Gemacht, um etwas zu bewirken

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Manchmal spüren wir es ganz deutlich: Da muss doch mehr sein. Mehr als der Alltagstrott. Mehr als „Glauben allein im Kopf“. Mehr als Konsum und Selbstoptimierung.
In unserer Predigtreihe „Gemacht für mehr“ geht es genau darum. Darum, dass Gott uns nicht für Mittelmaß geschaffen hat, nicht für ein passives Christsein, sondern für ein Leben mit Bedeutung, Tiefe und Ziel.
Wir gehen in der Predigtreihe gemeinsam den Epheserbrief aus der Bibel durch. Paulus – der Schreiber dieses Briefes – schreibt an die jungen Christen in der bedeutenden Hafenstadt Ephesus – einer pulsierenden Großstadt im Römischen Reich, voller Göttertempel, Händler und Ideen. Mitten in all dem Chaos und religiösen Wirrwarr entsteht eine kleine, junge Gemeinde, die lernen muss, was es heißt, Jesus nachzufolgen – im Alltag, im Glauben, in einer völlig anderen Welt. Und genau dafür schreibt Paulus diesen Brief: damit sie (und wir) verstehen, wofür wir gemacht sind.
Die ersten drei Kapitel des Epheserbriefs sind pure Glaubenswahrheit: Gott hat uns erwählt, erlöst und adoptiert. Wir sind durch Gnade gerettet – nicht aus Leistung. Wir sind versöhnt mit Gott und miteinander. Paulus zeigt uns, wer wir in Christus sind.
Ab Kapitel 4 wechselt der Ton: Jetzt wird’s praktisch. Aus Identität wird Lebensstil. Was Gott in uns getan hat, soll nun sichtbar werden – im Alltag, in Beziehungen, in der Gemeinde.
Heute schauen wir auf einen Text aus Kapitel 4, der uns zeigt: Du bist gemacht für mehr – als Teil von Gottes Gemeinde. Nicht als Einzelgänger, nicht auf dich allein gestellt, sondern als Teil von etwas Größerem, als Glied am Leib Christi, wie die Bibel es nennt.
In Epheser 4 beschreibt Paulus ein leidenschaftliches Bild von Gemeinde: Eine Gemeinschaft, die zusammenwächst, die ein Ziel hat, und in der jeder Einzelne wichtig ist – auch du.
Die Fragen, die wir heute beantworten wollen, sind: Was heißt es, würdig zu leben – als Berufene? Wie können wir unsere Gaben entdecken und einsetzen? Und woran erkennen wir, dass wir geistlich reifer werden?
Ich lade dich ein, diesen Text mit offenem Herzen zu hören – und neu zu entdecken, wofür du gemacht bist.

Teil 1: Würdig leben – deiner Berufung entsprechend

Paulus beginnt diesen Abschnitt mit einer eindringlichen Bitte:
„So ermahne ich euch nun, ich, der ich ein Gefangener im Herrn bin, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid“ (Eph 4,1).
Das ist der Ausgangspunkt: Du bist berufen – nicht irgendwann vielleicht, sondern jetzt. Nicht weil du perfekt bist, sondern weil Gott dich gerufen hat, Teil seines Plans zu sein.
Wenn das alles wahr ist – dass wir geliebt, gerettet und berufen sind – ist das nicht etwas, für das es sich lohnt, anders zu leben?
Vielleicht könnte man sich das so vorstellen, als würde man einen Brief vom Bundespräsidenten bekommen, in dem steht: „Wir haben sie für eine besondere Aufgabe ausgewählt.“ Du würdest sofort anders denken, anders handeln, dich fragen: „Was bedeutet das für meinen Alltag?“ Genauso ernst ist Gottes Ruf an dich – nur noch viel tiefer.
Was heißt das konkret?
Paulus nennt sofort in Vers 2 Eigenschaften, die diesen Lebensstil beschreiben:
„In aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe.“ (Eph 4,2)
Der Apostel Paulus kämpft darum, dass es innerhalb der christlichen Gemeinde gesunde Beziehungen gibt.
Demut – nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Es bedeutet, nicht überheblich zu sein und sich über andere zu erhöhen.
Sanftmut – das bedeutet, nicht mit Druck oder Härte zu reagieren, sondern mit Geduld. Es ist die Fähigkeit, die eigenen Gefühle unter Kontrolle zu behalten, auch wenn man verletzt oder provoziert wird. Sanftmut heißt: Ich lasse meinen Ärger nicht an anderen aus. Ich glaube, Sanftmut gehört zu den schwierigsten Eigenschaften überhaupt. Denn es geht darum, selbst dann respektvoll und liebevoll zu bleiben, wenn man sich über etwas ärgert – besonders in Beziehungen. Nicht laut werden, nicht verletzen, sondern den anderen weiterhin mit Würde behandeln. Genau das ist echte Sanftmut.
Geduld – besonders mit anderen! Es bedeutet, stark zu bleiben, wenn es mal schwierig wird. Sie hilft uns, die Herausforderungen des Lebens zu meistern und unsere Verbindung zu festigen.
Liebe – als verbindendes Band. Die christliche Liebe, in Griechisch „agape“, ist eine Tugend, die so neu ist, dass die christlichen Schriftsteller ein neues Wort dafür erfinden mussten. Agape bedeutet unaufhaltsame Güte und ist nicht von emotionalen Impulsen abhängig. Es ist die Fähigkeit, anderen stets ihr Bestes zu wünschen, ohne von Verärgerung erfüllt zu sein, egal, was sie getan haben.
Diese Eigenschaften sind keine Leistungsvorgaben, sondern Merkmale eines Lebens, das auf Jesus ausgerichtet ist. Denn der Ruf, von dem Paulus spricht, ist nicht nur ein allgemeiner Auftrag – er ist ein Lebensstil, der auf den Wahrheiten beruht, dass wir erwählt, gerettet und erlöst durch Jesus Christus sind.

