? Schafft Recht dem Geringen und der Waise, dem Elenden und dem Bedürftigen lasst Gerechtigkeit widerfahren! Rettet den Geringen und den Armen, entreißt ihn der Hand der Gottlosen! Sie erkennen nichts und verstehen nichts, im Dunkeln laufen sie umher. Es wanken alle Grundfesten der Erde. Ich sagte zwar: Ihr seid Götter, Söhne des Höchsten seid ihr alle! Doch wie ein Mensch werdet ihr sterben, wie einer der Obersten werdet ihr fallen. Stehe auf, Gott, richte die Erde! Denn du sollst zum Erbteil haben alle Nationen.” (Ps 82,1–8, ELB 2006)
[1] Heiser, Michael S.. The Unseen Realm: Recovering the Supernatural Worldview of the Bible (English Edition) (S.30). Lexham Press. Kindle-Version.