Teil 2: Gemacht für Einheit

Paulus geht weiter und spricht über die Einheit des Glaubens. Nicht als Wunschtraum, sondern als etwas, das bereits geschenkt ist – das wir aber bewahren und leben sollen. Einssein ist Vor-Gabe, nicht Produkt.
„Ihr seid ein Leib und ein Geist – wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“ (Eph 4,4–6)
Hier wird klar: Wir sind nicht nur individuell berufen, sondern gemeinsam. Wir sind eins. Eins. Nicht nur einträchtig. Nicht immer einmütig. Hoffentlich nicht eintönig. Nicht einseitig. Nicht einlinig. Nicht einförmig. Wir sind mehr und anderes: Wir sind eins. Vielfalt in Zusammengehörigkeit.
So unterschiedlich unsere Lebensgeschichten sind, wir teilen das Wesentliche: Wir leben jeder nur davon, dass Jesus für uns kam, litt, starb und auferstand. Wir sind mit derselben Taufe diesem Jesus zugeordnet worden. Wir teilen die Erfahrung, dass der Geist in unserem Herzen ein Vertrauen zum Vater im Himmel erweckt hat. Wir teilen die Hoffnung auf Gottes neue Welt. Wir sind im Wesentlichen gleich, eins, identisch, verbunden. Alles andere ist Kleinkram.
Diese Einheit der Gemeinde beschreibt Paulus mit einem Körper – jeder Teil ist anders, aber alle sind miteinander verbunden und abhängig voneinander.
Paulus will sagen, dass die Einheit fundamental wichtig ist ­– aber extrem leicht zu verlieren. Einheit ist wie Porzellan – wunderschön aber empfindlich. Ein scharfer Kommentar, eine verletzte Erwartung und es kommt zu Risse. Paulus ruft uns zu: „Schützt dieses Porzellan!“
Gottes Geist hat uns eins gemacht. Das war sein erster Schritt auf dem Weg zum Ziel. Deshalb: Lasst uns sorgsam damit umgehen. Was Gott uns geschenkt hat, das wollen wir pflegen. Leben wir so, dass unser Alltag nicht im Widerspruch steht zu dem, was Gott in uns getan hat.
Wenn die Gemeinde ein Leib ist, dann hat jeder eine Aufgabe. Auch du. Du bist nicht zu vergleichen, du bist nicht zu ersetzen – sondern du bist gemacht für mehr: Mehr als Zuschauer, mehr als Mitläufer. Du bist begabt – und diese Gaben dienen dem Aufbau der Gemeinde.
Bist du bereit, deine Rolle zu entdecken?

Teil 3: Beschenkt, um aufzubauen

Nachdem Paulus von Einheit spricht, macht er deutlich: Einheit bedeutet nicht Einheitsbrei. Denn Gott hat uns ganz unterschiedlich begabt – mit Absicht!
„Jedem Einzelnen von uns aber ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe Christi.“ (Vers 7)
Du hast etwas bekommen – von Christus persönlich!
Du bist nicht nur berufen, du bist auch beschenkt. Und diese Gaben sind nicht für dein eigenes Prestige, sondern dienen einem größeren Ziel: den Aufbau der Gemeinde.
„Er hat einige als Apostel eingesetzt, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer.“ (Eph 4,11)
Und weil Paulus hier von verschiedenen Diensten spricht – Apostel Lehrer Hirten – müssen wir kurz innehalten: Das ist keine geistliche Hierarchie! Dieser Dienste sind nicht dazu da, um sich über andere zu erheben, sondern um Menschen zuzurüsten, freizusetzen, ermutigend zu begleiten.
Aber genau hier sehe ich eine Gefahr: Es gibt leider geistliche Bewegungen und Strömungen, wo Menschen einfach jemanden folgen, ohne zu prüfen, ohne zu hinterfragen, wo „der Mann Gottes“ oder „die Gesalbte“ alles her hat – und die Gemeinde wird passiv, abhängig, vielleicht sogar manipulierbar.
Doch das ist nicht der Weg Jesu. Echte geistliche Leiterschaft macht Menschen mündig, nicht abhängig. Sie befähigt zur Mitarbeit – nicht zur Zuschauerrolle.
Hinter den genannten Diensten stehen Prinzipien:
Es gibt Menschen, die senden (apostolisch),
Menschen, die Orientierung geben (prophetisch),
Menschen, die das Evangelium weitersagen (evangelistisch),
Menschen, die begleiten (hirtenhaft),
Menschen, die lehren und erklären (lehrend).
Vielleicht erkennst du dich in einem dieser Bilder wieder? Der Leib Christi besteht aus so unterschiedlichen Gaben.
Wenn du eine Schulter bist, musst du nicht wie ein Knöchel funktionieren. Niemand vergleicht seinen Ellbogen mit seinem Herzen und sagt: „Warum pumpst du kein Blut?“ Jeder Teil ist einzigartig und lebenswichtig. Du bist ein Teil – und ohne dich fehlt etwas.
Wozu das Ganze?
„Damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden.“ (Eph 4,12)
Gaben sind keine Auszeichnung, sondern Werkzeug. Gott stattet uns aus, damit wir einander dienen und gemeinsam wachsen.
Das Ziel?
„Bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zum vollkommenen Menschen, zum vollen Maß der Fülle Christi.“ (Eph 4,13)
Das bedeutet:
Es geht nicht nur um mich, sondern um uns.
Es geht nicht um Performance, sondern um geistliche Reife.
Es geht nicht um Selbstverwirklichung, sondern um Christusähnlichkeit.

Teil 4: Wachsen in Liebe

Zum Schluss ruft Paulus zu etwas auf:
„Lasst uns aber, wahrhaftig in der Liebe, in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus.“ (Eph 4,15)
Paulus bringt es hier auf den Punkt: Wachsen heißt nicht nur reifer werden – wachsen heißt: Christus ähnlicher werden. Er sagt: „Hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist.“ Das ist das Ziel. Nicht irgendein religiöses Theater, nicht irgendein Gemeindeprogrammen, sondern Jesus. Und wie wachsen wir hinzu zu ihm? Nicht durch Druck, sondern durch Wahrheit in Liebe.
Gemeinde ist ein Ort, wo:
Wahrheit gesprochen wird – aber in Liebe.
Menschen sich entwickeln – nicht gedrängt, sondern ermutigt.
Christus sichtbar wird – durch jeden Einzelnen.
„Aus ihm wird der ganze Leib zusammengefügt … und wächst in der Liebe.“ (Vers 16)
Du bist gemacht für mehr – weil:
Du berufen bist, würdig zu leben (V. 1).
Du Teil eines Leibes bist, der zur Einheit berufen ist (V. 3–6).
Du begabt bist, um aufzubauen (V. 7–12).
Du mitwachsen sollst zur Reife in Christus (V. 13–16).

Teil 5: Dein „Mehr“ beginnt genau hier

Jetzt kommt alles zusammen.
Paulus hat uns gezeigt:
Du bist berufen – nicht irgendwann, sondern heute.
Du bist Teil eines Ganzen – wertvoll und gebraucht.
Du bist beschenkt – mit Gaben, die nicht nur für dich sind.
Du bist eingeladen zu wachsen – nicht allein, sondern in einer geistlichen Familie.
Und jetzt?
Was heißt das für dich heute?
Vielleicht denkst du:
„Ich weiß gar nicht, was meine Gabe ist.“ Oder: „Ich fühle mich eher wie ein Zuschauer – nicht wie ein Mitspieler.“
Dann ist die gute Nachricht:
Christus hat dir etwas gegeben. Und er will dich da hineinführen. Schritt für Schritt.
Dein „gemacht für mehr“ heißt nicht, dass du alles können musst. Es heißt, dass du bereit bist, Gott zu vertrauen, dich einzubringen und Gemeinde nicht als Ort, sondern als Miteinander zu leben.
Ganz praktisch: Drei Schritte
1. Bete: „Herr, zeig mir, wo und wie du mich gebrauchen willst.“
2. Sprich mit jemandem aus der Gemeinde oder dem Leitungsteam.
3. Mach einen ersten kleinen Schritt – vielleicht im Gebet, im Gespräch, im Dienen.

Einladung zum Gebet

„Herr, du hast mich berufen. Du hast mich begabt. Hilf mir, meinen Platz in deinem Leib zu finden. Mach mich bereit, in Liebe zu wachsen, und deinen Leib mit aufzubauen. Amen.“

Letzter Gedanke

Du bist gemacht für mehr – nicht im Sinne von „mehr leisten“, sondern im Sinne von „mehr leben“: Mehr in Einheit. Mehr in Hingabe. Mehr in Christus.
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